Vorbemerkung von Chrystina Häuber:

Dieser 1998 erstmals publizierte Text wurde für diese Internetfassung korrigiert; die Korrekturen sind in eckige Klammern gesetzt.

Originalpublikation:

Chrystina Häuber, Der Aufbruch der Göttin Kybele in Pessinus? Zu einem römischen Marmorrelief im Pergamonmuseum Berlin, in: R. Rolle und K. Schmidt (Hrsg.), Archäologische Studien in Kontaktzonen der antiken Welt (Göttingen 1998) 677-688, Abb. 1, Taf. 53-55. Siehe auch unten, mein Update dieses Textes vom Februar 2026, sowie den Kartenbeitrag von Franz Xaver Schütz.

Bei meinen Recherchen für dieses Update habe ich das unveröffentlichte Manuskript "Mater Magna (Quellen zum Relief Sk 955 im Pergamonmuseum)" vom 17. September 1998 wiedergefunden, das ich hier ebenfalls publiziere. Dieses Manuskript hatte ich vor dem hier veröffentlichten Text verfasst. Der Text "Mater Magna" ist der `Vorgeschichte´ dessen gewidmet, was die Berliner Fragmenten darstellen, und in der geschildert wird, wie den Römern die Erfüllung ihrer Bitte gelungen ist, die Voraussetzung dafür war, ihren Feind Karthago besiegen zu können: Die Römer hatten nämlich die Weissagung erhalten, dass sie zu diesem Zweck die Göttin Kybele nach Rom bringen müssten.Aus diesem Grund ist eine Delegation der Römer nach Delphi gereist, um den Rat der Pythia einzuholen, hat daraufhin den König Attalos von Pergamon aufgesucht, und hat sich dann, zusammen mit Attalos, nach Pessinus in Phrygien, zum Tempel der Kybele begeben. Attalos hat für die Erfüllung der Bitte der Römer gesorgt: `Die Göttin Kybele ist tatsächlich aus ihrem Tempel in Pessinus aufgebrochen´, um, begleitet von ihrem Kultpersonal, mit dieser Delegation nach Rom zu reisen. Mein Update bezieht sich auf diese beiden Texte.

Chrystina Häuber

Der Aufbruch der Göttin Kybele in Pessinus ?

Zu einem römischen Marmorrelief im Pergamonmuseum Berlin 1
(hier Abb. 1; Taf. 53-55)


Die hier vorgestellten Bruchstücke eines sehr qualitätvollen römischen Marmorreliefs2 haben zu einem ehemals farbig gefaßten Fries gehört, der den Innenraum eines Gebäudes auf dem Esquilin dekorierte. Da die Fragmente an keiner Stelle aneinanderpassen, läßt sich die Länge des Frieses nicht schätzen, und da nur Teile seiner Unterkante erhalten sind, können wir ebensowenig seine ursprüngliche Höhe exakt bestimmen. Die auf Gehrung geschnittene linke Kante von Fragment a (Abb. 1; Taf. 53,1)3 befand sich an einer Wand dieses Raumes ganz links, weshalb sich die Darstellung auf der im rechten Winkel dazu abknickenden Wand fortgesetzt haben muß.

Kybele Pessinus mater magna Abb. 1
Abb. 1: Staatliche Museen zu Berlin. Antikensammlung (Inv. Nr. Sk 955). Römisches Marmorrelief (Umzeichnung).



Kybele Pessinus mater magna Tafel 53-1

Tafel 53,1: Staatliche Museen zu Berlin. Antikensammlung (Inv. Nr. Sk 955 a). Römisches Marmorrelief, Fragment a.

Auf Fragment a (Taf. 53) sind bruchstückhaft zwei zivile Flußboote ohne Oberbau gleicher Bauart mit nach außen herabgebogener Gänsekopf-Heckzier (cheniskos)4 erkennbar, die ruhig in einem seichten Gewässer liegen, das aber, wegen seiner heftig bewegten Wellen, von verschiedenen Kommentatoren für das Meer gehalten worden ist5 . Der Steuermann des hinteren Bootes (Taf. 53,2) ist zwar kleiner proportioniert als die Leute im vorderen, er ist aber dennoch, ebenso wie alle anderen Figuren auf Fragment a, im Verhältnis zu den Fahrzeugen zu groß 6.

Kybele Pessinus mater magna Tafel 53-1

Tafel 53,2: Wie Taf. 53, 1 (Detail). Der Steuermann im hinteren Boot.

Er trägt eine Lederkappe und ein ungegürtetes Gewand mit wolliger Oberfläche (ein Fell?), das mindestens bis zu den Knien herabreichte. In seinem passend zu dieser Kleidung betont unidealisierten Gesicht fallen Vollbart und Hakennase auf. Wie zwei Füße anzeigen, stand auf der Bordwand des vorderen Fahrzeugs ein barfüßiger Mann, der einem zierlichen jungen Mädchen (oder einer jungen Frau) hineingeholfen zu haben scheint, das seitlich vor ihm im flachen Wasser steht, und von dem nur der Unterkörper erhalten blieb. Es ist ebenfalls barfuß und mit Chiton und Himation bekleidet. Hinter ihm sind noch Überreste von zwei weiteren, ebenfalls in Chitone gekleideten, weiblichen Figuren erkennbar. Eine im Wasser stehend zu ergänzende Gestalt reicht der dem Betrachter zugewandten Frau einen nackten Knaben (?) 7 ins erste Boot, der sein Händchen auf ihre linke Schulter legt. K.A. Neugebauer 8, der die Fragmente minutiös beschrieben hat, beobachtete, daß die Frau, die im hinteren Boot steht, und von der mit dem Kind überschnitten wird, zur Rechten gewandt war, weshalb er annahm, daß hier noch mehr Figuren zwischen den Fragmenten a (Taf. 53) und b (Taf. 54) einzufügen sind.

