Eine Zusammenfassung von Forschungen anderer Gelehrter zum hier diskutierten Themenkomplex


Ehe ich, wie angekündigt, den Aufsatz von Angelo Verlinde (2015) diskutiere, sollen noch einige, zum Teil frühere Forschungsmeinungen zu diesem Themenkomplex erwähnt werden.


Diesen Erörterungen möchte ich die Erkenntnis vorausschicken, dass die Erforschung der Göttin Kybele/ Mater Magna insgesamt sehr schwierig ist.

Das liegt zum einen daran, dass die `Vorformen´ dieser Göttin bis ins Neolithikum (die Jungsteinzeit), das heisst, bis ins frühe 6. Jahrtausend, zurückreichen.

Vergleiche hierzu Giovanni Casadio zu einer berühmten Terrakottastatuette aus Çatalhöyük (Konya); vergleiche derselbe (2025, p. 19, mit "Fig. 1. Statua della Grande Madre da Catalhöyük. Ankara, Museo delle Civiltà Anatoliche (Scheda 44))". Siehe Zehra Taşkiran und Asuman Alpagut, Katalogeintrag/ Scheda "44. Statua fittile di Dea Madre Seduta" (in: Alfonsina Russo et al. 2025, pp. 365-366). Nota bene: Diese Terrakottastatuette ist nur 20 cm hoch.

Die Göttin Kybele ist dann seit dem Anfang des 2. Jahrtausends v. Chr. bis in die Spätantike verehrt worden. Dabei ist diese Göttin, von Ostanatolien/ Nordsyrien aus, über Anatolien, Kleinasien und Griechenland, und von Pessinus in Phrygien nach Rom, und von dort aus im gesamten Imperium Romanum, gleichzeitig innerhalb eines riesigen geographischen Areals und obendrein in verschiedenen Kulturen verehrt worden.

Vergleiche hierzu, außer Giovanni Casadio (2025, passim), Karl Strobel ("Pessinus" 2007, Sp. 861-863), sowie Sarolta A. Tacács (2003), Jan N. Bremmer (2020) und Michael Kerschner (2020, 7); die letzteren drei werde ich unten wörtlich zitieren.

Deshalb wird die Göttin Kybele von Vertretern vieler Fachdisziplinen erforscht. Wie andere an dieser Diskussion beteiligte Gelehrte, bin auch ich keine Orientalistin, beherrsche also die antiken Sprachen nicht, die man zum Studium der frühesten Kulturen benötigt, in denen Vorformen dieser Göttin verehrt worden sind. Ausserdem war ich bislang weder in Ilion in der Troas (dem homerischen Troia ?; siehe dazu unten) und auf dem in der Nähe gelegenen Berg Ida, noch in dem Dorf Ballıhisar in Phrygien/ der antiken Stadt Pessinus und in ihrer weiteren Umgebung.

Vergleiche zur griechischen Stadt Ilion in der Troas und dem Berg Ida, sowie Ballıhisar in Phrygien/ der Stadt Pessinus, auch den Beitrag und die Karte von Franz Xaver Schütz: "Mit Kybele von Pessinus nach Rom - eine topographische Übersichtskarte" (2026).

Bei den hier zitierten Gelehrten herrscht (folglich) keine Einigkeit darüber, ob die ganz frühe Göttin namens Kubaba mit der phrygischen Göttin Kybele identifiziert werden sollte, oder nicht.

Wie wir gleich sehen werden, ist Sarolta A. Tacács (2003) dieser Ansicht, während Jan N. Bremmer ("Kubaba, Kybele and Mater Magna: The long March of two Anatolian Goddesses to Rome", 2020), wie bereits der Titel seines Aufsatzes zeigt, und dessen diesbezügliche Meinung ich gleichfalls unten wörtlich zitieren werde, diese Vorstellung ablehnt. Auch Giovanni Casadio (2025, passim, besonders p. 27) weist, wie Bremmer (2020), meiner Meinung nach überzeugend, nach, dass es sich bei Kubaba und Kybele ursprünglich um "due dee Madri" gehandelt hat, die erst sehr viel später miteinander `verschmolzen´ worden sind.

Da überdies einige Gelehrte, die sich an dieser Diskussion beteiligt haben, und die ich im Folgenen zitiere, jeweils nur einen kleinen Teil des geographischen Areals untersucht haben, in dem die Göttin in dem von ihnen selbst studierten Zeitraum verehrt worden war, verwundert es nicht, dass auch ihre Meinungen bezüglich der Frage extrem differieren, wann, wie und unter welchem Namen die Göttin Kybele zum Beispiel erstmals nach Pessinus gekommen sei.

Eine andere Frage, die mich hier ebenfalls interessiert, und für die das in gleicher Weise zutrifft, lautet, wie das Kultbild der Göttin Kybele im Jahre 205 oder 204 v. Chr. aus ihrem Heiligtum in Pessinus nach Rom gelangt sein mag; vergleiche hierzu auch Elena Ghisellini (2025; siehe dazu unten). Bezüglich dieser Frage sind einige Forscher (aus verschiedenen Gründen) sogar überzeugt, dass dieses in Rom angekommene Kultbild der Kybele auf keinen Fall aus Pessinus stammen konnte.

Ghisellini (2025, p. 78, mit Anm. 36) fügt eine mir bislang unbekannte Information hinzu: Dass Aeneas auf dem Berg Ida geboren war (!). Sie schreibt zum hier diskutierten Thema:

"Nel 204 a.C. Attalo I, re di Pergamo, funge da mediatore in occasione dell'introduzione del culto di Cibele a Roma, dove sarà venerata come Mater Magna Idaea Deum in referimento alla sua dimora sul monte Ida, vicino Troia, luogo di nascita di Enea e suo rifugio prima di intraprendere il viaggio verso l'Italia [mit Anm. 36]. La pietra nera, simbolo aniconico di Cibele, prelevata dal santuario di Pessinunte, al suo arrivo è collocata dapprima nel tempio della Vittoria sul Palatino ... [Hervorhebung von mir]".

In ihrer Anm. 36, schreibt Ghisellini: "Le differente versioni circa l'arrivo di Cibele a Roma sono discusse da: ...".

Da ich diese, in einigen Fällen sich gegenseitig ausschliessenden Forschungsmeinungen, in einigen Aspekten gar nicht selbst beurteilen kann, habe ich mich dazu entschlossen, diese Hypothesen hier lediglich zu erwähnen, in der Hoffnung, dass meine diesbezüglichen Recherchen Gelehrten etwas nützen, die auf diesem Gebiet kenntnisreicher sind als ich.

Zum Glück konnte ich von 1973-1980 bei Prof. Wolfram Nagel (23.10.1923-14.11.2019) an der Universität zu Köln "Vorderasiatische Altertumskunde" studieren; ohne diese `Grundlagen´ wäre ich nie auf die Idee gekommen, das Relief in Berlin (hier Abb. 1; Taf. 53-55) als `Aufbruch der Göttin Kybele in Pessinus?´ zu interpretieren.


Wenden wir uns nun den angekündigten Forschungsmeinungen zu.

In Punkt 9.), Ad b), wurde schon gesagt, dass, nach Meinung von Erich S. Gruen (1990), das Kultbild der Göttin Kybele nicht aus Pessinus nach Rom überführt worden sein kann, sondern statt dessen aus ihrem Heiligtum auf dem Berg Ida, in der Nähe von Troia, nach Rom gebracht worden sein müsse.

Wie oben anhand der Weissagung der Sibyllinischen Bücher (siehe Livius 29.10, 4-6: 205 v. Chr.) festgestellt, und wie wir ausserdem unten, in der Diskussion der Erkenntnisse von Angelo Verlinde (2015) sehen werden, stammte dieses Kultbild der Kybele aber wirklich aus Pessinus. Bei dieser Diskussion geht es unter anderem um den von Angelo Verlinde publizierten Nachweis, dass die Stadt Pessinus tatsächlich schon zum Herrschaftsbereich des Königs Attalos I. von Pergamon gehört hatte. Und Jan N. Bremmers (2020, pp. 23-24) Beobachtungen zum Gott Attis, der zusammen mit der Göttin Kybele im Jahre 205 oder 204 v. Chr. nach Rom gekommen ist, verdanken wir die Erkenntnis, dass beide aus dem Heiligtum der Kybele in Pessinus stammten.

Dem fügt Paolo Liverani (2025, p. 175) eine weitere, wohlbekannte Information hinzu, deren Bedeutung ich zuvor im hier diskutierten Zusammenhang aber noch gar nicht erkannt hatte:

Die Tatsache, dass das bedeutende Heiligtum der Mater Magna "nell'area Vaticana" den Namen Phrygianum trug, beweist natürlich, dass das nach Rom gebrachte Kultbild der Kybele aus Phrygien stammte (!):

"Il Frigianum si trovava nella quattuordicesima regione, detta Transtiberim (odierno Trastevere), e il suo nome alludeva all'origine frigia della dea Cibele ..."; vergleiche Liverani (2025, 177): "... ai Megalesia, le feste della Magna Mater che si tenevano tra il 4 aprile - anniversario dell'arrivo a Roma della pietra aniconica della dea da Pessinunte - e il 10 dello stesso mese - anniversario della dedicazione del suo tempio sul Palatino [Hervorhebung von mir]".

Von Liverani (2025, p. 179, mit Plan des Toponyms Vaticanum in der Kaiserzeit auf Fig. 2) erfahren wir ausserdem, dass das Heiligtum Phrygianum auch Vaticanum genannt wurde, und dass es die Constantinischen Regionenkataloge zusammen mit dem Toponym Gaianum nennen.

Vergleiche hierzu Domenico Palombi: "Regiones quattuordecim ", in: LTUR IV (1999) p. 199, Fig. 84 fuori testo: "... Regio XIV. Trans Tiberim Continet: 1. Gaianum et Frigianum ...".

Wie wir oben, in Punkt 8.) dieses Updates schon gesehen haben, ist die Datierung der Constantinischen Regionenkataloge möglich; vergleiche hierzu auch Paolo Liverani (2025, p. 175), weil in ihnen der heute als Lateransobelisk bezeichnete ägyptische Obelisk erwähnt wird.

Vergleiche zum Phrygianum auch Roberta Alteri (2025, pp. 136-138).


Kehren wir nun zu unserer Diskussion der Forschungsmeinungen zum Kulttransfer der Göttin Kybele nach Rom zurück.

Auch Sarolta A. Tacács (2003) ist der Auffassung, dass die 205 oder 204 v. Chr. nach Rom transportierte Kultstatue der Kybele keineswegs aus Pessinus stammen konnte, sondern statt dessen aus ihrem Heiligtum auf dem Berg Ida gekommen sein müsse. Da Tacács in ihrem Text einige wichtige, hier bislang noch nicht erwähnte Fakten mitteilt, zitiere ich ihre entsprechende Textpassagen im Folgenden verbatim.

Vergleiche Sarolta A. Tacács ("Cybele", in: Brill's New Pauly [DNP] vol. III, 2003, Sp. 1035 [mit den Ziffern in eckigen Klammern verweist die Autorin auf die entsprechenden Publikationen in ihrer Bibliographie]):

"Cybele (Κυβέλη; Kybélé, Lat. Cybele, -a) is the goddess of fertility, city protectress (expressed in the mural crown), prophetess and healer.

A. ASIA MINOR 1. BRONZE AGE 2. THE FIRST MILLENNIUM B. GREECE C. ROME 1. INTRODUCTION TO ROME 2. THE CULT

A. ASIA MINOR

1. BRONZE AGE

The alternative form of the name Cybebe (Κυβήβη, Lat. Cybebe) allows us to equate the goddess of Asia Minor of the Ist millennium BC with the goddess Kubaba known from Hittite, Hurrian and Sumerian-Akkadian sources [1]. One of the most important centres for the worship of this goddess in the 2nd millennium was Hittite Karkemis/Karkamis [2] situated on the Syrian border on the Euphrates. Even before 1200 BC C.[ybele] is said to have come to Pessinus, Kubela or Kubelon is either a Phrygian mountain name or epiclesis [3; 4]; a sacred stone embodied C.[ybele] in Pessinus where her priesthood reigned independently until 183 BC (Str. 12,5,3) [5] [Hervorhebung von mir]".

Als ihre Publikationen [3] und [4], nennt Tacács in ihrer Bibliographie: "C.[laude] BRIXHE, Le nom de Cybele, in: Sprache 25, 1979, pp. 40-45; und L[adislav]. ZGUSTA, Weiteres zum Namen der Kybele, in: Sprache 28, 1982, pp. 171-172".

Vergleiche Sarolta A. Tacács ("Cybele", in: Brill's New Pauly [DNP] vol. III, 2003, Sp. 1037-1038):

"C. ROME

I. INTRODUCTION TO ROME

... The idea most commonly represented in scholarship is that the sacred stone of Pessinus came to Rome by a circuitous route via Pergamum in 205/4 BC (Liv. 29,11 and 14; 36,36,3f. [diese Zahlen bezeichnen die Autoren in ihrer Bibliographie, sowie die Seitenangaben in diesen Texten]) ...

The cult was surprisingly isolated. Roman citizens were forbidden to join the Collegium of the Priests of C.[ybele] (Dion. Hal. Ant. Rom. 2,1,4) and to castrate themselves (Val. Max. 7,6; Obseq. 44); the galli were only allowed to move around on the streets of Rome on certain days and the same applied to their begging (Dion. Hal. Ant. [Sp. 1038] Rom. 2,19,43 Diod. Sic. 36,13; Cic. Leg. 2,22,40): this meant that their cult service was practically restricted to the Palatine temple (Varro, Sat. Men. I 49f.). Nevertheless, C.[ybele] had been brought to Rome at the command of the Sibylinian Books -... with the consent of the Senate and with the help of leading Roman families [18; 19]. In addition, the temple was in the middle of the centre of Rome inside the Pomerium. In view of this and a) the supervisory function of XV viri (Ouindecimviri sacris faciundis), b) the independence of the priestly state of Pessinus and its continuity after the transfer of the goddess to Rome (the question as to how that was possible without the presence of the goddess remains unanswered), c) the distance of Pessinus from the Pergamene sphere of influence where the Pessinuntian goddess was to be kept in the Pergamene Megalesion, d) the two festival cycles (March and April, whereby the introduction of the elements of the March rite falls within the imperial period), and e) the name of the goddess, Mater Deum Magna Idaea, it appears more convincing to believe that the goddess introduced in 205/4 BC was the Great Mother of Mount Ida who came to Rome with the aid of Attalus I of Troad than to ascribe to the Romans ignorance of the new goddess.

