Wunder der Claudia Quinta Kybele Pessinus Rom Kiefer

Chrystina Häuber (2026f): Der Meteorit aus Pessinus, der die Göttin Kybele verkörperte und das Kultbild der Göttin in ihrem Tempel auf dem Palatin in Rom *



Der Meteorit aus Pessinus, der die Göttin Kybele verkörperte und das
Kultbild der Göttin in ihrem Tempel auf dem Palatin in Rom *


von Chrystina Häuber

Nachdem ich meinen hier veröffentlichten Text zum Tempel der Mater Magna auf dem Palatin (vergleiche Häuber 2026c, zu Punkt 10.)) in Emailkorrespondenzen mit Ernst Künzl (vom 16.-17.8.2026) und mit John Pollini (vom 17.-20.8.2026) diskutiert habe, scheint es mir angeraten zu sein, noch etwas über den baitylos, den schwarzen Meteoriten der Kybele, hinzuzufügen, den die römische Gesandtschaft 205/204 v. Chr. aus Pessinus nach Rom gebracht hatte. Dieser Meteorit ist später in das Kultbild der Göttin in ihrem Tempel auf dem Palatin an Stelle des Gesichts integriert worden.


Bislang habe ich diesbezüglich im Text "Mater Magna" (Häuber 2026b, mit Anm. 7) nur Folgendes mitgeteilt:


``In Delphi fragten die Römer die Pythia, ob ihre Mission erfolgreich sein werde. Livius fährt fort (29.11.6): "Es soll ihnen die Antwort gegeben worden sein, durch die Vermittlung des Königs Attalus werden sie das erlangen, um was sie bitten: wenn sie die Göttin nach Rom gebracht hätten, sollten sie dafür sorgen, daß der beste Mann, den es in Rom gebe, diese gastlich in Empfang nehme. Sie kamen nach Pergamum zu dem König. Dieser empfing die Gesandten freundlich und geleitete sie nach Pessinus in Phrygien. Dort übergab er ihnen den heiligen Stein, von dem die Einwohner [mit Anm. 7] sagten, er sei die Göttermutter, und forderte sie auf, diesen nach Rom zu verbringen [Übersetzung: W. Sontheimer; Hervorhebung von mir]"´´.


Von Patrizio Pensabene erfahren wir alles Gewünschte `über den schwarzen Stein und das Kultbild im Tempel der Mater Magna auf dem Palatin´.

Pensabene ("Magna Mater, Aedes", in: LTUR III [1996] pp. 206-208, Figs. 140-43) nennt auf p. 207: "per la pietra nera e la statua di culto" folgende antike Schriftquellen: "Arn. 5.5, adv. gentes 7.49; Herodian, exc. d. Marci 1.11".

Pensabene (1996, p. 206) erwähnt auch die unten diskutierte und abgebildete kopflose Statue der Kybele, die 1872 in diesem Tempel gefunden worden ist, bezeichnet sie aber nicht als das Kultbild des Mater Magna-Tempels: "Nel 1872 fu rinvenuta la statua acefala della dea Cibele (Gatti 1911)"; vergleiche seine Bibliographie auf p. 208: "G. Gatti in Cinquanta anni di storia italiana (1911), 36-39".


Wie wir später von Filippo Coarelli (2012, p. 271, mit n. 337) erfahren werden, hat sich aber, ausser Arnobius und (vermutlich) Herodian, die Pensabene (1996, p. 207) erwähnt, nicht nur Prudentius (peristeph. 10.156 f.) zum Kultbild der Kybele in ihrem Tempel auf dem Palatin geäussert, sondern, wie Coarelli (2012, p. 271, mit n. 338) hinzufügt, auch Zosimos (Historien 5.38).


Arnobius, adv. gentes 5.5 erwähnt den Stein der Kybele in Pessinus; in adv. gentes 7.49 schreibt Arnobius, dass dieser schwarze Stein der Kybele aus Pessinus in der Kultstatue ihres Tempels auf dem Palatin an Stelle des Gesichtes eingepasst worden sei:


"But the Great Mother, also, says [my opponent], being summoned from Phrygian Pessinus in precisely the same way by command of the seers [einer Weissagung der Sibyllinischen Bücher], was a cause of safety and great joy to the people. For, on the one hand, a long-powerful enemy [die Karthager] was thrust out from the position he had gained in Italy; and, on the other, its ancient glory was restored to the city by glorious and illustrious victories, and the boundaries of the empire were extended far and wide, and their rights as freemen were torn from races, states, peoples without number, and the yoke of slavery imposed on them, and many other things accomplished at home and abroad established the renown and dignity of the race with irresistible power. If the histories tell the truth, and do not insert what is false in their accounts of events, nothing else truly is said to have been brought from Phrygia, sent by King Attalus, than a stone, not large, which could be carried in a man's hand without any pressure—of a dusky and black colour—not smooth, but having little corners standing out, and which to-day we all see put in that image instead of a face, rough and unhewn, giving to the figure a countenance by no means lifelike [Hervorhebung von mir]".


Auf diesen Text des Arnobius werde ich unten zurückkommen.

Vergleiche The Seven Books of Arnobius Adversus Gentes Translated by Arch.D. Hamilton Bryce and Hugh Campbell (Edinburg: T & T Clark, 38 George Street, 1871).


Die oben, am Ende von Arnobius (adv. gentes 7.49) fett gesetzte Passage, lautet im Original:

"[3.] Si verum locuntur historiae neque ullas inserunt rerum conscriptionibus falsitates, adlatum ex Phrygia nihil quid aliud scribitur missum rege ab Attalo, nisi lapis quidam non magnus, ferri manu hominis sine ulla inpressione qui posset, coloris furvi atque atri, angellis prominentibus inaequalis, et quem omnes hodie ipso illo videmus in signo oris loco positum, indolatum et asperum et simulacro faciem minus expressam simulatione praebentem".


Ich danke Franz Xaver Schütz, der den lateinischen Text von Arnobius (adv. gentes 7.49) am 26. August 2026 für mich im Internet gefunden hat;

online unter: <https://www.thelatinlibrary.com/arnobius/arnobius7.shtml> [26-VIII-2026].