Kybele Pessinus mater magna Tafel 54-1

Tafel 54,1: Staatliche Museen zu Berlin. Antikensammlung (Inv. Nr. Sk 955 b). Römisches Marmorrelief, Fragment b.

Folglich sei der Zwischenraum zwischen diesen gegenüber der älteren Montage der Fragmente
9 zu vergrößern, auch weil sich ansonsten die Felsenformation von Fragment b auf Fragment a fortsetzen müßte (Abb. 1) 10 .

Neugebauer folgte Th. Schreibers 11 zeichnerischer Rekonstruktion der Boote mit einem Bug in Form eines gebogenen Stabes (vgl. [vergleiche] Abb. 1 mit Taf. 54, 2), den beide erschlossen, weil an der linken Bruchkante von Fragment b, unter den überhängenden Felsen, eine derartige Form sichtbar ist, deren gekerbte Oberflächengestaltung aber an eine Naturform denken läßt. Antik sind Boote mit Gänsekopfzier 12 am Heck aber nicht mit diesem gondelartigen Bug belegt, weshalb die stabartige Form auf Fragment b nicht zu den Booten auf Fragment a gehört, und demnach der Zwischenraum zwischen diesen nicht ermittelbar ist und wesentlich größer gewesen sein kann als bisher angenommen wurde.



Kybele Pessinus mater magna Tafel 54-2

Tafel 54,2: Wie Taf. 54, 1 (Details). Die Dreiergruppe und der Römer.

Auf Fragment b (Taf. 54, 1-3) setzen sich, parallel zur Unterkante des Reliefs, die Wellen fort, die jedoch in flacherem Relief gegeben sind als auf Fragment a. Einige Kommentatoren 13 glaubten daher, daß mit ihnen ein Fluß gemeint sei, der in das auf Fragment a sichtbare Meer münde. Bildbeherrschend auf Fragment b ist eine steile, vielgestaltige und vegetationslose Felswand, die im rechten Teil bis nah zum Wasser heranreicht. Dort bildet die Felsformation ein schmales Ufer, an dem ehemals zwei Männer standen, die G. Hafner 14 zurecht als Römer identifiziert hat. Von dem rechten sind nur noch die Füße erkennbar, während der linke fast vollständig erhalten blieb.

Kybele Pessinus mater magna Tafel 54-3

Tafel 54,3: Wie Taf. 54, 1. Detail des Römers.

Er ist jung und bartlos (Taf. 54, 2. 3) und seine Haltung drückt Würde und eine gewisse Spannung aus. Seine Kleidung, Tunica, (republikanische)
toga exigua 15 und calcii patricii 16 , die auch der Römer neben ihm trägt, gibt Hinweise auf seinen Rang und seine zivile Funktion. Neben dem rechts stehenden Römer erhob sich ein Quaderbau, von dem noch vier Steinlagen sichtbar sind (Taf. 54, 1). `Hinter' den beiden Römern, die beide nach rechts blickten, entwickelt sich ein nach links gerichtetes Geschehen, von dem sie keinerlei Notiz zu nehmen scheinen. Hier klettern zwei junge Mädchen (oder Frauen) und ein junger Mann gemeinsam die Felswand herab. Als wäre dies kein halsbrecherisches Unterfangen, sondern das Selbstverständlichste von der Welt, hält der Jüngling [corr.: junge Mann] mit seiner Linken das Mädchen fest, das, den Chiton raffend, bereits zaghaft ins Wasser steigt, und reicht gleichzeitig seine Rechte dem Mädchen, das ihm vorsichtig folgt. Der junge Mann wirkt galant, weil seine Haltung an eine Verbeugung erinnert. Er trägt einen gegürteten Chiton und eine Chlamys, die Mädchen den langen gegürteten Chiton, und das weiter oben befindliche noch zusätzlich das Himation, ganz so wie jenes, das auf Fragment a (Taf. 53, 1) bereits ins vordere Boot steigt. Die Köpfe dieser Figuren sind verloren, da aber entsprechende Reste fehlen, trugen die sehr anmutigen Frauengestalten offenbar kein langes, offenes Haar. Über diesen drei jugendlichen, griechisch gekleideten, Gestalten liegt ein ganz eigentümlicher Zauber 17 , der sie ebenfalls von dem sachlich und nüchtern wirkenden Römer neben ihnen unterscheidet. Zwischen dem weiter oben befindlichen Mädchen und dem Jüngling [corr.: jungen Mann] haben sich am oberen Bruchrand des Fragmentes b zwei Kinderfüßchen 18 erhalten, vor der rechten Hand dieses Mädchens der linke Fuß eines stehenden Mannes 19 , und hinter dem kletternden Jüngling [corr.: jungen Mann], auf der Höhe seiner Schultern, ein weiterer männlicher Fuß (Taf. 54, 2) 20 . Keine dieser Gestalten trägt Schuhwerk. Da der zuletzt genannte Mann aufrecht stand, sind an dieser Stelle vermutlich noch 30 cm Reliefhöhe zu ergänzen 21 , der Fries war somit mindestens 83 Zentimeter hoch.