With the Roman expansion in Asia Minor, Pessinus then came into their sphere of influence and control; hence the ecstatic Phrygian C.[ybele] became tangible. The nature of the two goddesses began to converse in this way [Hervorhebung von mir]".


Im Folgenden zitiere ich einige Textpassagen aus dem Aufsatz von Angelo Verlinde ("The Pessinuntine Sanctuary of the Mother of the Gods in light of the excavated Roman temple", 2015), und füge unmittelbar danach meine Kommentare hinzu



There is no compelling reason to assume that a new sanctuary to Kybele was built in the Augustan or Tiberian period.

Angelo Verlinde (2015, p. 40).


(`es gibt keinen zwingenden Grund anzunehmen, dass [in Pessinus] unter Augustus oder Tiberius ein neues Heiligtum für Kybele errichtet worden ist´)


Angelo Verlinde (2015, p. 40) hat mit seiner Feststellung, die ich als Motto dieses Abschnitts gewählt habe, natürlich in sofern recht, als wir nichts dergleichen aus antiken Schriftzeugnissen erfahren.

Eins ist meiner Meinung nach aber trotzdem klar: Von allen uns bekannten Römern hätten aber gerade Augustus und Tiberius triftige Gründe gehabt, `der Kybele in Pessinus ein neues Heiligtum zu errichten´.

Im Fall von Gaius Octavius, dem späteren Octavian/ Augustus, lag das daran, dass ihn Iulius Caesar in seinem Testament als seinen Sohn adoptiert hatte, was Gaius Octavius, als er davon erfuhr, akzeptierte (er hätte die Adoption nämlich auch ablehnen können!), weshalb er fortan zur gens Iulia gehört hat:

Somit waren nun die Göttin Aphrodite, der Troianer Anchises und ihr gemeinsamer Sohn Aeneas die Ahnen des Gaius Octavius/ Octavian/ Augustus.

Vergleiche Häuber (in: FORTVNA PAPERS, Volume II, 2017, S. 33, mit Anm. 1: T.P. Wiseman 2015, p. 95, sowie S. 376, Anm. 203: Jonathan H.C. Williams 2001, p. 190). Online at: <https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP2.html>; sowie Häuber (in: FORTVNA PAPERS IV, Kapitel I, Anm. 20). Online unter:

<https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP4/Laokoon_I.html>.

Vergleiche hierzu den Text "Mater Magna" (Häuber 2026b, mit Anm. 42-44):

``Man kann versucht sein, den Anlass für die Schaffung des hier betrachteten Reliefs im Pergamonmuseum (hier Abb. 1; Taf. 53-55) mit der Erneuerung des Tempels der Göttin Kybele/ Mater Magna auf dem Palatin durch Augustus [mit Anm. 42] in Verbindung zu bringen, der ihn nach einem Brand im Jahre 3 v. Chr. wieder aufbaute.

Augustus konnte geltend machen, dass sich sein Ahnherr Aeneas nach dem Brand Troias ins Heiligtum der Kybele [mit Text zu Anm. 43 und Anm. 14] geflüchtet hatte, weshalb die Römer [mit Anm. 44] die Göttin als ihrer aller Schutzpatronin auffassen konnten. Die Vertreter der oben genannten Adelsfamilien [die am Kulttransfer der Göttin Kybele 205 oder 204 v. Chr. von Pessinus nach Rom beteiligt gewesen waren] hätten dieser gleichsam `existentiellen´ Verbundenheit des Augustus mit der Göttin auch während der Republik nichts Gleichwertiges entgegensetzen können [Hervorhebung von mir]´´.

Im Text "Mater Magna" (Häuber 2026b, mit Anm. 45, 46) hatte ich deshalb vorgeschlagen, dass das Relief im Pergamonmuseum (hier Abb. 1; Taf. 53-55) in augusteischer Zeit von einem Parteigänger des Octavian/ Augustus in Auftrag gegeben worden sein könnte, von denen damals einige auf dem Esquilin lebten. Wobei zu diesen Parteigängern natürlich auch Maecenas gehört hat.

Ich habe nun oben, in Punkt 8.) dieses Updates, einen neuen Vorschlag bezüglich dieses Reliefs im Pergamonmuseum unterbreitet: Wegen einiger Fakten, deren Bedeutung mir erst jetzt klar geworden ist, halte ich es nun (theoretisch) für möglich, dass es Maecenas war, der mit diesem Relief seine Domus 55a-d innerhalb des `privaten´ Teils seiner Horti dekoriert hatte; und zwar innerhalb dieser Domus vielleicht den kostbar dekorierten Raum, den Maecenas meiner Meinung nach für seine Laokoongruppe (die sich heute in den Vatikanischen Museen befindet) in Auftrag gegeben hatte. In diesem Raum hatte Maecenas, wie ich ausserdem vorschlage, einen privaten Kult für seinen Freund Octavian/ Augustus eingerichtet.

Das Kybeleheiligtum, in das sich der Ahnherr des Octavian/ Augustus, Aeneas, nach dem Brand Troias geflüchtet hatte, war das auf dem Berg Ida gewesen; vergleiche "Mater Magna" (Häuber 2026b, Anm. 14, und Text zu Anm. 43).

Da nun auch die Göttin Kybele/ Mater Magna in Pessinus in den Sibyllinischen Büchern als mater Idaea bezeichnet wurde, wie wir von Livius (29.10, 4-6: 205 v. Chr.) erfahren, ist meiner Meinung nach gut vorstellbar, dass Augustus der Göttin `mater Idaea von Pessinus´, der persönlichen Schutzpatronin seines Vorfahren Aeneas (und folglich auch aller Römer), sehr wohl ein neues Heiligtum in Pessinus errichtet haben könnte (darauf werde ich unten zurückkommen).

Und im Fall des Claudiers Tiberius gilt das nicht nur deshalb, weil er ein leiblicher Nachfahre der Claudia Quinta war, die mit ihrem `Wunder´ (siehe dazu oben, zu Punkt 7.) in diesem Update) einen bedeutenden Beitrag zum Kulttransfer der Göttin Kybele von Pessinus nach Rom im Jahre 205 oder 204 v. Chr. geleistet hatte. Vergleiche für Tiberius oben, zu Punkt 4.), zu Punkt 7.) und zu Punkt 8.). Hinzu kam, dass Augustus im Jahre 4. n. Chr. nun seinerseits den Tiberius als seinen Sohn und Nachfolger adoptiert hatte;

vergleiche Häuber (in: FORTVNA PAPERS IV, Kapitel IV.2.3., Teil I.). Online at: <https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP4.html>.


Angelo Verlinde (2015, Section: "1. Introduction", p. 30)

beginnt seinen Aufsatz wie folgt:


"Excavations by Ghent University in ancient Pessinus, which now slumbers under the modern hamlet Ballıhisar in central Turkey, were initiated in 1967 by Pieter Lambrechts. The chief incentive was to locate the sanctuary of the Mother in Pessinus, which Cicero avidly claimed was revered ``by all the kings who have ever held rule in Europe and in Asia´´ (Cic., Har. resp. 23, 28). The Mother, in Greek literature known as Meter Kubileya (``Mother of the Mountain´´), Meter Dindymene (``Mother of the Dindymos Mountain´´ in Phrygia) or simply Kybele, and as the Great Mother, Mater Magna by the Romans, was the main Phrygian deity, worshipped as the giver of all life on inhospitable mountains, and associated with wild nature and savage beasts [mit Anm. 1]. Ancient authors situate the beating heart of her cult in Pessinus, the (Hellenistic) temple state with presumed Early Phrygian roots, which go back to king Midas. The urban nucleus of the temple state straddles the sacred Gallos, a tributary of the Sangarios River, and lies in a concealed valley to the southwest of the Dindymos the modern Arayit Daği (Fig. 1) [mit Anm. 2]. The topography of Pessinus is inconsistent with the tenets of the cult [auf Deutsch: den Prinzipien des Kults; Hervorhebung von mir]".

Zu der oben zitierten Textpassage aus Verlinde (2015, "Introduction", p. 30) möchte ich einige Kommentare hinzufügen.

Auf den von Verlinde erwähnten König Midas werde ich unten mehrfach zurückkommen.

Verlindes Feststellung, dass "ancient Pessinus ... now slumbers under the modern hamlet Ballıhisar", ist leider nicht wahr.

Schon Eckart Olshausen ("Pessinus", in: KlPauly 4, 1979, Sp. 666 [mit der Ziffer in einer eckigen Klammer verweist Olshausen auf die entsprechende Publikation in seiner Bibliographie]) hat auf folgendes Faktum hingewiesen:

"... Der Ansatz von P.[essinus] auf den Ruinenfeldern um das h.[eutige] Dorf Ballihisar wurde bereits 1834 in Erwägung gezogen [2]. Schon vor dieser Z.[eit] und bis h.[eute] wurde die Stätte [das heisst, das Dorf Ballıhisar/ Pessinus] als Steinbruch mißbraucht, so daß in den drei größeren, auf monumentale Anlagen deutenden Ruinenbezirken (Theater, Kybele-Tempel?) kaum Mauerzüge im Ansatz zu erkennen sind ... [Hervorhebung von mir]".

Diese Tatsache, dass das Areal der Stadt Pessinus über einen langen Zeitraum als Steinbruch ausgebeutet wurde (oder heute noch wird?), ist Verlinde (2015) offensichtlich unbekannt, beziehungsweise, sie hat ihn nicht besonders interessiert.

Das schliesse ich daraus, dass Verlinde (2015, Section: "3. Nineteenth century explorations", p. 41), eine Bemerkung zu den Folgen dieser Steinbrucharbeiten macht, aber ohne darauf einzugehen :

"Taking the location of the theatre - which remains today as a hollow in the slope (sector G) [siehe dazu unten, die von uns hier nochmals abgebildeten Karten von Pessinus; Hervorhebung von mir]".


Karte von Pessinus. Aus: J. Devreker, H. Thoen und F. Vermeulen (1995, p. 126, Fig. 1): "General plan of the archaeological unities in Pessinus", Detail. Auf dieser Karte erkennt man die prominente Lage des spätaugusteischen Theatertempelkomplexes, des Sebasteions, auf dem rechten (östlichen) Ufer, und hoch über dem Fluss Gallos, der ursprünglich von Süden nach Nordosten durch die Stadt Pessinus floss. Die Autoren zeigen innerhalb des Stadtgebietes von Pessinus nicht den Fluss Gallos, sondern die Tatsache, dass der Fluss in augusteischer Zeit unterhalb des archaischen Stadtgebietes von Pessinus kanalisiert worden war, um an seiner Stelle eine Prachtstraße zu errichten (oder, wie A. Verlinde 2015, p. 33, schreibt, einen cardo maximus). Vergleiche die Beschriftung: "ROMAN CANALISATION AND MAIN STREET". Nach J. Devreker, H. Thoen und F. Vermeulen (1995, pp. 131, 134, 135) hatte sich auch die archaische Stadt Pessinus mit dem Tempel der Kybele auf dem rechten (östlichen) Ufer des Flusses Gallos befunden, dort, wo auf ... der Karte in "SECTOR B" der Ausgrabungen, in spätaugusteischer Zeit, auf A. Verlindes (2015, pp. 31, 56, 72) "promontory", der "ROMAN TEMPLE COMPLEX" (der Theatertempelkomplex, das Sebasteion), entstand. Unmittelbar südwestlich von "SECTOR B" befindet sich "SECTOR H". Das "THEATRE", das E. Olshausen ("Pessinus", 1979, Sp. 666) und A. Verlinde (2015, p. 41) erwähnen, befindet sich östlich des Theatertempelkomplexes, dem Sebasteion, in "SECTOR G". Wie wir später hören werden, hat sich zur Zerstörung dieses Theaters auch K. Strobel (2024, p. 499) geäussert.


Karte von Pessinus. Zum Vergleich bilde ich hier noch einmal die von A. Verlinde (2015, p. 34, Fig. 4, pp. 42-42, mit Anm. 45) publizierte Karte ab: "Fig. 4. Valley of Ballıhisar overlaid with Texier's structures", und zwar deshalb, weil auf ihr der Fluss Gallos eingezeichnet ist. Auf dem rechtem Ufer des Gallos, auf A. Verlindes (2015, pp. 31, 56, 72) "promontory", erscheint an der Stelle des spätaugusteischen Theatertempelkomplexes, dem Sebasteion, "Texier's Temple of the Mother of the Gods". Vergleiche für die originale Karte von Texier: A. Verlinde (2015, p. 42, "Fig. 6. Very hypothetical plan of the ruins drawn by Charles Texier during his visit of Ballıhisar in 1834").


So illustriert Verlinde (2015) seinen Aufsatz, ausser mit seinem oben abgebildeten Overlay (seiner Fig. 4), ausschliesslich mit Plänen und Karten anderer Autoren; er selbst hat all das, was er über die Topographie von Pessinus und die weitere Umgebung der Stadt schreibt, aber nicht selbst kartiert: Für eine grossmassstäbige Karte des Stadtgebietes von Pessinus wäre es wünschenswert gewesen, hätte Verlinde genauestens kartiert, in welchen Arealen der antiken Stadt diese Steinbrucharbeiten stattgefunden haben. Ich werde unten darauf zurückkommen.

Dagegen ist Verlindes (2015, p. 30) Charakterisierung der Göttin Kybele als: "main Phrygian deity, worshipped as the giver of all life on inhospitable mountains, and associated with wild nature and savage beasts [mit Anm. 1]", für die von ihm genannten Beispiele sicher richtig (die Beschreibung `inhospitable mountain´ traf aber nicht für das von Verlinde nicht berücksichtigte Heiligtum der Kybele auf dem Berg Ida in der Nähe von Troia zu; siehe dazu unten).

Wie wir von David Adams Leeming (1998, p. 25) erfahren, rührte das daher, dass, nach dem Mythos, diese phrygische Königstochter als Säugling auf dem Berg Kybelos ausgesetzt, aber von `wilden Tieren´ ernährt worden war :

"CYBELE (THE GREAT MOTHER)

Phrygian

The great Phrygian mother, Cybele, is exposed to the elements, nourished by beasts, and adopted by common folk.

