8.) Hat Tiberius das Relief in Berlin (hier Abb. 1; Taf. 53-55) in Auftrag gegeben ? - Nein, inzwischen glaube ich, dass es Maecenas war (!)
German Hafner (1990, 70, S. 68 ff.), der der Überzeugung war, dass dieses Relief die `Ankunft des Asklepiosschiffs in Ostia 292 v. Chr.´ darstelle, hatte die gute Idee, dass es von einem Nachfahren einer der Personen in Auftrag gegeben worden sei, die an diesem Kulttransfer des Asklepios nach Rom beteiligt gewesen waren.
Ich selbst habe dieses Relief (1998) als Darstellung des `Aufbruchs der Göttin Kybele in Pessinus ?´ erklärt - und bleibe bei dieser Hypothese.
Ich habe zunächst erwogen, dass Tiberius, der von 2-14 n. Chr. in den Horti des Maecenas lebte, und dem bisher die (angebliche) zweite Phase der Ausstattung mit Wandmalerei des `Auditoriums des Maecenas´ zugeschrieben worden ist, auch das Berliner Relief (hier Abb. 1; Taf. 53-55) für die Horti des Maecenas in Auftrag gegeben haben könnte
In meinen beiden hier diskutierten Texten (Häuber 2026a und 2026b) habe ich diesen Vorschlag Hafners (1990) aufgenommen und mich gefragt, ob auf dem Esquilin womöglich Nachfahren jener Persönlichkeiten gelebt haben, die den Kulttransfer der Kybele nach Rom bewerkstelligt hatten. Wie wir oben, unter Punkt 4.) dieses Updates, gehört haben, hatte ich in beiden Texten vorgeschlagen, dass tatsächlich insgesamt drei Nachfahren dieser Personen auf dem Esquilin wohnten - inzwischen ist von diesen drei aber nur Tiberius `übrig geblieben´.
Immer vorausgesetzt, dass meine Interpretation des Berliner Frieses als Darstellung des Kulttransfers der Göttin Kybele nach Rom 205 oder 204 v. Chr. richtig ist, und sich gleichzeitig die augusteische Datierung des Reliefs als korrekt erweist, könnte man demnach schliessen, dass Tiberius diesen Fries in Auftrag gegeben hatte, als er von 2-14 n. Chr. in den Horti des Maecenas auf dem Esquilin gelebt hat; diese Horti waren damals das Eigentum des Kaisers Augustus.
Diese Idee scheint auch wegen einer Tatsache verlockend zu sein, von der wir oben, in Punkt 7.) dieses Updates etwas gehört haben: Dass die Ehrenstatue der Claudia Quinta im Tempel der Mater Magna auf dem Palatin zwei Brände des Tempels unversehrt überstanden hatte, wurde nämlich von den Zeitgenossen so interpretiert, dass die Götter der gens Claudia und besonders dem Tiberius sehr wohlgesonnen seien - eine Überzeugung, die wir sicher auch bei Tiberius voraussetzen können. Ausserdem haben wir in meinem Text (Häuber 1998, S. 685, in Anm. 52) und im Text "Mater Magna" (Häuber 2026b, siehe Anm. 35, 36) erfahren, dass Tiberius - als Kaiser - in Pessinus einen großen Tempelkomplex errichten sollte, zu dem der archaische Kybeletempel gehörte, dessen Kultbild im Jahre 205 oder 204 nach Rom überführt worden war (vergleiche zu diesen Hypothesen jetzt aber unten, zu Punkt 10.) dieses Updates).
Obwohl ich deshalb auch selbst meine Idee, dass Tiberius das Berliner Relief (hier Abb. 1; Taf. 53-55) für ein Gebäude in den Horti des Maecenas in Auftrag gegeben haben könnte, sehr attraktiv finde, gebe ich gerne zu, dass ich sie bislang nicht beweisen kann.
Ich habe deshalb die Gartenmalereien dieser (angeblich) zweiten, tiberischen Ausstattung des `Auditoriums´ studiert (siehe dazu aber unten, das Urteil von Eric M. Moormann, der sie jetzt dem Maecenas zuschreibt) und bilde die Zeichnung einer dieser Gartenmalereien in einer der Nischen in der Apsis des `Auditoriums´ ab, die eine Kiefer (pinus sylvestris L.) darstellt; ausserdem nenne ich antike Vergleichsbeispiele zu diesen Gartenmalereien. Ein Problem besteht aber darin, dass das ehemals farbig gefasste Marmorrelief in Berlin (hier Abb. 1; Taf. 53-55) bislang das einzige seiner Art vom Esquilin ist, weshalb ich schliesslich vorgeschlagen habe, dass es von Maecenas selbst für eine andere Architektur in seinen Horti in Auftrag gegeben worden sein könnte (siehe dazu unten)
Wie ich immer wieder feststelle, führt das Studium von antiken Skulpturen vom Esquilin, und besonders von denen aus den Horti des Maecenas, aber zu großen Überraschungen.
Ich bin deshalb Eugenio La Rocca, dem damaligen Direktor der Musei Capitolini, sehr dankbar für sein großzügiges Angebot zur Zusammenarbeit, das er mir am 23. März 1981 unterbreitet hat. Tatkräftig von ihm unterstützt, habe ich dann die von ihm vorgeschlagenen Themen in meiner Dissertation (erschienen 1991) erforscht:
Zunächst habe ich die Provenienzen jener Skulpturen unter den Neufunden (nach 1870) in Rom ermittelt, die zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt waren - wenn das möglich war. Siehe aber unten, zu dem hier diskutierten Beispiel, den Marmorfragmenten aus jenen `Statuenmauern´, die 1885/ 1886 in der augusteischen Domus 55a-d an der Via Angelo Poliziano, in den Horti des Maecenas entdeckt worden waren, und in deren Fall mir das nicht komplett gelungen ist. Anschliessend habe ich dann die sicher aus den Horti des Maecenas stammenden Skulpturenfunde studiert - was ich auch heute noch tue.
Vergleiche für die im Folgenden genannten Architekturen und Toponyme unsere Karte vom Mons Oppius, die wir oben, zu Punkt 5.), abgebildet haben.
Man sollte bei der hier untersuchten Frage bedenken, dass das ursprünglich farbig gefasste Marmorrelief in Berlin (hier Abb. 1; Taf. 53-55) meines Wissens der einzige bisher bekannte Fries seiner Art vom Esquilin ist.
Das `Auditorium des Maecenas´ gehört zur `main´ Domus in den Horti des Maecenas auf dem Oppius, der zum Esquilin gehört.
Bekanntlich sind die figürlichen Darstellungen der (angeblichen) zweiten Ausstattungsphase im `Auditorium´, die man bislang Tiberius zugeschrieben hat (siehe dazu aber unten: Eric M. Moormann schreibt diese Gartenmalereien jetzt dem Maecenas zu !), nun aber keineswegs als farbig gefasste Marmorreliefs ausgeführt, sondern in Wandmalerei.
Hierbei handelt es sich zum Beispiel um die grossen Gartendarstellungen in den Nischen des Hauptraums und in der Apsis des `Auditoriums´. Das trifft auch für die zahlreichen Beispiele von gemalten Gartendarstellungen in den Häusern der Vesuvstädte und Campaniens zu, die Mariette de Vos (1983; dies. 1996, pp. 74-75, Fig. 44) als Vergleiche zu denen im `Auditorium´ auflistet, und von denen meine gute Freundin Wilhelmina Feemster Jashemski (1910-2007; vergleiche dies. 1993, passim) viele mit ausgezeichneten Farbphotographien publiziert hat, die ausserdem Vergleichsbeispiele aus Rom hinzufügte. Siehe Wilhelmina Feemster Jashemski (1993, pp. 383-385, Kat. Nr. "128. Rome. Auditorium of Maecenas, Figs. 460-464").
Die Gartenmalereien in den Nischen des `Auditoriums´ des Maecenas sind leider nicht sehr gut erhalten.
Aber die Ausgräber des `Auditoriums´, Virginio Vespignani und Carlo Ludovico Visconti (BullCom 2, 1874, tav. XVI), haben in ihrer Erstpublikation des `Auditoriums´ eine Zeichnung einer solchen Gartenmalerei in einer der Nischen der Apsis veröffentlicht, die wir hier abbilden, zusammen mit allen übrigen Zeichnungen des `Auditoriums´ aus dieser Publikation (tav. XI-XV). Einige dieser Zeichnungen dokumentierten den Befund im Augenblick der Ausgrabung, auf deren Basis dann Rekonstruktionen sowohl der Architektur des `Auditoriums´, als auch der Malereien in den Nischen angefertigt worden sind.
`Auditorium des Maecenas´, Rekonstruktionszeichnung einer der Gartenmalereien in den Nischen der Apsis, mit Darstellung einer Kiefer (pinus sylvestris L.). Vergleiche M. de Vos (1983, p. 244, Fig. "10. Particolare di una nicchia (da ``BC´´, 1874, tav. XVI"). Alle hier abgebildeten Zeichnungen des `Auditoriums des Maecenas´ stammen aus: V. Vespignani und C.L. Visconti (BullCom 2, 1874, pp. 137-173. tav. XI-XVI; vergleiche die Bildunterschriften zu diesen Tafeln auf pp. 172-173).
Im Zentrum des dargestellten Gartens sehen wir einen "pine tree" (eine Kiefer; auf Italienisch: pino); vergleiche Wilhelmina F. Jashemski (1993, pp. 383-384, Kat. Nr. 128):
"... The garden paintings in the niches in the apse had a crater fountain which stood in a round recess formed by the low fence, or a shallow [page 384] bowl-shaped, footed fountain which stood in an angular recess. A garland with small white flowers outlined the base of the fence. In an artist's copy [siehe oben, unsere Abbildung dieser Gartenmalerei aus dem BullCom 1874, tav. XVI] of one of the painted niches, in the garden behind the fence there appears to be a pine tree with oleanders and, on each side, a smaller shrub [Hervorhebung von mir]".
Die Identifizierung der Kiefer (pinus sylvestris L.) auf dieser Gartenmalerei im `Auditorium des Maecenas´ ist korrekt; Wilhelmina Jashemski konnte sich diesbezüglich auf das sachverständige Urteil des Botanikers Frederick Gustav Meyer (1917-2006) verlassen, den ich 1985 in Wilhelmina Jashemskis Haus in Silver Spring in Maryland kennengelernt habe, und mit dem auch ich sehr befreundet gewesen bin.
Vergleiche Jashemski (1993, "Preface", p. X):
"Nor would this project have been possible without the generous and enthusiastic cooperation of many scientists both in Europe and in the United States ... Dr. Frederick G. Meyer, Research Botanist in charge of the Herbarium at the U.S. National Arboretum in Washington, D.C., has been identified with this project for over 20 years and has been an unfailing source of help and encouragement. Among his many contributions are his identifications of the carbonized fruits, vegetables, and seeds found in our excavations, and of the plant material pictured in the wall paintings, and his comparison of them with the specimens growing in the area today, which he studied in their native habitat [Hervorhebung von mir]".
Vergleiche ausführlich zu dem oben kurz skizzierten Forschungsansatz von Wilhelmina und Fred auch das sehr eindrucksvolle Buch, das die beiden gemeinsam diesem Thema gewidmet haben: Wilhelmina Feemster Jashemski und Frederick G. Meyer (The natural history of Pompeii, 2002).
Siehe auch Dietmar und Renate Aichele, Heinz-Werner und Anneliese Schwegler (Welcher Baum ist das?, 1981, S. 244-247, Kapitel: "Nadelhölzer", zu Kiefern, S. 272: "Nadelbäume"; "Wald-Kiefer").
Einige Kiefern (pinus sylvestis L) im Nordteil des Englischen Gartens in München. Photos: F.X. Schütz (7-VI-2026).
Mit diesem Buch "Welcher Baum ist das?" von Dietmar Aichele et al. (1981) ausgestattet, sind Franz Xaver Schütz und ich am 7. Juni 2026 in den Nordteil des Englischen Gartens in München gewandert und Franz hat dort die Aufnahmen der Kiefern gemacht, die wir hier abbilden; es handelt sich um Kiefern (pinus sylvestris, L.), die an der Form ihrer Zapfen erkennbar sind, die Franz deshalb ebenfalls photographiert hat.
