Der Kulttransfer der Göttin Mater Deum Magna Idaea/ Kybele aus Pessinus nach Rom (205 oder 204 v. Chr.):
Zum augusteischen Marmorrelief im Pergamonmuseum Berlin (Inv. Sk 955)
vom Esquilin in Rom, aus den Horti des Maecenas ?


Chrystina Häuber,

in Zusammenarbeit mit Franz Xaver Schütz


Abstract

The three fragments of a Roman marble relief presented here belonged to a very high-quality, formerly polychrome frieze that decorated the interior of a building on the Esquiline Hill in Rome, and are dated to the Augustan period.

The mitered left edge of fragment a was located on the far left wall of this room, which suggests that the depiction must have continued on the wall that turns at a right angle to it. Since the frieze thus decorated at least two sides (or four sides ?) of a room, this would mean that the events depicted on the relief were very complex. I have published this relief in 1998: Der Aufbruch der Göttin Kybele in Pessinus? Zu einem römischen Marmorrelief im Pergamonmuseum Berlin. Before, I had written the following manuscript, Mater Magna (Quellen zum Relief Sk 955 im Pergamonmuseum), and right now an Update of those two texts. My following text is a summary of all this. My text deals with the events depicted on the Berlin relief, with the `prehistory´ of those events, and with the descendants of the individuals who, according to Livy, were involved in this transfer of the cult of Cybele, and who lived on the Esquiline Hill during the Augustan period. When I wrote this abstract, I believed that of those descendants Tiberius may have commissioned this frieze, which would mean that it originates from the Horti of Maecenas, whose statuary in the Musei Capitolini in Rome I have been studying since March 23, 1981, thanks to the generous invitation of Eugenio La Rocca, at the time the Director of this Museum. Now I believe that it was (possibly) Maecenas himself, who commissioned this relief for the Augustan Domus 55a-d in the `private´ part of his Horti on the Esquiline. I further suggest that this frieze decorated the room in this Domus, in which Maecenas's Laocoon group was on display (now in the Vatican Museums), which Maecenas or Octavian/Augustus had ordered between 38 and 30 BC; I also believe that Maecenas had created in this room a private cult for his friend Octavian/Augustus.


I. Die Herkunft des Berliner Reliefs1


Die hier vorgestellten Bruchstücke eines sehr qualitätvollen römischen Marmorreliefs [mit Anm. 2; Abb. 1]. haben zu einem ehemals farbig gefassten Fries gehört, der den Innenraum eines Gebäudes auf dem Esquilin dekorierte.

Anm. 2: Königliche Museen zu Berlin, Beschreibung der Antiken Skulpturen (Berlin 1891) Kat. Nr. 955 [: "In einer Mauer verbaut gefunden am Esquilin in Rom. Erworben 1891". Es fällt auf, dass in diesem Museumskatalog nicht mitgeteilt wird, wann diese Relieffragmente gefunden worden waren, und wer sie dem Pergamonmuseum verkauft hatte. Die mitgeteilten Angaben können bedeuten, dass diese Relieffragmente (nach 1870) in einer der Ausgrabungen der Städtischen oder der Staatlichen Bodendenkmalpflegebehörde der Stadt Rom auf dem Esquilin zu Tage gekommen waren. Wenn diese Annahme den Tatsachen entspräche, würde das bedeuten, dass die Fragmente aus dieser Grabung gestohlen worden sind; siehe im Update zu diesem Text (Häuber 2026c, zu Punkt 8.)].

Unten, im Abschnitt IV, zitiere ich diesen Text aus dem Update, Punkt 8.).


II. Die Schriftquellen zum Kulttransfer der Kybele2


Die Berichte in den antiken Schriftquellen zur Überführung des Kultbildes der Göttin Kybele aus Pessinus nach Rom [mit Anm. 1] beginnen gegen Ende des Zweiten Punischen Krieges. Unsere Hauptquellen hierfür sind Ovid (fast. 4.247-348) [mit Anm. 2] und Livius (29.10.4-11.8; 14.6-12) [mit Anm. 3].