Vergleiche für Arnobius:


Otto Hiltbrunner, "Arnobius. 1., in: KlPauly I (1979, Sp. 602): "Rhetor in Sicca Veneria (Africa proconsularis) um 300 n. Chr. ... Vf. [Verfasser] einer apologetischen Schrift in 7 B.[änden] adversus nationes ... [interessanterweise werden für das Werk des Arnobius verschiedene Titel genannt, ich folge jenen Autoren, die es `adversus gentes´ nennen]".

William Hugh Clifford Frend und Mark Julian Edwards ("Arnobius, in: OCD3 [1996], pp. 174-175) schreiben auf p. 174: "... a teacher of rhetoric at Sicca Veneria in Proconsular Numidia, said by Jerome to have taught Lactantius and to have suddenly become a Christian (c.[irca] 295) ... A year or two later, at his bishop's instance, he wrote seven books, Adversus nationes, as a proof of full conversion ... [Hervorhebung von mir]".


Wenden wir uns nun Herodian zu, der behauptet, `dass in Pessinus ein ἄγαλμα der Göttin Kybele vom Himmel gefallen sei´, worauf mich Peter Wiseman am 24. August 2026 aufmerksam gemacht hat. Edward C. Echols, den ich unten zitieren werde, hat Herodians Formulierung mit `Statue der Kybele´ übersetzt, wobei, wenn das korrekt ist, Herodian offensichtlich das im Tempel der Mater Magna auf dem Palatin befindliche Kultbild der Göttin gemeint hat.


Vergleiche Livius.org; online unter:

<https://www.livius.org/sources/content/herodian-s-roman-history/herodian-1.11/>:

"Herodian 1.11

Herodian (Late second, first half third century): Greek historian, author of a History of the Roman Empire since the Death of Marcus Aurelius in which he describes the reign of Commodus (180-192), the Year of the Five Emperors (193), the age of the Severan dynasty (211-235 [corr.: 193-235]), and the Year of the Six Emperors (238).

The translation was made by Edward C. Echols (Herodian of Antioch's History of the Roman Empire, 1961 Berkeley and Los Angeles) and was put online for the first time by Roger Pearse (Tertullian.Org). The version offered on these pages is hyperlinked and contains notes by Jona Lendering [Hervorhebung von mir].


The Mother of the gods

[1.11.1] As we have discovered by research, the Romans are devoted to this goddess for the following reason - a reason which it seems worth while to relate here, since it is unknown to some of the Greeks. They say that this statue of the goddess fell from the sky; the exact material of the statue is not known, nor the identity of the artists who made it; in fact, it is not certain that the statue was the work of human hands. Long ago it fell from the sky in Phrygia (the name of the region where it fell is Pessinus, which received its name from the fall of the heavenly statue [note (in dieser Anmerkung heisst es: "Place of the fall")]; the statue was discovered there [Hervorhebung von mir; 20-VIII-2026]".


Mein Dank gilt T.P. Wiseman, mit dem ich seit dem 11. August 2026 unsere hier vorgestellten Kybele-Texte diskutiere, und der mir am 24. August 2026 seine ausführlichen Kommentare zu den soeben zitierten Textpassagen aus Arnobius (adv. gentes 5.5 und 7.49) und Herodian (1.11.1) geschrieben hat. Da, wie wir im Folgenden sehen werden, Filippo Coarelli (2012) Arnobius (adv. gentes 7.49) ganz anders übersetzt als Bryce und Campbell (1871), deren Übersetzung oben zitiert ist, hatte ich Peter Wiseman am 23. August gefragt, ob die Übersetzung von Bryce und Campbell korrekt sei: Das ist tatsächlich der Fall, wie mir Peter Wiseman bestätigt hat.

Peter Wiseman weist mich in dieser Email auch darauf hin, dass wir uns fragen müssen, ob Arnobius, der seinen Text (adv. gentes 7.49) um 300 n. Chr. verfasst habe, mit seiner Formulierung, "`which today we all see´ (quem omnes hodie ... videmus) [gemeint ist der Meteorit, der an Stelle des Gesichts in das Kultbild der Mater Magna in ihrem Tempel auf dem Palatin eingesetzt worden war]", als Augenzeuge berichtet hat, oder ob diese Formulierung einer Quelle entstammte, die Arnobius hier lediglich zitiert hat.

Wie wir unten erfahren werden, ist Coarelli (2012) zu Recht der Auffassung, dass Arnobius die Kultstatue der Mater Magna auf dem Palatin durchaus persönlich gekannt haben kann.

Wie oben schon erwähnt, hat mir Peter Wiseman in dieser Email ausserdem erklärt, dass der Begriff ἄγαλμα, den Herodian (1.11.1) für das verwendet, `was da in Pessinus vom Himmel gefallen sei´, keineswegs nur `Statue´ bedeuten muss.

Eberhard Thomas, der dankenswerterweise ebenfalls seit dem 10. August 2026 mit mir unsere hier vorgelegten Kybele-Texte diskutiert, hat das in einem Telefongespräch bestätigt. Die Tatsache, dass der Begriff ἄγαλμα sehr viele Bedeutungen haben kann, war mir dagegen zuvor ganz unbekannt gewesen.

Dem hat Peter Wiseman in seiner Email hinzugefügt, dass die Vorstellung, der schwarze Stein aus Pessinus sei ein Meteorit gewesen, womöglich auf diesen Text Herodians (1.11.1) zurückzuführen sei (darauf werde ich unten zurückkommen).

Am 25. August 2026 hat mir Peter Wiseman nun per Email folgende Bedeutungen des Begriffs ἄγαλμα geschickt, die ich hier mit seiner freundlichen Genehmigung zitieren darf:


"Dear Chrystina,


The standard Greek-English lexicon defines ἄγαλμα as follows:

1. glory, delight, honour;

2. pleasing gift, especially for the gods;

3. statue in honour of a god;

4. portrait, picture;

5. image, expressed by painting or words.


Plenty of scope!

All best, P.".