Ein Vergleich der Zeichnung nach der Kiefer auf der Wandmalerei im `Auditorium des Maecenas´, die wir oben abgebildet haben, mit den Kiefern im Englischen Garten und den Photos von ihnen, die wir hier abbilden, hat uns eine Besonderheit dieser Wiedergabe des Baumes auf der Wandmalerei erkennen lassen, die offenbar Maecenas persönlich in Auftrag gab: Der Künstler hat auf seiner Wiedergabe jene Zweige der Kiefer weggelassen, die sich auf der Seite des Baumes befunden haben müssen, die dem Betrachter zugewandt sind. Diese Entscheidung hat dazu geführt, dass man die Struktur des Baumes bestens erkennen kann.
Demnach handelt sich bei diesem Baum mit Sicherheit um eine Kiefer (und nicht etwa um eine Fichte oder um eine Tanne), weil ihre Zweige `nach oben´ gerichtet sind, was nicht so deutlich erkennbar gewesen wäre, hätte der Künstler diese Zweige ebenfalls wiedergegeben. In gewisser Hinsicht handelt es sich also bei der Wiedergabe dieser Kiefer auf der Wandmalerei im `Auditorium´, zumindest, was dieses Detail betrifft, um eine `wissenschaftliche´ Darstellung, bei der es darum ging, exakt wiederzugeben, dass es sich um eine Kiefer handelte.
Eric M. Moormann, mit dem ich die Wandmalereien im `Auditorium des Maecenas´ diskutieren konnte, war so freundlich, mir am 9. April 2026 seinen Kommentar zu schreiben, den ich mit seiner freundlichen Genehmigung hier publizieren darf: Während die Forschung bislang davon ausging, dass die (angebliche) zweite Phase der Ausstattung mit Wandmalerei im `Auditorium´ von Tiberius in Auftrag gegeben worden sei, schreibt Moormann diese Gartenmalereien dem Maecenas zu
Die oben aufgezählten Vergleiche zeigen, dass die Motive und die Qualität dieser `tiberischen´ Wandmalereien im `Auditorium des Maecenas´ in ihrer Zeit (damit meinte ich, als ich das schrieb, die tiberische Zeit; siehe aber im Folgenden die diesbezüglichen neuen Erkenntnisse von Eric M. Moormann) keineswegs einmalig waren: Das Besondere dieser Ausstattung besteht meiner Meinung nach darin, dass, im Unterschied zu allen oben genannten Vergleichen, die großen Nischen mit den Gartenmalereien von den Besuchern des `Auditoriums´ `wie geöffnete Fenster in wirkliche Gärten´ erlebt worden sein können.
Mein Dank gilt Eric M. Moormann, mit dem ich, in einer Emailkorrespondenz seit dem 23. März 2026, die Malereien im `Auditorium des Maecenas´ diskutieren konnte.
Am 9. April 2026, (nachdem dieser Punkt 8.) dieses Updates bereits fertiggestellt war - wie ich irrtümlich glaubte), hat mir Eric, auf meine Bitte hin, seinen Kommentar geschrieben, der diese Gartenmalereien, zu meiner grossen Überraschung, dem Maecenas zuschreibt (!). Eric hat mir freundlicherweise zugestanden, seine Erkenntnisse hier publizieren zu dürfen (vergleiche dazu oben, unsere Abbildung einer der Wandmalereien mit Darstellung einer Kiefer in einer der Nischen in der Apsis des `Auditoriums de Maecenas´, aus BullCom 2, 1874, tav. XVI).
Eric M. Moormann bewertet die Malereien im `Auditorium´ als:
"... ein so schönes, aber nicht einfach zu deutendes Ensemble ! Die übliche Datierung in den frühen Dritten Stil basiert vor Allem auf den Feldern oberhalb der Nischen mit den Gartenprospekten und den Gewölbemalereien. Auch der Miniaturgarten unter den Nischen ist mit derartigen Gärten im Dritten Stil, etwa im Haus des M. Lucretius Fronto, zu vergleichen. Die Nischendekorationen könnte man allerdings früher ansetzen und mit den zwei Fragmenten der Gartenmalereien in der Villa della Farnesina (jetzt Museo Nazionale Romano, Palazzo Massimo) und dem Gartenzimmer aus der Villa der Livia in Primaporta verbinden (jetzt ebenda). Im Gartenzimmer stehen die Bäume fast so isoliert und betont da wie in den Nischen des `Auditoriums´. Beide Komplexe werden zurzeit als frühaugusteisch eingestuft. Falls dieser Vergleich zutrifft, käme eine Verbindung mit Maecenas überzeugender in Betracht als die übliche Datierung in tiberische Zeit. Doch würde das bedeuten, dass die roten Dekorationen über den Nischen entweder aus der gleichen Zeit stammen und dann einzigartig sind oder eine spätere Phase implizieren, was zwei Phasen bedeuten würde. Aber da fühle ich mich nicht so sicher [Hervorhebung von mir]".
Vergleiche für das Haus des M. Lucretius Fronto in Pompeji, das Eric M. Moormann in seinem Kommentar erwähnt: W.F. Jashemski (1993, p. 426, s.v.; vergleiche pp. 396-397, Figs. 485-487, zu den Miniaturgartendarstellungen in diesem Haus); vergleiche zu den Gartenmalereien aus der Villa della Farnesina: Jashemski (1993, p. 386, Figs. 465; 466); vergleiche für Moormann's frühaugusteische Datierung der Gartenmalereien in der Villa della Farnesina: C. Häuber (2017, S. 215, 357, Anm. 157); vergleiche zum Gartenzimmer aus der Villa der Livia bei Primaporta: Jashemski (1993, pp. 381-383, Figs. 454-459); vergleiche für Moormann's frühaugusteische Datierung des Gartenzimmers aus der Villa der Livia in Primaporta: Maria Rita Sanzi Di Mino (1998, p. 213, Kapitel: "La decorazione pittorica e musiva", Abschnitt: "Il giardino dipinto della Villa di Livia a Prima Porta").
Da ich ausserdem wissen wollte, ob die Darstellung von Kiefern in der römischen Wandmalerei häufig ist - wofür ich selbst kein einziges Beispiel kannte - habe ich wiederum Eric M. Moormann um Rat gefragt. Auch ihm fiel spontan nur eine Wandmalerei mit der Darstellung von Kiefern ein, die aus dem Grab des Griechen Patron an der Via Latina in Rom stammt.
Die Wandmalereien dieses Grabes, das augusteisch datiert wird, sind von Aquarellen bekannt, die der Jesuit Padre Giampietro Secchi (15. Juli 1798-10. Mai 1856) in seinem Buch über dieses Grab (1843) publiziert hat. Nicole Blanc und Jean-Luc Martinez (1998) haben die auf diesen Aquarellen dokumentierten Wandmalereien und die wenigen erhaltenen originalen Fragmente der Wandmalereiaustattung dieses Grabes, sowie die wenigen erhaltenen Inschriftfragmente publiziert, die sich heute alle im Louvre befinden. Eric war ausserdem so freundlich, mir am 7. Juni 2026 diese Publikation zu schicken.
Nicole Blanc (1998, Kat. Nr. 34, p. 87) schreibt über diese Wandmalerei mit Bäumen, die sie mit Kiefern identifiziert:
"Composition des parois
D'après P.G. Secchi, Monumenti inediti d'un antico sepolcro di famiglia greca scoperto in Roma su la Via Latina [1843], pl. II.
... la zone médiane de la paroi était occupée par un alignement de cinq haut arbres, dont les silhouettes stylisées presque identique pourraient évoquer des pins ... L'épigramme (cat. 42-43) explicite la signification que pouvaient prendre ces représentations dans les tombes: elles figurent le jardin qui entourait parfois réellement le monument, mais évoquent aussi les Champs Élysées ``òu l'air bienheureux caresse les roses.´´ (Properce, Elégies, IV 7,60) [Hervorhebung von mir]".
Persönlich halte ich es für möglich, aber nicht für sicher, dass es sich bei den auf dieser Wandmalerei dargestellten Bäumen um Kiefern handelt. Wie das oben abgebildete Beispiel einer Zeichnung nach der Darstellung einer Kiefer auf einer Wandmalerei im `Auditorium des Maecenas´ zeigt, hätte es durchaus Möglichkeiten gegeben, diese Bäume eindeutig als Kiefern zu kennzeichnen. Leider äussert sich Nicole Blanc auch nicht dazu, ob die Wahl dieser (angeblichen) Kiefern für diese Wandmalerei (beziehungsweise für den wirklichen Garten, der zu diesem Grab gehörte, und der vielleicht auf dieser Wandmalerei dargestellt ist) eine spezifische Bedeutung gehabt haben könnte.
Auch Wilhelmina F. Jashemski (1993) hatte diese Wandmalerei aus dem Grab des Patron publiziert, sie hat aber nicht versucht, die dargestellten Bäume zu identifizieren.
Vergleiche Jashemski (1993, pp. 386-387, Kat. Nr. "132. Rome: Tomb of Patro, on the Via Latina, Fig. 467"):
"A garden painting found in a bad condition in the time of excavation (1831-34) in this tomb of the Augustan period is no longer in existence, except for two small fragments now in the Louvre. The painting, however, is preserved in an artist's copy published by [page 387] Secchi in 1843. It shows a row of five stylized trees on which various birds perch ... [Hervorhebung von mir]".
In ihrer Bibliography schrieb Jashemski: "Secchi, Mon. ined. d'un ant. sepolcro di familia [!] greca scoperto in Roma su la via Latina (1843), pp. 1-39 and pl. 2 ...".
Meine Theorie, dass Maecenas das Berliner Relief (hier Abb. 1; Taf. 53-55) in Auftrag gegeben haben könnte, wird möglicherweise durch die Tatsache unterstützt, dass der Göttin Kybele vom Berg Ida bei Troia die Kiefer heilig gewesen ist (die Kiefer war das Symbol des Geliebten und Kultpartners der Kybele, Attis). Die Göttin Kybele vom Berg Ida war die Schutzpatronin des Aeneas (des Ahnherrn des Augustus), der sich nach dem Brand Troias zu ihr geflüchtet hatte, und da sie ihm die ihr heiligen Kiefern vom Berg Ida zum Bau seiner Flotte zur Verfügung gestellt hatte - weshalb Rom hatte gegründet werden können - betrachteten die Römer die Göttin als ihrer aller Schutzpatronin. Auch die Göttin Kybele von Pessinus, deren Kultbild 205 oder 204 v. Chr. nach Rom gebracht worden war, hiess nach dem Zeugnis der Sibyllinischen Bücher mater Idaea
Ich erwähne hier die Darstellung von Kiefern in den Gartenmalereien in den Nischen der Apsis des `Auditoriums´, weil ich mich frage, ob die Wahl von Kiefern an so prominenten Stellen im `Auditorium´ womöglich bedeutungsvoll gewesen sein kann, was, wenn das der Fall gewesen sein sollte, eine Erklärung dafür bieten könnte, warum das Relief in Berlin (hier Abb. 1, Taf. 53-55), wie ich hier vorschlage, womöglich von Maecenas für seine Horti in Auftrag gegeben worden ist. Da, wie wir oben gesehen haben, Eric M. Moormann diese Gartenmalereien im `Auditorium´ neuerdings Maecenas zuschreibt, könnte das (theoretisch) meinen diesbezüglichen Vorschlag sogar weiter unterstützen.
Wie Vergil wusste (siehe dazu unten), waren nämlich die Kiefern der Göttin Kybele vom Berg Ida bei Troia heilig.
Vergleiche zur griechischen Stadt Ilion in der Troas (dem homerischen Troia?; siehe dazu unten, zu Punkt 10.)) und dem Berg Ida auch die Karte und den Beitrag von Franz Xaver Schütz: "Mit Kybele von Pessinus nach Rom - eine topographische Übersichtskarte" (2026).
Zu den heiligen Kiefern der Göttin Kybele auf dem Berg Ida werden wir unten, in Punkt 9.) und Punkt 10.) in diesem Update, einige Details hören:
Der Vorfahr des Octavian/ Augustus, Aeneas, hatte sich ja nach dem Brand Troias in dieses Heiligtum der Kybele geflüchtet, und die Göttin hatte sich nicht nur als Schutzpatronin des Aeneas erwiesen, sondern hatte es ihm auch ermöglicht, eine Flotte aus den ihr heiligen Kiefern vom Berg Ida zu bauen, wie wir von Vergil (Aeneis 3,5-6.10-14; 9,77-106) erfahren.
