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EINLEITUNG


Mein Dank gilt Tonio Hölscher, der mich in einer Email vom 1. Januar 2026 gefragt hat, ob ich mich jemals mit dem Marmorrelief im Pergamonmuseum (hier Abb. 1; Taf. 53-55) beschäftigt hätte.

Ich habe daraufhin meinen Text Häuber 1998, in dem ich das getan habe, selbst noch einmal gelesen, und wir haben ihn auf unserem Webserver publiziert, a), um die dazugehörigen Illustrationen größer abzubilden, als es in dieser Erstpublikation geschehen ist; b), weil Franz Xaver Schütz beschlossen hat, diesem Text einen eigenen Beitrag hinzuzufügen: "Mit Kybele von Pessinus nach Rom - eine topographische Übersichtskarte" (2026), mit einer Karte, mit deren Hilfe man nachvollziehen kann, dass die römische Gesandtschaft(en) in den Jahren 205 oder 204 v. Chr. für diesen Kulttransfer von Pessinus nach Rom sehr weite Wege von Rom nach Delphi, nach Pergamon und Pessinus (und wieder nach Rom) zurücklegen musste(n), und c), um meinen beiden Texten das hier folgende Update hinzuzufügen.

Zu der oben angegebenen Datierung des dargestellten Geschehens ist zu bemerken, dass bei Livius (29.10.4: 205 v. Chr.) die Vorgeschichte dazu bereits im Jahre 205 v. Chr. beginnt; Patrizio Pensabene ("Magna Mater, Aedes", in: LTUR III [1996] p. 206) und andere Gelehrte datieren auch den Kulttransfer der Göttin Kybele von Pessinus nach Rom ins Jahr 205 v. Chr., während Mary Beard et al. (1998 II, pp. 43-46, sowie I, 91f., pp. 96-98, 197-198, Map 1, no. 13) und weitere Autoren diesen Kulttransfer erst für das Jahr 204 v. Chr. annehmen.

Erich Gruen (1990, p. 6) ist dagegen der Auffassung, dass dieser Kulttransfer von 205-204 v. Chr. angedauert habe.

Wenn man bedenkt, dass die Ankunft des Kultbildes der Mater Idaea/ Kybele aus Pessinus in Rom an einem 4. April (offenbar 204 v. Chr.) stattgefunden hatte, halte ich Gruens Auffassung für sehr vernünftig. Vergleiche für dieses bedeutende Ereignis, zu dessen Erinnerung alljährlich auf dem Palatin die Megalesia zu Ehren der Göttin gefeiert wurden: Paolo Liverani (2025, p. 177), den ich unten, in Punkt 10.) dieses Updates, wörtlich zitiert habe.

Bereits am 6. März 2026 war ich dann der (irrtümlichen) Überzeugung, dieses Update in wenigen Tagen abschliessen zu können, als mich Hans Rupprecht Goette per Email auf den Katalog der Ausstellung im Colosseum in Rom von Alfonsina Russo et al. (2025: Magna Mater tra Roma e Zama) hingewiesen hat, wofür ich ihm sehr dankbar bin; wie wir im Folgenden sehen werden, habe ich in den Beiträgen zu diesem Katalog vieles gefunden, was mir zuvor unbekannt gewesen ist.

Hoch ist hier ausserdem die Bayerische Staatsbibliothek in München zu loben, die mir diesen Katalog per Fernleihe besorgt hat, und die mir überdies, wie schon seit Jahren, viele Publikationen aus ihren eigenen Beständen, die im Folgenden diskutiert werden, zur Verfügung stellte.


Die Themen dieses Update habe ich wegen der besseren Übersichtlichkeit fortlaufend numeriert; diese Abschnitte nenne ich Punkt 1.) bis Punkt 10.)


Aber ehe ich mit der Diskussion dieser neuen Erkenntnisse beginne, möchte ich noch einiges mitteilen, was in diesen beiden Texten (Häuber 2026a und Häuber 2026b) bislang nicht erwähnt worden ist.