Peter Wiseman, Eberhard Thomas (mit dem ich das in einem Telefongespräch diskutieren konnte) und ich waren uns daraufhin einig, dass wir nicht wissen können, was genau Herodian (1.11.1) mit dem Begriff ἄγαλμα gemeint hat, aber `Statue der Göttin Kybele´, wie Edward C. Echols in seiner oben zitierten Übersetzung von Herodian schreibt, ist immerhin auf den ersten Blick theoretisch eine Möglichkeit (siehe dazu auch im Folgenden).


Als vorläufiges Ergebnis dieser Diskussion scheint es mir so zu sein, dass die Forschung aus den Tatsachen, dass Arnobius (adv. gentes 7.49) von einem schwarzen Stein der Kybele aus Pessinus spricht, der nach Rom gebracht, und an Stelle des Gesichts in die Kultstatue der Mater Magna in ihrem Tempel auf dem Palatin integriert wurde; sowie aus der Tatsache, dass Herodian mitteilt, dass das von ihm beschriebene ``ἄγαλμα der Göttin Kybele, das in Pessinus vom Himmel gefallen sei´´, geschlossen hat, dass es sich bei diesem schwarzen Stein der Kybele aus Pessinus um einen Meteoriten gehandelt habe (diese Beobachtung verdanke ich, wie erwähnt, Peter Wiseman).

Die letztere Schlussfolgerung halte auch ich, wegen der Beschreibung des Arnobius (adv. gentes 7.49) der unbearbeiteten, rauhen Oberfläche dieses schwarzen Steins, für vernünftig.


Wenn dagegen Herodian (1.11.1) mit ἄγαλμα eine `Statue´ meinte, und wenn es sich bei dieser Statue, wie zum Beispiel Patrizio Pensabene voraussetzt ("Magna Mater, Aedes", in: LTUR III [1996] p. 207), um das Kultbild der Mater Magna in ihrem Tempel auf dem Palatin gehandelt hat, dann ist Herodians Aussage zum Teil unglaubwürdig. Herodians Text (1.11.1) hört sich ja teilweise so an, als beschreibe er das Kultbild im Tempel der Mater Magna auf dem Palatin, aber `vom Himmel gefallen´ war diese Statue als Ganzes nicht - nur der Meteorit aus Pessinus, der an Stelle des Gesichts in dieses Kultbild integriert worden war, wie wir von Arnobius (adv. gentes 7.49) wissen.


Dagegen, dass Herodian (1.11.1) mit ἄγαλμα eine `Statue der Kybele´ gemeint haben kann, die in Pessinus vom Himmel gefallen sei, sprechen folgende Argumente:


Erstens berichtet ja Livius keineswegs (29.11.6), wie wir oben gesehen haben, dass die römische Gesandtschaft in Pessinus eine Statue erhalten hatte, sondern einen Stein; zweitens berichtet Livius (29.14.10; siehe unten), dass die vornehmen römischen Matronen diesen heiligen Stein der Kybele aus Pessinus von der Mündung des Tibers, offensichtlich am Tiber entlang gehend, wie das `Wunder der Claudia Quinta´ beweist (siehe dazu oben, im Punkt 7.) dieses Updates, Häuber 2026c), abwechselnd bis in die Stadt getragen haben; so auch Filippo Coarelli (2012, p. 275, n. 349). Dass diese Damen eine Statue hätten tragen können, kann man mit Sicherheit ausschliessen.

Vergleiche dazu "Mater Magna" (Häuber 2026b, mit Anm. 16):

Livius (29.14.10 schreibt: ``P. Cornelius [Scipio Nasica] wurde aufgefordert, mit allen Matronen nach Ostia der Göttin entgegenzuziehen, um sie von dem Schiff in Empfang zu nehmen, an Land zu bringen und den Frauen zu übergeben, die sie dann weitertragen sollten ...". P. Cornelius [Scipio Nasica] empfing auch richtig die Göttin aus den Händen ihrer Priester [mit Anm. 16], trug sie an Land und "die vornehmen Frauen der Bürgerschaft, von denen allein der Name der Claudia Quinta bekannt ist, übernahmen sie [Übersetzung: W. Sontheimer]"´´.


Franz Xaver Schütz hat Geodaten in einem GIS gemessen, demnach ist der Tiber (heute), von der Mündung bis zur Tiberinsel in Rom, 35 km lang.


Was ist ein Baitylos ?


Ich habe in meinem Zweitstudium Theologie studiert (Staatsexamen 1972), im Erststudium Design und erst im dritten Studium Klassische Archäologie, bevorzuge aber deshalb in meinen archäologischen Forschungen `religiöse´ Themen.

So habe ich in meinem Buch über den Mons Oppius (Häuber 2014) verschiedene Göttinnen studiert: Die Dea Syria-Atargatis, die Dea [Iuno] Caelestis (wie die Römer sie nannten, Tinit or Tanit, die Hauptgöttin von Karthago, die phönizische Astarte), und Aphrodite, die alle als Baitylos dargestellt worden sind.


Vergleiche Häuber (2014, S. 170-196, Kapitel "II.6. The goddesses venerated in and around the sanctuary Isis et Serapis in Regio III"); siehe S. 173):


"Doves were inter alia sacred to Aphrodite, Astarte [mit Anm. 207] and to Dea Syria-Atargatis [mit Anm. 208]. They were regarded as an epiphany of those goddesses, and were kept in their sanctuaries; the reason for this common attribute was their close connection. These goddesses could even be identified with each other in various forms, for example at Paphos on Cyprus [mit Anm. 209] as Aphrodite-Astarte, as shown on a coin minted under Septimius Severus (Fig. 121 [die ich hier abbilde]) [mit Anm. 210]. Here the goddess is represented as a baitylos, with doves sitting on the roofs of the colonnades surrounding her temple [Hervorhebung vor mir]".