Die Römer betrachteten deshalb die Göttin Kybele vom Berg Ida als ihrer aller Schutzpatronin (darauf werde ich unten, in Punkt 10.), zurückkommen).
Vergleiche hierzu den Text "Mater Magna" (Häuber 2026b, Anm. 4, 14, 20); sowie Patrizio Pensabene (2025, pp. 151-152); und Jaime Alvar Ezquerra und Valentino Gasparini (2025, p. 68).
T.P. Wiseman (1984, pp. 127-128) hat die Bedeutung dieser von Vergil mitgeteilten Nachrichten über Aeneas, Troia und die Göttin Kybele vom Berg Ida für das Selbstverständnis des Augustus aufgezeigt, das seinen Bauvorhaben auf dem Palatin ablesbar sei. Wichtig für den hier diskutierten Themenkomplex ist ausserdem, dass Wiseman (1984, p. 117), am Anfang seines Aufsatzes, eine Passage aus Dionysios von Halikarnassos (2.19.3-5) zitiert, aus der hervorgeht, was den Römern alles am Kult der Kybele missfiel; Wiseman selbst fügt noch ein paar weitere Einzelheiten zu diesem Thema hinzu :
"What I myself have found most astonishing is that despite the influx into Rome of countless peoples who are in duty bound to honour their ancestral gods by their own native customs, the city, unlike many cities in the past, has never adopted any of these foreign practices publicly. Any rites Rome has introduced in response to oracles, such as those of the Idaean Goddess, she celebrates according to her own traditions, rejecting all fabulous claptrap. The annual sacrifices and games that the praetors hold for the Goddess are according to the laws of Rome. Her priest and priestess, however, are Phrygians; it is they who carry her through the city, begging alms in her name as their custom is, wearing pectoral images and beating tambourines as their acolytes play the Mother's hymns for them on the pipes: But it is contrary to the law and the senate's decree that any native Roman should process in a spangled robe begging alms to the music of the pipes, or celebrate the Goddess's orgies in the Phrygian manner. So careful is the city about religious customs other than its own; so much does it abominate all empty show that lacks decorum
(Dionysius of Halicarnassus 2.19.3-5 [Hervorhebung von mir]).
This passage, internally datable to after 23 B.C., [mit Anm. 1] is part of Dionysius' account of the excellent institutions of the Romans, attributed by him to Romulus ... Romulus established temples and altars, but banned from Roman cult all myths that degraded the gods and were therefore ``wicked, useless and indecent´´. [Mit Anm. 2] No castration of Uranos, no Cronos devouring his children - and, we may add, no Attis, whose self-mutilation was essential to the Phrygian goddess's hieros logos. [Mit Anm. 3] Similarly, no ecstatic frencies, no promiscuous all-night festivals, though they too were all part of her native ritual. [Mit Anm. 4; Hervorhebung von mir]".
Diese hier von Wiseman mitgeteilten Gründe, warum den Römern der Kybelekult so sehr missfiel, haben den Senat veranlasst, diesen Kult sehr stark einzuschränken; darauf werde ich unten, in Punkt 10.), noch einmal zurückkommen.
Wenden wir uns nun Wisemans Beobachtungen zu Vergil, Augustus und dem Palatin zu.
Vergleiche Wiseman (1984, pp. 127-128):
"On every side, Augustus surrounded himself [auf dem Palatin] with symbols - of victory, and of the foundation of Rome. [Mit Anm. 48]
The Great Mother had been a part of this topographical complex since 204 B.C. ... As the bringer of victory, against Hannibal and in later wars, she had every right to be there. [Mit Anm. 50] ... Augustus could not ignore her: somehow, despite the alien mummery of her cult, she had to be assimilated into the complex of associations he had built around his Palatine house. [Mit Anm. 52] ...
The details of her Augustan rehabilitation are what we see in Virgil. The Phrygian goddess has become the Trojan goddess, [mit Anm. 54] ... providing the fleet; the woods of Ida are ... the means of safety for the destined ancestor of Rome. The bringer of victory brings it also for Aeneas ... he too prays to the Great Mother before going into action. [Mit Anm. 55] ...
Virgil gives us, in just that order [in seiner Beschreibung des Palatins] Romulus the founder (776-80), imperium and the citadel walls (781-3), [p. 128] the Great Mother and her brood (784-7), Rome and the Iulii (788-90), and finally the new founder, Augustus Caesar (791-5). [Mit Anm. 57; Hervorhebung von mir]".
Auch auf die hier von Wiseman angesprochenen Themen werde ich unten, im Punkt 10.), noch einmal zurückkommen
Vergleiche T.P. Wiseman (1984, pp. 117, 127-128), Karte vom Palatin auf p. 124; gefolgt von Elena Ghisellini (2025, p. 80, mit Anm. 44). Nota bene: In seinem Buch Wiseman (2019) identifiziert Wiseman das sogenannte `Haus des Augustus´ auf dem Palatin, an dessen Stelle Augustus seinen Tempel für Apollo Palatinus errichten sollte, aber nicht mehr (wie in seinem Aufsatz 1984) mit der Domus, wo der Princeps residierte; zur Unterscheidung dieser beiden Häuser nenne ich die Domus, wo Augustus wirklich lebte, `the (real) House of Aaugustus´ (siehe unten). Vergleiche für dieses hochkomplexe Thema: Häuber, in: FORTVNA PAPERS, Volume III-2 (in Druckvorbereitung), Appendix VI; Section I.:
"Appendix VI. A digression on Domitian's intention to emulate Augustus and Nero
Domitian built his Palace `Domus Flavia´/ the Domus Augustana on the Palatine deliberately at the site of the (real) House of Augustus. As the `new founder of Rome´, and again like Augustus, Domitian emulated also Romulus (or else compared the achievements of his entire dynasty with those of Romulus). With summaries of the recent discussion concerning the following subjects: the so-called House of Augustus; Augustus' Temple of Apollo Palatinus; the (real) House of Augustus (cf. here Fig. 35); a temple podium, which has been identified as that of the Temple of Iuppiter Invictus (but which has also been identified as that of the Temple of Iuppiter Stator, Iuppiter Victor, and as that of the Temple of Iuppiter Propugnator); Domitian's sestertius, issued in AD 95/96 (cf. here Fig. 30) and the "Rilievo Terme Vaticano" (cf. here Fig. 31), both of which represent in M. Torelli's opinion (1987) the Templum Gentis Flaviae";
Vergleiche Section "I. The `House of Augustus´, the `House of Livia´ and the Temple of Apollo Palatinus, and the (real) House of Augustus and Domitian's `Domus Flavia´/ the Domus Augustana".
Hinzu kommt, dass auch die Göttin Kybele in Pessinus, deren Kultbild im Jahre 205 oder 204 v. Chr. nach Rom gebracht wurde, in den Sibyllinischen Büchern als mater Idaea bezeichnet worden ist (!); vergleiche Livius (29.10, 4-6). Wie wir eben gesehen haben, hat auch Dionysios von Halikarnassos (2.19.3-5) die nach Rom transferierte Göttin Kybele "the Idaean Goddess" genannt.
Diese Tatsache war von eminenter Bedeutung für die Römer, weil ja die Mater Idaea (`die Göttin Kybele vom Berg Ida´) bei Troia die Schutzpatronin ihrer troianischen Ahnen war; siehe den Text "Mater Magna" (Häuber 2026b, mit Anm. 4, 14, 43).
Pensabene (2025, p. 152, mit Anm. 7) erklärt überzeugend, dass nur auf Grund dieses Faktums der Tempel der Mater Magna auf dem Palatin errichtet werden konnte - eine Tatsache, die zumindest mir bislang noch gar nicht klar gewesen war:
"L'introduzione della Magna Mater segnava una rivendicazione del prestigio di Roma ... Il mito troiano, che legava Roma ad Enea e quindi alla Troade, divenne un elemento centrale della propaganda politica: Virgilio e Ovidio rafforzarono questa connessione nei loro scritti, sottolineando il ruolo di Cibele nel destino della città [mit Anm. 7] ...
Il tempio di Cibele fu costruito sul Palatino, il luogo più sacro di Roma, normalmente precluso ai culti stranieri. Questa eccezione dimostrava che la Magna Mater era considerata una dea indigena e protettrice della città".
Dass die Göttin Kybele aus Pessinus, wegen ihrer `angeblichen troianischen Herkunft, als indigene römische Göttin angesehen wurde´, schreiben auch Jaime Alvar Ezquerra und Valentino Gasparini (2025, p. 68).
Kehren wir nun zu unserem Kiefern-Thema zurück.
Zu dem hier diskutierten Thema muss man ausserdem wissen, dass nach Ovid (fast. 4.273ff.) das Kultbild der Kybele im eigenen Schiff der Kybele nach Rom reiste (siehe dazu in diesem Update, zu Punkt 7.) und zu Punkt 9.)), das ebenfalls aus den der Göttin heiligen Kiefern auf dem Berg Ida gezimmert worden war.
Dass die Kiefer der Göttin Kybele heilig gewesen ist, verwundert nicht, war sie doch das Symbol des Geliebten und Kultpartners der Kybele, Attis.
Wie Jan N. Bremmer mitteilt (2020, pp. 23-24; siehe unten, in Punkt 10.), war der Kult des Gottes Attis schon zusammen mit dem der Göttin Mater Idaea/ Kybele, im Jahre 205 oder 204 v. Chr. aus Pessinus nach Rom gekommen.
Kaiser Claudius stiftete in Rom zu Ehren des Gottes Attis einen Staatskult und ein neues Fest, die Hilaria, die jährlich vom 15. bis 27. März gefeiert wurden. An jedem 22. März wurde nun von den dendrophori der Heilige Baum des Attis, eine Kiefer, in der Prozession `Arbor intrat´ zum Tempel der Mater Magna auf dem Palatin getragen. Zur Infrastruktur dieses Staatskultes für den Gott Attis gehörte die Errichtung der schola für diese dendrophori, die man mit der Basilica Hilariana auf dem Caelius identifiziert hat. Zum Kult der Mater Magna und des Attis gehörten auch Hymnologen, wie zum Beispiel Tiberius Claudius Glyptus, hymnologus de Campo Caelemontano (CIL VI 9475). Ich diskutiere zu allen diesen Themen die Forschungen von R. Alteri (2025) und C. Pavolini (2016; 2025); Pavolini schlägt vor, dass sich auf dem Campus Caelemontanus eine pineta sacra, ein Heiliger Kiefernhain des Attis, befunden habe, wo an jedem 22. März eines Jahres die dendrophori jene Heilige Kiefer des Attis für ihre Prozession `Arbor intrat´ gefällt hätten
In Rom gab es eine berühmte Prozession dieses heiligen Baumes des Gottes Attis. Vergleiche Henri Le Bonniec ("Magna Mater", in: LAW [1965] Sp. 1812), der alle Feste und Prozessionen aufgelistet hat, die in Rom von den Anhängern der Kybele während des ganzen Jahres gefeiert worden sind:
"... Am 22. [März] Einzug der Fichte [corr.: Kiefer], des Attis-Symbols, die wie ein Toter mit Bändern umwickelt war [Hervorhebung von mir]". In dieser Prozession (namens `Arbor intrat´, die zu den Festlichkeiten der Hilaria gehörte) brachten dendrophori die Heilige Kiefer des Attis, die den Gott Attis darstellte, ins Heiligtum der Mater Magna auf dem Palatin.
Vergleiche ausserdem für die Prozession `Arbor intrat´: Jan N. Bremmer (2020, p. 25, mit Anm. 128). Unten, im Punkt 10.) dieses Updates, werden wir dann durch David Adams Leeming (1998, pp. 157-158) den Verlauf und die Bedeutung der Hilaria in Rom kennenlernen: So erfahren wir, dass die Kiefer mit Attis identifiziert wurde, weil er sich unter einer Kiefer selbst kastriert hatte.
Wir wissen auch, dass es Kaiser Claudius gewesen war, der diese neuen und bedeutenden Festlichkeiten für den Gott Attis, die Hilaria, eingerichtet hatte, die fortan jedes Jahr, vom 15.-.27. März, gefeiert wurden.
Claudius war, ebenso wie der Claudier Tiberius, ein leiblicher Nachfahre der Claudia Quinta, die mit ihrem `Wunder´ (siehe oben, zu Punkt 7.)) einen bedeutenden Beitrag zum Kulttransfer der Mater Idaea/ Kybele aus Pessinus nach Rom geleistet hatte.