... an account is handed down also that this goddess was born in Phrygia. For the natives of that country have the following myth: In ancient times Meion became king of Phrygia and Lydia; and marrying Dindyme he begat an infant daughter, but being unwilling to rear her he exposed her on the mountain which was called Cybelus. There, in accordance with some divine providence, both the leopards and some of the other especially ferocious wild beasts offered their nipples to the child and so gave it nourishment, and some women who were tending the flocks in that place witnessed the happening, and being astonished at the strange event took up the babe and called her Cybele after the name of the place. The child, as she grew up, excelled in both beauty and virtue and also came to be admired for her intelligence; for she was the first to devise the pipe of many reeds and to invent cymbals and kettledrums with which to accompany the games and the dance, and in addition she taught how to heal the sicknesses of both flocks and little children by means of rites of purification; in consequence, since the babes were saved from death by her spells and were generally taken up in her arms, her devotion to them and affection for them led all the people to speak of her as the `mother of the mountain´.

(C. H. Oldfather, trans., Diodorus of Sicily, vol. 3, book 3.) [Hervorhebung von mir]".

Dieser Text von David Adams Leeming (1998, p. 25) erklärt ausserdem die Charakterisierung der Göttin Kybele, die wir oben von Sarolta A. Tacács ("Cybele", in: Brill's New Pauly [DNP] III, 2003, Sp. 1035) gehört haben: "Cybele ... is the goddess of fertility, city protectress (expressed in the mural crown), prophetess and healer [Hervorhebung von mir]":

Dass die Göttin Kybele auch eine "prophetess" war, wie Tacács (2003, Sp. 1035) schreibt, belegt Eckart Olshausen ("Pessinus", in: KlPauly 4, 1979, Sp. 667) mit einem historisch bedeutsamen Beispiel, von dem wir bereits von Erich S. Gruen (1990, p. 17, etwas gehört haben; siehe oben zu Punkt 9.), Ad b)).

Olshausen ("Pessinus", 1979, Sp. 667) schreibt:

"... da Galloi (2) der Priester [aus Pessinus] 189 [v. Chr.] dem röm. Consul Cn. Manlius Vulso (40) an den Sangarios entgegenzogen und ihm im Namen der Göttin den Sieg im Kampf gegen die Galater verkündeten (Pol. 21,37,5-7. Liv. 38,18,9f.)".

Verlindes (2015) Darstellung der Entwicklung des Kultes der Göttin Kybele in Pessinus ist dagegen leider lückenhaft. So geht er gar nicht darauf ein, dass die Göttin in Pessinus, wie wir aus den Sibyllinischen Büchern wissen, mater Idaea hieß; vergleiche Livius (29.10, 4-6).

Wir erfahren ja im Text "Mater Magna" (Häuber 2026b, Anm. 14, Text zu Anm. 43), dass bereits Aeneas das Heiligtum der Mater Idaea auf dem Berg Ida nach dem Brand von Troia aufgesucht hatte.

Daraus können wir schliessen, dass auch in Pessinus die Göttin mater Idaea schon viel früher verehrt worden ist, als Verlinde (2015, p. 30, was wir oben zitiert haben) behauptet, der (irrtümlich) davon ausgeht, dass es sich bei dieser Göttin um die phrygische Göttin Kybele gehandelt hat.

Zu diesem Thema werde ich unten noch weitere Erkenntnisse von Eckart Olshausen ("Pessinus", 1979, Sp. 666) diskutieren.

Wir haben ja schon gesehen, dass auch Sarolta A. Tacács (2003, Sp. 1035, ebenso wie Eckart Olshausen "Pessinus", 1979, Sp. 666), der Ansicht ist, dass die Göttin Kybele bereits vor 1200 v. Chr. nach Pessinus gekommen war.

Was, falls diese Behauptung den Tatsachen entspricht, wiederum bedeuten würde, dass die Göttin bereits im Areal der späteren Stadt Pessinus heimisch gewesen sein muss. bevor die Invasion der Phryger (aus Griechenland !) in Anatolien stattgefunden hatte.

Vergleiche dazu Günter Neumann ("Phryger", in: KlPauly 3, 1979, Sp. 822-825). Die Besiedlung Anatoliens durch die Phryger wird in mehreren Phasen angenommen, beginnend um 1200 v. Chr.; Sp. 822: "im 8. Jh. schafft Midas ein [phrygisches] Reich mit Gordion als Hauptstatdt"; vergleiche auch Eckart Olshausen ("Phrygia", in: KlPauly 3, 1979, Sp. 825-826); Sp. 825: Zur sogenannten Agäischen Wanderung um 1200 v. Chr., wozu auch die Wanderung der Phryger nach Anatolien gehört hat.

Der Ägyptologe Rafed El-Sayed, mit dem ich diese `Agäische Wanderung´ bereits bei früheren Telefonaten diskutiert hatte, hat mich darauf hingewiesen, dass in der Ägyptologie die beteiligten Völker als "Seevölker" bezeichnet werden, ein Begriff, der mir auch schon aus meinem Studium der Vorderasiatischen Altertumskunde (1973-1980) bei Prof. Wolfram Nagel in Köln ein Begriff war. Da ich hier unmöglich eine Zusammenfassung der aktuellen Forschungsdiskussion zu diesen hochkomplexen Vorgängen bieten kann, hat mir El-Sayed, auf meine Bitte hin, am 5. Juli 2026 per Email mitgeteilt, dass ich hierzu alles Gewünschte in den Forschungen des österreichischen Ägyptologen Manfred Bietak und in der Zeitschrift "Ägypten und die Levante" finden könne. Daraufhin habe ich im Internet den folgenden Aufsatz von Manfred Bietak gefunden: "Zur Landnahme Palästinas durch die Seevölker und zum Ende der ägyptischen Provinz Kana'an", Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo [MDAIK] 47 (1991), S. 35-50.

Um den neuesten Stand der Forschung zu unserer hier betrachteten Göttin Mater Magna/ Kybele kennenzulernen, zitiere ich, wie oben angekündigt, im Folgenden eine Passage aus Michael Kerschner ("Einleitung des Herausgebers", S. 7, aus dem Band Der Kult der Meter/ Kybele in Westanatolien und in der Ägais, 2020), in der er auch die hier diskutierten Forschungen von Jan N. Bremmer zu diesem Themenkomplex zusammenfasst :

"Die Göttin Meter spielte in der Religionsgeschichte Anatoliens eine herausragende Rolle. Hier - genauer gesagt im ostanatolisch-nordsyrischen Raum - lagen auch ihre Wurzeln. In Keilschrifttexten aus dem kappadokischen Kanesch lässt sich im frühen 2. Jahrtausend v. Chr. erstmals die Verehrung einer Göttin Kubabat nachweisen. Im spätbronze- und früheisenzeitlichen Karkemisch am Euphrat wurde Kubaba als Stadtgöttin verehrt. In Phrygien war die wesensverwandte Matar (Kubilaya) die dominierende Gottheit. Sowohl Kubaba als auch Matar fanden ihren Weg nach Westanatolien, wo sie in Lydien und im griechischen Siedlungsbereich Ioniens und der Aiolis zu einer einzigen Göttin verschmolzen, die Meter, seltener Kybele genannt wurde. In der Ostägäis fand Meter Eingang in das griechische Pantheon. Im späten 3. Jahrhundert v. Chr. gelangte sie als Mater Magna nach Rom, und ihr Kult verbreitete sich im gesamten Imperium Romanum.

Den langen Weg der Göttin von ihren Wurzeln in Südostanatolien und Nordsyrien bis hin zu ihrem Einzug in Rom zeichnet Jan Bremmer in seinem religionsgeschichtlichen Beitrag nach. Er geht den Ursprüngen der wesensverwandten Gottheiten Kubaba, Kybebe, Kybebos, Matar, Kybele, Meter und Mater Magna nach, verfolgt ihre Wege von Osten nach Westen und beschreibt den Wandel, den die religiösen Vorstellungen und der Kult im Laufe der Zeit durchliefen. Es gelingt ihm dabei, zwei Stränge auseinander zu halten, die bislang in der Forschung häufig vermischt wurden: Kubaba und Matar (Kubilaya) waren in ihrem Ursprung unterschiedliche Gottheiten, deren Verschmelzung erst bei ihrer Übernahme im westanatolisch-ostgriechischen Raum vollzogen wurde [Hervorhebung von mir]".

Vergleiche hierzu auch Jan N. Bremmer selbst (2020, Section: "Mater Magna in Rome", pp. 23-24).

Ich zitiere diese Textpassage im Folgenden sehr ausführlich wegen Bremmers Erkenntnissen zum Gott Attis, der, wie Bremmer mitteilt, erstmals im späten 4. Jh. v. Chr. in Athen (!) belegt ist. Für Attis, den Geliebten und Kultpartner der Kybele, wurde dann in Pessinus eine `phrygische Genealogie´ entwickelt, die mit dem einheimischen Namen der Mutter des Attis, `Nana´, auf die neue unmittelbare Umgebung des Gottes Bezug nahm; zwei weitere Namen in dieser Genealogie des Attis entsprechen den beiden Flüssen in Pessinus und seiner unmittelbaren Umgebung: Dem Gallos und dem Sangarios; wobei der Vater der Nana Sangarios heisst.

Ausserdem schreibt Bremmer, dass der Kult des Attis gleichzeitig mit dem der Kybele nach Rom überführt worden sei.

Alle diese von Bremmer mitgeteilten Informationen beweisen, dass das Kultbild der Kybele, das im Jahre 205 oder 204 v. Chr. (offenbar zusammen mit dem Kult des Kultpartners der Kybele, Attis) nach Rom gelangt ist, tatsächlich aus Pessinus stammte.

Weder Bremmer (2020), noch Verlinde (2015) bezweifeln in ihren Aufsätzen dieses in Schriftquellen belegte Faktum, dass das nach Rom gebrachte Kultbild der Kybele aus Pessinus kam, aber es gibt andere Gelehrte, die, wie wir oben in Punkt 9.) gesehen haben, das nicht glauben wollen.

Jan N. Bremmer (2020, Section: "Mater Magna in Rome", pp. 23-24) schreibt:

"In 204 B.C. Kybele was introduced in Rome as Mater Deum Magna Idaea or, more briefly, Mater Magna - not Magna Mater, as most people still write [mit Anm. 101; auch ich habe diese Göttin bislang irrtümlich `Magna Mater´ genannt - und wie wir gleich sehen werden, Jan N. Bremmer in diesem Text ebenfalls !].

The name of the Mother of the Gods and the mention of Ida in her title, the dendrophori (below), the Greek language of the cult songs (Serv. georg. 2, 394) and the iconography of the Roman votive figurines, all support Varro's notice that the goddess came from Pessinous via Pergamum [mit Anm. 102], and not straight from Pessinous as most sources tell us [mit Anm. 103]. Now what light does our Roman evidence throw on the Anatolian cult of Kybele? ...

To put the question this way, one immediately has to qualify the issue. When looking more closely at the Phrygian evidence, it becomes clear that the local cult in Pessinous as it appears in our sources is not an undiluted primitive Phrygian cult, but a dynamic cult that kept up with the times. This appears, for example, from the prominent position of Attis, who only emerges in our sources in the later 4th century, not in Phrygia but in Athens [mit Anm. 105]! Unlike what one might think, Attis is clearly not an original Phrygian god. Yet he was integrated in the local mythology in an aetiological myth, which we know from the Athenian Timotheus, who must have visited Pessinous around 300 B.C. or had well informed sources. His lurid [page 24] version is a mixture of ancient tradition, contemporary cult and local landmarks. For example, the birth of Agdistis through Zeus' copulation with a rock seems inspired by the beginning of the Song of Ullikummi, as Walter Burkert noted [mit Anm. 106], but the mention of the Mother of the Gods and the Great Mother introduce Greek titles, not originally Phrygian ones, perhaps via Pergamum. On the other hand, the name of the mother of Attis, Nana, is epichoric [dieses Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet `einheimisch´; mit Anm. 107], the name of her father, Sangarius [mit Anm. 108], refers to the local homonymous river (modern Sakarya), which has persuasively been identified with the Sahiriya of the festivals of Istanuwa, dating to the middle of the 2nd millennium B.C. [mit Anm. 109}, and the name of king Gallus, the name giver of the local priests, is also the name of a local river [mit Anm. 110]. It seems, then, that the local traditions had reworked some details from much earlier Hurrian or Hittite literature, but only fragmentarily and in wholly new configurations. In fact, this dynamic nature long remained a characteristic of the cult, as in Roman times aspects of the Roman temple of the Magna Mater [corr: Mater Magna !] were integrated in the temple in Pessinous [mit Anm. 111] !

Versions of the myth of Attis and the Mother of the Gods were known in Rome, witness Ovid (fast. 4, 221–246), who almost certainly drew on Hellenistic sources ...

First, we note that the Romans did not take over the full nomenclature of the Phrygian priests. In Pessinous, the most important priest was called Attis [mit Anm. 112], which was not the case in Rome [mit Anm. 113], where Attis was worshipped as a god, presumably since the introduction of Kybele [mit Anm. 114; Hervorhebung von mir]".

In seiner Anm. 102, schreibt Bremmer: "Varro ling. 6, 15; cf. Kuiper 1902. Pergamene influence: Roller 1999, 212. 278; Erskine 2001, 205–225; Parodo 2018 [Hervorhebung von mir]".

In seiner Anm. 103, schreibt Bremmer: "Diod. 34, 33, 2; Strab. 12, 5, 3; Val. Max. 8, 15, 3; Sil. 17, 3; App. Hann. 56, 233; Herodian. 1, 11, 1".

In seiner Anm. 111, schreibt Bremmer: "Rieger 2007, 114-118".

Vergleiche Bremmers "Bibliography" auf S. 26-32; den Aufsatz von Verlinde (2015) diskutiert Bremmer nicht.

Vergleiche zu dem von Bremmer (2020, S. 23-24) diskutierten Thema auch: David Adams Leeming (1998, pp. 25-26. "Nana and Attis Phrygian").

Zu der oben zitierten Textpassage aus Bremmer (2020, p. 24) möchte ich einen Kommentar hinzufügen.