Aphrodite-Astarte coin Septimius Severus from HÄUBER 2014

Ich habe mich deshalb sehr gefreut, dass mir Ernst Künzl, als Reaktion auf unsere hier publizierten Texte über die Göttin Kybele, Hinweise auf Publikationen zum Thema Baityloi und Meteoriten geschickt hat, aus denen ich sehr viel Neues gelernt habe. Aus Künzls eigener Publikation (2005) zu diesem Themenkomplex zitiere ich deshalb im Folgenden eine Passage.


Vergleiche Ernst Künzl (Himmelsgloben und Sternkarten. Astronomie und Astrologie in Vorzeit und Altertum, Stuttgart: Theiss 2005, S. 40):


"Meteorgötter

Baitylos ist ein semitisches Fremdwort im antiken Griechischen und heißt Gotteshaus (bet-el). Die Griechen bezeichneten damit steinerne, anikonische Götterbilder, in roher Steinform oder in Gestalt eines Kegels oder Menhirs bearbeitet, welche oft als Meteoriten zur Erde gefallen waren und damit als vom Himmel gekommene Götter galten ... Diese Kultidole waren eine Besonderheit Syriens und Palästinas. Die an der syrischen Küste, dem heutigen Libanon, wohnenden Phönizier brachten diese Art des Kultbildes nach Nordafrika (Karthago), wo die Astralgötter Saturn (Baal) und Iuno Caelestis (Tanit) das karthagische Pantheon anführten.

Den Meteor der Kybele aus dem kleinasiatischen Pessinus brachte man 204 v. Chr. nach Rom. Die schaumgeborene Aphrodite, dem Meer vor Zypern entstiegen, wurde in ihrem Tempel im zyprischen Paphos als Steinkegel verehrt [vergleiche die oben abgebildete Zeichnung ihres Tempels auf einer Münze, in der ihr Baitylos steht]. Sehr oft verband man diese Steinkegel mit den Göttern Apollon und Artemis, also jenen mit Sonne und Mond assoziierten Göttern Griechenlands.

Im Vorderen Orient und auf der arabischen Halbinsel war das Zentrum der Meteorgötterverehrung. Der schwarze Stein von Mekka ist ein 30 cm großer Basalt- oder Lavablock, an der Ostseite der Ka'ba (`Würfel´), des Zentral-baues der Moschee von Mekka, eingemauert (Abb. 3,16). Die den schwarzen Stein küssenden Pilger reichen den archaischen arabischen Astralkult aus der Vorzeit in unsere Zeit hinüber [Hervorhebung von mir]".


Das Kultbild der Göttin Mater Magna in ihrem Tempel auf dem Palatin in Rom


John Pollini hat mich in einer Email vom 18. August 2026 auf folgende Besonderheiten einer kopflosen Marmorstatue im Antiquarium auf dem Palatin hingewiesen (die ich unten abbilde), die Filippo Coarelli (2012, siehe dazu unten), für die Kultstatue der Kybele aus ihrem Tempel auf dem Palatin hält.


John Pollini weist mich in dieser Email darauf hin, dass "the top of the marble statue has a flat roughly circular mortise that is not deep enough for the typical tenon of the head of [the] goddess", und dass Coarelli annimmt, dass "This cavity was most likely for the sacred baetylus from Pessinus. Coarelli talks about it in his book on the Palatine Hill ... He also has several images of the statue. This is the reference: Coarelli, Palatium (Rome 2012) 249-82, images on 268-69, 272, and other statues of the type on 275".


Ich hatte zunächst in meiner Antwort an John Pollini die Identifizierung dieses Marmortorsos als Kultbild der Kybele ihres Tempels auf dem Palatin abgelehnt, weil ich irgendwo gelesen hatte, dass dieses Kultbild, in das der Baitylos der Kybele aus Pessinus an Stelle des Gesichts der Göttin eingepasst worden sei, eine aus Silber gearbeitete Plastik war.


John Pollini, dem diese Information neu war, bat mich um Einzelheiten. Er will nämlich sowohl diese Nachricht über das Kultbild der Mater Magna in ihrem Tempel auf dem Palatin, als auch die kopflose Statue der Kybele im Antiquarium des Palatins in seinem in Arbeit befindlichen Augustusbuch diskutieren (Pollini, Augustus Caesar: From Man to God, from Image to Icon).


Da ich mich aber leider nicht erinnern konnte, wo ich gelesen hatte, dass die Kultstatue der Mater Magna in ihrem Tempel auf dem Palatin eine Silberstatue war, in die der Meteorit aus Pessinus an Stelle des Gesichts eingepasst worden war, habe ich diese Frage in die Suchmaschine von GOOGLE eingegeben. Zu meiner Überraschung wurde ich auf folgenden Wikipedia-Artikel hingewiesen, den ich natürlich gleich an John Pollini weitergeschickt habe.


Vergleiche den Wikipedia-Artikel mit folgendem Titel:

"Tempel der Magna Mater

Der Tempel der Magna Mater war einer der Tempel auf dem Palatin in Rom. Der Magna Mater-Kult wurde aufgrund eines Spruches der Sibyllinischen Bücher während des Zweiten Punischen Krieges im Jahr 204 v. Chr. in Rom eingeführt. [1] In diesem Jahr brachte eine römische Delegation einen Meteoritstein aus dem phrygischen Heiligtum der Göttin Kybele in Pessinus nach Rom. [2] Der Stein wurde in eine Silberstatue eingearbeitet [3] ... [Hervorhebung von mir]".

In dieser Anm. 3, heisst es: "Herodian 1, 11; Arnobius der Ältere, adversus nationes 5, 5 [Hervorhebung von mir]". [18-VIII-2026].


Franz Xaver Schütz war daraufhin so freundlich, diese antiken Quellen für mich im Internet zu finden. Wie wir oben gesehen haben, ist darin aber nicht die Rede davon, dass das (vermutlich) auch von Herodian (1.11.1), aber mit Sicherheit von Arnobius (adv. gentes 7.49) beschriebene Kultbild im Tempel der Kybele auf dem Palatin aus Silber angefertigt gewesen sei.


Diese Nachricht ist dennoch korrekt, wie wir gleich sehen werden, denn Filippo Coarelli (2012, p. 271, n. 337) teilt die entsprechende Schriftquelle mit.