Carlo Pavolini (2025, p. 166) beschreibt in seinem Beitrag über die Basilica Hilariana, dem offiziellen Sitz der oben erwähnten dendrophori, die diesbezügliche Strategie des Kaisers.
Laut Pavolini ging es Claudius darum, `die Figur des Attis´, der bis zu diesem Zeitpunkt `vom Senat mit einem gewissen Argwohn betrachtet worden war, und dessen Kult deshalb, wie es seiner Meinung nach den Anschein habe, vielleicht nur den niederen römischen Volksschichten erlaubt gewesen sei´, ganz erheblich aufzuwerten, indem Claudius einen `Staatskult´ des Attis einrichtete. In diesem Zusammenhang sei eine entsprechende Infrastruktur geschaffen worden, wozu die Gründung der schola der dendrophori gehörte, die in der Basilica Hilariana auf dem Caelius ihren Sitz hatte:
"... di cui [gemeint ist die Strategie des Kaisers Claudius] fece parte l'elevazione della figura di Attis - guardata fino ad allora con un certo sospetto dall'ufficialità romana [mit Anm. 17], così che il suo culto era permesso forse solo agli strati inferiori della popolazione [mit Anm. 18] - alla dignità di una venerazione dello Stato. Si trattò di una svolta importante, che rese necessario istituire una precisa liturgia pubblica del dio e creare organismi specializzati che ne curassero i riti. La fonte decisiva - ... che ci parla di questa ``riforma´´, definibile come una vera e propria rifondazione del culto, è costituita da una frase ... dovuta al tardo grammatico bizantino Giovanni Lido [mit Anm. 19: "LYD., mens. 4, 59".]:
``Il 22 marzo un albero di pino viene traspotato dai dendrofori sul Palatino. Questa festa viene istituita dall'imperatore Claudio´´ [Hervorhebung von mir]".
Pavolini (2025, p. 163) publiziert auch eine Karte von diesem Teil des Caelius: "Fig. 3. Pianta della sommità del Celio con rinvenimenti archeologici sovrapposti all'urbanistica moderna (da PALAZZO, PAVOLINI 2013, particolare p. 12, elaborazione P. Palazzo)".
Pavolini (2025) dokumentiert sehr detailliert die beiden Bauphasen der Basilica Hilariana auf dem Caelius, die in Ausgrabungen dokumentiert worden sind. Im Hof dieses Gebäudes war eine `heilige Kiefer des Attis´ in einem "sacello/aiuola" verehrt worden; vergleiche Pavolini (2025, pp. 171-172). Nach Meinung Pavolinis (2025, p. 172), die auch ich für vernünftig halte, handelte es sich bei diesem Baum in der Basilica Hilariana aber vermutlich nicht um jene Kiefer, die bei der jährlichen Prozession Arbor intrat am 22. März auf den Palatin getragen wurde (darauf werde ich später noch einmal zurückkommen).
Siehe für eine Rekonstruktion des Standortes der heiligen Kiefer im "sacello/aiuola", im Hof der Basilica Hilariana: Pavolini (2025, p. 172, "Fig. 7. Ipotesi ricostruttiva dell'impianto del pino di Attis nell sacello/aiola [corr.: aiuola] (da Palazzo, Pavolini 2013, p. 469, fig. 6)".
Vergleiche zum Standort der Basilica Hilariana auch Häuber (2014, S. 13 mit Anm. 89, S. 271, 272; siehe Map 3, Beschriftungen: MONS CAELIUS; BASILICA HILARIANA; ARBOR SANCTA); von dieser Karte bilden wir unten noch einmal ein Detail des Mons Caelius ab.
Vergleiche zu diesem Themenkomplex auch Roberta Alteri (2025, pp. 131-136, mit Karte auf S. 134, Fig. 12). Wie Pavolini (2025), bietet Alteri Zusammenfassungen der Forschungsgeschichte zur Basilica Hilariana, zu den neuesten Ausgrabungsergebnissen dieses Gebäudes, und zur Bedeutung der Hilaria genannten Feste.
Roberta Alteri (2025, pp. 131-132) schreibt :
"In epoca imperiale ai Megalesia di aprile si aggiunse, almeno a partire dell'età claudia [mit Anm. 164], un nuovo ciclo di feste metroache, incentrato in particolare sulla vicenda della morte e resurrezione di Attis, che entrò a far parte del pantheon delle divinità romane, in considerazione della grande popolarità assunta dagli aspetti religiosi e mistici a lui connessi, sul modello di altri santuari di culto frigio.
Le feste, dette gli Hilaria o feste dell'equinozio [mit Anm. 165] si svolgevano ogni anno, come noto, dal 15 al 27 marzo e coincidevano con il ritorno della primavera. In particolare il 22 marzo, vi era la cerimonia dell'Arbor intrat [mit Anm. 166], organizzata dai dendrophori, un [pagina 132] collegio speciale di ``portatori dell'albero´´ [mit Anm. 167], composto in particolare da liberti, che avevano il compito di trasportare il pino, simbolo di Attis morto, fino al tempio della Magna Mater sul Palatino, presso il quale veniva fasciato di sacre bende di lana, ornato di violette, di strumenti musicali e da una piccola immagine di Attis posta al centro.
La schola dei dendrophori si trovava sul Celio ed è stata identificata in un edificio noto come Basilica Hilariana ... [Hervorhebung von mir]".
Unmittelbar anschliessend fasst Roberta Alteri (2025, pp. 132-134) die Forschungsgeschichte zum Gebäude Basilica Hilariana zusammen. Danach diskutiert Alteri (2025, pp. 134-136) die Tatsache, dass das Toponym "Arbor Sancta" in den Constantinischen Regionskatalogen für die augusteische Regio II aufgeführt wird.
Vergleiche für die von Alteri (2025, pp. 134-136) in der folgenden Textpassage genannten Gebäude und Toponyme unsere hier noch einmal abgebildete Karte vom Mons Caelius (Häuber 2014, Map 3 und Map 7), auf der alle diese Gebäude und Toponyme lokalisiert worden sind :
"Un dato di particolare interesse è la possibilità di identificare la sede del collegio dei dendrofori con il toponimo Arbor Sancta, menzionato nei Cataloghi Regionari del IV sec.[olo] d.C., nella Regio II (Caelimontium), insieme ai castra Peregrina e a Caput Africae [pagina 135; pagina 136] e collegare l'attribuzione di questo nome al pinus [das heisst: die Kiefer] ritualmente venerato nel cortile della Basilica, coltivato forse in una sorta di sacello/aiuola [mit Anm. 178]. Questa pianta sacra veniva forse dal vicino Campus Caelemontanus che rappresentava la sede degli hymnologi [mit Anm. 179], noti da iscrizioni sepolcrali romane e collegati anch'essi al culto di Cibele [mit Anm. 180; Hervorhebung von mir]". Auf die von Roberta Alteri (2025, pp. 134-136) in den Constantinischen Regionenkatalogen für den Caelius genannten Toponyme, und auf die Datierung der Regionenkataloge Roms ins 4. Jh. n. Chr., werde ich unten noch einmal zurückkommen.
In ihrer Anm. 179, schreibt Alteri: "GRAILLOT 1912, pp. 254-255. Sulla funzione di questi personaggi: PAVOLINI 2015-16; ID. 2016".
In ihrer Anm. 180, schreibt sie: "CIL VI, 9475 = CCCA III, II. n. 299; CIL VI, 32444; cfr. p. 3826 = CCCA III, II. n. 298; AE 1976, 13 (ora al Museo Nazionale Romano), relativa a A. Aurelius Secundinus, gymnoeg(us) (!) M(atris) D(eum) Mag(nae) Idaeae Palatin(a)e (III sec.[olo], prima metà)".
Karte vom Mons Caelius (Detail). Vergleiche für die oben, in Punkt 5.) im Zusammenhang mit dem Isium Metellinum auf dem Caelius, und hier, im Zusammenhang mit der Basilica Hilariana auf dem Caelius, genannten Bauten und Toponyme, den weiteren, hier gezeigten Ausschnitt unserer "Diachronen topographischen Romkarte: Forum Romanum bis Mons Oppius". C. Häuber und F.X. Schütz, Rekonstruktion (2025), mit dem "AIS ROMA", auf der Basis der offiziellen photogrammetrischen Daten der Comune di Roma (jetzt Roma Capitale), die uns großzügigerweise im März 1999 der Sovraintendente ai Beni Culturali der Comune di Roma, Prof. Eugenio La Rocca, zur Verfügung gestellt hatte. Diese Karte haben wir zum ersten Mal in Häuber (2014) als Map 3 publiziert und im Text dieses Buches diskutiert; vergleiche S. 873 (die Legende zu dieser Karte). Inzwischen haben wir diese Karte korrigiert und erheblich erweitert. Die hier gezeigte Version der Karte ist komplett online publiziert at:
<https://FORTVNA-research.org/maps/HAEUBER_2014_Map3.html>.
Vergleiche die folgenden Beschriftungen:
COLOSSEUM; R.[EGIO] II; MONS CAELIUS; modern Via Labicana; PORTA QUERQUETULANA; SS. Pietro e Marcellino [diese Beschriftung bezieht sich auf die ehemalige alte, auf Nollis Karte (1748) dokumentierte Kirche und auf die aktuelle moderne Kirche]; Viale Manzoni; V; Ospedale S. Giovanni; "VIA TUSCULANA"/ Via dei SS. Quattro Coronati; Via dei Querceti; SS. Quattro Coronati; "VIA CAELIMONTANA"/ Via di S. Stefano Rotondo; Servian city Wall; PORTA CAELIMONTANA?/ S. Maria Imperatrice; CAMPUS CAELEMONTANUS (MARTIALIS); Piazza S. Giovanni in Laterano; S. Giovanni in Laterano/ CASTRA NOVA EQUITUM SINGULARIUM; Baptistery; site of S. Gregorio in Martio; Via dell'Amba Aradam (former Via della Ferratella); ARCUS NERONIANI-CAELEMONTANI; BASILICA HILARIANA ARBOR SANCTA; PORTA CAELIMONTANA?/ ARCUS DOLABELLAE ET SILANI; Via della Navicella; VIA CLAUDIA; VICUS CAPITIS AFRICAE; Piazza Celimontana; Ospedale Militare del Celio; Via di S. Paolo della Croce; S. Gregorio Magno; PORTA CAPENA; VIA APPIA; VICUS HONORIS ET VIRTUTIS?; VICUS CAMENARUM?; VALLIS EGERIAE?; site of ISIUM METELLINUM?; Casino Villa Mattei/ Celimontana; S. Tommaso in Formis; S. Maria in Domnica/ STATIO COHORTIS V VIGILUM; S. Stefano Rotondo/ CASTRA PEREGRINA/ Reticulate walls.
Roberta Alteri (2025, p. 136) erwähnt in der oben zitierten Textpassage, im Zusammenhang ihrer Diskussion der Basilica Hilariana, dass die in diesem Gebäude kultisch verehrte Pflanze (eine Kiefer), "... veniva forse dal vicino Campus Caelemontanus". Mit dieser Bemerkung zur Lage des Campus Caelemontanus folgt Alteri Carlo Pavolini (2016), dessen diesbezüglichen Hypothesen zur Porta Caelimontana und zum Campus Caelemontanus ich mich aber, wie wir gleich sehen werden, nicht in allen Details anschliesse.
Ausserdem enthält diese Bemerkung Roberta Alteris (2025, p. 136) einen Hinweis auf den Vorschlag Pavolinis (2016, pp. 346-347), dass sich auf dem Campus Caelemontanus ein Heiliger Hain mit Kiefern des Attis befunden habe.
Hierzu zitiert Alteri (2025, p. 136, Anm. 179) Publikationen von Pavolini, in denen er sich mit den drei in stadtrömischen Grabinschriften genannten Hymnologen beschäftigt, die unter anderem im Kult der Kybele und des Attis tätig gewesen sind. Wie Pavolini selbst mitteilt (2016, p. 337, in seiner Anm. *), hat er sich diesen Hymnologen besonders in einer weiteren Publikation (Pavolini 2015) gewidmet; in diesem Kontext kann ich auf dieses hochinteressante Thema - die im Kult der Mater Magna aufgeführte Musik - aber leider nicht eingehen.