Livius schreibt (29.10.4; 205 v. Chr.): "... Man hatte daher die Sibyllinischen Bücher eingesehen und in ihnen folgenden Spruch gefunden:

`Wann einmal ein fremdstämmiger Feind in das italische Land einfalle [was auf die Karthager gemünzt wurde], könne dieser aus Italien vertrieben werde, wenn man die Idäische [mit Anm. 4] Göttermutter von Pessinus nach Rom bringe´.

Livius beschreibt als einziger (29.11.5-8) die römische Gesandtschaft, die erst nach Delphi reist, dann zu König Attalos I. [mit Anm. 5] nach Pergamon, und schließlich, mit diesem gemeinsam, nach Pessinus in Phrygien. Livius nennt auch die Mitglieder der Mission (29.11.3-5): "M. Valerius Laevinus, der zweimal Konsul gewesen war und in Griechenland gewirkt hatte, den gewesenen Praetor M. Caecilius Metellus, den gewesenen Aedil Ser. Sulpicius Galba und die beiden gewesenen Quästoren Cn. Tremelius Flaccus und M. Valerius Falto". In Delphi fragten die Römer die Pythia, ob ihre Mission erfolgreich sein werde. Livius fährt fort (29.11.6):

"... durch die Vermittlung des Königs Attalos werden sie erlangen, um was sie bitten ...

Sie kamen nach Pergamon zu dem König. Dieser empfing die Gesandten freundlich und geleitete sie nach Pessinus in Phrygien. Dort übergab er ihnen den heiligen Stein, von dem die Einwohner [mit Anm. 7] sagten, er sei die Göttermutter, und forderte sie auf, diesen nach Rom zu verbringen".


III. Meine Interpretation des Berliner Reliefs (1998)3


Meine Interpretation (1998) des Berliner Reliefs (Abb. 1) als Darstellung des `Aufbruchs der Göttin Kybele in Pessinus?´ stützte sich auf die im Folgenden genannten Beobachtungen an den drei Relieffragmenten, sowie - wegen der Helmformen der Soldaten auf Fragment c, die in der pergamenischen Kunst vorkommen - auf die Annahme, dass der Auftraggeber des Frieses der Version dieser Geschichte des Livius (29.10.4-11.8; siehe oben, zu Abschnitt II.) gefolgt sei, derzufolge die Teilnehmer der römischen Gesandtschaft in Pessinus aus den Händen von König Attalos I. von Pergamon das Kultbild der Mater Magna erhalten hatten.


Römisches Marmorrelief (Umzeichnung). Staatliche Museen zu
Berlin. Antikensammlung

Abb. 1. Römisches Marmorrelief (Umzeichnung). Staatliche Museen zu Berlin. Antikensammlung (Inv. Sk 955a-c), sowie Photos von Fragment a, Fragment b und Fragment c. Aus: Häuber (1998, Abb. 1; Taf. 53-55).


Ich war 19984 bezüglich der Deutung des Reliefs (Abb. 1) zu folgendem Schluss gelangt:

In Gegenwart von (mindestens) zwei römischen Patriziern klettern griechisch gekleidete Männer und Frauen ... eine steile Felswand herab. Sie begeben sich ... zu Flussbooten, die gekommen sind, um sie abzuholen. Der Steuermann des hinteren Bootes ist möglicherweise weder Römer noch Grieche und die Boote zeigen an, dass es sich bei dem Gewässer um einen Fluss handelt, der demnach durch ein Tal mit steilen Felswänden fliesst. Über [Seite 685] der Anlegestelle am Fluss befindet sich eine Stadt, aus der die auf den Fragmenten a und b dargestellten Leute herabgestiegen sind, und in der sich eine Menschenmenge versammelt hat, von der Fragment c einen Ausschnitt zeigt ... Auch die von den belgischen Ausgräbern erschlossene topographische Lage des Kybeletempels innerhalb der archaischen Stadt Pessinus [mit Anm. 54; hier Abb. 2.a], die in beherrschender Lage über dem engen Tal des Flusses Gallos erbaut war, passt zu der auf dem Relief wiedergegebenen Darstellung.