Bremmer zitiert "Ovid (fast. 4, 221–246)", darin wird aber eine Version des Attismythos erzählt, die denkbar verschieden ist von der, die wir gerade von Bremmer gehört haben. Bei Ovid ist von einer ganz anderen mythischen Figur die Rede, deren Name von dem des Flusses Sangarios abgeleitet ist: Es handelt sich um die Nymphe "Sagaritis", in die sich Attis verliebt; als Kybele daraufhin den zu der Nymphe Sagaritis gehörenden Baum zerstört und damit die Nymphe tötet, verfällt Attis in Raserei und kastriert sich selbst.

Vergleiche für die sehr verschiedenen Versionen des Attismythos ausserdem: Francis Redding Walton und John Scheid ("Attis", in: OCD3 [1996] p. 213), die auch erklären, welche Rolle die von Bremmer (2020, p. 24) erwähnte mythische Gestalt Agdistis im Attismythos gespielt hat:

"Attis, in mythology, the youthful consort of Cybele and prototype of her eunuch devotees. The myth exists in two main forms, with many variants. According to the Phrygian tale (Paus. 7. 17.10-12; cf. Arn., Adv. nat. 5-7), the gods castrated the androgynous Agdistis; from the severed male parts an almond tree sprang and by its fruit Nana conceived Attis. Later Agdistis fell in love with him, and to prevent his marriage to another caused him to castrate himself. Agdistis is clearly a doublet of Cybele, though Arnobius brings them both into his account. Ovid (Fast. 4.221-44) and others change many details, but keep the essential aitiological feature, the self-castration ...

Whatever his original character, vegetation god or mortal lover of Cybele, in the early cult he remains a subsidiary figure, whose death is mourned but who is not, apparently worshipped. Attis rarely appears in Greece, but was present at Rome from the time of Cybele's introduction ... [Hervorhebung von mir]".

Und wenn wir wissen möchten, wen Attis - Francis Redding Walton und John Scheid (1996) zufolge - hatte heiraten wolle, weshalb Agdistus dann den Attis dazu gebracht habe, sich selbst zu kastrieren, dann erfahren wir all das von David Adams Leeming.

Leeming (1998, pp. 157-158) beschreibt ausserdem ausführlich die Zeremonien zu Ehren des Gottes Attis im Heiligtum der Mater Magna auf den Palatin, die der Prozession `Arbor intrat´ folgten, sowie deren Bedeutung :

"ATTIS

Phrygian

The story of the death of Attis is the narrative form of the ritual of the year-god, the hero-king who dies and is reborn in the spring. The year-god is dismembered - in this case castrated - and buried. His death is associated with a tree.

Attis was a boy of marvelous beauty. The tale goes on that Agdistis fell in love with him. The savage deity took the grown lad out hunting, led him into the most inaccessible wildernesses and gave him spoils of the chase. Midas, King of Pessinous, sought to separate Attis from Agdistis, and to this end gave the boy his own daughter to wife. Agdistis appeared at the wedding and drove the participants mad with the notes of a syrinx. Attis castrated himself beneath a pine-tree, crying out: "Unto thee, Agdistis!" And thus he died. [Mit Anm, 1].

[Sir James Frazer tells us of the ritual connected with the death of Attis.]

On the twenty-second day of March, a pine-tree was cut in the woods and brought into the sanctuary of Cybele, where it was treated as a great divinity. The duty of carrying the sacred tree was entrusted to a guild of Tree-bearers. The trunk was swathed like a corpse with woollen bands and decked with wreaths of violets, for violets were said to have sprung from the blood of Attis, as roses and anemones sprang from the blood of Adonis; and the effigy of a young man, doubtless that of Attis himself, was tied to the middle of the stem.

On the second day of the festival, the twenty-third of March, the chief ceremony seems to have been a blowing of trumpets.

The third day, the twenty-fourth of March, was known as the Day of Blood: the Archigallus or high-priest drew blood from his arms and presented it as an offering. Nor was he alone in making this bloody sacrifice. Stirred by the wild barbaric music of clashing cymbals, rumbling drums, droning horns, and screaming flutes, the inferior clergy whiffed about in the dance with waggling heads and streaming hair, until, rapt into a frenzy of excitement and insensible to pain, they gashed their bodies with potsherds or slashed them with knives in order to bespatter the altar and the sacred tree with their flowing blood. The ghastly rite probably formed part of the mourning for Attis and may have been intended to strengthen him for the resurrection ...

Further, we may conjecture, though we are not expressly told, that it was on the same Day of Blood and for the same purpose that the novices sacrificed their virility. Wrought up to the highest pitch of religious excitement they dashed the severed portions of themselves against the image of the cruel goddess. These broken instruments of fertility were afterwards reverently wrapt up and buried in the earth or in subterranean chambers [page 158] sacred to Cybele, where, like the offering of blood, they may have been deemed instrumental in recalling Attis to life and hastening the general resurrection of nature, which was then bursting into leaf and blossom in the vernal sunshine ...

... in the similar worship of Cybele the sacrifice of virility took place on the Day of Blood at the vernal rites of the goddess, when the violets, supposed to spring from the red drops of her wounded lover, were in bloom among the pines. Indeed the story that Attis unmanned himself under a pine-tree was clearly devised to explain why his priests did the same beside the sacred violet-wreathed tree at his festival.

At all events, we can hardly doubt that the Day of Blood witnessed the mourning for Attis over an effigy of him which was afterwards buried. The image thus laid in the sepulchre was probably the same which had hung upon the tree ...".

In seiner Anm. 1, schreibt Leeming: "C. [Karl] Kerényi, The Gods of the Greeks [1979], p. 90.

(Sir James Frazer, The New Golden Bough, edited by Theodor H. Gaster [1968], pp. 370-373.) [Hervorhebung von mir]".

Über die Göttin Kybele in Phrygien und über das Heiligtum der Kybele auf dem Berg Ida schreibt Bremmer (2020, Section: "Kybele in Phrygia and the Greek World", p. 21) :

"From the aproximately 20 sculptural Phrygian representations of Matar [mit Anm. 82], which start to appear in the 7th century, we get a good idea as to how the goddess was thought to look like: »as a mature woman, standing upright, with her head, body, and legs perfectly frontal. Her arms are usually bent across her body and holding various objects. Her figure is heavily draped« and she »normally wears a tall, tiered headdress, the so-called polos, from which a long veil extends to the hem of her skirt«. The costume was almost certainly modelled after that of women on Neo-Hittite relief sculpture in South-eastern Anatolia in the 9th and 8th centuries B.C. [mit Anm. 83].

Even though we know how the Phrygian Mother looked like, we have surprisingly little information about her cult. There are many comparable ›Mothers‹ [mit Anm. 84], such as Mater Idaia, »Mother of Mt Ida« [mit Anm. 85], Meter Dindymene, »Mother of Mt Dindymon/a« [mit Anm. 86], and even Mater Phrygia [mit Anm. 87], but cultic details are few and far between [Hervorhebung von mir]".

In seiner Anm. 85, schreibt Bremmer: "Eur. Or. 1453; for her cult on Ida see also Eur. Hel. 1323-1324 and F 586 (Kannicht), to be read with the observations on the text by S. Radt in: Harder et al. 2002, 439 f.; Varro Onos lyras 358; Lucr. 2, 611; Strab. 10, 3, 12, 22; Verg. Aen. 9, 600–601 [corr: 9, 617-620] (with S. J. Harrison ad loc.); Ov. fast. 4, 182 (Bömer); Liv. 29, 10, 5; Stat. Theb. 10, 170; Hesych. I 157 (Latte); Nauta 2005, 91 f".

Vergleiche: VERGILIUS MARO, PUBLIUS, Aeneis: lateinisch-deutsch / Vergil. In Zusammenarbeit mit Maria Götte herausgegeben und übersetzt von Johannes Götte. Mit einem Nachwort von Bernhard Kytzler, 9. Auflage 1997 (Düsseldorf/ Zürich: Artemis und Winkler, Sammlung Tusculum), 1. Auflage 1983.

Bremmer (2020, Section: "Conclusion", pp. 25-26) teilt am Ende seines Aufsatzes mit, dass er in diesem Text fast 2000 Jahre der Geschichte der Göttinnen Kubaba und Kybele nachgezeichnet hat :

"With the Roman evidence, we have covered nearly two millennia of the history of two Anatolian goddesses, Kubaba and Kybele, whose worship became intertwined in the middle of the 1st millennium B.C. Yet the two goddesses should be kept separate from one another. They clearly have different origins and they had, undoubtedly, different functions in the beginning. It was only in the Greek world that they gradually became identified. The reasons for this identification are not immediately clear. The closeness in name may have helped, and both divinities may have had orgiastic features when they came into contact with one another. Yet despite the clarification of their origins and functions, their merging is still only dimly visible. Moreover, outside Rome it is very hard to get a clearer idea of the average worshipper of [page 26] Kybele. Despite the noise of their roaring music and the hurting of the eyes by their gaudy clothes, these ancient worshippers and their gods still pose many problems, whatever modern people may think [mit Anm. 131; Hervorhebung von mir]".


Kehren wir nun zur Diskussion von Angelo Verlindes (2015) Erkenntnissen zurück.

Verlinde (2015, Section: "1. Introduction", pp. 31-33) beschreibt in chronologischer Reihenfolge die Architekturen auf dem "promontory" (der Anhöhe) auf dem rechten Ufer des Flusses Gallos in Pessinus, in den "Sectors B und H" [vergleiche dazu oben, die von uns abgebildeten Karten von Pessinus], wo sich zunächst die archaische phrygische Stadt Pessinus befunden hatte, auf die Verlinde 2015 dann auf p. 63 eingehen wird.

In der hier folgenden Textpassage beginnt Verlinde (2015, pp. 31-33) mit der an dieser Stelle in hellenistischer Zeit errichteten Burg der Dynasten von Pessinus. Dort sollte schließlich der spätaugusteische Theatertempelkomplex, das Sebasteion, errichtet werden. Zum Schluss erwähnt Verlinde die in römischer Zeit erfolgte Kanalisierung des Flusses Gallos, an dessen Stelle ein cardo maximus von Pessinus erbaut worden sei, wobei Verlinde die städtebauliche Bedeutung dieser Baumassnahme betont:

"Sectors B and H, in the south of the village [das heisst, von Ballıhisar], constitute a significant part of Pessinus' monumental centre (Fig. 2). The promontory in sector B holds the remnants of a large complex with thick perimeter walls in emplekton [mit Anm. 3]. It was built in two main phases, one Early Hellenistic (third century BC), the other Late Hellenistic (ca. 120 BC-80 BC). In the late Augustan era, a resonating sample of Roman-style tabula rasa urbanism resulted in the removal of the core of the complex [mit Anm. 4]. This intervention was part of the levelling works for the construction of a terrace, in which the massive foundations of a marble Corinthian temple on a disproportionally large stepped krepis were implanted [das heisst, der Theatertempelkomplex, das Sebasteion]. The western slope of the promontory was dug out to contain a hybrid structure, which combined a central stairway and a cauea and shared the longitudinal axis of the temple above (Fig. 3). A massive limestone terrace wall [page 32; page 33] functioned as the analemma of the cauea wings. All this coincided with the monumentalization of the Gallos, which became a cardo maximus framed with marble colonnades and quay walls, connecting the zone of the temple [gemeint ist der Theatertempelkomplex, das Sebasteion] for the first time in its history with the rest of the urban fabric (Fig. 4) [mit Anm. 5; Hervorhebung von mir]".

Verlinde (2015, Section: "1. Introduction", p. 35) glaubt nicht, dass sich der Tempel der Kybele im Stadtgebiet von Pessinus (das heisst, in Ballıhisar) befunden hat :

"It will be argued that the temple may not be found in the village of Ballihisar to begin with, and that the Early Phrygian roots of the sanctuary may have been a later fabrication".

Verlinde (2015, Section: "2. Ancient sources", p. 35) glaubt (irrtümlich), dass Theopomp, ein Historiker des 4. Jhs. v. Chr., die früheste Quelle sei, die von einem Heiligtum mit einem Tempel der Kybele in Pessinus berichtet :

"The passage of fourth century BC historian Theopompus on the Phrygian roots of the Pessinuntine sanctuary is the earliest known [mit Anm. 10]". Verlinde zitiert die entsprechende Schriftquelle, in der von der Beteiligung von König Midas am Bau dieses Tempels sowie an der Einrichtung des Kultes für Kybele die Rede ist.

Vergleiche hierzu auch Karl Strobel ("Pessinus", in: Brill's New Pauly [DNP} vol. X, 2007, Sp. 861): "According to legend, Midas took part in the establishment of the temple and sacrificial cult [in Pessinus] (Diod. Sic. 3,59,8; Theopomp. FGrH r15 F 260; Arnob. 2,73) [Hervorhebung von mir]".

Wie oben schon gesagt, sind statt dessen die Sibyllinischen Bücher, die spätestens im 6. Jh. v. Chr. entstanden sind, die älteste Quelle, die von einem Heiligtum der Mater Idaea/ der Kybele in Pessinus berichtet haben; vergleiche Livius (29.10,4-6).

Verlinde (2015, Section: "2. Ancient sources", p. 36) schreibt über die mögliche Lokalisierung des Heiligtums der Kybele in Pessinus :

"When Pessinus became a temple state, at the latest and presumably in the third century BC, the boundaries of its territories were marked by the Sangarios to the south and by the Sivrihisar Dağları, which is joined by the Arayit Daği (Dindymos Mountain) to the north and northeast [mit Anm. 16]. In the west, the area of Pessinus was probably bordered by Midaion (Karahöyük).

The location of the sanctuary may have been anywhere in this large area of about 1000 km2, which constituted Pessinus' chora. We will learn that in Anatolia it was common for shrines to Kybele to be situated in remote, inhospitable locations outside of the central settlement [mit Anm. 17; Hervorhebung von mir]".

Verlinde (2015, Section: "2. Ancient sources", pp. 37-38) weist nach, dass bereits zur Zeit von König Attalos I. von Pergamon die Stadt/ der Tempelstaat Pessinus zum Einflussgebiet des Königs gehört hatte :

"The repute of the temple during the Republican period shines through in Rome's veneration. In 205/204 BC, after the Sibylline Books had predicted that the coming of the baetylus (representing Kybele) to Rome would guarantee triumph over Carthage, Rome sent out an embassy to receive the sacred stone from Pessinus [mit Anm. 20]. According to Livy, king Attalus I Soter (r.[eigned] 241-197 BC) served as a mediator between Rome and Pessinus and personally escorted the Roman delegation to the sanctuary [mit Anm. 21]. J. Devreker proposes that Pessinus received the sanctuary from Pergamon [corr.: Pergamum] as compensation for `losing´ the sacred stone to Rome [mit Anm. 22]. Another interpretation is offered by L. Boffo, who suggests that the erection of the sanctuary may only have occurred after 183 BC, when Galatia was subject to Pergamene rule [mit Anm. 23]. However, none of these theories explain why Attalus' moral authority was high enough to assume the role of mediator, or how the Romans could have made the Attalid temple famous, if it did not yet exist by 205/204 BC [mit Anm. 24].