Ausgangspunkt von Pavolinis (2016, pp. 338-346) eigenen Recherchen zum Campus Caelemontanus ist die stadtrömische Grabinschrift des Tiberius Claudius Glyptus (CIL VI, 9475), der in dieser Inschrift als "hymnologus de campo Caelemontano" bezeichnet wird; vergleiche Pavolini (2016, p. 343); interessanterweise ist das der einzig bekannte Beleg für das Toponym `campus Caelemontanus´; vergleiche Pavolini (2016, p. 345 mit Anm. 31).
Pavolini (2016, pp. 338-347) zitiert und diskutiert diese Inschrift; ihr Fundort ist unbekannt, sie wurde 1882 im CIL veröffentlicht und ist heute verschollen.
Dieser Tiberius Claudius Glyptus wird in seiner Grabinschrift als `hymnologus´ bezeichnet, im Unterschied zu den beiden übrigen bislang bekannten stadtrömischen Grabinschriften für Hymnologen (vergleiche die oben zitierte Textpassage aus Alteri 2025, p. 136, mit Anm. 180), die ausdrücklich beide als im Kult der Mater Magna tätig beschrieben werden (bei einem dieser beiden Hymnologen wird zusätzlich noch der Kult des Attis genannt), erfahren wir im Fall unseres Glyptus aber nicht, zum Kult welcher Gottheit er gehört hat.
Um das Ergebnis seiner Studie gleich vorwegzunehmen, schliesst sich Pavolini (2016, pp. 346-347), nach ausführlicher Diskussion dieser Frage, nicht ganz der Meinung Filippo Coarellis (1997-1998) an, der (damals) der Rekonstruktion Colinis (1944) der Servianischen Stadtmauer auf dem Caelius folgend, den Campus Caelemontanus im Bereich der ehemaligen Villa Casali, dem Ospedale Militare del Celio annahm, das heisst, in unmittelbarer Nähe des Arcus Dolabellae et Silani (den Coarelli 1997-1998, Colini 1944 folgend, für den Standort der Porta Caelimontana hielt). Nach Coarellis Ansicht war dieser Glyptus deshalb als Hymnologe der Basilica Hilariana assoziiert, und somit ebenfalls, wie die beiden anderen uns bekannten Hymnologen in Rom, im Kult der Mater Magna und des Attis tätig.
Auch Pavolini (2016, p. 344-347, mit Fig. 4: Colinis Plan vom Caelius) folgt Colinis (1944) Rekonstruktion der Servianischen Stadtmauer auf dem Caelius, und lokalisiert ebenfalls, wie Colini (1944) und Coarelli (1997-1998), die Porta Caelimontana am Standort des Arcus Dolabellae et Silani. Ausserdem folgt Pavolini (2016, pp. 346-347) Coarelli (1997-1998) in der Annahme, dass der Hymnologe Glyptus in der Basilica Hilariana dem Kult des Attis und der Kybele verbunden gewesen ist. Nach Ansicht Pavolinis war unser Glyptus aber ausserdem auf dem Campus Caelemontanus tätig, der, wie Pavolini (2016, p. 346) schreibt, nach der "ipotesi più verosimile" von Colini (1944) mit der Piazza di S. Giovanni in Laterano identifiziert werden könne.
Pavolini (2016, pp. 346-347) nimmt auf dem Campus Caelemontanus eine "pineta sacra", oder einen "lucus" (einen Heiligen Hain) mit Kiefern des Attis an, und schlägt vor, dass unser Hymnologe Glyptus dort als Sänger beschäftigt gewesen sei. In diesem, dem Attis heiligen Kiefernhain, hätten an jedem 22. März eines Jahres die dendrophori der Basilica Hilariana eine dieser Kiefern geschlagen, um diese dann an diesem Tag, in ihrer feierliche Prozession `Arbor intrat´ auf den Palatin, zum Tempel der Mater Magna, zu tragen.
Wenden wir uns nun Pavolinis Erkenntnissen im Detail zu.
Auch Pavolini (2016, p. 345) folgt Antonio Maria Colini (1944) darin, die Porta Caelimontana in der Servianischen Stadtmauer am Standort des Arcus Dolabellae et Silani auf dem Caelius anzunehmen. Gleichzeitig folgt Pavolini (2016, p. 345, mit Anm. 33) dem Vorschlag Colinis (1944, pp. 74-75, 411 mit Anm. 9), Campus Caelemontanus und Campus Martialis als synonyme Begriffe aufzufassen, und diesen Platz "non lontano dalla regione lateranense (Fig. 4)" anzunehmen; Pavolini (2016, 344, Fig. 4) bildet auch einen Plan Colinis vom Caelius ab: "Pianta del Celio nell'antichità (da Colini 1944, tav. XXIV)"; vergleiche die Beschriftungen: PORTA CAELEMONTANA ARCVS DOLABELLAE ET SILANI; CAMPVS MARTIALIS CAELEMONTANVS.
Pavolini (2016, p. 345, mit Anm. 34-36) nennt einige Gelehrte (zu denen auch er selbst gehört: Anm. 36: "Palazzo-Pavolini 2013, 473"), die dem Vorschlag Colinis (1944) bezüglich seiner Identifizierung des Campus Caelemontanus mit dem Campus Martialis, und dieses Platzes mit der Piazza di S. Giovanni in Laterano, gefolgt sind. Ausserdem erwähnt Pavolini (2016, p. 345, mit Anm. 37) Filippo Coarellis (1997-1998, p. 213) alternativen Lokalisierungsvorschlag für den Campus Caelemontanus :
"... mentre Filippo Coarelli [mit Anm. 37] - riprendendo alcune considerazioni già formulate da Antonio Nibby e da Giuseppe Lugli - ha proposto invece di localizzare il campus [Caelemontanus] nella zona dell'Ospedale Militare (già Villa Casali), effettivamente più vicina alla Porta Caelimontana [Hervorhebung von mir]".
Bezüglich Coarellis (1997-1998) Vorschlag, wo unser Hymnologe Glyptus beschäftigt gewesen sein mag, schreibt Pavolini (2016, pp. 345-346):
"Peraltro, questa duplicità di interpretazioni relativamente all'ubicazione dell'enigmatico campus [Caelemontanus] condiziona inevitabilmente anche le congetture sulla sfera d'azione di Glyptus (hymnologus de Campo Caelemontano, appunto). Filippo Coarelli ... [mit Anm. 39] dà intanto per scontato che il personaggio fosse un cantore addetto ai sacra di Cibele e Attis [pagina 346] ... in secondo luogo - coerentemente con la propra ipotesi che il sito del campus [Caelemontanus] vada ricercato nell'area di Villa Casali e dell'Ospedale Militare - ritiene che l'attività del Glyptus venisse espletata o nella basilica Hilariana, o nel complesso di cui questa faceva parte [mit Anm. 40]".
Schliesslich begründet Pavolini (2016, pp. 346-347), warum er dem Vorschlag Coarellis (1997-1998) nur bezüglich der Vorstellung gefolgt ist, dass der Hymnologe Glyptus in der Basilica Hilariana tätig gewesen sei. Im Unterschied zu Coarelli (1997-1998), aber ebenso wie Colini (1944), identifiziert Pavolini nämlich den Campus Caelemontanus (Martialis) mit der Piazza di S. Giovanni in Laterano. Deshalb glaubt Pavolini, dass unser Glyptus überdies am Campus Caelemontanus oder in dessen Nähe beschäftigt war, und zwar im Heiligen Kiefernhain des Attis, den Pavolini dort annimmt.
Bei seiner Argumentation, die ich oben zitiert habe, übersieht Pavolini (2016, pp. 345-346), dass Franz Xaver Schütz und ich (seit 2004; vergleiche Häuber 2014, und hier unsere Karten vom Mons Oppius und vom Mons Caelius) sowohl Colinis (1944) Rekonstruktion des Verlaufs der Servianischen Stadtmauer auf dem Caelius, als auch die Lokalisierung Colinis (1944) der Porta Caelimontana am Standort des Arcus Dolabellae et Silani widerlegt haben; sowie, dass ich in Häuber (2005, S. 14-15) dem Vorschlag Coarellis widersprochen habe, den Campus Caelemontanus in unmittelbarer Nähe der (angeblichen) Porta Caelimontana/ dem Arcus Dolabellae et Silani zu lokalisieren.
Filippo Coarelli hat seit Oktober 1980 meine Romforschungen sehr intensiv unterstützt, die in Häuber (2014) zusammengefasst sind.
Wie oben gesagt, war Coarelli (1997-1998) Colinis (1944) Rekonstruktion des Verlaufs der Servianischen Stadtmauer auf dem Caelius gefolgt, und hatte den Campus Caelemontanus in unmittelbarer Nähe des (angeblichen) Standortes der Porta Caelimontana beim Arcus Dolabellae et Silani lokalisiert. Im Unterschied zu dieser früheren Auffassung, stimmt Coarelli inzwischen aber der Rekonstruktion des Verlaufs der Servianischen Stadtmauer auf dem Oppius und auf dem Caelius von Franz Xaver Schütz und mir zu, einschliesslich unserer Lokalisierungen der Porta Caelimontana und des Campus Caelemontanus.
Dabei unterscheidet sich unsere Rekonstruktion der Servianischen Stadtmauer (vergleiche hier unsere Karten vom Mons Oppius und vom Mons Caelius) erheblich von den diesbezüglichen Rekonstruktionen von Gösta Säflund (1932) und Antonio Maria Colini (1944).
Coarelli und T.P. Wiseman, der meine Romforschungen seit Januar 1984 sehr unterstützt, und der ebenfalls unsere Rekonstruktion der Servianischen Stadtmauer auf dem Oppius und Caelius gutheisst; vergleiche Wiseman (2021, p. 12 mit Anm. 19; siehe dazu oben, zu Punkt 5.)), waren nämlich eingeladen worden, bei der Vorstellung meines Buches (2014) am 23. Oktober 2014 im Konservatorenpalast Stellungnahmen zu dieser Publikation abzugeben.
Bei dieser Gelegenheit haben sowohl Coarelli als auch Wiseman gesagt, dass sie unserer Rekonstruktion des Verlaufs der Servianischen Stadtmauer auf dem Oppius und auf dem Caelius folgen. Vergleiche online at:
<https://FORTVNA-research.org/haeuber/Buchvorstellung_Haeuber_2014_Rom.html>.
Pavolini (2016) hat in diesem Text und in seinem Aufsatz (2025, den ich in diesem Update, in diesem Punkt 8.), ebenfalls diskutiere), sowie in seinen früheren Publikationen (zum Beispiel in Pavolini 2006) übersehen, dass auch Franz Xaver Schütz und ich Colinis (1944) Vorschlägen gefolgt sind, die Begriffe Campus Caelemontanus und Campus Martialis für Synonyme zu halten, und den Campus Caelemontanus mit der Piazza di S. Giovanni in Laterano zu identifizieren.
Und das, obwohl wir beim 17th International Congress of Classical Archaeology, Rome 22-26 Sept.[ember] 2008, unseren Verlauf der Servianischen Stadtmauer auf dem Oppius und Caelius vorgestellt haben, und zwar am 23 September 2008, in der von Carlo Pavolini geleiteten "Session 3D. Oriental Cults at Rome". Das Thema unseres Vortrages lautete: "The Temple of Isis et Serapis in Regio III in Rome". Vergleiche unseren gedruckten Beitrag: Häuber und Schütz (2010, S. 85-86, mit Anm. 21-42, Fig. 1 [unsere Karte], zu unserer neuen Rekonstruktion des Verlaufs der Servianischen Stadtmauer).
Wie auch unser Beispiel zeigt, hängt die Lokalisierung der beiden Toponyme Porta Caelimontana und Campus Caelemontanus natürlich engstens mit der Vorstellung des jeweiligen Gelehrten zusammen, wie er oder sie im fraglichen Stadtteil Roms den Verlauf der Servianischen Stadtmauer rekonstruiert.
Im Unterschied zu Colini (1944) selbst, Pavolini und einem weiteren der Gelehrten, die nach Pavolini (2016, p. 345, mit Anm. 34-36) Colinis Vorschlag zugestimmt haben - die Begriffe Campus Caelemontanus und Campus Martialis für Synonyme zu halten, und den Campus Caelemontanus mit der Piazza di S. Giovanni in Laterano zu identifizieren - ist es Franz Xaver Schütz und mir gelungen, Colinis diesbezüglichen Vorschlag auch bewiesen zu haben.