Die Felswand reicht auf der linken Seite von Fragment b nicht bis zum Wasser, sondern bildet einen weiten Bogen. Diese Besonderheit der Felsformation wurde bereits in der Kurzen Beschreibung 22 als Höhle angesprochen, in der die Boote versteckt zu denken seien. Diese Interpretation folgt der von R. Kekule 23 geäußerten Vorstellung, daß es sich bei den die Felswand herabkletternden, die Boote besteigenden, Leuten um Flüchtlinge handeln müsse. Den rechts stehenden Römer (die Füße des zweiten übersah er wohl) hielt er wie alle Kommentatoren vor Hafner für einen Griechen, und glaubte in ihm den Dichter oder Historiker zu erkennen, der, gleichsam von seinem Werk hinterfangen, dargestellt sei. D.E. Strong 24 erweiterte diese Deutung und sprach von einer " ... escape by sea from a captured city". Nun hat zwar Hafner 25 inzwischen treffend bemerkt, daß sich die soeben betrachteten Gestalten "eher feierlich", und `wie im tiefstem Frieden´ bewegen. Außerdem haben sie, wie er 26 hinzufügt, keinerlei Gepäck bei sich. Daß aber die beiden (oder ehemals zahlreicheren) Boote für eine eilige Flucht doch wohl zunächst mit dem Bug in die Gegenrichtung gedreht werden müßten, ist bislang noch niemandem aufgefallen. m.E. [meines Erachtens] ist aufgrund der Ausrichtung der Boote auf das Ufer erwägenswert, daß sie gekommen sind, um die Leute abzuholen. Aufgrund der kontinuierenden Darstellungsweise 27 wirken nun die beiden, in Wahrheit zeitlich getrennten, Ereignisse wie ein einziger Vorgang.



Kybele Pessinus mater magna Tafel 55-1

Tafel 55, 1: Staatliche Museen zu Berlin. Antikensammlung (Inv. Nr. Sk 955 c). Römisches Marmorrelief, Fragment c.

Fragment c (Taf. 55) zeigt eine Menschenmenge. Die Figuren sind kleiner proportioniert als die auf Fragment b und die vorderen auf Fragment a, weshalb offenbar der Künstler, wie schon am Steuermann des hinteren Bootes auf Fragment a beobachtet, mit perspektivischen Mitteln arbeitet. Folglich wurde bei der Montage der Bruchstücke, Fragment c zurecht höher angeordnet als die beiden Fragmente a und b (Abb. 1). Zunächst war Fragment c mit Bezug auf die auf Fragment b erkennbare Architektur montiert worden, weil man 28 wohl die beiden zwischen den drei weiblichen Gestalten in der ersten Reihe der Menschenmenge sichtbaren Architekturelemente (Abb. 1; Taf. 55, 1) für die Zinnen 29 des auf Fragment b sichtbaren Quaderbaus hielt. Schreiber (s.[iehe] hier Abb. 1) 30 rückte Fragment c weiter nach rechts, und Neugebauer31, der ebenfalls eine Verbindung der Zinnen mit dem Quaderbau ablehnte, postulierte noch über dem Fragment c einen weiteren Streifen des Frieses, weil sich dort, links von der erhaltenen Menschenmenge, eine Gestalt befunden haben müsse, zu der seiner Ansicht nach einige der Leute aufschauen. Diese habe inhaltlich und formal das Zentrum der gesamten Darstellung beansprucht.

Bislang konnte für die auf Fragment c sichtbare Szene keine schlüssige Erklärung gegeben werden. Hier stehen Soldaten und Frauen dicht gedrängt zusammen, wobei die ruhig stehenden Männer unbeirrt nach vorn blicken, während hinter ihnen junge Mädchen und Frauen aufgeregt gestikulieren. Diese tragen gegürtete Chitone, die Mädchen offenes Haar und die Frau in der vorderen Reihe eine zum Kopftuch gebundene Mitra 32. Sie legen ihre Rechte auf die Schultern der vor ihnen Stehenden oder auf die Schilde der Soldaten, und strecken ihre Linke in einer flehenden Geste aus. m.E. wird hier aber nicht, wie in der älteren Literatur33 behauptet, eine existentiell bedrohliche Situation geschildert. Wie mir scheint, wollen die Frauen die Reihen der Soldaten durchbrechen, oder wenigstens einen Blick auf das erhaschen34 , was sich offenbar links von Fragment c abgespielt haben muß.

Für die Beurteilung der Situation sind auch Position und Anzahl der beiden zwischen den Soldaten und dem ersten Mädchen ganz links sichtbaren Rundschilde von Bedeutung. Der vordere Schild gehört zu dem zweiten Soldaten mit pseudokorinthischem Helm (mit gewellter Krempe in Ohrenhöhe)35 , der ihn offenbar so weit anhebt, daß dieses Mädchen nichts sehen kann. Den hinteren Schild hält ein Soldat, der eine Mischform aus tiaraartigem und pseudoattischem Helm mit Helmbusch trägt36 . Wegen seines fragmentarischen Zustands hielt Neugebauer diesen Soldaten für ein nach oben blickendes Mädchen37 . Der linke der beiden Soldaten mit pseudokorinthischem Helm hat kurze Locken und stützt sich mit der Rechten auf die Lanze (Taf. 55, 2)38 . Demnach rechnet er wohl mit einer längeren Wartezeit.

Kybele Pessinus mater magna Tafel 55-2

Tafel 55, 2: Wie Taf. 55, 1. Menschenmenge.

Der Helm des ganz links erkennbaren Soldaten läßt sich als pseudoattisch
39 bestimmen. Alle vier Helmformen kommen auf pergamenischen Kunstwerken vor40 . Die Soldaten sind jung und bartlos, und, ebenso wie die weiblichen Figuren, idealisiert dargestellt.

Neugebauer41 beschrieb am spitzen Winkel, mit dem Fragment c rechts endet, die acht Millimeter tiefe Fläche einer senkrechten Kante (Abb. 1; Taf. 55). Vielleicht war die Darstellung an dieser Stelle von einem Architekturglied unterbrochen, wie sie für gemalte Friese des zweiten Stils typisch sind, mit denen auch Neugebauer42 das Relief verglich. Wenn diese Annahme korrekt sein sollte, dann handelt es sich bei den drei Fragmenten um Bruchstücke von Reliefplatten, aus denen der Fries ursprünglich zusammengesetzt war, deren Gesamtzahl sich aber leider nicht bestimmen läßt.