Karte von Pessinus. Devreker, Thoen und Vermeulen 1995

Abb. 2.a. Karte von Pessinus. Aus: Häuber 2026c; vergleiche Devreker, Thoen und Vermeulen (1995, p. 126, fig. 1, Detail). Diese Karte zeigt den spätaugusteischen Theatertempelkomplex, das Sebasteion, auf dem rechten (östlichen) Ufer des Flusses Gallos, der ursprünglich von Süden nach Nordosten durch die Stadt Pessinus floss. Die archaische Stadt Pessinus mit dem Kybeletempel (so Devreker, Thoen, Vermeulen 1995, 131, 134, 135) hatte sich ebenfalls dort befunden, wo auf der Karte in "SECTOR B" der Ausgrabungen, in spätaugusteischer Zeit, der "ROMAN TEMPLE COMPLEX" (der Theatertempelkomplex, das Sebasteion), entstand. Die Autoren zeigen, dass in augusteischer Zeit der Fluss Gallos, siehe "GALLOS", innerhalb des Stadtgebietes von Pessinus unterhalb der archaischen Stadt kanalisiert worden war, um an seiner Stelle eine Straße anzulegen: "ROMAN CANALISATION AND MAIN STREET".

Karte von Pessinus. Verlinde (2015, 34, Fig. 4)

Abb. 2.b. Karte von Pessinus. Aus: Häuber 2026c; vergleiche Verlinde (2015, 34, Fig. 4): "Fig. 4. Valley of Ballihisar overlaid with Texier's structures", auf der der Fluss Gallos eingezeichnet ist. Auf dem rechtem Ufer des Gallos erscheint "Texier's Temple of the Mother of the Gods", den TEXIER (1834) irrtümlich in dem spätaugusteischen Theaterkomplex, dem Sebasteion, erkannt hatte.



Meine Beobachtungen an den drei Relieffragmenten in Häuber 1998


a) auf Fragment b (Abb. 1; mit Anm. 14, 15, 16, 44, 45, 49) erscheinen zwei Römer, die calcei tragen5; von dem rechten Römer sind nur seine Füsse zum Teil erhalten;


b) bei den auf Fragment a (Abb. 1; mit Anm. 4, 6, 11, 12, 27, 43) sichtbaren Schiffen handelt es sich um Flussboote, wie mir der bedeutende Kenner antiker Schiffstypen, Olaf Höckmann (1935-2023), als Kommentar zu meinem Manuskript mitgeteilt hatte6:

``... Olaf Höckmann kommentierte meinen Text folgendermassen: "... daß die `Boote´ mit dem Bug angelandet sind, zeigt eindeutig, daß es sich um ein Fluss-Milieu handelt. Im Mittelmeer gingen Ruderschiffe nämlich mit dem Heck voran ans Ufer ... Demgegenüber war und ist es auf Flüssen selbstverständlich, gegen die Strömung zu landen – also mit dem Bug voran [Hervorhebung vom Autor]")´´.

Mein Dank gilt Franz Xaver Schütz, der jetzt meine hier vorgeschlagene Interpretation des Berliner Reliefs (Abb. 1) bestätigt hat.

Im Zusammenhang seiner Recherchen zum Thema: Mit Kybele von Pessinus nach Rom - eine topographische Übersichtskarte (Abb. 3)7, hat Franz den soeben zitierten Kommentar von Höckmann studiert, und diesen mit der topographischen Lage der archaischen Stadt Pessinus mit dem archaischen Tempel der Kybele verglichen, wie sie von den belgischen Ausgräbern (1995) beschrieben, und auf ihrer Karte von Pessinus dokumentiert worden ist (hier Abb. 2.a).