Vergleiche hierzu ausserdem unsere folgenden Publikationen:
Häuber und Schütz (2004, S. 91-93, mit Anm. 98, 104-106; mit Hinweis auf ein Buch von `Häuber in Druckvorbereitung´, das als Häuber 2014 erscheinen sollte); Häuber (2005, S. 14-15, Anm. 29, mit unserer Karte auf Abb. 1); Häuber und Schütz (2006, S. 255, 258, mit Anm. 1, Abb. 1 [mit unserer Karte]); sowie Häuber (2014, S. 251-289, besonders S. 276, mit Anm. 239, 240, 242, mit unseren Karten Map 3 und Map 7; vergleiche hier unsere Karten vom Mons Oppius und vom Mons Caelius).
Den entsprechenden Beweis kannte jedoch vor Franz Xaver Schütz und mir bereits Carlo Buzzetti ("Campus Caelemontanus", in. LTUR I [1993], p. 218, Fig. 115), den Pavolini (2016, p. 345, Anm. 34) in seiner Aufzählung der entsprechenden Gelehrten auch selbst erwähnt hat.
Und wie ich erst jetzt in Häuber (2005, S. 15 mit Anm. 29) wiedergefunden habe, war das alles - natürlich - bereits Samuel Ball Platner und Thomas Ashby klar gewesen (1929; 2002, p. 90 s.v. Campus Caelemontanus, sowie p. 94, s.v. Campus Martialis) (!).
Wie oben angedeutet, kommt aber noch ein weiteres Problem hinzu
Pavolini (2016) hält seine Lokalisierung der Porta Caelimontana am Standort des Arcus Dolabellae et Silani deshalb für möglich, weil er (unkritisch) der Rekonstruktion der Servianischen Stadtmauer auf dem Caelius von Antonio Maria Colini (1944) gefolgt ist.
Pavolini hat weder in seinem Buch (Archeologia e topografia della Regione II (Celio). Un aggiornamento sessant‘anni dopo Colini, 2006), noch in seinen Aufsätzen (1993, 2000, 2016; 2025) selbst nachgeforscht, ob die Grundlagen verlässlich sind, auf deren Basis Colini (1944) zu seiner Rekonstruktion der Servianischen Stadtmauer auf dem Caelius gekommen war.
Bedauerlicherweise hatte Colini (1944) seinerseits (unkritisch) die Rekonstruktion des Verlaufs der Servianischen Stadtmauer auf dem südöstlichen Ausläufer des Mons Oppius von Säflund (1932) `übernommen´.
Bei Säflund (1932) erreicht die Rekonstruktion des Verlaufs der Servianischen Stadtmauer auf dem Südostausläufer des Mons Oppius die moderne Via Labicana in der Nähe von S. Clemente auf dem Caelius; den weiteren Verlauf der Stadtmauer auf dem Caelius hat Colini (1944) dann unmittelbar an Säflunds Rekonstruktion `angefügt´.
Und das, obwohl Colini selbst zugegeben hat, dass seine Rekonstruktion der Servianischen Stadtmauer auf der ganzen Strecke über den Caelius, von der Kirche SS. Quattro Coronati an bis zum Arcus Dolabellae et Silani, durch keinerlei archäologische Befunde bestätigt werde.
Trotzdem ist Pavolini (1993; 2000; 2006) auch schon in früheren Publikationen Colinis (1944) Rekonstruktion der Servianischen Stadtmauer auf dem Caelius gefolgt.
Das alles (einschliesslich Pavolini 1993, 2000, 2006) habe ich ausführlich diskutiert in: Häuber (2014, S. 258-274: "The Servian wall between Via Ruggero Bonghi and the Arcus Dolabellae et Silani").
Im Folgenden zitiere ich die oben bereits erwähnte Passage zu Colinis diesbezüglichen Forschungen auf dem Caelius aus Häuber (2014, S. 272) verbatim:
"It is also worth while to remember that Colini was unable to find any traces of the Servian wall on the line across the Caelian, where he assumed its course (i.e. between the church of SS. Quattro Coronati and the Porta Caelimontana?/ Arcus Dolabellae et Silani [mit Anm. 200; Hervorhebung von mir]) ...".
In meiner Anm. 200 schreibe ich: "Colini 1944, p. 32".
Wie Franz Xaver Schütz und ich (Häuber und Schütz 2004; Häuber 2005; Häuber und Schütz 2006; Häuber und Schütz 2010; Häuber 2014) im Zusammenhang unserer Rekonstruktion der Servianischen Stadtmauer auf dem Mons Oppius nachgewiesen haben, war Säflunds Rekonstruktion auf dem Südostausläufer des Mons Oppius aber leider nicht korrekt (siehe dazu unten).
Pavolinis (2016, p. 344, Fig. 4, p. 345) von Colini (1944) übernommener Standort seiner Porta Caelimontana beim Arcus Dolabellae et Silani ist unmöglich: Der Arcus Dolabellae et Silani und die Piazza di S. Giovanni in Laterano/ Der Campus Caelemontanus (Martialis), sind, in Luftlinie gemessen, circa 630 m voneinander entfernt; vergleiche Häuber (2005, S. 15).
Aus folgendem Grund kann deshalb die Porta Caelimontana nicht in der Nähe des Arcus Dolabellae et Silani gestanden haben: Denn da der Campus Viminalis und der Campus Esquilinus unmittelbar ausserhalb der Porta Viminalis, beziehungsweise unmittelbar ausserhalb der Porta Esquilina lagen, ist das analog auch für das Toponym-Paar `Campus Caelemontanus und Porta Caelimontana´ vorauszusetzen.
Um die hier formulierten Behauptungen zu begründen, haben Franz Xaver Schütz und ich beschlossen, jetzt auch das entsprechende, überarbeitete Kapitel aus Häuber (2014) komplett auf unserem Webserver zu publizieren, in dem die von Franz Xaver Schütz und mir erstmals (2004) vorgelegte Rekonstruktion der Servianischen Stadtmauer auf dem Oppius und dem Caelius im Detail erklärt wird.
Vergleiche für unsere erste diesbezügliche Rekonstruktion der Stadtmauer die folgenden Publikationen:
Häuber und Schütz (2004, S. 65, Abb. II.3., S. 67, Abb. II.4, S. 75, Abb. II.7, S. 85, Abb. II.13, S. 88, Abb. II.15, S. 91, Abb. II.16; S. 91-93, mit Anm. 98, 104-106; mit Hinweis auf ein Buch von `Häuber in Druckvorbereitung´, das als Häuber 2014 erscheinen sollte; siehe unten). Vergleiche für diese Fassung unserer Rekonstruktion der Servianischen Stadtmauer ausserdem Häuber (2005, S. 9, 12-15, Abb. 1; Abb. 1(a)); Häuber und Schütz (2006, S. 255, 258, mit Anm. 1, Abb. 1); Häuber und Schütz (2010, S. 85-86, mit Anm. 21-42, Fig. 1 [unsere Karte]).
Unser oben zitierter Text, Häuber und Schütz (2004, S. 91, mit Anm. 98), enthält den Nachweis, dass der ehemalige Verlauf der Servianischen Stadtmauer auf dem Südostausläufer des Mons Oppius von der ehemaligen Strasse Via Curva (heute, mit verändertem Verlauf: Via Carlo Botta) `nachgezeichnet´ worden ist. Und zwar deshalb, weil Carlo Ludovico Visconti (BullCom 15, 1887, pp. 166, 192 ) erwähnt hat, dass sich die Funde, die er selbst ausgegraben hatte, und in diesem Artikel (irrtümlich) dem Tempel der Minerva Medica zuschrieb (ich selbst schreibe sie dem Tempel der Fortuna Virgo zu), `vor dem [ehemaligen] Kapuzinerkloster, und innerhalb der Servianischen Stadtmauer´ entdeckt worden seien.
Wir haben auf unseren Karten, beginnend mit unserem Buch Häuber und Schütz (2004), den Grundriss des (ehemaligen) Kapuzinerklosters an der (ehemaligen) Via Curva aus Nollis Karte (1748) kopiert.
Vergleiche hierzu auf unserer Karte vom Mons Oppius die folgenden Beschriftungen:
ISIS ET SERAPIS; "Porticus with Piscina"; LUCUS MONS OPPIUS; FORUM: PETRONIUS MAXIMUS; "MINERVA MEDICA"/ FORTUNA VIRGO; Via Curva; Via Carlo Botta; Servian city Wall [siehe für diese Beschriftung die komplette Karte nördlich der PORTA ESQUILINA]; 57: 364-366 Capuchin monastery [das ehemalige Kapuzinerkloster befand sich ausserhalb der Servianischen Stadtmauer und `lehnte sich von aussen an diese an´].
Dieser von Visconti (1887) dokumentierte Abschnitt der Servianischen Stadtmauer `unmittelbar vor dem (ehemaligen) Kapuzinerkloster an der (ehemaligen) Via Curva´ beweist, dass Säflunds (1932) Rekonstruktion des Verlaufs der Servianischen Stadtmauer auf dem Südostausläufer der Mons Oppius falsch ist. Und das wiederum bedeutet, dass Colinis (1944), an Säflunds Rekonstruktion im Süden `anschliessende´ Rekonstruktion des Verlauf der Servianischen Stadtmauer auf dem Caelius, ebenfalls falsch ist.
Die endgültige Fassung unserer Rekonstruktion der Servianischen Stadtmauer auf dem Oppius und Caelius haben wir in Häuber (2014) diskutiert und auf unseren Karten, Map 3 und Map 7, vorgelegt; vergleiche hier unsere Karten vom Mons Oppius und vom Mons Caelius.
Siehe Häuber (2014, S. 251-289: "Appendix I The reconstruction of the Servian city Wall on the Oppian and Caelian"). Vergleiche jetzt die überarbeitete Fassung dieses Kapitels: Häuber (2026d, S. 251-289): "Die Rekonstruktion der Servianischen Stadtmauer auf dem Oppius und auf dem Caelius". Online at:
<https://FORTVNA-research.org/texte/Servianische_Stadtmauer_Oppius_Caelius.html>.
Ich habe die oben zitierten Bemerkungen von Roberta Alteri (2025, p. 136) zum Campus Caelemontanus und von Carlo Pavolini (2016, pp. 345-347) zum Toponym-Paar `Porta Caelimontana und Campus Caelemontanus´ zum Anlass genommen, diesen Themen eine neue Publikation zu widmen: Häuber (2026e): "Zur Lage der Porta Caelimontana und des Campus Caelemontanus in Abhängigkeit vom Verlauf der Servianischen Stadtmauer auf dem Oppius und Caelius".
Online at <https://FORTVNA-research.org/texte/Porta_Campus_Caelemontanus.html>.
Unmittelbar an die oben zitierte Textpassage anschliessend, fährt Alteri (2025, p. 136) fort:
"I Cataloghi Regionari testimoniano che il culto di Magna Mater e del suo paredro Attis fosse ancora ampiamente praticato nel periodo tardo antico [mit Anm. 181]. Del resto ... la basilica ... mantenne la sua funzione fino agli inizi del V secolo d.C., quando una costituzione di Onorio [mit Anm. 182] nel 420 d.C. ne decretò la confisca a favore dell'amministrazione imperiale [mit Anm. 183; Hervorhebung von mir]".
Vergleiche zu den Toponymen auf dem Caelius, die in den Constantinischen Regionenkatalogen aufgeführt sind, Alteri (2025, p. 134; was ich oben wörtlich zitiert habe):
Domenico Palombi: "Regiones quattuordecim ", in: LTUR IV (1999) p. 199, Fig. 84 fuori testo: ... "Regio II. Caelimontium. Continet: ... 6. Caput Africes; 7. Arborem Sanctam; 8. Castra Peregina...".
Die Constantinischen Regionenkataloge sind tatsächlich, wie Alteri (2025, p. 134) schreibt, ins 4. Jh. datierbar, weil in ihnen der Lateransobelisk erwähnt wird. Auf Veranlassung Kaiser Constantius II. ist dieser grösste erhaltene ägyptische Obelisk im Jahre 357 n. Chr. aus Alexandria in Ägypten nach Rom transportiert, und im Circus Maximus aufgestellt worden - bereits Augustus hatte diesen Obelisken aus Karnak nach Alexandria bringen lassen.