Meiner Ansicht nach kann man aber dem Text von Arnobius (adv. gentes 7.49) entnehmen, dass die von Coarelli (2012) und John Pollini studierte Marmorstatue im Antiquarium des Palatins nicht das gesuchte, von Arnobius beschriebene Kultbild der Kybele gewesen sein kann.

Vergleiche Arnobius (adv. gentes 7.49):

"... nothing else truly is said to have been brought from Phrygia, sent by King Attalus, than a stone, not large, which could be carried in a man's hand without any pressure—of a dusky and black colour—not smooth, but having little corners standing out, and which to-day we all see put in that image instead of a face, rough and unhewn, giving to the figure a countenance by no means lifelike [Übersetzung: Archibald Hamilton Bryce und Hugh Campbell; Hervorhebung von mir]".


Wenn, wie Arnobius (adv. gentes 7.49) schreibt, dieser Meteorit der Göttin Kybele aus Pessinus `faustgross´ war, wie wir auf Deutsch sagen würden, dann kann er, meiner Meinung nach, unmöglich als Gesicht des Marmortorsos im Antiquarium des Palatins gedient haben.


Kybele Palatinus

Kopflose Statue der thronenden Kybele. Rom, Antiquarium des Palatins. Aus: F. Coarelli (2012, p. 269, Fig. 79, ohne Angabe einer Inventarnummer). Pentelischer Marmor; vergleiche Coarelli (2012, p. 274). Erhaltene Höhe der Statue: 1,67 m; vergleiche Coarelli (2012, p. 275). Coarelli (2012, pp. 274-276, mit ns. 349-352 und Fig. 78) schlägt vor, dass der Baitylos der Kybele aus Pessinus in die Einarbeitung dieses Marmortorsos eingesetzt gewesen sei. Coarelli (2012, p. 276 mit n. 355) erklärt die relativ flache Einarbeitung in den Torso dieser Statue damit, dass auf diese Weise der Baitylos leichter herausnehmbar war, um ihn, im Zusammenhang verschiedener Zeremonien aussserhalb des Tempels zu zeigen, so zum Beispiel, einmal im Jahr, wenn der Baitylos der Kybele in feierlicher Prozession zum Fluss Almo getragen wurde, wo dann die lavatio der Göttin stattgefunden habe. Vergleiche p. 268, Figs. 76; 77: Teil vom Kopf eines Löwen aus Marmor und von einer Marmorbasis mit zwei anhaftenden vorderen Löwenpranken, die alle im Kybeletempel gefunden wurden, und die Coarelli (2012, p. 275) dieser Kybelestatue zuschreibt. Diese Skulptur wurde "scoperta da [Pietro] Rosa nel 1872 sulla gradinata del tempio [der Kybele auf dem Palatin]"; vergleiche Coarelli (2012, p. 271, mit n. 339). Coarelli (2012, p. 274, mit n. 346) hält diese Statue für das Kultbild im Tempel der Kybele auf dem Palatin, der erbaut worden sei, nachdem im Jahre 111 v. Chr. der erste Tempel abgebrannt war; Coarelli hält diese Statue für eine Kopie des Kultbildes im Metroon in Athen des Künstlers Agorakritos, die ein neoattischer Bildhauer geschaffen habe. Als Erbauer dieses zweiten Tempels der Kybele auf dem Palatin wurde bislang Metellus Numidicus angenommen; vergleiche Coarelli (2012, p. 251, mit n. 272). Coarelli selbst (2012, pp. 251-252, mit n. 273, p. 277) folgt dagegen dem Vorschlag, dass es sich um C. Metellus Caprarius gehandelt habe.

Ich kenne diese Statue nicht aus Autopsie.


Kybele Palatinus , Photos: Hans Rupprecht Goette

Die hier abgebildeten vier Photos dieser kopflosen Statue der Kybele im Antiquarium auf dem Palatin: courtesy H.R. Goette.

Auf der Suche nach der Inventarnummer dieser kopflosen Statue der Kybele im Antiquarium auf dem Palatin, habe ich auch Hans Rupprecht Goette um Rat gefragt, der mich auf die folgende Publikation des `Museo Palatino´ hingewiesen hat, wie diese Sammlung jetzt heisst:

Carlo Gasparri und Maria Antonietta Tomei (a cura di), Museo Palatino Le collezioni (Milano: Mondadori Electa, 2014). Auf den darin publizierten Katalogtext von Giuseppe Scarpati zu dieser kopflosen Statue der Kybele werde ich unten zurückkommen.

Filippo Coarelli studiert diesen Marmortorso im Antiquarium des Palatins sehr ausführlich (2012, pp. 267-277, Figs. 75-79, 82-84, 87); auf p. 275 teilt er die Höhe des Erhaltenen dieses Marmortorsos mit (1, 67 m), weshalb diese Kultstatue, als stehende Figur, 2,20 m hoch gewesen sein müsse; auf p. 268, Fig. 78, bildet er ein Photo dieser Einarbeitung in diesen Torso ab, in die nach Coarellis Meinung der Baitylos aus Pessinus an Stelle des Kopfes eingesetzt worden war.


Coarelli schreibt (2012, p. 271, mit n. 337, die ich unten wörtlich zitiere): "... sappiamo con certezza che una statua di culto esisteva, e che la pietra nera vi era inserita al posto della testa [mit n. 337: wo er Arnobius, adv. gentes 7.49 wörtlich, aber nicht komplett zitiert, und ausserdem Prudentius, peristeph. 10.156 f.; Hervorhebung von mir]".


Vergleiche dazu auch Coarelli (2012, pp. 275-276 mit ns. 351, 352), wo er meiner Meinung nach aber Arnobius falsch interpretiert :

"È probabile, [p. 276] come ha proposto Graillot [mit n. 351], che il betilo - a cui le asperità conferivano vagamente la forma di un viso umano [mit n. 352; Hervorhebung von mir] ...".


In seiner n. 351, schreibt Coarelli: "GRAILLOT 1912, p. 330".