Karte Pessinus Rom Delphi Pergamon Ilion Troia Gordion Sangarius Skamandros von Franz Xaver Schütz

Abb. 3. Schütz (2026, Karte: Mit Kybele von Pessinus nach Rom - eine topographische Übersichtskarte)8.


So hat Franz, genau wie ich9, festgestellt, dass der Fluss Gallos (bevor er in augusteischer Zeit kanalisiert wurde), unterhalb der archaischen Stadt Pessinus (wo später der spätaugusteische Tempelkomplex, das Sebasteion, erbaut werden sollte), ursprünglich von Süden nach Nordosten durch die Stadt Pessinus floss.

Da sich die archaische Stadt Pessinus auf dem rechten (östlichen) Ufer des Flusses Gallos befunden hatte, passt diese topographische Situation10 zu der Darstellung auf dem Berliner Relief (Abb. 1); denn, wenn ein Flussboot auf dem rechten (östlichen) Ufer des Gallos landen wollte, musste es, wie von Höckmann mitgeteilt11, "gegen die Strömung landen"; weshalb meine Hypothese, dass das Berliner Relief das rechte (östliche) Ufer des Flusses Gallos zeigt, durch Höckmanns Beobachtungen bestätigt wird: Denn da die beiden Flussboote auf Fragment a des Berliner Reliefs, `von links kommend´, angelandet sind, kann es sich bei der Darstellung auf den Fragmenten a und b (Abb. 1) tatsächlich um das rechte Ufer des Gallos unterhalb der archaischen Stadt Pessinus handeln;


c) sowohl die auf Fragment a in diese Flussboote steigenden Personen (Abb. 1; mit Anm. 7, 8), als auch die auf Fragment b dargestellten Personen - außer den beiden Römern - (Abb. 1; mit Anm. 17), sind offensichtlich die auf Fragment b gezeigte Felswand herabgestiegen; diese Personen kommen daher alle aus der oberhalb dieser Felswand befindlichen Stadt;


d) wegen der Tatsache, dass die auf Fragment c (Abb. 1; mit Anm. 28-31) dargestellten Personen kleiner dargestellt sind als die auf den Fragmenten a und b, muss sich die auf Fragment c gezeigte Menschenmenge in jener Stadt oberhalb der Felswand befinden, aus der die auf Fragment a und Fragment b gezeigten Leute herabgestiegen sind;


e) Fragment c zeigt eine Menschenmenge (Abb. 1; mit Anm. 35-40: Unter anderem Dintsis 1986 zu den Helmen der Soldaten): `Spalier stehende´ Soldaten, hinter denen sich Frauen und Mädchen drängen. Die Formen der Helme dieser Soldaten kommen in der pergamenischen Kunst vor. Die Frauen und Mädchen dieser Menschenmenge und alle Personen, die auf Fragment a und auf Fragment b den Flussbooten zustreben, sind griechisch gekleidet;


f) unterhalb der auf Fragment b gezeigten Felswand befand sich wohl eine Höhle (Abb. 1), in der man ein Pedum erkennt (Anm. 58, 59; das zum Gott Pan gehört hat, oder zu einer der Personen, die die Felswand herabgestiegen sind?). Auf der auf unserer Abb. 1 gezeigten Umzeichnung der drei Relieffragmente12 ist dieses Pedum auf Fragment b irrtümlich als (gondelförmiger) Bug des auf Fragment a sichtbaren hinteren Flussbootes interpretiert worden (vergleiche Anm. 11, 12).


IV. Meine Zuschreibung des Berliner Reliefs an die Horti des Maecenas13


In meinen beiden in diesem Update diskutierten Texten14 habe ich mich gefragt, ob auf dem Esquilin womöglich Nachfahren jener Persönlichkeiten gelebt haben, die den Kulttransfer der Kybele aus Pessinus nach Rom bewerkstelligt hatten. Wie wir im Update, unter Punkt 4.)15, gehört haben, ist inzwischen von diesen von mir vorgeschlagenen Personen nur Tiberius übrig geblieben.