Hafner verkennt bei seiner Deutung des Reliefs als `Ankunft des Asklepiosschiffs in Ostia', daß der Steuermann im hinteren Boot auf Fragment a (Taf. 53, 2) wegen seiner Barttracht kein Römer43 sein kann, möglicherweise sprechen auch seine Gesichtszüge und die Kleidung dagegen. Außerdem ist er wie sein Pendant im vorderen Boot (Taf. 53, 1) barfuß zu denken. Desgleichen sind, wegen ihrer griechischen Kleidung, weder die den Booten zuströmenden Leute, noch die der Menschenmenge, Römer (Taf. 53-55). Hafner44 hält wegen der Anwesenheit der beiden unbezweifelbaren Römer (Taf. 54, 1), die seiner Ansicht nach Konsuln (Taf. 54, 3)45 sind, seiner Vorstellung, daß mit der Landschaft eine Flußmündung ins Meer gemeint sei, und schließlich aufgrund des Vorhandenseins eines `Turmes', das Lokal für die Tibermündung bei Ostia. Seiner Ansicht nach ist daher in den dargestellten Gestalten das Volk von Rom zu erkennen (laut Ovid, met. 15.727ff. Mütter, Väter und Vestalinnen)46 , das während der Pest im Jahre 292 v. Chr. nach Ostia, dem Gott Asklepios entgegen, zog, und das, nach Ansicht Hafners, auf diesem Relief sowohl dem Gott als auch den Konsuln zujubelt. Wobei er in den Zinnen47 auf Fragment c (Abb. 1; Taf. 55, 1) die bei Ovid beschriebenen "knisternden Altäre" erkennen will, auf denen Weihrauchopfer brannten.

Neben den oben bereits aufgezählten Gründen überzeugt Hafners Deutung aber auch deshalb nicht, weil die Tibermündung keine vegetationslose Steilküste aufweist, und die Altäre (selbst wenn es sich um solche handeln sollte), wie Ovid (met. 15.734) ausdrücklich sagt, entlang des Tiberufers aufgestellt waren. Hafner48 , der aufgrund der von ihm vorgeschlagenen Deutung das Relief `spätestens augusteisch' datiert, macht aber auch den sehr erwägenswerten Vorschlag, daß als Auftraggeber des Frieses Nachfahren der dargestellten Römer in Frage kommen. Daß die Szenen in der Vergangenheit spielen, zeigen die toga exigua des Römers auf Fragment b sowie seine `hellenistische' Haartracht (Taf. 54, 2.3)49 . Seine gelängten Proportionen mit hochgerutschter Taille, die ganz entsprechend bei den Figuren der Dreiergruppe auf Fragment b wiederkehren, geben dagegen einen Hinweis auf die Entstehungszeit des Reliefs50 .

Fassen wir die oben aufgezählten Beobachtungen zusammen, dann zeigen die Fragmente folgendes: In Gegenwart von (mindestens) zwei römischen Patriziern klettern griechisch gekleidete Männer, Frauen und (mindestens zwei) Kinder eine steile Felswand herab. Sie begeben sich in seltsam getragen wirkender Stimmung51 zu Flußbooten, die gekommen sind, um sie abzuholen. Der Steuermann des hinteren Bootes ist möglicherweise weder Römer noch Grieche und die Boote zeigen an, daß es sich bei dem Gewässer um einen Fluß handelt, der demnach durch ein Tal mit steilen Felswänden fließt. Über der Anlegestelle am Fluß befindet sich eine Stadt, aus der die auf den Fragmenten a und b dargestellten Leute herabgestiegen sind, und in der sich eine Menschenmenge versammelt hat, von der Fragment c einen Ausschnitt zeigt (Taf. 55). Die darauf sichtbaren Soldaten tragen griechische Helme, die Frauen griechische Kleidung.

Ich vermute daher, daß die beiden Römer in besonderer, ziviler Mission mit den Booten gekommen sind, um in einem fremden Land, in einer Stadt, die in einer kargen Felslandschaft über einem engen Flußtal liegt, etwas abzuholen. Dieser Vorgang versetzt einzelne Bewohner in helle Aufregung, andere schließen sich den Römern freiwillig an. Sollte diese Interpretation korrekt sein, dann kommt als Sujet der Darstellung `der Aufbruch der Kybele in Pessinus' in Frage. Und zwar in der Fassung der Legende, die Livius (29.10.4-11.8; 14.6-12)52 überliefert hat, in der König Attalos von Pergamon die Gesandten aus Rom nach Pessinus begleitet, wo sie aus seinen Händen das Kultbild der Göttin empfangen. Die von Ovid (fast. 4.265ff.)53 erzählte Version bietet weitere, eventuell bei der Gestaltung des Reliefs berücksichtigte, Einzelheiten: "Rom schickt Patrizier hin. Doch Attalus, Phrygiens König, schlägt den Ausoniern ab, was sie erbitten von ihm. Wunder berichte ich jetzt: denn grollend erbebte die Erde. Drohend aus dem Gemach sandte die Göttin den Ruf: König, ich selbst will es so! Entlasse mich ohne zögern! Jegliche Gottheit erwählt Rom sich zum würdigen Ort!" (Hervorhebungen von mir). Auch die von belgischen Ausgräbern erschlossene topographische Lage des Kybeletempels in Pessinus54 , der in beherrschender Lage über dem engen Tal des Flusses gallus erbaut war, paßt zu der auf dem Relief wiedergegebenen Landschaft.