Strabo does not mention any sanctuary preceding the one of the Attalids, and after introducing the Attalid Hellenistic temenos, he notes that the Romans made it famous when the baetylus was retrieved at the end of the third century BC. [page 38]

This gives a terminus ante quem for the erection of the Attalid sanctuary, meaning it was built in the third century BC, possibly by Attalus I who before 226 BC - had enlarged his sphere of influence to include Greater Phrygia [mit Anm. 25]. Although there is a lacuna in the history of the Gauls of Asia Minor from 229 to 196 BC, it has been alleged that there are reasons to assume the existence of an alliance of Attalus I with those of Pessinus [mit Anm. 26; Hervorhebung von mir]".

In seiner Anm. 25, schreibt Verlinde: "R. B. MC SHANE, The Foreign Policy of the Attalids of Pergamum, Urbana, 1964, p. 61; HANSEN, The Attalids [n.(ote) 21], p. 38".

In seiner Anm. 21, schreibt Verlinde: "E. V. HANSEN, The Attalids of Pergamon (revised second edition), Ithaca/London, 1971, p. 50-51".

Verlinde (2015, Section: "2. Ancient sources", p. 40) schreibt :

"There is no compelling reason to assume that a new sanctuary to Kybele was built in the Augustan or Tiberian period". Wie oben schon gesagt, teile ich Verlindes diesbezüglichr Meinung nicht; ich werde darauf unten zurückkommen.

Verlinde (2015, Section: "4. The excavated temple in sector B"; "4.1. Archaeology", p. 49) schreibt, dass der spätaugusteische Theatertempelkomplex, das Sebasteien in Sector B [siehe oben, die von uns abgebildeten Karten von Pessinus], möglicherweise erst in den ersten fünf Regierungsjahren des Tiberius eingeweiht worden sei :

"The total picture, arising from the combined archaeological evidence, suggests a late Augustan date for the construction and inauguration of the temple [gemeint ist der Theatertempelkomplex, das Sebasteion], although completion in the first five years of Tiberius' reign remains a possibility [mit Anm. 67]".

Verlinde (2015, pp. 49-52) untersucht in Section: "4.2. Epigraphic and numismatic indications".

Vergleiche p. 49 mit Anm. 68: Früher hatte man den Tempel im Sector B von Pessinus [siehe oben, die von uns abgebildeten Karten von Pessinus] für den "famous temple of Kybele" gehalten, wie Verlinde schreibt. Jetzt gelte dieser Theatertempelkomplex als ein Sebasteion. Dieser Tempelkomplex war zunächst tiberisch datiert worden, wobei sich diese Datierung auf Inschriften in Ankyra (Ankara) stützte, die aber inzwischen spätaugusteisch datiert werden; vergleiche Verlinde (2015, p. 51 mit Anm. 76): Italienische Gelehrte haben vorgeschlagen, dass dieser Tempel Teil des Heiligtums der Kybele sei, das König Attalos I. von Pergamon erbaut habe.

Verlinde (2015, Section: "4.3. The Hellenistic citadel(s)", pp. 55-56) lehnt die Identifizierung des Theatertempelkomplexes, des Sebasteions, mit dem Tempel der Kybele von König Attalos I. von Pergamon ab, die, wie oben erwähnt, von italienischen Gelehrten vorgeschlagen worden ist :

"There are other objections to be made on the topic of the views of the mentioned Italian scholars, i.e. [id est] that the excavated temple [der augusteische Theatertempelkomplex, das Sebasteion; siehe oben, die von uns abgebildeten Karten von Pessinus] was the Attalid shrine of the Mother. Stratigraphically, the excavated temple could not have been Hellenistic, as its foundations are erected in a terrace, of which the construction partly destroyed the late Hellenistic citadel that preceded the temple complex (Fig. 2). A proconsular cistophorus from Phrygian Laodicea found underneath a limestone pavement bordering the courtyard of the citadel yields a 56/53 BC terminus post [page 56] quem for its last renovation [mit Anm. 96]. The citadels were clearly residential and strategically conceived, although the military character was toned down in favour of fashionable colonnaded features in the later first century BC. It has been suggested - although without much substantiation - that these buildings were once part of a cult area [mit Anm. 97]. However, since the walls of the citadel cut through Late Phrygian ritual depositions, the ritual character of (parts of) the locale was given up at this stage (cf. infra). Pottery, architecture and faunal remains strongly attest to the residential character of the complex and the fact that the area was never used as a cult area in the Hellenistic period [mit Anm. 98]. Also, the layout and finds (e.g. [exemplum gratia] wall paintings in the First Pompeian Style) indicate that the complex was inhabited by prominent people, perhaps even the ruling dynastai of Pessinus. Therefore, the building of the temple [womit er den spätaugusteischen Theatertempelkomplex, das Sebasteion meint] may not only have been a product of Roman-style tabula rasa urbanism, but also a clear - perhaps symbolical - breach with the past of the site. The promontory, which was once the locus of political power, morphed abruptly into a sacred area [Hervorhebung von mir]".


Zu diesem Passus von Verlinde (2015, pp. 55-56) möchte ich einige Kommentare hinzufügen.

Verlinde (2015, pp. 55-56) bedenkt bei seiner oben zitierten Argumentation nicht, dass ein derartiger ehemaliger "locus of political power" (das heißt, die `Burg´ dieser "ruling dynastai of Pessinus") üblicherweise auch eine Kultstätte jener Gottheit(en) enthielt, welche die entsprechenden Herrscher persönlich verehrt hatten. Später wird Verlinde (2015, p. 72) diese Burg der "ruling dynastai of Pessinus" als die "citadel of the priests" bezeichnen, das heisst, es handelte sich um die "fortified residence of the ruling high priest" des Tempelstaates von Pessinus (wie Karl Strobel 2024, p. 498, schreibt; siehe dazu unten).

Auf Verlindes (2015, p. 56) soeben genannten ehemaligen "locus of political power" (das heisst, die `Burg´ dieser "ruling dynastai of Pessinus"), wie er es formuliert hat, werde ich deshalb unten, nach meiner Diskussion des Aufsatzes von Verlinde (2015), noch einmal zurückkommen.

Für meine oben gemachte Behauptung, ``dass ein derartiger ehemaliger "locus of political power" (das heißt, die `Burg´ dieser "ruling dynastai of Pessinus") üblicherweise auch eine Kultstätte jener Gottheit(en) enthielt, welche die entsprechenden Herrscher persönlich verehrt hatten´´, nenne ich hier nur ein Beispiel :

Das archaische Heiligtum, `wohl der Kybele´ (so K. Ziegler 1979, Sp. 982-983), unmittelbar unterhalb der Burg der griechischen Stadt Ilion in der Troas (die vielen Zeitgenossen und später vielen Römern, wie zum Beispiel Augustus [siehe dazu unten], als das homerische Troia galt).

Zum Problem, das homerische Troia zu identifizieren, habe ich Folgendes geschrieben; vergleiche Häuber ("Archäologische Stadtforschung I. Das Beispiel Rom", 2013, S. 149):

"Der gleichsam `umgekehrte' Versuch besteht darin, nach Städten zu suchen, die aus antiken Schriftquellen bekannt sind. Das berühmteste Beispiel einer diesbezüglichen Identifizierung, Troia, ist nach wie vor umstritten und wird von dem Philologen und Althistoriker T.P. Wiseman (2008, 311) wie folgt kommentiert:

``The trouble with archaeological discoveries is that they encourage the Schliemann fallacy: find the site of Troy, and you've proved the Iliad is true´´ [Hervorhebung von mir]". Online unter: <https://FORTVNA-research.org/texte/Archaeologische_Stadtforschung_Rom.html>.

Als ich das (2013) schrieb, waren mir aber noch nicht die bereits von Dietrich Mannsperger (2009, Sp. 970) publizierten neuen Erkenntnisse zu Hisarlik/ dem homerischen Troia bekannt, die ich unten zitieren werde.

Auch Konrat Ziegler ("Troia", in: KlPauly 5 [1979] Sp. 980: "Das gesch.[ichtliche] Ilion", diskutierte die Skepsis, die Ruinenstätte von Hisarlik, die unter anderen Heinrich Schliemann ausgegraben hatte, mit dem homerischen Troia zu identifizieren; mein Dank gilt Franz Xaver Schütz, der mich auf Zieglers Publikation hingewiesen hat.

Ziegler (1979) selbst hielt die Identifizierung der Ruinenstätte Hisarlik mit dem homerischen Troia aber für korrekt; auf Sp. 978-980: "Das vorhist.[orische] und das hom.[erische] T.[roia]", fasste Ziegler die Ausgrabungergebnisse in Hisarlik (dem homerischen Troia ?) zusammen; auf Sp. 982 schrieb Ziegler, dass sich im 8. Jahrhundert v. Chr. in der seit Jahrhunderten verlassenen Ruinenstätte von Hisarlik (dem homerischen Troia ?) die griechische Stadt Ilion angesiedelt habe: "4. Spätere Geschichte. Um die Mitte des 8. Jh.s besiedelten aiol.[ische] Griechen die verlassene Stätte neu mit dem Namen Ilion".

Vergleiche Sp. 982-983, wo Ziegler ein am Standort der späteren griechischen Stadt Ilion ausgegrabenes archaisches `offenes´ Heiligtum, `wohl der Kybele´, das sich dann später unmittelbar unterhalb der Burg von Ilion befand, wie folgt beschreibt: "... ein schon archaisches, später mehrfach umgebautes offenes Heiligtum, wohl [Sp. 983] der Kybele, [befand sich] am S.[üd]-Fuß der Burg AJA 1937, 588 ff. 1939, 218 ff.)".

Vergleiche Sp. 982: "Unter Augustus wurden [in Ilion] heil.[iger] Bezirk und Tempel der Athena Ilias großzügig neu gebaut [Hervorhebung von mir]".

Konrat Zieglers (1979, Sp. 982-983) Beschreibung dieses `offenen´, archaischen Heiligtums, `wohl der Kybele´, in der späteren Stadt Ilion können wir entnehmen, dass sich ein sehr viel früher in der Archaik gegründetes (mögliches) Kybele-Heiligtum (das vielleicht zunächst, wie eigentlich typisch, `unter freiem Himmel´, und mitten `in der Natur´, entstanden war) sehr wohl einige Jahrhunderte später `am Süd-Fuß der Burg von Ilion´ befinden konnte.

Da ich der Auffassung bin, dass das Berliner Relief (hier Abb. 1; Taf. 53-55) den `Aufbruch der Göttin Kybele in Pessinus ?´ darstellt, mache ich jetzt, wegen dieses von Ziegler (1979) beschriebenen, `offenen´, archaischen Heiligtums `wohl der Kybele´ in der Stadt Ilion (dem homerischen Troia ?), einen weiteren Vorschlag.

Wir haben oben die Liviusstelle (29.10, 4-6: 205 v. Chr.) studiert, in der von der in diesem Jahr erfolgten Weissagung der Sibyllinischen Bücher die Rede ist, ausserdem haben wir die Frage nach der Datierung der Sibyllinischen Bücher gestellt: Da sie von König Tarquinius Superbus vor 510/509 v. Chr, erworben worden waren, müssen sie spätestens im 6. Jh. v. Chr. entstanden sein.

Aus der von Livius (29.10, 4-6) für das Jahr 205 v. Chr. mitgeteilten Weissagung der Sibyllinischen Bücher geht demnach unzweifelhaft hervor, dass es in Pessinus ein Heiligtum der Kybele - die als ``mater Idaea´´ bezeichnet wurde - bereits im 6. Jh. v. Chr. gegeben hatte.

Verlinde (2015, p. 37, mit Anm. 20), der natürlich ebenfalls diese von Livius (29.10, 4-6: 205 v. Chr.) kommentierte Weissagung der Sibyllinischen diskutiert, hat sich aber nicht für die Datierung der Sibyllinischen Bücher interessiert; er selbst (Verlinde 2015, p. 35, mit Anm. 10) hält deshalb, wie wir oben gesehen haben, (irrtümlich) ein Fragment des Theopomp, einem Autor des 4. Jhs. v. Chr., für die früheste antike Schriftquelle, die über ein Heiligtum der Kybele in Pessinus berichtet.

Weil es demnach, auf Grund der Nachricht der Sibyllinischen Bücher, zitiert von Livius (29.10, 4-6), spätestens im 6. Jh. v. Chr. in Pessinus ein Heiligtum der Kybele gegeben hatte, lohnt sich ein Versuch, die genaue Lokalisierung dieses Heiligtums bestimmen zu wollen.

Vielleicht hatte es sich bei diesem archaischen Heiligtum der Kybele in Pessinus ursprünglich um ein ganz ähnliches `offenes´ archaisches Heiligtum wie in der späteren Stadt Ilion gehandelt, von dem Konrat Ziegler (1979) berichtet hat.

Damit meine ich, dass theoretisch die Möglichkeit besteht, dass dieses Kybele-Heiligtum zu einem Zeitpunkt innerhalb des Areals der späteren phrygischen Stadt Pessinus gegründet worden sein kann, als in diesem Teil des Flusstals des Gallos noch gar keine (phrygische) Siedlung existiert hatte.

Möglicherweise hatte sich dieses Kybele-Heiligtum sogar auf der Anhöhe, Verlindes (2015, pp. 31, 56, 72) "promontory" befunden, auf der in spätaugusteischer Zeit der Theatertempelkomplex, das Sebasteion errichtet werden sollte [vergleiche dazu oben, die von uns abgebildeten Karten von Pessinus]; es gibt theoretisch aber auch eine Alternative zu diesem Standort.

Die ausgegrabene phrygische Siedlung auf diesem "promontory" (vergleiche Verlinde 2015, pp. 31, 63, 72; alle drei Textpassagen sind hier wörtlich zitiert), die aber sehr viel älter gewesen sein kann als Verlinde selbst vorschlägt - worauf ich später zurückkommen werde), war vielleicht wegen des hier schon zuvor befindlichen Heiligtums der Kybele entstanden (wie ich erst jetzt sehe, hatte das bereits in ähnlicher Weise Eckart Olshausen festgestellt ("Pessinus", 1979, Sp. 666; siehe dazu unten).