Die drei Fragmente dieses Marmorreliefs im Pergamonmuseum (hier Abb. 1; Taf. 53-55) konnte ich zum ersten Mal am 26.11.1987 eingehend studieren. Weil sie "vom Esquilin" stammen, hatte ich Huberta Heres vom Pergamonmuseum vor meinem Besuch darum gebeten, auch diese Fragmente besichtigen zu dürfen; sie befanden sich damals in demselben Magazin, in dem auch ein Fund aus den Horti des Maecenas aufbewahrt wurde, für dessen Studium und Publikation in meiner Dissertation mir Frau Heres freundlicherweise bereits vorab die Genehmigungen erteilt hatte. Vergleiche Häuber (1991, S. 112, 254, Pergamonmuseum, Inv. Nr. SK 604); vergleiche S. 254, Katalog der Statuen aus den Horti Maecenatis "99. Kopf von einer archaistischen Mänadenherme aus derselben Serie wie Kat. 95-98".

Vergleiche R.C. Häuber, Horti Romani. Die Horti Maecenatis und die Horti Lamiani auf dem Esquilin. Geschichte, Topographie, Statuenfunde (Diss. Köln 1986) Köln 1991.

Online at: <https://FORTVNA-research.org/texte/haeuber_1991.html>.

Vor Begeisterung über dieses Marmorrelief (hier Abb. 1; Taf. 53-55) habe ich anschließend an meine erste Besichtigung sehr fröhlich mit den beiden Restauratoren, die mich zu ihm begleitet hatten, im Café des Pergamonmuseums meinen Geburtstag gefeiert.

Frau Heres konnte mir bei dieser Gelegenheit die gewünschte Publikationsgenehmigung für dieses Marmorrelief leider nicht erteilen, mit dem Argument, dass kurz vor mir German Hafner (1911-2008), der früher Professor an der Universität Mainz gewesen war, diesen Fries untersucht hatte: Deshalb sei zunächst einmal dessen Publikation abzuwarten.

Vergleiche German Hafner ("Die Ankunft des Asklepios-Schiffes in Ostia (292 v.u.Z. [vor unserer Zeit]), FuB [Forschungen und Berichte, Staatliche Museen zu Berlin], 1990).

Frau Heres hat mich bei meinen Forschungen zu diesem Relief sehr unterstützt, und einen wichtigen Beitrag zu meiner Interpretation beigesteuert (vergleiche Häuber 1998, S. 686, Text zu Anm. 59). Außerdem hat sie auf meinen Wunsch hin mehrere Neuaufnahmen von Details des Reliefs in Auftrag gegeben, die ich 1998 erwerben konnte, zusammen mit den Aufnahmen, die für German Hafner angefertigt worden waren. Für meine Publikation 1998 habe ich aber nur einige dieser älteren Photographien des Museums ausgewählt (vergleiche hier Taf. 53-55); eine dieser für mich angefertigten Neuaufnahmen (die Füsse des linken Römers auf Fragment b) publizieren wir jetzt erstmals in diesem Update; siehe unten, zu Punkt 10.).

Außerdem konnte ich das Relief nochmals am 20.11.1997, am 28.2.1999 und am 22.2.2001 studieren.

Diese beiden späteren Untersuchungen des Frieses hingen damit zusammen, dass ich nach dem Beitrag (1998) noch einen `richtigen Aufsatz´ geplant hatte. Bezüglich dieses Vorhabens hatte mich Wolf-Dieter Heilmeyer sehr ermutigt, der mir brieflich (am 12. März 1999) vorgeschlagen hat, diesen Aufsatz dann im `Jahrbuch der Berliner Museen´ zu veröffentlichen; mit ihm hatte ich auch besprochen, dass ich mir für diesen "richtigen Aufsatz" neue Aufnahmen der Fragmente wünschte, auf denen man die vielen Details des Reliefs besser erkennen könnte.