Meine Hypothese geht allerdings nur unter zwei Bedingungen auf: Die erste lautet, daß Attalos mit großem Gefolge dargestellt war, zu dem auch Soldaten gehörten, die auf Fragment c `Spalier stehen'; die zweite, daß sich der Künstler, der das Relief schuf, an griechischen Darstellungen des Kybelekultes orientiert hat. Diese Prämisse vorausgesetzt, könnten mit den Leuten auf den Fragmenten a und b unter anderem Angehörige des sehr zahlreichen männlichen und weiblichen Kultpersonals55 der Göttin gemeint sein, die sie `in feierlichem Zug' nach Rom begleiten. Diese Deutung würde erklären, warum die Frauen und Mädchen der Menschenmenge auf Fragment c ihre Chitone anders tragen (beide Schultern sind bedeckt; Taf. 55) als die beiden Mädchen der Dreiergruppe (Taf. 54, 2)56 auf Fragment b und eine der beiden fragmentarisch erhaltenen Frauen auf Fragment a (Taf. 53, 1), in deren Fall sie, wie bei Aphrodite, von einer Schulter gleiten. Auf einem stadtrömischen Relief57 begegnet die Ikonographie der letztgenannten weiblichen Figuren bei Teilnehmerinnen eines Festzugs der Kybele, die barfuß und im Tanzschritt den Wagen der Göttin begleiten und das Pedum halten. In Griechenland wurde die Göttin Kybele an manchen Orten gemeinsam mit den Nymphen in Höhlen verehrt58 . Zu diesen Kultgemeinschaften konnten außerdem noch der Gott Pan, zu dem das Lagobolon als Attribut gehört, sowie Acheloos zählen. Weshalb die bogenförmige Felsformation59 auf Fragment b, mit dem darunter befindlichen stabartigen, gebogenen Gegenstand (Taf. 54, 2), vielleicht als Überrest einer Höhle mit der Darstellung des Gottes Pan gedeutet werden darf. Andererseits könnte das Pedum aber auch zu einer der den Felsen herabgestiegenen Gestalten gehört haben.

Die detailreiche, und in mehrfacher Hinsicht farbige Schilderung des Geschehens, die einer abwechslungsreichen Dramaturgie zu folgen scheint, und in die die `gesamte Bürgerschaft von Pessinus´ mit einbezogen war, wirkt ein wenig wie die zeichnerischen Entwürfe zu den Inszenierungen der Festspiele von Oberammergau60. Die gewählte Form macht das Geschichtsverständnis des Auftraggebers deutlich, und, falls die hier vorgetragene Deutung zutreffen sollte, ergänzt die Konzeption dieses Frieses auch die Erkenntnisse von Gelehrten, die sich, wie Hans Georg Niemeyer, wissenschaftlich mit den Folgen der Auseinandersetzungen von Rom und Karthago beschäftigen.

Unabhängig von seiner exakten Bedeutung spricht aus dem Relief das Selbstwertgefühl des römischen Adels61 . Kunstwerke wie dieses hätten während einer Generation nicht nur zum Repräsentationsbedürfnis mehrerer Familien gepaßt, sondern innerhalb dieser, jeweils noch zu dem einer Reihe von Personen. Der Eindruck, daß dieses spezielle Relief zu verschiedenen Familiengeschichten62 passen könnte, hängt dagegen mit seinem fragmentarischen Erhaltungszustand zusammen, weshalb wir, umgekehrt, nur vermuten können, daß es sich bei ihm um eine originale, eine individuelle (Familien)geschichte schildernde, Schöpfung gehandelt hat. Aufgrund dieser Sachlage, nur zusätzlich gestützt auf die vage Fundortangabe „Esquilin“, sowie die Prämisse einer Entstehung des Reliefs in augusteischer Zeit, scheint mir daher eine Feststellung, wessen Geschichte gemeint war, vorerst unmöglich. Nur wenn das Funddatum und/oder der Besitzer im Moment der Auffindung bekannt wären63 , ließe sich eventuell nachträglich der Fundort eingrenzen, und, im Idealfall, die ursprüngliche Bestimmung des Reliefs festlegen, vorausgesetzt, man könnte das Relief exakt datieren.

Hafner64 geht von der Deutung des Reliefs und der daraus abgeleiteten Datierung aus, und sucht innerhalb der entsprechenden Adelsfamilien nach potentiellen Auftraggebern. Ich komme auf anderem Wege zu einem ähnlichen Datierungsvorschlag wie er, beziehe aber den Fundort in die Argumentation mit ein. Der sich dabei ergebende Personenkreis ist weiter gesteckt als bei Hafner, weil Stilmerkmale und einzelne Archivalia [corr.: Antiquaria] für eine Entstehung des Reliefs in frühaugusteischer Zeit sprechen, andere hingegen für eine spätere Datierung65 .

Den Personenkreis, der sich mit Kunstwerken wie dem Berliner Relief umgab, kann man sich zum Beispiel bei der Lektüre der Elegie 4.11 des Properz auf Cornelia vergegenwärtigen. Sie schildert `aus dem Grab´ die vornehmen Häuser, aus denen sie abstammt, ist aber innerhalb der Familie der oben erwähnten Scipiones Africani66 leider nicht identifizierbar67 .



TAFELVERZEICHNIS


Taf. 53, 1. Staatliche Museen zu Berlin. Antikensammlung (Inv. Nr. Sk 955 a). Römisches Marmorrelief, Fragment a.

Taf. 53, 2. Wie Taf. 53, 1 (Detail). Der Steuermann im hinteren Boot.

Taf. 54, 1. Staatliche Museen zu Berlin. Antikensammlung (Inv. Nr. Sk 955 b). Römisches Marmorrelief, Fragment b.

Taf. 54, 2. Wie Taf. 54, 1 (Details). Die Dreiergruppe und der Römer.

Taf. 54, 3. Wie Taf. 54, 1. Detail des Römers.

Taf. 55, 1. Staatliche Museen zu Berlin. Antikensammlung (Inv. Nr. Sk 955 c). Römisches Marmorrelief, Fragment c.

Taf. 55, 2. Wie Taf. 55, 1. Menschenmenge.