Verlinde (2015, p. 36) geht davon aus, dass Pessinus spätestens im 3. Jh. v. Chr. ein "temple state" geworden war.

Auch die `Dynasten von Pessinus´, die sich im 3. und 2. Jh. Jh. v. Chr. am Standort dieser früheren phrygischen Siedlung, wie Verlinde schreibt (2015, pp. 31-35, 46, 56, 62, 64, 72), auf dem "promontory" in Pessinus, ihren "locus of political power" erbauten, hatten, meiner Meinung nach vielleicht gerade deshalb ihre `Burg´ an dieser Stelle angesiedelt, und dieses hier möglicherweise schon seit alters her befindliche Kybeleheiligtum in irgendeiner Form in ihre Residenz integriert. Vor allem, wenn man bedenkt, wie wir oben gesehen haben, dass es sich bei diesen von Verlinde so genannten `Dynasten von Pessinus´ um den Hoheprieser der Kybele handelte, das heisst, um den Herrscher über den Tempelstaat Pessinus (!) (so Karl Strobel 2024, p. 498; worauf ich später zurückkommen werde).

Vergleiche zu meiner Hypothese, dass die meiner Meinung nach archaische phrygische Siedlung Pessinus (siehe dazu unten, meinen Kommentar zu Verlinde 2015, Section: "5. Pessinus in Phrygian and Hellenistic times", p. 63) -

an dieser Stelle vielleicht wegen des dort bereits schon vorhandenen Kybeleheiligtums entstand, auch Eckart Olshausen, der von einer ähnlichen Version der Vor-Geschichte dieses Heiligtums überzeugt ist wie ich (siehe Olshausen, "Pessinus", in: KlPauly 4, 1979, Sp. 666-667 [mit den Ziffern in eckigen Klammern in seinem Text verweist Olshausen auf die entsprechenden Publikationen in seiner Bibliographie]).

Und während Verlinde (2015, p. 67; siehe unten) irrtümlich Folgendes schreibt: "Given the very modest, non-monumental character of pre-second century BC Pessinus", zitiere ich hier diesen Text Olshausens auch deshalb ausführlich, weil er betont, dass die Stadt Pessinus im fraglichen Zeitraum sehr reich war, und weil Olshausen mitteilt, was die Grundlage dieses Wohlstands gewesen ist.

Olshausen (1979, "Pessinus", Sp. 666-667) schreibt:

"Pessinus ... offensichtlich schon vor der phryg.[ischen] Wanderung um ein Heiligtum der kleinasiat.[ischen] Muttergottheit Kybele angelegte Siedlung im Grenzland von Phrygien und Galatien im oberen Flußtal des Sangarios ... [Spalte 667] ... P.[essinus] entwickelte sich sehr früh zu einem mächtigen Priesterstaat auf der finanziellen Basis eines blühenden Handels (vgl. [vergleiche] Textilien aus P.[essinus] [4]), dessen Umfang bes.[onders] bei der alljährlichen Frühjahrsmesse sichtbar war, die in Verbindung mit dem Hauptjahresfest der Göttin abgehalten wurde (vgl. [vergleiche] [4]) ... [Hervorhebung von mir]".

Als seine Publikation "[4]" nennt Olshausen in seiner Bibliographie: "T.R.S. Broughton, Roman Asia Min.[or]: An economic survey of anc.[ient] Rome (ed. T. Frank) 4, 1938, pp. 820-872".

Wie ich oben aus dem Beitrag von Franz Xaver Schütz "Mit Kybele von Pessinus nach Rom - eine topographische Übersichtskarte" (2026) wörtlich zitiert habe, hat Franz Eckart Olshausens Urteil bezüglich der auf Grund ihres Textilhandels sehr früh reich gewordenen Stadt Pessinus bestätigen können, indem er festgestellt hat, dass diese Region Anatoliens bereits seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. für ihre Wollproduktion bekannt war.

Wie wir oben schon gesagt, ist die sogenannte phrygische Wanderung, die Olshausen ("Pessinus", 1979, Sp. 666) in diesem Beitrag erwähnt, seit `um 1200 v. Chr.´ erfolgt.

Nota bene: Olshausen ("Pessinus", 1979, Sp. 666) geht, im Unterschied zu meinem eigenen oben formulierten Vorschlag, davon aus, dass in Pessinus bereits vor der phrygischen Wanderung `eine Siedlung um das Heiligtum der kleinasiatischen Muttergottheit Kybele angelegt worden ist´, was natürlich impliziert, dass dieses Heiligtum noch älter war als diese erste vor-phrygische Siedlung in der später phrygischen Stadt Pessinus (!).

Meiner Meinung nach bestätigt auch der Name der Göttin Kybele in Pessinus, mater Idaea (siehe Livius 29.10,4-6, der diesen Namen der Göttin aus den Sibyllinischen Büchern zitiert), dass die Vorschläge von Eckart Olshausen ("Pessinus", 1979, Sp. 666) und Sarolta A. Tacács (2003, Sp. 1035), richtig sind, denen zufolge die Göttin Kybele bereits `vor der phrygischen Wanderung´, beziehungsweise `vor 1200 v. Chr.´ nach Pessinus gekommen sei.

Da `mater Idaea´ der Name der Göttin Kybele auf dem Berg Ida bei Troia war, erlaubt diese Tatsache meiner Meinung nach nämlich den Schluss, dass der Kult der in Pessinus verehrten Kybele tatsächlich älter war als Verlinde selbst (2015, pp. 30, 35, 39, 40, 44, mit Anm. 51, p. 67, 70) annimmt, der es ja (irrtümlich) für selbstverständlich hält, dass es sich bei der Kybele in Pessinus statt dessen um die phrygische Göttin gehandelt habe.

Grundlage meiner hier vorgetragenen Hypothese ist die Tatsache, dass Aeneas in der Homer zugeschriebenen Ilias, sowie in den Dichtungen des Kyklos, erwähnt wird (vergleiche "Mater Magna", Häuber 2026b, Anm. 4, 14, 20, sowie Text zu Anm. 43), wobei in diesen Dichtungen vom Heiligtum der Kybele auf dem Berg Ida die Rede ist, in das sich Aeneas nach dem Brand Troias geflüchtet habe.

In diesem Zusammenhang müssen wir uns mit zwei in der Forschung sehr umstrittenen Fragen beschäftigen: Wo befand sich das homerische Troia ? und: Hat der Troianische Krieg stattgefunden ?

Wolfgang Schiering (1926-2005; vergleiche "Trojanischer Krieg", in: LAW [1965] Sp. 3133) fasste die entsprechenden Forschungsmeinungen seiner Zeit dahingehend zusammen, dass der Troianische Krieg zwischen dem 14. und 12. Jh. v. Chr. stattgefunden haben kann.

Dietrich Mannsperger ("Troy", in: Brill’s New Pauly volume 14, Leiden - Boston: Brill, 2009, Sp. 968-973) hält, wie bereits Wolfgang Schiering (1965, Sp. 3133), sowie Konrat Ziegler (1979, Sp. 978-980; den ich oben zitiert habe), die Identifizierung der Ruinenstätte in Hisarlik mit dem homerischen Troia für begründet.

Mannsperger (2009, Sp. 970) berichtet, dass in der neuesten Forschung nicht mehr, so wie früher, bezweifelt wird, dass der Troianische Krieg stattgefunden habe; in der Forschung herrsche aber nach wie vor keine Einigkeit, welche der in Hisarlik/ Troia ausgegrabenen Phasen der Stadt Troia (die alle ausgegraben und datierbar sind) diejenige gewesen ist, die während des Troianischen Krieges zerstört wurde.

Wir erfahren von Nigel Spivey (2016, p. 113), dass Homer ins 8. Jh. v. Chr. datiert wird.

Mannsperger (2009, Sp. 970) teilt die - für mich neue Erkenntnis - mit, dass nicht Homer, wie bislang immer geglaubt wurde, der Autor des in der Ilias und Odyssee geschilderte Geschehens sei, sondern, dass Homer das Ganze aus einer Dichtung des 13. Jhs. v. Chr. kopiert habe (!).

Mannsperger (2009, Sp. 970) schreibt (die in eckigen Klammern genannten Zahlen beziehen sich auf Publikationen in seiner Bibliographie; bei Monographien gibt er auch die entsprechenden Seitenzahlen an) :

"TROY ...

I. HISTORY

A. Name

B. Homeric Tradition and History of the Localization

... In the frequently discussed question of the historicity of the Trojan War, the scepticism of the 1960s (cf. along with [10] above all [11]) is currently being replaced by a certain confidence under the effect of the new excavations combined with the extra-Homeric written sources: ``The probability that an historical event... could be behind the T.[roy]/Wilios story..., has gradually grown stronger. The abundance of evidence... is today almost overwhelming´´ [3. 341]. Following this, the `T.[roy] story' reconstructed from the Iliad and Odyssey as well as later sources and the information contained therein are not Homer's invention, but rather come from the period when T.[roy] ``was alive´´ [3. 297]. The ``story conceived´´ in the 13th cent. BC would then have been handed down via the medium of hexameter lyric poetry (> Aoidoi, > Rhapsodes) through the > Dark Ages [1] to Homer [Hervorhebung von mir]".

Natürlich ist auch umstritten, ob der `Dichter Homer´ überhaupt existiert hat.

Vergleiche zur sogenannten `Homeric question´: Häuber (2014, S. 617):

"``There are a number of problems regarding the historical existence of Homer as an author – conventionally gathered under the denomination of the <Homeric Question>´´ [mit Anm. 61], as Nigel Spivey writes".

In meiner Anm. 61, schreibe ich: "Spivey forthcoming [erschienen 2016] (with references); cf. now Szlezák [Homer oder die Geburt der abendländischen Dichtung] 2012. I thank Martin Zimmermann (LMU München) for discussing this point with me to whom I owe this reference".

Nigel Spivey war so freundlich gewesen, mir nach seinem Vortrag zum Thema seines Aufsatzes am 12. Mai 2012 hier am Archäologischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München das Manuskript seines Beitrags zu schicken; vergleiche Häuber (2014, S. XXVI, mit Anm. 44).

Zu meiner grossen Überraschung hatte beides, sowohl dieser Aufsatz, als auch der Titel dieser Festschrift, in der er erschienen ist, in der 2016 publizierten Fassung andere Titel als ich in meinem Buch (2014), nach Nigels Angaben, zitiert habe; auch meine oben aus Nigels Aufsatzmanuskript zitierte Bemerkung findet sich in der gedruckten Fassung nicht mehr. Vergleiche jetzt: Nigel Spivey, "Homer and the Sculptors", in: The Archaeology of Greece and Rome: Studies in Honour of Anthony Snodgrass, 2016, passim; für ähnliche Beobachtungen, wie die der Bemerkung, die ich oben aus Nigels Manuskript zitiert habe, siehe pp. 115, 116 und 136.

Das Heiligtum der Kybele auf dem Berg Ida hat nun tatsächlich existiert. Das haben wir oben schon gehört (vergleiche J.N. Bremmer 2020, p. 21 mit Anm. 85), und werden es auch unten, von Arif Müfid Mansel, bestätigt finden (vergleiche ders., "Ida. 2. Bergzüge s.ö. [süd-östlich] der Troas im kleinasiatischen Mysien", in: KlPauly 2, 1979, Sp. 1337).

Aus diesem Grund bieten die oben zitierten Überlegungen zur Ilias und zum Troianischen Krieg meiner Meinung nach zumindest eine ungefähre Datierung für das Heiligtum der Kybele auf dem Berg Ida.

Denn als Homer die Ilias verfasste, oder, wie Mannsperger (2009, Sp. 970), schreibt, jener der Ilias zu Grunde liegende Text des 13. Jhs. v. Chr., sowie die Dichtungen des Kyklos entstanden sind, hatte dieses Heiligtum der Kybele auf dem Berg Ida ja schon existiert.

Folglich können wir daraus auch einen möglichen Zeitansatz entwickeln, ab wann die mater Idaea (theoretisch) nach Pessinus gekommen sein kann - nach dem oben Gesagten, möglicherweise seit 1300 v. Chr. [Hervorhebung von mir].

Fragment b des Berliner Reliefs (hier Abb. 1; Taf. 54) zeigt meiner Meinung nach das rechte Ufer des Flusses Gallos. Wenn meine Interpretation richtig ist. dann sehen wir auf Fragment b (hier Abb. 1; Taf. 54, 2) Leute, die auf einer steilen Felswand des Ostufers des Flusses Gallos zu diesem hinuntersteigen - meiner Meinung nach stammen diese Leute aus der archaischen Stadt Pessinus, die wir uns auf dem rechten Ufer des Flusses Gallos und oberhalb dieser Felswand vorstellen müssen [siehe oben, die von uns abgebildeten Karten von Pessinus], und von der wir auf Fragment c (hier Abb. 1; Taf. 55) den Ausschnitt einer Menschenmenge sehen. Siehe die von uns oben abgebildete Karte von Pessinus der belgischen Ausgräber John Devreker, Hugo Thoen und Frank Vermeulen (1995), Beschriftungen: SECTOR B; ROMAN TEMPLE COMPLEX [der Theatertempelkomplex, das Sebasteion], der an der Stelle der archaischen Stadt Pessinus erbaut wurde; die Anhöhe, auf der die archaische Stadt Pessinus errichtet wurde, wird von Angelo Verlinde (2015, pp. 31, 56, 72) als "promontory" bezeichnet.

Mit dieser soeben formulierten Beschreibung der topographischen Lage der archaischen Stadt Pessinus mit dem archaischen Kybeletempel auf dem rechten Ufer des Flusses Gallos, sowie mit der archaischen Datierung dieser Siedlung, bin ich, wie gesagt, im Text (Häuber 1998, S. 685, mit Anm. 54) den belgischen Ausgräbern John Devreker, Hugo Thoen und Frank Vermeulen (1995) gefolgt :

``Auch die von belgischen Ausgräbern erschlossene topographische Lage des Kybeletempels in Pessinus [mit Anm. 54], der in beherrschender Lage über dem engen Tal des Flusses gallos erbaut war, paßt zu der auf dem Relief wiedergegebenen Landschaft´´.