Vergleiche Häuber (2017, S. 51, Fig. 3.4, S. 113, Anm. 64, S. 115, Fig. 5.1, S. 424, Anm. 214, S. 427-428, "Appendix 5. L. Habachi (2000) on the Lateran obelisk (Fig. 5.1)", S. 560, 599;
Häuber 2021/2023, S. 779 ff., besonders S. 891-894, Fig. 101, in: "A Study on the colossal portrait of Hadrian (now Constantine the Great) in the courtyard of the Palazzo dei Conservatori at Rome ...; Part II. Ancient Rome's new commercial river port, at La Marmorata ...."; "Section IV. The Statio Marmorum and the `sculpture industry´ at La Marmorata, its Tiber ships for the transportation of fresh marble blocks and of finished products ... With some remarks on the heaviest object, ever transported on the Tiber in antiquity: the Lateran Obelisk (Fig. 101) [Hervorhebung von mir]". Siehe zum Lateransobelisken auch Paolo Liverani (2025, p. 175).
Vergleiche hierzu ausserdem Franz Xaver Schütz (2021/2023: "Wie schwer war der ägyptische Obelisk, der heute auf der Piazza di S. Giovanni in Laterano in Rom steht?"). Online at:
<https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP3/Gewicht_Aegyptischer_Obelisk_Lateran_Rom.html>.
Der Standort des Lateransobelisken auf der Piazza di S. Giovanni in Laterano ist auf unserer oben abgebildeten Karte vom Mons Caelius eingezeichnet; vergleiche die Bildunterschrift.
Der Lateransobelisk. Aus: Häuber (2021/2023, S. 891, Fig. 101): The obelisk standing in Piazza di S. Giovanni in Laterano at Rome, the `Lateran Obelisk´, commissioned by Pharaoh Tuthmosis III for the Temple complex of Amun in Karnak at Thebes (today Luxor). Rose granite from Aswan. Augustus had originally planned to bring this tallest of extant obelisks from Karnak to Rome, but it was only brought there in AD 357 under Constantius II, who erected it on the spina of the Circus Maximus. Photo: F.X. Schütz 27-IX-2015.
Online at:
<https://FORTVNA-research.org/photos/Obelisk_Piazza_di_S_Giovanni_in_Laterano.html>.
Kehren wir nun wieder zur Diskussion des Berliner Reliefs (hier Abb. 1; Taf. 53-55) zurück.
Aus Gründen, die ich im Folgenden detailliert darlegen werde, halte ich es (theoretisch) für möglich, dass Maecenas das Berliner Relief (hier Abb. 1; Taf. 53-55) für die augusteische Domus 55a-d im `privaten´ Teil seiner Horti in Auftrag gegeben hatte, vielleicht sogar für den Raum mit seinem privaten Kult für seinen Freund Octavian/ Augustus, den ich in dieser Domus annehme, und in dem meiner Meinung nach die von Maecenas oder von Octavian/ Augustus (38-30 v. Chr.) in Auftrag gegebene Laokoongruppe im Vatikan entdeckt worden ist
Fahren wir nun fort mit meinem eigenen Text, der jetzt bereits, wegen der oben zitierten neuen Beobachtungen von Eric M. Moormann, teilweise `überholt´ ist.
Im Unterschied zu dieser (wie ich zunächst dachte:) zweiten, tiberischen Ausstattung des `Auditoriums´ mit Malerei, zeichnet sich die Architektur des `Auditoriums´ selbst, wie Maecenas sie in Auftrag gegeben hatte, dadurch aus, in jeder Beziehung einmalig zu sein : Hier wurde nämlich ein schon zuvor bekannter Architekturtyp für eine ganz besondere topographische Situation völlig umgestaltet: Dank der Tatsache, dass das `Auditorium´ halb in die Erde versenkt errichtet wurde, konnte es auf spektakuläre Weise die Servianische Stadtmauer `durchbrechen´, wobei meiner Meinung nach diese Idee als eine laudatio auf die pax Augusta gemeint war. Hinzu kam die Entscheidung, die Schmalseite des Hauptraums des `Auditoriums´, gegenüber der Apsis, in einem großen Panoramafenster zu öffnen (üblicherweise war diese Wand bei diesem Architekturtyp geschlossen). Weshalb die Gäste des Maecenas, die das erste Mal auf der heute noch (zum Teil) existierenden Rampe auf der Westseite des `Auditoriums´ zum Hauptraum des `Auditoriums´ hinuntergegangen waren, mit einer atemberaubenden, unverbauten Fernsicht in die Landschaft überrascht wurden. Siehe die oben abgebildete Grundsrisszeichnung des `Auditoriums´ (Bull Com 2, 1874, Tav. XI, Fig. 1); vergleiche C. Häuber (2014, S. 323-324, mit Anm. 323-333). Auf das `Auditorium´ werde ich unten zurückkommen.
Auf Grund dieses Vergleichs mit seinen Gartenmalereien im `Auditorium des Maecenas´ (die nun aber offenbar gar nicht tiberisch sind, wie wir oben gesehen haben) würde ich deshalb Tiberius diesen aufwendigen Marmorfries in Berlin (hier Abb. 1; Taf. 53-55) `eher nicht´ zuschreiben wollen.
Und wenn das richtig ist, stellt sich die Frage, wer denn statt dessen in augusteischer Zeit `diese luxuriösere´ Form der Ausstattung (das heißt: Einen großen, farbig gefassten Marmorfries; vergleiche hier Abb. 1; Taf. 53-55) in Auftrag gegeben haben könnte.
Beim Stichwort `Luxus´ fällt mir von allen Grundstückseigentümern auf dem Esquilin in augusteischer Zeit nur Maecenas selbst ein - und zwar wegen der kostbaren Ausstattung des Raumes (siehe dazu unten), die er meiner Meinung nach für seine Laokoongruppe in Auftrag gegeben hatte, die sich heute in den Vatikanischen Museen befindet.
Wie wir noch sehen werden, schlage ich vor, dass Maecenas in diesem Raum mit dem Laokoon einen privaten Kult für seinen Freund Octavian-Augustus eingerichtet hatte.
Ich halte es aus den im Folgenden genannten Gründen deshalb (theoretisch) für möglich, dass Maecenas das Berliner Relief (hier Abb. 1; Taf. 53-55) für diesen Raum in Auftrag gegeben hat.
Um diese Behauptungen zu begründen, fasse ich im Folgenden meine diesbezüglichen Forschungen zusammen.
Die Laokoongruppe, Città del Vaticano, Musei Vaticani (Inv. Nr. 1059, 1064, 1067), ein Werk der Künstler Athanodoros, Hagesandros und Polydoros aus Rhodos, das Plinius der Ältere (nat. hist. 36, 37-38) in Titi imperatoris domo gesehen hatte; gefunden am 10. Januar 1506 (vergleiche G. Spinola 2024, pp. 407-409) in der Vigna des Felice de Fredis, in den Horti des Maecenas; meiner Meinung nach innerhalb der augusteischen Domus 55a-d. Aus: C. Häuber (2014, S. 39 Abb. 15). Parischer Marmor; vergleiche P. Liverani (2006, p. 31, Anm. 25). H. "208 x 163 x 112 cm"; vergleiche F. Buranelli et al. (2006, p. 119, cat. 1 [P. Liverani]). Meiner Meinung nach 38-30 v. Chr. in Auftrag gegeben von Maecenas oder von Octavian/ Augustus für die Horti des Maecenas; vergleiche C. Häuber (2006, S. 45, mit Anm. 23-28). Das Photo zeigt F. Magis (1960) Restaurierung der Laokoongruppe.
Wenden wir uns nun dem Fundort der Laokoongruppe zu.
Vergleiche für das Folgende wieder unsere Karte vom Mons Oppius.
[Liebster Franz, hier möchte ich unsere Karte vom Mons Oppius nochmal abbilden - oder vielleicht nur den Ausschnitt mit den Horti des Maecenas ?]
Maecenas hatte ja im `privaten´ Bereich seiner Horti auf dem Esquilin auch jene augusteische Domus errichtet, die 1885/ 1886, beim Bau der Verlängerung der Via Buonarroti über die Via Merulana hinaus nach Westen (der heutigen Via Angelo Poliziano), ausgegraben worden ist; diese Domus hat in meinem Katalog der in den Horti des Maecenas ausgegrabenen, oder auf alten Plänen und Karten dokumentierten antiken Strukturen, die Nummer 55a-d.
In dieser Domus 55a-d sind 1885/ 1886 sogenannte `Statuenmauern´ mit zahlreichen Fragmenten von antiken Marmorskulpturen entdeckt worden. Wie schon erwähnt, habe ich mich sehr bemüht, den aktuellen Standort dieser Fragmente herauszufinden, leider ist mir aber nach wie vor unbekannt, wo sich heute ein großer Teil von ihnen befindet. Wie wir in meinem Text (Häuber 2026a, Anm. 2) gesehen haben, ist das Relief im Pergamonmuseum (hier Abb. 1; Taf. 53-55) im Jahre "1891" von diesem Museum erworben worden und stammte `aus einer Statuenmauer auf dem Esquilin´.
Am Standort der augusteischen Domus 55a-d hatte sich ehemals die Vigna des Felice de Fredis befunden; vergleiche unsere Karte vom Mons Oppius.
Meiner Meinung nach hatte Felice de Fredis (zufällig) in dieser Domus 55a-d am Samstag, dem 10. Januar (wie Giandomenico Spinola 2024, pp. 407-410, über die neuesten Forschungen berichtet, nicht erst am Mittwoch, dem 14. Januar) 1506 (wie zuvor angenommen worden war), die Laokoongruppe entdeckt, die sich heute in den Vatikanischen Museen befindet.
Am 14. Januar 1506 kam dann Giuliano da Sangallo, im Auftrag von Papst Julius II., zusammen mit seinem Söhnchen Francesco und Michelangelo Buonarroti, in die Vigna des Felice de Fredis, stieg in die "buca" (den Bodenaushub) hinab, wo sich der Laokoon befand, und identifizierte diese Statue (zutreffend) als die Laokoonstatue, die Plinius beschrieben habe (vergleiche dazu FORTVNA PAPERS IV, Kapitel III.1.; siehe dazu unten).
Grundlage meiner neuen Erkenntnisse über die Domus 55a-d in den Horti des Maecenas waren meine früheren Forschungen zum Fundort der Laokoongruppe. Diese waren durch eine Bemerkung von Emilio Rodríguez Almeida (1930-2016) angeregt worden:
In seinem Vortrag bei der Konferenz L'Urbs im Mai 1985 in Rom hatte er nämlich meines Wissens als erster gesagt, dass die Laokoongruppe offenbar aus den Horti des Maecenas stamme (!).
Ich habe dann (Häuber 2006) als erste nachgewiesen, dass die Laokoongruppe tatsächlich in den Horti des Maecenas gefunden wurde; ausserdem habe ich vorgeschlagen, dass sie von Maecenas oder von Octavian/Augustus zwischen 38 und 30 v. Chr. für die Horti des Maecenas in Auftrag gegeben worden sei. Voraussetzung für diese Ergebnisse waren Forschungen, die ich zusammen mit Franz Xaver Schütz (2004) durchgeführt habe.
Vergleiche C. Häuber und F.X. Schütz (2004, S. 114-136: "Nachträgliche Ermittlung eines Fundortes Beispiel: Der Fundort der Laokoongruppe im Vatikan vgl. [vergleiche] Abb. II.24-II.26"; siehe S. 120-133 mit Abb. II.25; II.26, zu unserer Rekonstruktion des Toponyms Sette Sale); sowie Häuber (2006, S. 45, mit Anm. 23-28, vergleiche S. 42-45, mit Fig. 2, zu unserer verbesserten Rekonstruktion des Toponyms Sette Sale).
Die Rekonstruktion des Toponyms Sette Sale von Franz Xaver Schütz und mir aus Häuber (2006, Fig. 2) ist abgebildet in: FORTVNA PAPERS, vol. IV, Kapitel III.4.1.; vergleiche die Preview dieses Kapitels, Häuber (2025a, unter Punkt 4.)); online unter:
<https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP4/Laokoon_Datierung_Fundort_Maecenas.html>.