B I L D N A C H W E I S


Abb. 1. Aus: Th. Schreiber, Die hellenistischen Reliefbilder (Leipzig 1894) Taf. 90. Taf. 53, 1.2: Staatliche Museen zu Berlin. Preußischer Kulturbesitz (Inv. Nr. Sk 955 a). Neg.-Nr. N 1; N 3. Photos: Johannes Laurentius. Taf. 54, 1.3: Staatliche Museen zu Berlin. Preußischer Kulturbesitz (Inv. Nr. Sk 955 b). Neg.-Nr. N 1; N 7. Photos: Johannes Laurentius. Taf. 55, 1. Staatliche Museen zu Berlin. Preußischer Kulturbesitz (Inv. Nr. Sk 955 c). Neg.-Nr. N 1. Photo: Johannes Laurentius. Taf. 54, 2; 55, 2. Staatliche Museen zu Berlin. Preußischer Kulturbesitz (Inv. Nr. Sk 955). Neg.-Nr. 3183 D; 3185.


Fußnoten (hier als Endnoten)

1 Mein herzlicher Dank gilt folgenden Damen und Herren für Gedankenaustausch und Hilfe vielfältiger Art. Huberta Heres machte mir das hier besprochene, in ihrer Obhut befindliche, Relief zugänglich. Sie ließ ferner Neuaufnahmen anfertigen, von denen ich hier einige vorlege. Frank Vermeulen überließ mir Publikationen über seine Forschungen in Pessinus, und Olaf Höckmann untersuchte die auf dem Relief sichtbaren Boote und teilte mir seine Kommentare mit. Gisela Hellenkemper und Franz Xaver Schütz danke ich für Hinweise und Berichtigung.

Verwendete Abkürzungen

Beard et al. = M. Beard - J. North - S. Price, Religions of Rome I.II (Cambridge University Press 1998)

Dintsis = P. Dintsis, Hellenistische Helme I.II (Roma 1986)

Hafner = G. Hafner, die Ankunft des Asklepios-Schiffes in Ostia (292 v.u.Z.), FuB 28, 1990, 65-70, Abb. 1-4

Neugebauer = K.A. Neugebauer, Text zu BrBr 725 (München 1932)


2 Königliche Museen zu Berlin, Beschreibung der Antiken Skulpturen (Berlin 1891) Kat. Nr. 955; Th. Schreiber, Die hellenistischen Reliefbilder (Leipzig 1894) Taf. 90; W. v. Hertel-F. Wickhoff, Die Wiener Genesis (Wien 1895) 61; Staatliche Museen zu Berlin, Kurze Beschreibung der antiken Skulpturen im Alten Museum (Berlin-Leipzig 1920) 72 Kat. Nr. 955; R. Kekule von Stradonitz, Die griechische Skulptur3 (Berlin-Leipzig 1922) 375f. Kat. Nr. 955; Neugebauer, passim (auch zum leider nicht genau bekannten FO und zur Bemalung); D.E. Strong, Roman Imperial Sculpture (London 1961) 18, 90 mit Abb. 30; Hafner, passim.

3 Die Maße betragen nach der Beschreibung a.O. für Frgt. a: H[öhe] 0,37 m., B[reite] 0,40 m.; Frgt. b: H[öhe] 0,53 m., B[reite] 0,82 m.; Frgt. c: H[öhe] 0,17 m., B[reite] 0,40 m; Reliefhöhe: bis ca. 0,12 m.

4 Olaf Höckmann teilt mir (brieflich) mit, daß sich dieser Fahrzeugtyp zuverlässig ins 1. Jh. n. Chr. datieren läßt (Belege beim Verf.[asser]). s. z.B. [siehe zum Beispiel] das auf Terracottaantefixen im Thermenmuseum sichtbare Kybeleschiff: P. Pensabene.-M.R. Sanzi di Mino, Museo Nazionale Romano. Le Terrecotte III,1 (1983) 310ff. Nr. 966 ff. Taf. 144 (Dat.: spätaugusteisch bis julisch-claudisch).

5 Neugebauer 16; Strong a.O. [an angegebenem Ort] (s.o. [siehe oben] Anm. 2) 18; Hafner 67.

6 so auch Neugebauer 15.

7 so Neugebauer 11.

8 Neugebauer, passim.

9 die auf der Tafel BrBr 725 sichtbar ist.

10 vgl. [vergleiche] seine eigene Abb. 2.

11 Schreiber a.O [an angegebenem Ort] (s.o. [siehe oben] Anm. 2); Neugebauer 11.

12 s.o. [siehe oben] Anm. 4. Diese Beobachtung teilt mir ebenfalls Olaf Höckmann mit. Das akrostolion als Vorderstevenaufsatz kommt antik nur in Kombination mit anderen Heckzieren vor (Belege beim Verf.[asser]).

13 so Neugebauer 16; Hafner 67.

14 Hafner 67.

15 s.[iehe] H.R. Goette, Studien zu römischen Togadarstellungen (Mainz 1989) 22. vgl.[vergleiche] Neugebauer 18 mit Anm. 2.

16 vgl. [vergleiche] Neugebauer 12. s.[iehe] H.R. Goette, JdI 103, 1988, 449ff. bes.[onders] 464 Abb. 35 a.

17 vgl. [vergleiche] Neugebauer 17: "Ein Hauch von Zärtlichkeit".

18 Neugebauer 10.

19 Neugebauer 10.

20 Neugebauer 10.

21 so Neugebauer 10. s.o. [siehe oben] Anm. 3.

22 a.O. [an angegebenem Ort] (s.o. [siehe oben] Anm. 2).

23 a.O. [an angegebenem Ort], so auch Beschreibung (beide s.o. [siehe oben] Anm. 2); Neugebauer 15.

24 a.O. [an angegebenem Ort] (s.o. [siehe oben] Anm. 2) 18; S. 90 (Dat.[ierung]: spätrepublikanisch ?).

