2.) meine Datierung dieses römischen Marmorreliefs in Berlin (hier Abb. 1; Taf. 53-55) in augusteische Zeit

Die Fachwissenschaftler, deren Publikationen ich in meinem Text (Häuber 1998; vergleiche S. 678, Anm. 4, 681, Anm. 24, S. 683, Anm. 42, S. 684, Anm. 48 50 und 51) zu diesem Thema diskutiere, beziehungsweise, die ich brieflich um Rat gefragt hatte, datieren dieses Relief (hier Abb. 1; Taf. 53-55) unterschiedlich (hellenistisch, spätrepublikanisch, augusteisch. Olaf Höckmann (siehe Häuber 1998, S. 678, Anm. 4), datierte die dargestellten Flussboote ins 1. Jh. n. Chr. - was meine augusteische Datierung des Reliefs ja nicht widerlegt.

Volker Michael Strocka (1940-2024) datierte dieses Relief dagegen früher als ich und ist auch meiner Interpretation des Frieses nicht gefolgt; er schrieb mir am 30. Juni 1999 folgenden Brief:

"Liebe Frau Dr. Häuber,

... Die beiden Sonderdrucke habe ich mit großem Interesse gelesen, zumal ich schon in früheren Jahren immer wieder an dem Berliner Marmorrelief herumgerätselt habe, ohne eine Lösung finden zu können. Von der Ihren bin ich freilich auch noch nicht ganz überzeugt. Abgesehen von der Deutung, macht mir auch der Gehrungsschnitt Probleme, da er bedeuten würde, daß ein fortlaufendes Relief um 90 Grad umbiegt. Haben Sie dafür eine Parallele? Ich finde auch eine augusteische Datierung einfach zu spät. Ein Schiffstyp und sein angebliches Vorkommen können doch unmöglich so entschieden datieren. Vielleicht finden Sie bei Ihren Esquilin-Forschungen eines Tages doch noch weitere Fragmente!

... Alles Gute jedenfalls für Ihre interessante Kombination von Informationswissenschaft und Archäologie!

Mit herzlichen Grüßen

Ihr V.M. Strocka".

Zu dem, was mir Volker Michael Strocka damals geschrieben hat, muss ich nach 27 Jahren weiterer Forschung über den Esquilin leider mitteilen, dass ich inzwischen keine zusätzlichen Fragmente des Berliner Reliefs gefunden habe (!).

Da sich Herr Strocka in seinem Brief aber ausserdem zu meiner Beobachtung geäussert hatte, dass Fragment a (hier Abb. 1; Taf. 53, 1) an seiner linken Kante auf Gehrung geschnitten sei, habe ich das Relief am 22. Februar 2001 daraufhin nochmals untersucht: Es ist an seiner linken Kante tatsächlich auf Gehrung geschnitten (das ist auf Abb. 1 und auf Taf. 53,1 auch sichtbar); Brüche dieses Reliefs sehen ganz anders aus, wie man an Fragment c, bei Untersuchung des Originals (vergleiche hier Abb. 1, Taf. 55, 1.2), detailliert beobachten kann. Mein Dank gilt Andreas Scholl, der mir an diesem Tag freundlicherweise das Relief zugänglich gemacht hatte, sowie ihm und Franz Xaver Schütz dafür, dass sie mich beide zu dem Relief begleitet haben.

Im Übrigen steht bereits in der Publikation: Königliche Museen zu Berlin, Beschreibung der Antiken Skulpturen (Berlin 1891) Kat. Nr. 955 (vergleiche Häuber 1998, S. 677, Anm. 2): "Das Relief gehörte, wie der Schnitt des Fragments a auf Gehrung zeigt, zur Innenausstattung eines rechteckigen Raumes [Hervorhebung von mir]" (!).

Ich selbst bin, wie gesagt, den Gelehrten gefolgt, die das Relief für augusteisch halten. German Hafner (1990, S. 70) datierte das Relief: "spätestens augusteisch".

Erst jetzt ist mir aufgefallen, dass das Relief statt dessen "frühestens augusteisch" datiert werden muss: Denn die Verwendung von Marmor für Skulpturen wird in Rom erst in augusteischer Zeit üblich (!);



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