Das originale Manuskript, nach dem mein Aufsatz (Häuber 2006) übersetzt worden ist, hat den Titel: "Der Fundort der Laokoongruppe und die domus titi imperatoris (Plin. nat. 36,37-38)", darin ist unsere Rekonstruktion des Toponyms Sette Sale als Abb. 2 abgebildet. Dieser Text ist auf unserem Webserver publiziert unter:
<https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP4/Fundort_Laokoon.html>.
Basierend auf meinem Aufsatz (Häuber 2006) haben dann Rita Volpe und Antonella Parisi (2009 [hier 2010a und 2010b]), mit Hilfe von Archivstudien, die Lage der ehemaligen Vigna des Felice de Fredis bestimmen können (siehe dazu unten); vergleiche C. Häuber (2014, S. 624, Anm. 139, 140): Die Vigna des Felice de Fredis befand sich in den Horti des Maecenas innerhalb des Toponyms Sette Sale, das Franz Xaver Schütz und ich auf unseren Karten von 2004 und 2006 rekonstruiert hatten.
In meinem Buch über die Laokoongruppe (FORTVNA PAPERS Volume IV), habe ich im Kapitel III.1.; vergleiche Häuber 2025b, detailliert diesen Teil der Forschungsgeschichte zum Laokoon dokumentiert; online unter:
<https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP4/Laokoon_III-1.html>..
Vergleiche in diesem Kapitel III.1., zu Anm. 126: Wie Rita Volpe Franz Xaver Schütz und mir am 9. März 2010 erzählte, war sie von Eugenio La Rocca, aus Anlass meines Aufsatzes (Häuber 2006) beauftragt worden, anhand von Archivalien herauszufinden, wo genau `bei den Sette Sale´ sich die Vigna des Felice de Fredis befunden hatte.
In FORTVNA PAPERS Volume IV, Kapitel III.4.1., Häuber 2025a, online at:<https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP4/Laokoon_Datierung_Fundort_Maecenas.html>, sind
- sehr kurz -
viele diesbezügliche Erkenntnisse zusammengefasst :
in Punkt 1.) wird der Brief des Giovanni Sabadino degli Arienti vom 31. Januar 1506 zitiert, in dem die kostbare Ausstattung des Raumes erwähnt wird, in dem am 10. Januar 1506 die Laokoongruppe angetroffen worden war;
in Punkt 3.) widerlege ich die Behauptung von Rita Volpe und Antonella Parisi (2009 [hier 2010b; vergleiche auch ihren Aufsatz 2010a]), dass die Laokoongruppe in der Vigna des Felice de Fredis innerhalb des Gebäudes mit `zickzackförmigem´ Grundriss im Kloster (jetzt: Istituto) der Suore di S. Giuseppe di Cluny gefunden worden sei, das heißt, im Gebäude 54 I. meines Kataloges der antiken Strukturen in den Horti des Maecenas. Rita Volpe (2020) hat jetzt diese, meiner Meinung nach irrtümliche, Behauptung wiederholt. Diesem Vorschlag von Volpe und Parisi (2009 [hier 2010b]) sind inzwischen einige Gelehrte gefolgt;
in Punkt 4.) ist von weiteren Forschungsmeinungen zum Fundort der Laokoongruppe in chronologischer Reihenfolge die Rede: Beginnend mit der oben erwähnten Feststellung von Emilio Rodríguez Almeida (1985), dass sie offenbar aus den Horti des Maecenas stammte; auch zu Eugenio La Rocca (1998 und 2025), der ebenfalls dieser Ansicht ist. Vergleiche ausführlich zu diesem Thema: FORTVNA PAPERS, Volume IV, Kapitel IV.2.3., Teil I.; unter anderem zu La Rocca (1998, 2019 und 2025).
in Punkt 7.) und Punkt 8.) wird der Raum in der Domus 55a-d in den Horti des Maecenas diskutiert, in dem meiner Meinung nach die Laokoongruppe entdeckt wurde, sowie die kostbare Ausstattung, die man für diesen Raum rekonstruieren kann.
Vergleiche zu diesem Thema
- ausführlich -:
FORTVNA PAPERS Volume IV, Kapitel IV.2.4. und IV.2.4.1., Häuber 2025c. Online unter: <https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP4/Laokoon_IV-2-4.html>.
In Kapitel III.4.1., Häuber 2005a, Punkt 8.), im Abschnitt. "Wozu hat nun der aufwendig ausgestattete Raum gedient, in dem am 14. [corr.: am 10.] Januar 1506 die Laokoongruppe angetroffen worden ist?", begründe ich meinen Vorschlag, dass Maecenas in diesem Raum mit der Laokoongruppe einen privaten Kult für seinen Freund Octavian/Augustus eingerichtet hatte:
"Es ist ... gut möglich, dass sich Maecenas ... für diesen extrem kostbar ausgestatteten Kultraum in der Domus 55a-d die Grotte auf dem berühmten Palastschiff Thalamegos von König Ptolemaios IV. Philopator zum Vorbild genommen hatte, wo Marmorstatuen des Königs und seiner Familie `im Kreis ihrer mythischen Vorfahren´ vor einer offenbar ganz ähnlich dekorierten Wand [die mit Gold und Edelsteinen verziert war] aufgestellt waren [wie die Laokoongruppe]; vergleiche Häuber (2014, S. 618; sowie FORTVNA PAPERS, Volume IV, Kapitel IV.2.4.1).
Ich stelle mir vor, dass Maecenas für diesen seinen Kultraum für Octavian/Augustus die Laokoongruppe und Portraits der Familie seines Freundes Octavian/Augustus in Auftrag gegeben hatte.
Ich bin auf diese Idee gekommen, weil Laokoon ein `mythischer Vorfahr´ des Octavian/Augustus war (siehe dazu unten [im Kapitel III.4.1., Häuber 2025a], zu Punkt 11.), und weil meiner Meinung nach aus der Domus 55a-d ein überlebensgrosses Portrait der Livia aus parischem Marmor in Budapest, Museum der Bildenden Künste (Inv. 4134) stammt, das zu einer Statue gehört hat [Hervorhebung von mir]".
Vergleiche zu diesem Liviaportrait: Hans Rupprecht Goette und Árpád Miklós Nagy (2024, S. 147, Kat. 73).
Um meine soeben aus Punkt 8.) im Kapitel III.4.1., Häuber 2005a, zitierten Behauptungen beurteilen zu können, muss man wissen, dass die drei menschlichen Figuren der Laokoongruppe überlebensgross dargestellt sind, dass die Laokoongruppe und das ebenfalls überlebensgrosse Portrait der Livia in Budapest aus parischem Marmor skulptiert sind, sowie, dass auch die Statuen von König Ptolemaios IV. und seinen Familienmitgliedern auf seiner Thalamegos aus parischem Marmor skulptiert waren; vergleiche für alle diese Informationen: FORTVNA PAPERS, Volume IV, Kapitel IV.2.3., Teil I.
Neuerdings habe ich mich nun mit allen Skulpturen beschäftigt, die, wie der Laokoon, aus der augusteischen Domus 55a-d stammen, vergleiche FORTVNA PAPERS Volume IV, Kapitel IV.2.6., Punkt 1.)-13.). Eine Zusammenfassung von Kapitel IV.2.6. haben Franz Xaver Schütz und ich am 13. Juni 2025 als Preview auf unserem Webserver publiziert. Vergleiche Häuber 2025d; online at:
<https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP4/Horti_Maecenas_Livia_Field-Brancaccio.html>.
In dieser Preview Häuber 2025d, in den Abschnitten II. und III., im Text zu den Anm. 20, 21 (und Anm. 45), 23, 24, 25 (und Anm. 54), ist von der Ausgrabung der augusteischen Domus 55a-d im `privaten´ Teil der Horti des Maecenas, und den dort in `Statuenmauern´ gefundenen antiken Skulpturen die Rede; zum Beispiel von dem oben erwähnten Portrait der Livia in Budapest.
In dieser Preview Häuber 2025d, im Abschnitt III. (im Text zu Anm. 64), habe ich ausserdem zum ersten Mal vorgeschlagen, dass Maecenas in seinen Horti, in der augusteischen Domus 55a-d, in diesem Raum mit der Laokoongruppe, einen privaten Kult für seinen Freund Octavian/ Augustus eingerichtet hatte.
In FORTVNA PAPERS Volume IV, im Kapitel III.4., erörtere ich ausführlich meine Idee, dass Felice de Fredis die Laokoongruppe in seiner Vigna nicht innerhalb des Gebäudes mit `zickzackförmigem´ Grundriss im Kloster (jetzt: Istituto) der Suore di S. Giuseppe di Cluny gefunden hat, das heißt, im Gebäude 54 I. meines Kataloges der antiken Strukturen in den Horti des Maecenas, wie von Rita Volpe und Antonella Parisi (2009 [hier 2010a und 2010b]), sowie von Rita Volpe (2020) behauptet. Und im Kapitel III.5. erkläre ich, warum meiner Meinung nach die Laokoongruppe statt dessen in der Domus 55a-d entdeckt wurde, die sich ebenfalls in der ehemaligen Vigna des Felice de Fredis befand. Vergleiche für die beiden Kapitel III.4. und III.5. die Preview Häuber 2025e.
Online unter: <https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP4/Laokoon_III-4_III-5.html>.
Meine Idee, dass Maecenas in dieser Domus 55a-d, in dem Raum, in dem meiner Meinung nach die Laokoongruppe zu Tage kam, einen privaten Kult für seinen Freund Octavian/ Augustus eingerichtet hatte, diskutiere ich ausserdem detailliert im Kapitel IV.2.3., in Teil I. und III. (das aber noch nicht auf unserem Webserver publiziert ist). Und meine neuen Forschungen zum `Auditorium des Maecenas´ befinden sich im Kapitel IV.2.8. (auch dieses Kapitel ist noch nicht auf unserem Webserver publiziert).
Was hat das nun alles mit dem Berliner Relief (hier Abb. 1; Taf. 53-55) zu tun ?
Wir haben in meinem Text (Häuber 1998, S. 685, Anm. 52) gehört, dass Maecenas persönlich Galliamben verfasste. Nichts kann besser beweisen, dass Maecenas an der Göttin Kybele und ihrem Kult interessiert war.
Wie bereits erwähnt, werden wir ausserdem unten, in Punkt 10.) dieses Updates erfahren, warum Octavian/ Augustus´ eine `existentielle´ Beziehung zur Göttin Kybele hatte :
Weil sich, wie schon gesagt, sein Ahnherr Aeneas, nach dem Brand Troias, in das Heiligtum der Göttin Kybele auf dem Berg Ida geflüchtet hatte; ausserdem hatte die Göttin dem Aeneas die ihr heiligen Kiefern vom Berg Ida für den Bau seiner Flotte zur Verfügung gestellt.
Deshalb betrachteten die Römer die Mater Idaea/ Kybele als ihrer aller Schutzpatronin.
Oder anders gesagt: Letztendlich hatte Rom nur wegen dieser Initiativen der Göttin Kybele vom Berg Ida für ihren Schützling Aeneas gegründet werden können.
Wie oben im Detail erklärt, gehe ich davon aus, dass die Laokoongruppe am 10. Januar 1506 von Felice de Fredis in seiner Vigna, in der augusteischen Domus 55a-d, innerhalb des `privaten´ Teils der Horti des Maecenas, gefunden worden ist;
des Weiteren habe ich oben darauf hingewiesen, dass:
in dieser Domus 55a-d im Jahre 1885/ 1886 sogenannte `Statuenmauern´ mit zahlreichen Fragmenten von antiken Marmorskulpturen entdeckt wurden; es ist aber unbekannt, wo sich heute ein großer Teil dieser Fragmente befindet.
Wie wir in meinem Text (Häuber 2026a, Anm. 2) gesehen haben, ist das Relief im Pergamonmuseum (hier Abb. 1; Taf. 53-55) im Jahre "1891" von diesem Museum erworben worden, und stammte `aus einer Statuenmauer auf dem Esquilin´.
Aus allen diesen hier genannten Gründen halte ich es (theoretisch) für möglich, dass Maecenas das Berliner Relief (hier Abb. 1; Taf. 53-55) für die augusteische Domus 55a-d im `privaten´ Teil seiner Horti in Auftrag gegeben hatte, vielleicht sogar für den Raum mit seinem privaten Kult für seinen Freund Octavian/ Augustus, in dem meiner Meinung nach die von Maecenas oder von Octavian/ Augustus (38-30 v. Chr.) in Auftrag gegebene Laokoongruppe entdeckt worden ist.
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