Vergleiche meine Anm 54: ``s.[iehe] J. Devreker-H. Thoen-F. Vermeulen, The Imperial Sanctuary at Pessinus [das Sebasteion] and its Predecessors: A Revision, Anatolia Antiqua 3, 1995, pp. 125-144, bes.[onders] pp. 131-134, mit Anm. 25, 26 und plate 3 (zu Funden aus dieser Siedlung, die sie ins 6.-4. Jh. v. Chr. datieren); p. 135 (zur Lage des Kybeletempels)´´. Siehe auch die Karte von Pessinus, die die Autoren auf S. 126 als ihre Fig. 1 abbilden, und die wir hier reproduziert haben.

Das Ziel der auf Fragment b (hier Abb. 1; Taf. 54) aus der Stadt Pessinus herabsteigenden Leute sind die Flussboote auf Fragment a (hier Abb. 1; Taf. 53). Unterhalb dieser Felswand auf Fragment b (hier Abb. 1; Taf. 54, 2) befindet sich wohl eine Höhle, in der ein Wurfholz namens Lagobolon oder Pedum erkennbar ist, das möglicherweise zum Gott Pan gehört hat, der zusammen mit der Göttin Mater Magna verehrt wurde, und zu dem dieses Wurfholz als Attribut gehörte, wie wir oben in diesem Update gehört haben.

Vielleicht war demnach in dieser Höhle, unterhalb der archaischen Stadt Pessinus, die Göttin Kybele, zusammen mit Pan, verehrt worden ?

Falls das so gewesen sein sollte, hätte es womöglich in Pessinus - ganz ähnlich, wie in der Stadt Ilion (dem homerischen Troia ?), wie wir oben gesehen haben - eine sehr alte Kultstätte der Kybele gegeben, die sich, Jahrhunderte später, am Fuss `der Burg der Dynasten von Pessinus´ (wie Verlinde 2015, pp. 31-35, 46, 56, 62, 64, 72, schreibt) - befand.

Nach einer Diskussion dieser Idee mit Franz Xaver Schütz ziehe ich aber seinen Vorschlag vor: Demnach ist eher anzunehmen, dass sich der archaische Tempel der Kybele auf Verlindes "promontory" befunden hat, das heisst, auf der Anhöhe auf dem Ostufer des Gallos in Pessinus, inmitten der archaischen Siedlung, und zwar am Standort der späteren, hellenistischen Burg der Dynasten von Pessinus, wie Verlinde (2015, p. 56) schreibt, das heisst: Der Residenz des Hohepriesters der Kybele, des Herrschers über den Tempelstaat Pessinus (so Karl Strobel 2024, p. 498), und schließlich des spätaugusteischen Theatertempelkomplexes, des Sebasteions.

Und zwar deshalb, weil man, wie Franz mir erklärt hat, die Lage des Tempels der Mater Magna auf der Südwestecke des Palatins in Rom, `hoch über dem Tiber´, als eine Kopie der Lage des Tempels der Kybele in Pessinus `hoch über dem Fluss Gallos´ auffassen kann.

Vergleiche unsere hier abgebildete Karte vom Kapitol und Palatin in Rom, Beschriftungen: PALATIUM; AEDES: MATER MAGNA; AEDES: VICTORIA; TIBERIS.

Für das Landschaftsrelief auf dieser Karte habe ich die entsprechenden Angaben auf G.B. Nollis Grosser Romkarte (1748) kopiert: Die Plateaus der Hügel sind auf unserer Karte dunkelgrau angelegt, ihre Abhänge mittelgrau, die Täler auf Nollis Karte habe ich auf unserer Karte `weiss´ gelassen.

Vergleiche Häuber (2014, S. 26, sowie S. 873, zu Map 3):

"Raised areas, by which the plateaus of hills were enlarged, are indicated with a light grey area bordered by a dotted line. The shaded relief was drawn after G.B. Nolli’s Rome map (1748 [siehe Map 1]); following recent studies, the relevant cartographic information was at some points corrected".


Karte "The Capitoline Hill and the valley between the Capitoline and the Palatine. Vergleiche Häuber (2014, S. 874-875, Map 5): "This map was made with the “AIS ROMA” and is based on the photogrammetric data of the Comune di Roma (now: Roma Capitale). C. Häuber & F.X. Schütz, actual updated state: April 2026, reconstruction. The photogrammetric data were generously provided by the Sovraintendenza ai Beni Culturali (BB. CC.) of the Comune di Roma (now: Roma Capitale). These data were generated for the ``Centro di Docu- [Seite 875] mentazione Forma Romae´´, and are the basis of the project ``Nuova Forma Urbis Romae´´; cf. chapter Acknowledgements and Introduction, of which C. Häuber and F.X. Schütz are cooperation partners". Online unter:

<https://fortvna-research.org/maps/HAEUBER_2014_Map5_Kapitol_Palatin_Rom.html>.


Vergleiche für diesen Ausschnitt unserer Karte auch Häuber (2014, S. 65, 303); sowie Häuber (2015, S. 7), online unter: <https://epub.ub.uni-muenchen.de/24136/>:

"I wanted to show on my diachronic map the exact borderline between the living rock of the Palatine and the adjacent substructures (drawn as a light grey area on my map Fig. 3, bordered by a dotted line since we do not know their original extensions), because none of the excavation plans published at that point showed this [mit Anm. 28]. We, therefore, went to see Prof. Patrizio Pensabene and his collaborator Enrico Gallocchio at the Università di Roma "La Sapienza" in Rome [mit Anm. 29] - Pensabene has been excavating in the area of the temple of Magna Mater [corr.: Mater Magna !] (Cybele) since the last 30 years, and Enrico Gallocchio was so kind as to draw this borderline for me, a cartographic information I have then incorporated into my map. We learn from literary sources that in front of the temple of Magna Mater [corr.: Mater Magna !] - located to the west of the so-called House of Augustus (cf. Fig. 3, label: AEDES: MAGNA MATER [corr: MATER MAGNA !]) the ludi Megalenses used to be performed in honour of this goddess, and I wanted to know, where exactly those theatrical performances had taken place (on the living rock or on a substructure). I also learnt from Gallocchio that the many remains of substructures between the so-called House of Augustus and the Church of S. Anastasia which are visible above the ground (not indicated on my map) had at that point not been thoroughly studied and mapped [Hervorhebung von mir]".

In meiner Anm. 28, schreibe ich: "On my map here Fig. 3 I have integrated the cartographic information contained in a plan published by Pensabene 2007; cf. Häuber 2014a [hier: Häuber 2014], p. 303 (with references)".

Vergleiche meine Anm. 29: "On November 30th, 2010 and on May 23rd, 2011".

Vergleiche auch Häuber (2014, Kapitel: "Acknowledgments and Introduction", S. XXVI).

Wir selbst haben auf unserer hier reproduzierten Karte vom Palatin keinen Rekonstruktionsvorschlag für die Stufen auf diesen Substruktionen unterbreitet, von denen aus die Römer den Ludi Megalenses zugeschaut haben, und die Verlinde (2015, Section: "4.4. The stairway-theatre", p. 56) beschreibt, was ich unten wörtlich zitieren werde. Da unsere Karte aber grossmassstäbig und masshaltig ist, können andere Gelehrte sie als Grundlage einer derartigen Rekonstruktion verwenden.

Es gibt auch noch ein weiteres, sehr gewichtiges Argument dafür, dass sich das archaische Heiligtum der Kybele auf jener Anhöhe auf dem Ostufer des Flusses Gallos befunden hatte, wo später, wie Eckart Olshausen schreibt ("Pessinus", 1979, Sp. 666), wegen dieses bereits existierenden Kybeleheiligtums, die erste, vor-phrygische Siedlung der späteren Stadt Pessinus entstanden ist.

Wir wissen ja aus Livius (29.10, 4-6), dass die Göttin Kybele in Pessinus in der Weissagung der Sibyllinischen Bücher des Jahres 205 v. Chr. als ``mater Idaea´´ bezeichnet worden war.

Über den bedeutenden Kult der Kybele auf dem `Berg Ida´ (bei dem es sich in Wirklichkeit um ein Gebirge handelt), wo die Göttin offenbar schon lange verehrt worden war, ehe sie nach Pessinus kam, schreibt Arif Müfid Mansel ("Ida. 2. Bergzüge s.ö. [süd-östlich] der Troas im kleinasiatischen Mysien", in: KlPauly 2, 1979, Sp. 1337), dass die Göttin Kybele `auf der höchsten Erhebung dieses Gebirges verehrt worden ist´:

"Ida. 2. Bergzüge s.ö. [süd-östlich] der Troas im kleinasiatischen Mysien (h.[eute] Kazdağ) ... Im S.[üden] Gargaron ... Höchste Erhebung der Gargaros mit 1770 m ..., auf dem Kybele und Zeus verehrt wurden (Il.8,48). I.[da] als ``quellenreich´´ bezeichnet bei Hom. Il. 8,47. 14,157,283 ff. Die orographische Bedeutung für die Troas (auf ihr entspringt der bedeutendste Fluß Skamandros) hervorgehoben von Strab. 13,583. Das Waldgebiet liegt im O.[sten] und S.[üden] Das Holz für den Schiffsbau sehr geeignet ... [Hervorhebung von mir]".

Dass die Kiefern des Ida "für den Schiffsbau sehr geeignet" waren, wie auch Mansel (1979, Sp. 1337) schreibt, haben wir schon im Text "Mater Magna" (Häuber 2026b, Anm. 20), und oben, in Punkt 9.) dieses Updates, Ad b), gehört:

Nach Ovid (fast. 4.273ff.) war ja das Kultbild der Kybele aus ihrem Heiligtum auf dem Berg Ida von dort aus mit dem eigenen Schiff der Göttin nach Rom gereist. Dieses Schiff ``bestand, laut Ovid (fast. 4.273ff.), aus den Kiefern des Berges Ida bei Troia ...; vergleiche hierzu auch Vergil (Aeneis 3,5-6.10-14; 9,77-106), der hinzufügt, dass der Göttin Kybele des Heiligtums auf dem Berg Ida diese Kiefern heilig gewesen seien [Hervorhebung von mir]´´.

Am Anfang dieses Abschnitts hatte ich eine weitere Textpassage aus "Mater Magna" (Häuber 2026b, mit Anm. 42-44) zitiert. Darin ist (mit Anm. 43 und Anm. 14) davon die Rede, dass sich der Vorfahr des Augustus, Aeneas, nach dem Brand Troias `in das Heiligtum der Kybele geflüchtet hatte´. Bei diesem Heiligtum der Kybele hatte es sich auch um das auf dem Berg Ida gehandelt, wobei diese Information ja durch Ovid (fast. 4.273ff.) bestätigt wird, von dem wir erfahren, dass ``bereits die Flotte des Aeneas aus den der Göttin Kybele heiligen Kiefern des Berges Ida gezimmert worden war´´.

Vergleiche für die genaue Lage der griechischen Stadt Ilion (dem homerischen Troia ?), des Berges Ida und des Flusses Skamandros den Beitrag und die Karte von Franz Xaver Schütz: "Mit Kybele von Pessinus nach Rom - eine topographische Übersichtskarte" (2026).

Und da die Mater Magna von Pessinus in den Sibyllinischen Büchern laut Livius (29.10, 4-6) als ``mater Idaea´´ bezeichnet wurde, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass Augustus in Pessinus, in seinem neu errichteten Theatertempelkomplex, dem Sebasteion, auch einen Kult der mater Idaea untergebracht hat. Denn die mater Idaea hatte ja nicht nur nach dem Brand Troias den Ahnherrn des Augustus, Aeneas, in ihrem Heiligtum auf dem Berg Ida aufgenommen, sondern sie hatte Aeneas auch das Holz für seine Flotte zur Verfügung gestellt -

WOMIT DIE GÖTTIN MATER IDAEA/KYBELE LETZTENDLICH DIE GRÜNDUNG ROMS MÖGLICH GEMACHT HATTE.

Wie oben gesagt, folge ich hier dem von Franz Xaver Schütz gemachten Vorschlag, dass sich das Heiligtum der `mater Idaea´ in Pessinus (wie die Sibyllinischen Bücher die Göttin nannten; vergleiche Livius 29.10, 4-6), auf der Anhöhe `hoch über dem Fluss Gallos´ befunden hatte - wovon die Lage des Tempels der Mater Magna in Rom `hoch über dem Tiber´, so der Vorschlag von Franz, eine Kopie darstellt.

Dazu passt im Übrigen auch sehr gut, was Angelo Verlinde (2015, p. 30) selbst über die Göttin Kybele schreibt: Sie war: "the main Phrygian deity, worshipped as the giver of all life on inhospitable mountains [Hervorhebungen von mir]".

Im Fall des von mir hier soeben entwickelten Szenarios, hätte Augustus eben nicht, wie Verlinde (2015, p. 56) glaubt: "Therefore, the building of the temple [womit er den augusteischen Theatertempelkomplex, das Sebasteion in Pessinus meint] may not only have been a product of Roman-style tabula rasa urbanism, but also a clear – perhaps symbolical – breach with the past of the site. The promontory, which was once the locus of political power, morphed abruptly into a sacred area".

Meiner Meinung nach könnte das genaue Gegenteil von dem, was Verlinde (2015, p. 56) glaubt, wahr gewesen sein: Augustus hat möglicherweise dieses "promontory, which was once the locus of political power [der Dynasten von Pessinus]", keineswegs `abrupt in ein Heiligtum [den Theatertempelkomplex, das Sebasteion] verwandelt´, wie Verlinde schreibt, sondern statt dessen die an diesem Ort vielleicht bereits seit vor-phrygischer Zeit ununterbrochen gepflegte Tradition eines Heiligtums der Kybele fortgesetzt.