Außerdem hatte ich zu den 25 Sonderdrucken meines Beitrags (1998), die ich kostenlos erhalten hatte, weitere 100 (kostenpflichtige) bei der Joachim Jungius-Gesellschaft bestellt und alle diese Sonderdrucke an Freunde und mir bekannte Gelehrte geschickt; viele von ihnen haben mich bezüglich meiner Interpretation des Frieses bestärkt und im Folgenden werde ich weitere schriftliche Reaktionen dieser Wissenschaftler erwähnen.

Meine gute Freundin Brunilde Sismondo Ridgway (1929-2024; die sich selbst `Bruni´ nannte, und die auch von ihren Freunden so genannt worden ist), die meiner Interpretation des Reliefs gefolgt war, hat sich dazu am ausführlichsten in verschiedenen Emails geäussert. Am 29. März 1999 hatte mir Bruni Ridgway ebenfalls dazu geraten, einen längeren Aufsatz darüber zu schreiben, unter anderem, um meine Illustrationen größer abzubilden, weil in der 1998 gedruckten Fassung viele von mir im Text beschriebenen Details auf den sehr kleinen Abbildungen kaum erkennbar seien.

Im Nachhinein bin ich froh, dass ich damals für das Verfassen eines entsprechenden Manuskripts keine Zeit gefunden hatte, denn die neuen Forschungsergebnisse zum Esquilin, die in diesem Update zusammengefasst sind, waren mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt, geschweige denn die neuen Erkenntnisse zu Pessinus, die hier ebenfalls vorgestellt werden.

Die zweite Geschichte, die ich nachtragen möchte, habe ist erst jetzt in den Unterlagen zu meiner Publikation (Häuber 1998) wiederentdeckt: Ich hatte die Ergebnisse meiner Recherchen zu diesem Text häufig mit meiner guten Freundin Gisela Hellenkemper Salies diskutiert (1944-1999; Redaktion Bonner Jahrbücher): Jetzt habe ich einen Brief von ihr gefunden, in dem sie mir wunschgemäß die Adresse von Olaf Höckmann (1935-2023) in Mainz mitteilte, von dem ich wußte, dass er ein bedeutender Kenner antiker Schiffstypen war.

Wie in meinem Text (Häuber 1998) über den Kulttransfer der Göttin Kybele deutlich wird (siehe S. 677, Anm. 1, S. 678, Anm. 4, S. 679, Anm. 12, und S. 681, mit Anm. 27), war Olaf Höckmann dann so freundlich gewesen, mir alle meine Fragen zu den auf Fragment a des Marmorreliefs sichtbaren Schiffen (hier Abb. 11; Taf. 53) sehr ausführlich zu beantworten, Herr Höckmann hat mir ausserdem viele seiner diesbezüglichen Publikationen geschenkt.

Wobei man an meinem Text (Häuber 1998) sieht, dass sich Olaf Höckmanns Erkenntnisse zu diesen beiden Flussbooten auf Fragment a (hier Abb. 1; Taf. 53) als ganz entscheidend für meinen Vorschlag herausstellen sollten, was dieses Marmorrelief denn eigentlich dargestellt hat.

Im Text "Mater Magna" (Häuber 2026b, Anm. 21) werden außerdem Höckmanns Forschungen (1997) zu dem Schiff der Kybele erwähnt, das auf dem `Altar der Mater Deum und der Navisalvia´ erscheint (siehe dazu unten, in Punkt 7.) und Punkt 9.) in diesem Update): Auf diesem Altar ist das Schiff der Kybele dargestellt, mit dem das Kultbild der Göttin im Jahre 205 oder 204 v. Chr. nach Rom transportiert worden ist.


Wenden wir uns nun den angekündigten Punkten 1.) bis 10.) dieses Updates zu:



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