25 Hafner 65f.

26 Hafner 65.

27 s.[iehe] dazu Neugebauer 23. Olaf Höckmann kommentiert meinen Text folgendermaßen: “... daß die `Boote´ mit dem Bug angelandet sind, zeigt eindeutig, daß es sich um ein Fluß-Milieu handelt. Im Mittelmeer gingen Ruderschiffe nämlich mit dem Heck voran ans Ufer ... Demgegenüber war und ist es auf Flüssen selbstverständlich, gegen die Strömung zu landen – also mit dem Bug voran [Hervorhebungen vom Autor]”.

28 s.[iehe] Beschreibung a.O. [an angegebenem Ort] (s.o. [siehe oben] Anm. 2). Im Text ist nur von einer Zinne die Rede, die Zeichnung zeigt ebenfalls nur eine.

29 Im Gegensatz zu der von Hafner 65 f. vertretenen Meinung gibt es durchaus Stadtmauern, deren Zinnen ähnlich den Gebilden des Reliefs aussehen, und die im Verhältnis zu den Menschen ebenso winzig dargestellt sind. s. z. B. {siehe zum Beispiel] Beard et al. I, Abb. 7.1 (eine Szene auf der Trajanssäule in Draufsicht). Trotzdem bleibt die Tatsache merkwürdig, daß sich diese Gebilde zwischen den Figuren, anstatt vor ihnen, befinden.

30 a.O. [an angegebenem Ort] (s.o. [siehe oben] Anm. 2).

31 Neugebauer 14f. s.[iehe] aber das zu Anm. 37 Gesagte.

32 s.[iehe] H. Brandenburg, Studien zur Mitra (Münster 1966) 96-102; Der Kleine Pauly III (1979), Sp. 1365, s.v. (W.H. Groß).

33 so Beschreibung a.O. [an angegebenem Ort]; Kekule a.O. [an angegebenem Ort]; Kurze Beschreibung a.O. [an angegebenem Ort]; Strong a.O. [an angegebenem Ort] 18 (alle s.o. [siehe oben] Anm. 2); Neugebauer 15.

34 so auch Hafner 67.

35 s.[iehe] Dintsis 100.

36 s.[iehe] Dintsis 35, 98, Kat. Nr. 83, Taf. 15,4 (zu einem Helm dieser Mischform aus tiaraartigem und pseudoattischem Helm auf einem pergamenischen Waffenrelief; zusammen dargestellt mit dem pseudokorinthischen Helm Dintsis, Kat. Nr. 179).

37 s.o. [siehe oben] Anm. 31.

38 s. [siehe] zum Motiv Neugebauer 13; vgl. [vergleiche] zu diesem Helmtyp Dintsis 97f.; S. 97 (Vorkommen: Ende 3. Jh.- 1. Jh. v. Chr.).

39 s.[iehe] zu dem hier sichtbaren Typ mit halbkugeliger Kalotte Dintsis 114 (Vorkommen: während des gesamten Hellenismus).

40 Pseudokorinthische Helme: s.o. [siehe oben] Anm. 36; auf einem anderen pergamenischen Waffenrelief, Dintsis 97f., Kat. Nr. 178, Taf. 40,3; am Pergamonaltar: Dintsis 98, Kat. Nr. 183, Taf. 41,4.5 (mit gewellter Krempe über den Ohren). Pseudoattische Helme kommen mehrfach am Pergamonaltar vor: Dintsis 116f., Kat. Nr. 229-231, Taf. 58,3; 59,1; 58,5.

41 Neugebauer 14.

42 Neugebauer 23, 26. Einige seiner Beispiele stammen vom Esquilin. S. 23, 26 (Datierung unseres Reliefs: um die Wende der Zeitrechnung, bzw. [beziehungsweise] gegen Ende des 1. Jhs. v. Chr.). vgl. [vergleiche] den gemalten Fries mit Gerichtsszenen im Tablinum C der Villa der Farnesina. I. Bragantini-M. de Vos, Museo Nazionale Romano. Le pitture II,1 (Roma 1982) 22f., 234 Taf. 122-165; S. 30 (Phase IIb des II. Stils). Die Tatsachen, daß die Figuren der Dreiergruppe auf Fragment b (Taf. 54, 2) und der Kopf des ersten Mädchens ganz links auf Fragment c (Taf. 55) weit vorgeneigt gegeben sind, lassen darauf schließen, daß der Betrachter das Relief, ähnlich wie den genannten gemalten Fries, in Untersicht sah.

43 Vorausgesetzt, mein Vorschlag, das auf dem Relief dargestellte Geschehen sei ins Jahr 205/204 v. Chr. zu datieren, ist korrekt. Schnurr- und Backenbart kennzeichnen (im Hellenismus) den Nicht-Griechen, so K. Yfantidis, AM 108, 1993, 227.

44 Hafner 67.

45 Hafner 67. Daß dieser Römer für einen Konsul zu jung erscheint, kann, muß aber nicht, bedeuten, daß Hafner sich irrt. Die Mindestalter für die Bekleidung der Ämter wurde im Jahre 180 v. Chr. festgelegt (lex Villia annalis): Konsulat: 43 Jahre. s.[iehe] E. Meinhardt, in: Helbig4 I [1963], zu Nr. 267. Als Argument gegen Hafners These läßt sich folgendes hinzufügen: aus der Tatsache, daß auf dem Relief nur zwei Römer erhalten sind, können wir nicht mit Sicherheit schließen, daß ihre Anzahl die von Hafner erschlossene Bedeutung hat.

46 vgl. [vergleiche] Beard et al. I, 69f. mit Anm. 217f. (Quellen). Hafner 68 mit Anm. 12 gibt selbst zu, daß die Mitra der Frau auf Fragment c (s.o. [siehe oben] Anm. 32) nicht an den Kopfputz einer Vestalin (suffibulum) erinnert. vgl. [vergleiche] dazu MNR, Le sculture I,1 (Roma 1979) Kat. Nr. 165 (E. Talamo).