Wobei ich, wie oben schon gesagt, annehme, dass sich der archaische Tempel der Kybele in Pessinus auf Verlindes "promontory" befunden hat, das heisst, auf der Anhöhe auf dem Ostufer des Gallos in Pessinus, inmitten der archaischen Siedlung, und zwar am Standort der späteren, hellenistischen `Burg´ der Dynasten von Pessinus, wie Verlinde (2015, p. 56) schreibt, das heisst: Der Residenz des Hohepriesters der Kybele, des Herrschers über den Tempelstaat Pessinus (so Karl Strobel 2024, p. 498); wobei wir von Jan N. Bremmer wissen, dass: "In Pessinous, the most important priest was called Attis [mit Anm. 112; Hervorhebung von mir]", genauso wie der Geliebte und Kultpartner der Göttin Kybele. Meiner Meinung nach hat selbstverständlich auch dieser Hohepriester der Kybele namens Attis, der Herrscher über den Tempelstaat Pessinus, in dieser seiner offiziellen Residenz einen Kult der Göttin Kybele eingerichtet; und schließlich des spätaugusteischen Theatertempelkomplexes, des Sebasteions, wo ich mir vorstelle, dass auch hier die Göttin Kybele zusammen mit Augustus verehrt worden ist.

Verlinde (2015, Section: "4.6. Synnaoi theoi?", pp. 61-62) äußert im Übrigen auch selbst ähnliche Überlegungen:

"The theory of ``temple-sharing´´ in which the deified Roman emperor shared the temple [das heißt, den Theatertempelkomplex, das Sebasteion] with Kybele as synnaos theos has been suggested before for the temple complex at Pessinus [mit Anm. 117] ... [page 62] ... A double cult would explain the gladiatorial nature of the theatre ... but not why the original location of the previous sanctuary had been abandoned. Topographical continuity had always been a decisive factor for sanctuaries of the Mother in Anatolia. Here, however, we have the opposite situation [Hervorhebung von mir]".

Wie oben schon gesagt, muss diese Behauptung von Verlinde (2015, p. 62) aber gar nicht den Tatsachen entsprechen, denn ich argumentiere ja genau `umgekehrt´ wie er. Nämlich, falls im Theatertempelkomplex, dem Sebasteion in Pessinus, außer Augustus auch Kybele verehrt worden sein sollte, dies (theoretisch) genau an dem Platz geschehen sein kann, wo die Mater Magna Idaea von Anfang an im (späteren) Pessinus verehrt worden war; und zwar seit vor-phrygischer Zeit, als es im gesamten Gebiet der späteren Stadt Pessinus noch gar keine (phrygische) Siedlung gegeben hatte.

Unmittelbar anschließend, fährt Verlinde (2015, p. 62) wie folgt fort:

"Furthermore, if the temple [der Theatertempelkomplex, das Sebasteion] was dedicated to the Mother, it is odd that the distinctive votive idols characterizing her sites of worship all over Anatolia are not accounted for ... Yet in Pessinus, besides a small marble head of a Hellenized female, found in the ruins of the quadriporticus (sector H) and currently kept in the Museum of Eskişehir, decades of excavations and surveys yielded no female figurative terrecotte or stone idols [mit Anm. 120; Hervorhebung von mir]".

Wie oben ebenfalls schon gesagt, kann die Tatsache, dass bislang entsprechende Votive des Kybelekultes in dieser Gegend nicht dokumentiert worden sind, damit zusammenhängen, dass das Areal der ehemaligen Stadt Pessinus intensiv als Steinbruch genutzt worden ist, eine Tatsache, die Verlinde selbst bei seiner Argumentation gar nicht berücksichtigt hat.

Unmittelbar danach fährt Verlinde (2015, p. 62) wie folgt fort:

"Most of our information about the cult of Meter is provided by epigraphic data without any direct topographic link to the valley of Pessinus [mit Anm. 121]. All this suggests that the temple [das heißt, der Theatertempelkomplex, das Sebasteion in Pessinus] was an innovative creation, supplanting the fortified residence of the Hellenistic age, and probably dedicated to a new divinity, perhaps the emperor, as the inauguration of a new era in which Pessinus was no longer a temple state [Hervorhebung von mir]".

Verlinde (2015, Section: "4.4. The stairway-theatre", p. 56) erwähnt, dass Patrizio Pensabene davon überzeugt sei, dass es sich bei dem Theatertempelkomplex, dem Sebasteion, in Pessinus um eine römische Renovierung des Kybeletempels von König Attalos I. handele :

"It is also imperative to interpret the meaning of the ritual theatre in front of the temple [gemeint ist der Theatertempelkomplex, das Sebasteion]. According to Cicero (Har. resp. 20-24), the games for the Megalensian festival were traditionally held on the Palatine in front of the temple of Kybele (erected in 191 BC) in the very sight of the Great Mother (in ipso Matris Magnae conspectus) [vergleiche dazu oben, unsere Karte vom Palatin]. Although they were not shaped as a cauea, it is alleged that the steps in front of the Palatine temple were designed to provide an area in which people could stand and watch the Ludi Megalenses [mit Anm. 99]. Pensabene accepts this as proof of his hypothesis that the Pessinuntine theatre-temple is a Roman renovation of the Attalid sanctuary [mit Anm. 100]".

In seiner Anm. 100, zitiert Verlinde: "PENSABENE, Non stelle [n.(ote) 8], p. 83, 135". Vergleiche Patrizio Pensabene 2004, "Non stelle ma il sole. Il contributo della planimetria e della decorazione architettonica alla definizione del santuario di Cibele a Pessinunte".

Verlinde (2015, Section: "5. Pessinus in Phrygian and Hellenistic times", p. 63) berichtet von phrygischen Votiven (seiner Meinung nach wahrscheinlich datierbar zwischen 400-300 v. Chr.), die in der Nähe des Theatertempelkomplexes, dem Sebasteion, ausgegraben worden sind. Hierbei handele es sich um die ältesten phrygischen Funde, die bislang in Pessinus ausgegraben worden seien:

"A Phrygian cultic deposition was attested near the temple [das heißt, dem Theatertempelkomplex, dem Sebasteion] in association with Phrygian pottery and an animal skeleton. It concerns a Phrygian fibula, found in a pit dug into the virgin soil, directly outside of the southeast corner of the later temple krepis [mit Anm. 122]. Fibulae were certainly among the most frequent offerings in Phrygian sanctuaries [mit Anm. 123]. The only other traces of Phrygian cult activity in Pessinus were uncovered 5 to 10 m to the west of the rear side of the krepis (Fig. 2). ... Overall, given the long lifespan of the typology that our fragments constitute, they are likely to be dated between 400-300 BC. So both stratigraphically and chronologically, these features, which did not belong to any walls or monumental structures, are the oldest traces of Phrygian activity in the excavated parts of Pessinus. Their position, on the top of the promontory to the east of the modest Late Phrygian houses (B6-371/330; L.19-21, L.23, 27, 28) ... may implicate that they belonged to the non-monumental cult annex of one of the earliest pre-Hellenistic settlements in the valley of Pessinus [mit Anm. 126; Hervorhebung von mir]".


Wie oben schon erwähnt, hatten die belgischen Ausgräber John Devreker, Hugo Thoen und Frank Vermeulen (1995, pp. 125-144, bes.[onders] pp. 131-134, mit Anm. 25, 26 und plate 3 (zu Funden aus dieser Siedlung, die sie ins 6.-4. Jh. v. Chr. datieren); p. 135 (zur Lage des Kybeletempels), die oben von Verlinde (2015, Section: "5. Pessinus in Phrygian and Hellenistic times", p. 63) diskutierten Funde einer phrygischen Siedlung, im Unterschied zu ihm, bereits ins 6.-4. Jh v. Chr. datiert.

Ich bin deshalb in (Häuber 1998, S. 685, mit Anm. 54) der Hypothese dieser Ausgräber gefolgt, dass sich folglich hier, auf der Anhöhe über dem rechten (östlichen) Ufer des Flusses Gallos, am Standort des späteren spätaugusteischen Theatertempelkomplexes, des Sebasteions, die archaische Siedlung von Pessinus mit dem Kybeletempel befunden hatte.


Verlinde (2015, Section: "5. Pessinus in Phrygian and Hellenistic times", p. 64) berichtet, dass der auf p. 63 erwähnte "modest (presumed) cult annex" (der auf der "promontory", in der Nähe des Theatertempelkomplexes, dem Sebasteion, ausgegraben worden ist), im 3. Jh. v. Chr. von der grossen Burganlage der Dynasten von Pessinus überbaut worden sei:

"In the third century BC, the modest (presumed) cult annex was built over with a large citadel building ... Its thick meandering perimeter walls and bastion features, along with its strategic location, rule out any religious function. It is likely that this building, which was enlarged during the late second century BC, was the heavily symbolic locus of power of the dynastai ruling the temple state [mit Anm. 128; Hervorhebung von mir]".

Verlinde (2015, Section: "7. The chora of Pessinus and the early Phrygian sanctuary", p. 67) behauptet, in Unkenntnis der Bemerkungen über das reiche Pessinus von Olshausen ("Pessinus", 1979, Sp. 666, die ich oben zitiert habe), dass Pessinus vor dem 2. Jh. v. Chr. einen "very modest, non-monumental character" gehabt habe. Dabei haben wir ja oben gehört, dass Olshausens diesbezügliche Behauptung von Franz Xaver Schütz in seinem Beitrag: "Mit Kybele von Pessinus nach Rom - eine topographische Übersichtskarte" (2026) bestätigt worden ist, der festgestellt hat, dass diese Region Anatoliens bereits seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. für ihre Wollproduktion bekannt war.

Verlinde (2015, p. 67) hält es wegen seiner Unkenntnis dieser Fakten für sehr zweifelhaft, dass im Dorf Ballihisar oder im Tal von Pessinus das "renowned Early Phrygian sanctuary of Kybele", geschweige denn das "Attalid sanctuary" erbaut worden sein könne. Verlinde schlägt seinerseits vor, dass sich das archaische (seiner irrtümlichen Meinung nach phrygische) Heiligtum der Kybele von Pessinus statt dessen nur am Fuss des Berges Dindymos befunden haben kann, einem Areal, das sich aber ausserhalb des östlichen Teils der chora von Pessinus befindet :

"Given the very modest, non-monumental character of pre-second century BC Pessinus, it is rather doubtful that the valley of Ballihisar served as the locus of the renowned Early Phrygian sanctuary of Kybele.

Perhaps even more importantly, the Early Phrygian cult of Kybele was commonly located in rocky, high and desolate settings and accommodated by open-air complexes with rock-cut stepped altars, simple niches and, more rarely, architectural facades carved in the rock [mit Anm. 135] ...

It is my view that it is ill-advised to search for the Early Phrygian or even the Attalid sanctuary of Kybele in the village of Ballihisar or the Pessinus Valley ...

Given that the Dindymos Mountain, which is the Arayit Daği bordering Ballihisar to the east, is the mountain range associated with the Goddess herself (as in her epitheton ``Dindymene´´), it may be of better judgment to look for the lost temple in the eastern region of Pessinus' chora (Fig. 1). There are two sites, Tekören and Hamamtepe, in the chora of Pessinus with remains of Early Phrygian cult activity (rock-cut features such as stepped altars and libation basins); they are located at the foot of the Dindymos and outside of an 8 km radius of the Pessinuntine valley (Fig. 14) [mit Anm. 137]".

Verlinde (2015, Section: 8. Discussion", pp. 69-72) glaubt, dass der von König Attalos I. erbaute Tempel der erste Kybeletempel in Pessinus gewesen sei; dass es bereits zuvor einen von König Midas in Pessinus errichteten Tempel der Kybele gegeben habe, lehnt Verlinde dagegen ab. Ferner macht Verlinde Vorschläge, wie er sich den vor-hellenistischen Kult der Kybele vorstellt. Entsprechende Funde gebe es allerdings im Umkreis von 8 km von Pessinus (das heisst, in der chora der Stadt) gar nicht - nur im Bereich des Dindymos kann sich Verlinde ein derartiges Heiligtum vorstellen.

Am Ende seines Beitrags nennt Verlinde (2015, p. 72) die `Burg der Dynasten von Pessinus´ (auf dem "promontory", mit dem späteren Theatertempelkomplex und dem Sebasteion), plötzlich "citadel of the priests [Hervorhebung von mir]". Darauf werde ich unten zurückkommen.

Wegen des Fehlens entsprechender Votive, lehnt Verlinde aber auch hier wieder die Identifizierung dieses Tempels (des Theatertempelkomplexes) mit dem der Kybele ab; aus demselben Grund sei nach Verlindes Meinung auch zweifelhaft, dass die Göttin Kybele zusammen mit Augustus in diesem Sebasteion verehrt worden sei :

"The boom of Pergamene marked material culture and architecture and the sudden rise in population in the second century BC, demonstrates that Pessinus and its temple was a purely Hellenistic fabrication [mit Anm. 140]. It cannot be disassociated from the Attalid dynasty who used the temple state as a bridgehead and buffer against the menacing Seleucids, and the temple, which it f(o)unded as a means of legitimization. The role of king Midas in the first temple can simply not be accepted as fact, as it was all too common for ancient authors to link all things Phrygian to the semi-legendary king [mit Anm. 141]. A closer look at Strabo XII, 5, 3 may offer the key to the dilemma: the temple was Attalid and built in the third century BC; it was the first temple of Kybele at Pessinus as it became famous only when the Romans got involved in 205/204 BC ... [p. 70] ...

The pre-Hellenistic cult of the Mother at Pessinus likely took place near a cave, a series of rock-cut altars with libation basins, a rock-cut niche, etc. However, such type of monuments are absent within the 8 km radius of Ballihisar. Only the granite outcrops of the Dindymos to the east, northeast and southeast have the traditional setting of the Phrygian cult [mit Anm. 147] ...

The status of Pessinus, claimed to be the oldest and most significant Phrygian shrine of the Mother Goddess, was probably no cult place of great antiquity [mit Anm. 149]. There is little that suggests that there was a major shrine before the involvement of the Attalids, who increased the prestige of the Pessinuntine cult beyond the limits of Phrygia, when the significance of earlier cult centers such as Midas [page 71] City and Gordion was considerably reduced. Its prominence was largely owed to Pergamene support, which was instigated by the need to deal with the local Galatian tribes, which controlled the area .... [page 72]

The valley [von Pessinus] had great potential in protecting the citadel of the priests [!], which was build [corr.: built] in the third century BC on a strategic promontory with excellent view on the valley entrance to the north. The emergence of citadel architecture likely coincided with the erection of the sanctuary, perhaps by Attalus I.

The temple in sector B at Ballihisar [der Theatertempelkomplex, das Sebasteion] unlikely served the cult of Kybele given that votive gifts related to her cult as well as topographic continuity in cult practice are significantly absent. A shared cult of Kybele and Theos Sebastos [das heisst: Augustus] is doubtful for the same reasons [Hervorhebung von mir]".


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