In seiner n. 352, schreibt Coarelli: "Arnob. 7.49: ``tridotatum et asperum et simulacro faciem minus expressam simulatione praebentem´´".


Dazu ist aber zu bemerken, dass Arnobius (adv. gentes 7.49) statt dessen schreibt, wenn man ihn komplett liest, was wir oben getan haben, dass dieser schwarze Stein aus Pessinus an Stelle des Gesichts in diese Kultstatue eingelassen worden war - was übrigens auch Henri Graillot schreibt (2012, p. 330, unten wörtlich zitiert), auf den sich Coarelli (2012, p. 271, n. 337) auch selbst beruft - und dass dieser Stein keineswegs an menschliche Gesichtszüge erinnerte.


Coarelli (2012, p. 275) beschreibt auch die Grösse dieser Einarbeitung in den Torso der Statue im Antiquarium des Palatins: Der Baitylos müsse, nach dieser Einarbeitung zu urteilen, auf seiner Unterseite nahezu rund gewesen sein und einen Durchmesser von wenig mehr als 25 cm gehabt haben.


Coarelli (2012, p. 271, n. 337) teilt in dieser Anmerkung aber auch eine weitere antike Schriftquelle mit, die wir bislang noch nicht kennengelernt haben, aus der hervorgeht, dass der Baitylos der Kybele aus Pessinus in eine silberne Kultstatue eingepasst worden war:


"Arnob. 7.49: "lapis quidam non magnus ... quem omnes hodie ipso illo vedemos in signo oris loco positum"; Prud., peristeph. 10.156 s.: "Lapis nigellus evehendus essedo / muliebris oris clausus argento sedet"; GRAILLOT 1912, p. 330".


Vergleiche Henri Graillot (Le culte de Cybèle, Mère des Dieux, à Rome et dans l'Empire romain (BEFAR 107), Paris: Fontemoing et cie., 1912, p. 330):


"La pierre noire du Palatin était enchâssée, au moins sous l'Empire, dans une statue (signum) en argent. Elle n'y était point renfermée comme en un reliquaire, mais elle en constituait la face; et sous les bijoux, les pendants d'oreille, les colliers magnifiques, sans doute aussi les manteaux en étoffes précieuses, elle devait avoir l'aspect de nos vierges noires. C'est à elle qu'était réservée la place d'honneur, au fond de la cella [Hervorhebung von mir]".


Wie oben schon angekündigt, ist Coarelli (2012, p. 271, mit ns. 337, 338) zu Recht der Überzeugung, dass die Beschreibung des Arnobius (adv. gentes 7.49) auf dessen Autopsie des Kultbildes der Mater Magna auf dem Palatin beruht haben kann; den Beginn dieser Textpassage haben wir oben bereits diskutiert:


"... sappiamo con certezza che una statua di culto [der Göttin Mater Magna in ihrem Tempel auf dem Palatin] esisteva, e che la pietra nera [aus Pessinus] vi era inserita al posto della testa [mit n. 337]. Questa indicazione è stata a torto trascurata. Arnobio infatti allude a un fatto da lui osservato personalmente, intorno al 300 d.C., mentre sappiamo che l'immagine della dea era ancora al suo posto un secolo più tardi, come risulta da un episodio avvenuto poco dopo il 394, che coinvolse la moglie di Stilicone, Serena [mit Anm. 338; Hervorhebung von mir]".


In seiner n. 338, schreibt Coarelli: "Zosim. 5.38.2".

Wenn man Zosimos liest, wird klar, dass das korrekte Zitat für diese Geschichte aber: `Zosimos, Historien 5.38´ ist.


Vergleiche für die beiden hier im Folgenden diskutierten Autoren mit Namen Zosimos und Stilicho:


Adolf Lippold (1926-2005), "Zosimos 2." (in: KlPauly 5 [1979] Sp. 1562) schrieb: "... Historiker, nach Photios (bibl. cod. 98) comes und exadvocatus fisci schrieb sehr wahrscheinl.[ich] ... um 500 n. Chr. seine Historien ...".


Walter Spoerri (1927-2016), "Zosimos" (in: LAW [1965] S. 3346) schreibt: "... griech. Geschichtsschreiber, etwa 2. H.[älfte] 6. Jh. Exadvocatus fisci, comes, Christenfeind. Über sein Leben ist nichts bekannt; die Beziehungen des Z.[osimos] zu den gleichnamigen Sophisten (s.u. [siehe unten]) und zu den aus der Schule von Gaza bekannten Trägern dieses Namens sind nicht geklärt. Z.[osimos] schrieb eine `Nea Historia´ in 6 Bänden ... summarisch ab Augustus, ausführlicher ab Diokletian ... bis zur Einnahme Roms durch Alarich (410). Z.[osimos] erklärt als Gegenstück zu Polybios den Reichsverfall bes.[onders] aus der Abkehr vom Heidentum ...".

Vergleiche zu diesem Zosimos: Häuber (2014, S. 802, Anm. 21).


Fritz Krafft (1935-2025), "2. Z.[osimos] von Panopolis" (in: LAW [1965] S. 3346) schreibt: "... (in der Thebais), in Alexandria (vermutlich im 4. Jh. n. Chr.) lebend und wirkend, gnostischer Christ und der erste als Person greifbare Alchemist ... Nach Suidas (s.v.) u.a. [unter anderem] Verfasser eines alchemistischen Werkes in 28 Büchern ...". Ich danke Franz Xaver Schütz für den Hinweis auf diese beiden Lexikonartikel.


John F. Matthews, "Zosimus" (in: OCD3 [1996] p. 1640) schreibt: "..., Greek historian. Little is known of his life except that he had been advocatus fisci ... and obtained the dignity of comes ... He wrote a History (Historia nova) of the Roman empire from Augustus reaching as far as 410, where his extant text terminates just before the sack of Rome by Alaric. He completed his work after 498 ... in books 5-6 a narrative of the years 395-410 for which he is our most important historical source ... His view of events is determined, even at the late date at which he wrote, by his paganism ... [Hervorhebung von mir]".


Oxford Classical Dictionary (in Progress) ...