47 s.o. [siehe oben] Anm. 29.

48 Hafner 70; S. 68ff. zu den mutmaßlichen Auftraggebern.

49 s. z. B. [siehe zum Beispiel] die Frisur eines unbehelmten Gefährten des Telephos vom Telephosfries. Dintsis 118, Kat. Nr. 234, Taf. 59,3.

50 Für sich allein betrachtet spricht dieses Faktum für eine Dat. in den späten Hellenismus. s.u. [siehe unten] Anm. 51.

51 Dies spricht, ebenso wie der Stil der Köpfe auf Fragment c, und die Überlängung der Gestalten auf Fragment b, für eine Entstehung des Reliefs in augusteischer Zeit. vgl. [vergleiche] die Figuren auf den Campanaplatten, die im Bereich des Apollotempels auf dem Palatin gefunden wurden. M. J. Strazzulla, Il principato di Apollo (Roma 1990) Farbtafeln nach S. 15; Abb. 1; 2; 5-8; S. 127 (Dat.: zwischen 31 und 28 v. Chr.).

52 vgl. [vergleiche] Beard et al. I, 96f. mit Anm. 89 (zu den Quellen). Auf dem Esquilin, wo das Relief gefunden wurde (s.o. [siehe oben] Anm. 2), lebten eine Reihe von Parteigängern des Augustus. Diese könnten theoretisch seinen Neubau des Tempels der Mater Magna auf dem Palatin (3. n. Chr.) zum Anlaß genommen haben, das Relief in Auftrag zu geben. Andererseits verfaßte aber bereits Maecenas (gestorben 8 v. Chr.), der auch dort wohnte, Galliamben, in denen er Kybele, die Nymphen und Acheloos beschrieb; s.[siehe] E. Courtney, The Fragmentary Latin Poets (Oxford 1993) 276-281. Auch Nachfahren der Personen, die Livius im Zusammenhang der Kultüberführung der Kybele aufzählt, lebten auf dem Esquilin: Metellus Pius, Metellus Scipio und Tiberius (seit 2 n. Chr. in den Maecenasgärten). Während seiner Regierungszeit wurde in Pessinus der `Theatertempelkomplex´ (Sebasteion) erbaut. Nach Ansicht der Ausgräber stand der berühmte Kybeletempel in dessen unmittelbarer Nähe (s.u. [siehe unten] Anm. 54); s.[iehe] zu den erwähnten domus auf dem Esquilin Verf.[asser], in: M. Cima [und E. La Rocca] (Hrsg.), Horti romani. Ideologia e autorappresentazione, 6. Suppl. BullCom (1998) 83-112.

53 Übersetzung: W. Gerlach.

54 s.[iehe] J. Devreker-H. Thoen-F. Vermeulen, The Imperial Sanctuary at Pessinus [das Sebasteion] and its Predecessors: A Revision, Anatolia Antiqua 3, 1995, 125-144, bes.[onders] 127 mit Anm. 5; S. 131; S. 135 (zur Lage des Kybeletempels).

55 s.[iehe] dazu Beard et al. II, 210.

56 Wenn der junge Mann nicht barfüßig wäre, könnte man ihn, bezogen auf die Mädchen, für den `Nymphenführer' Hermes halten.

57 A. Hekler, Museum der bildenden Künste Budapest. Die Sammlung antiker Skulpturen (Wien 1929) Kat. Nr. 129; F. Naumann, Die Ikonographie der Kybele in der phrygischen und der griechischen Kunst, IstMitt Beiheft 28 (1983) 287 mit Anm. 31.

58 die in diesem Zusammenhang nicht nur zu dritt aufzutreten scheinen. s.[iehe] Naumann a. O. [an angegebenem Ort] 22, 196f., Kat. Nr. 427, Taf. 28,2; 29,1.2 (zum Nymphenrelief in Paros); S. 391, s.v. Nymphe.

59 Den Interpretationsvorschlag dieser beiden Details des Reliefs verdanke ich Huberta Heres.

60 Man kann auch fragen, ob dieser Teil des Frieses Ludi zeigte, die von den dargestellten Römern geleitet worden wären. Aber auch ein solches Amt kann der Römer auf Fragment b, aufgrund seines jugendlichen Alters, kaum bekleidet haben. s.[iehe] zu den 204 v. Chr. gestifteten Spielen für Kybele, den Ludi Megalenses, F. Kolb, Rom (München 1995) 194ff.; S. 195 (zu den sie veranstaltenden Magistraten); vgl. Meinhardt a.O. (s.o. Anm. 45) zu deren Mindestalter.

61 Hafner 68ff. hält Q. Fabius Maximus (Nachkomme der Paulli, Maximi und Africani, s.[siehe] Der Kleine Pauly II (1979), Sp. 492, s.v. Fabius I.32, H.G. Gundel) für einen möglichen Auftraggeber des Reliefs. s.[iehe] zu den Ansprüchen und Bauten der miteinander verwandten patrizischen Aemilii, Fabii und Cornelii: T.P. Wiseman, Rome and the resplendent Aemilii, in: Tria Lustra. Essays and notes presented to John Pinsent (Liverpool Classical Papers 3, 1993) 181-192.

62 s.o. [siehe oben] Anm. 52.

63 was aber nicht der Fall ist (s.o. [siehe oben] Anm. 2).

64 Hafner 68ff. s.o. [siehe oben] Anm. 48.

65 s.o. [siehe oben] Anm. 38, 50 f. und 4.

66 s.o. [siehe oben] Anm. 52.

67 so Wiseman a.O. [an angegebenem Ort] (s.o. [siehe oben] Anm. 61) 192 (zum Stemma).




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