Stilicho, Peter Heather. https://doi.org/10.1093/acrefore/9780199381135.013.6083

Published: 07 March 2016

"Extract

Stilicho of Theodosius (2) I, became regent for his son Honorius and ruler of the west CE 395-408. He sought to unify east and west, particularly up to c.[irca] 400 ... Stilicho fell in a coup d'ètat in 408".


Ich danke Franz Xaver Schütz, der für mich im Internet sowohl das Werk des Zosimos, als auch das Buch von Nadežda Gavrilovic Vitas (2021) gefunden hat, die diese von Zosimos in seinem Buch (Historien 5.38) erzählte Geschichte mitteilt.


Vergleiche: Zosimus. Ex Recognitione Immanuelis Bekkeri (Corpus Scriptorum Historiae Byzantinae. Editio Emendatior Et Copiosior Consilio B.G. Niebuhrii C.F. Instituta, Auctoritate Academiae Litterarum Regiae Borussicae Continuata, Bonnae: Impensis Ed. Weberi, 1837).


Nadežda Gavrilovic Vitas (Ex Asia et Syria Oriental Religions in the Roman Central Balkans, Oxford: Archaeopress Publishing LTD, Roman Archaeology 78, 2021, p. 28 mit n. 236) schreibt:


"Towards the end of the 4th century, no games or propagandist items could prevent the further deterioration of the cult of Magna Mater, whose sanctuaries and statues were destroyed and desecrated, like the statue of the goddess in Palatine from whose chest Serena pulled a necklace, thus sacrileging the goddess’s sacred image, or worse, when the goddess’s sacred images were damaged or destroyed by the Christians. [Mit n. 236; Hervorhebung von mir]".


In ihrer n. 236, schreibt Nadežda Gavrilovic Vitas: "The sacrilege that Serena committed in the Metroon in Palatine is described by Zosimus. He states that Serena intending to insult some deities, took off some ornaments that were around the neck of Magna Mater’s statue and placed them upon her own neck. The last of the Vestal Virgins, an old woman, scolded her severely, but the girl not only replied to her very sharply, but ordered her attendants to carry the old woman away. As she was leaving the temple, the old priestess cursed Serena, her husband and her children for the sacrilege done to the goddess, Zosimus, New History, 5.38 [Hervorhebung von mir]".

Kommen wir nun zu dem oben angekündigten Katalogbeitrag der oben abgebildeten kopflosen Statue der Kybele im ehemaligen Antiquarium auf dem Palatin/ dem jetzigen Museo Palatino, von Giuseppe Scarpati, in: Carlo Gasparri und Maria Antonietta Tomei (a cura di), Museo Palatino Le collezioni (Milano: Mondadori Electa, 2014, p. 318):

"[Kat.-Nr.] 125. STATUA SEDUTA DELLA MAGNA MATER

Marmo pentelico; alt.[ezza] 167 cm; inv. 425523.

Dal Palatino, scoperta da Pîetro Rosa nel marzo 1872 nei pressi della gradinata del tempio della Magna Mater ...".

Giuseppe Scarpati schildert im Anschluss daran den Erhaltungszustand der Statue, die nach ihrer Auffindung sehr lange im Freien gestanden hat, und deren Oberfläche dadurch stark gelitten hat. Dann nennt Scarpati die Publikationen, in denen diese Statue diskutiert worden ist:

"Rosa 1873, p. 78; Bartoli 1947, pp. 232-233, figg. 3-5; Vermaseren CCCA III, p. 7, n. 3, tavv. 14-16; Pensabene 1982b, p. 88; Koch 1994, pp. 46-47, p. 195, n. 30, fig. 14; Tomei 1997, p. 148, n. 128; LIMC VIII, 1997, p. 754, n. 49, s.v. Kybele (E. Simon); Tomei 1999, pp. 139-140, fig. 85; Roller 1999, p. 315; Geominy 2007, Bildhauerkunst III, 2007, p. 98, fig. 122 (W. Geominy); Kruip 2011, p. 227, nota 1; Coarelli 2012, pp. 271-275, figg. 75-79, 82-84. Sulla statua di Agorakritos Despinis 2005". Vergleiche die "Bibliografia", S. 331 ff.

Daran anschliessend, fasst Giuseppe Scarpati die Forschung zu dieser Statue zusammen, die sehr unterschiedlich datiert und interpretiert worden ist. Ausserdem erwähnt Scarpati einen Beweis dafür, dass in die Einarbeitung des Torsos der Göttin ihr separat gearbeiteter Kopf eingepasst worden war: Weil nämlich "corpose trecce" (`dicke Zöpfe´) ihrer Frisur vorne auf beiden Schultern der Statue erhalten seien; Tatsachen, die mir bislang bei der Betrachtung der hier gezeigten Photos der Statue noch gar nicht aufgefallen waren, und die mir auch von anderen Darstellungen der Göttin Kybele nicht bekannt sind. Wegen aller dieser Besonderheiten zitiere ich im Folgenden Scarpatis Text verbatim:

"La grande statua è di dimensioni notevolmente superiori al naturale. In base alla tipologia e alla provenienza dall'area del tempio della Magna Mater viene unanimemente ritenuta una rappresentazione della dea Cibele seduta in trono, abbigliata con chitone cinto sotto al seno e mantello avvolto intorno ai fianchi. La testa è perduta, ma si conservano resti della capigliatura consistenti in corpose trecce che discendono anteriormente sulle spalle. Si ricostruisce di norma una figura che regge una phiale nella mano destra e il timpano con la sinistra (o in alternativa con il braccio sollevato a reggere uno scettro), col l'eventuale presenza di due leoni affiancati al sedile. Esistono infatti frammenti di leoni rinvenuti sul Palatino, presumibilmente assieme alla statua, la cui pertinenza a essa non è da tutti accertata [hier könnten ja vielleicht Marmortests der auch von Coarelli 2012 abgebildeten, und oben erwähnten, Fragmente dieser Löwenstatuen weiterhelfen].
Per lungo tempo rimasta esposta all'aperto presso il luogo di rinvenimento, la scultura soltanto in tempi recenti è stata fatta oggetto di attenzione da parte degli studiosi, generando valutazioni divergenti circa la datazione, la funzione e la collocazione originaria, anche la relazione all'esemplare proveniente da Pergamo conservato a Berlino (Pergamonmuseum, inv. AvP VII 45), che in sostanza differisce per la maggior lunghezza del mantello sulle gambe e il diverso orientamento delle pieghe del chitone sottostante.
Da una parte della critica la statua del Palatino viene dunque considerata come una replica romana di età adrianea (Koch) o antonina (Pensabene, Tomei), derivata da un'originale classico realizzato da Agorakritos per il Metroon di Atene negli anni intorno al 430 a.C., oppure come un'opera classicistica di epoca augustea (Simon, Roller). Secondo la più recente ipotesi di Geominy si tratterebbe invece di una creazione autonoma della fine del IV o degli inizi del III secolo a.C. indipendente dall'opera di Agorakritos, esposta in un santuario dell'Attica e trasportata a Roma come bottino di guerra forse in epoca sillana. Diversamente, Coarelli pensa a una realizzazione neoattica della fine del II secolo a.C., commissionata per la ristrutturazione del tempio palatino seguita all'incendio del 111 a.C. e quindi collocata nella cella come simulacro della dea in una rappresentazione aniconica, dal momento che nell'incavo predisposto per l'alloggiamento della testa sarebbe stata inserita la pietra nera da Pessinunte.
In base alle attuali conoscenze e all'esame degli elementi tecnico-stilistici risulta forse maggiormente condivisibile la proposta formulata dalla Kruip che la Cibele del Palatino costituisca una derivazione presumibilmente adrianea, in ogni caso di età primo o medio imperiale, della statua di Pergamo, a sua volta reputata una Neuschöpfung di gusto classicistico degli anni immediatamente precedenti alla metà del II secolo a.C. In tal caso è probabile che la scultura in origine fosse collocata all'esterno del tempio come immagine della dea o di un'imperatrice assimilata ad essa [Hervorhebung von mir]".


Fazit


Ich habe oben die Zeichnung einer Münze des Septimius Severus abgebildet, die den Baitylos im Tempel der Aphrodite-Astarte auf Zypern darstellt, den die Anhänger dieser Aphrodite als ihre Göttin (beziehungsweise als deren Bild) verehrt haben.

Interessanterweise haben die Römer, im Unterschied dazu, das Kultbild der Mater Magna/ Kybele in ihrem Tempel auf dem Palatin, das (vermutlich) Herodian (I.11.1), und mit Sicherheit Arnobius (adv. gentes 7.49) und Prudentius (peristeph. 10.156 f.) beschrieben haben, niemals `realistisch´ dargestellt: Das heisst, mit dem Meteoriten der Göttin Kybele aus Pessinus, der an Stelle des Gesichtes in den Kopf der Kultstatue der Göttin eingepasst worden war.

Vergleiche das in Punkt 7.) in Häuber (2026c) illustrierte Relief der `Sorrenter Basis´, auf dem ganz rechts das Kultbild der Göttin Kybele in ihrem Tempel auf dem Palatin erscheint. Die Relieffiguren sind schlecht erhalten, aber es ist trotzdem deutlich erkennbar, dass die Göttin Kybele offensichtlich ein menschengestaltiges Gesicht gehabt hat. Entsprechendes gilt für die Darstellungen dieses Kultbildes der Göttin auf Münzen; vergleiche Patrizio Pensabene ("Magna Mater, Aedes", in: LTUR III [1996] pp. 206-208, Fig. 142).


Mein Dank gilt ausserdem noch folgenden Gelehrten


Eric M. Moormann hat mit mir seit April 2026 die hier vorgestellten Texte zur Kybele in vielen Email- und Telefongesprächen diskutiert, und war am 27. August 2026 so freundlich, den hier vorgelegten Text zum Baitylos und zum Kultbild der Kybele in ihrem Tempel auf dem Palatin zu korrigieren.

Seit März 2026, hat mit mir auch Hans Rupprecht Goette die hier präsentierten Texte zur Kybele in vielen Emails diskutiert und jetzt noch diesen letzten Text gelesen und kommentiert; ausserdem hat er mir am 29. August 2026 vier seiner eigenen Photos der kopflosen Kybelestatue im Antiquarium auf dem Palatin geschickt, die ich hier mit seiner freundlichen Genehmigung publizieren darf.

Schliesslich ist noch der Ägyptologe Rafed El-Sayed zu nennen. Er hat dankenswerterweise ebenfalls seit dem 12. August 2026 die hier vorgestellten Texte zur Kybele, und seit dem 28. August 2026 auch den hier präsentierten letzten Text gelesen und korrigiert.

Herr El-Sayed hat mir daraufhin angeboten, das oben zitierte Zitat des Zosimos (Historien 5.38) mit dem Werk des früheren, ägyptischen, im 3./4. Jh. in Alexandria tätigen Zosimos aus Panopolis zu vergleichen, den El-Sayed seit geraumer Zeit erforscht (vergleiche oben auch zum Zosimos aus Panopolis). Das Verbindende dieser beiden antiken Autoren war nach El-Sayed, dass beide noch den `paganen´ Kulten anhingen.

Mit diesen "Endzeitanekdoten" (wie Rafed El-Sayed sie in seiner Email vom 31. August 2026 nennt), wie der von Zosimos (Historien 5.38) beschriebenen, beziehungsweise mit diesem "Paradigmenwechsel" (wie ich das 2021/2023 genannt habe: Von den `paganen´ Kulten zum Christentum) haben Rafed El-Sayed und ich uns schon früher beschäftigt; vergleiche Häuber (2014, S. 799-802; Häuber 2021/2023, S. 861-864). Was Herr El-Sayed mir jetzt zu diesem Thema am 31. August 2026 geschrieben hat, könnte Anlass zu einer neuen Publikation geben.

Vergleiche für die Bibliographie: Chrystina Häuber 2026c.



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* Diesen Text habe ich in enger Zusammenarbeit mit Franz Xaver Schütz verfasst.





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