Zunächst glaubte ich, dass Tiberius diesen Fries (Abb. 1) in Auftrag gegeben haben kann, als er von 2-14 n. Chr. in den Horti des Maecenas auf dem Esquilin lebte, und zwar aus folgenden Gründen: Wir haben im Update, Punkt 7.), das `Wunder der Claudia Quinta´, gehört, dass diese leibliche Vorfahrin des Claudiers Tiberius einen bedeutenden Beitrag zur Überführung der Kybele nach Rom geleistet hatte. Außerdem haben wir in meinen Texten16 erfahren, dass Tiberius - als Kaiser - in Pessinus einen großen Tempelkomplex errichten sollte, zu dem der archaische Kybeletempel gehörte, dessen Kultbild im Jahre 205 oder 204 nach Rom überführt worden war (inzwischen wird dieser Theatertempelkomplex, das Sebasteion, aber spätaugusteisch datiert; siehe unten, zu Punkt 10.) 17 .


Vergleiche für die im Folgenden genannten Architekturen und Toponyme unsere Karte (Abb. 4).

Diachrone topographische Romkarte: Forum Romanum bis Mons Oppius, Detail: Die Horti des Maecenas auf dem Mons Oppius, 
der zum Esquilin gehört. C. Häuber und F.X. Schütz, Rekonstruktion 2025, mit dem AIS ROMA.

Abb. 4. Diachrone topographische Romkarte: Forum Romanum bis Mons Oppius, Detail: Die Horti des Maecenas auf dem Mons Oppius, der zum Esquilin gehört. C. Häuber und F.X. Schütz, Rekonstruktion 2025, mit dem "AIS ROMA". Diese Karte haben wir zum ersten Mal in Häuber (2014) als Map 3 publiziert und im Text dieses Buches diskutiert; vergleiche S. 873 (die Legende zu dieser Karte). Inzwischen haben wir sie korrigiert und erheblich erweitert.


Beschriftungen auf Abb. 4: Servian city Wall [siehe für diese Beschriftung die komplette Karte nördlich der PORTA ESQUILINA]; PORTA ESQUILINA / "Arco di Gallieno"; Via Gregoriana / Merulana 1575; HORTI MAECENATIANI ("HORTI LAMIANI"); 51 I.-X. DOMUS: MAECENAS [das ist die `main´ Domus des Maecenas in seinen Horti]; 51 I. "Auditorium of MAECENAS"; Vigna Felice de Fredis/ Fusconi/ Pighini [das ist der `private´ Teil der Horti des Maecenas]; Via Buonarroti/ Leonardo da Vinci/ A. Poliziano; 54 I.-V. Convent S. Giuseppe; 54 I.; 356 Casino; 54 II. Edificio rettangolare; 54 III. Orfanotrofio; 54 IV. Educandato; 54 V. S. Giuseppe; DOMUS: HORTI of MAECENAS 55a-d; a; b; c; d.


Man sollte bei der hier untersuchten Frage bedenken, dass das ursprünglich farbig gefasste Marmorrelief in Berlin (Abb. 1) meines Wissens der einzige bisher bekannte Fries seiner Art vom Esquilin ist.


Das `Auditorium des Maecenas´ gehört zur `main´ Domus in den Horti des Maecenas auf dem Esquilin. Bekanntlich sind die figürlichen Darstellungen der (angeblichen) zweiten Ausstattungsphase im `Auditorium´, die man bislang Tiberius zugeschrieben hat, nun aber keineswegs als farbig gefasste Marmorreliefs ausgeführt, sondern in Wandmalerei (siehe dazu unten: Eric M. Moormann schreibt inzwischen diese Gartenmalereien dem Maecenas zu !).

Hierbei handelt es sich um die grossen Gartendarstellungen in den Nischen des Hauptraums und in der Apsis des `Auditoriums´. Das trifft auch für die zahlreichen Beispiele von gemalten Gartendarstellungen zu, die Mariette de Vos18 als Vergleiche zu denen im `Auditorium´ auflistet, und von denen meine gute Freundin Wilhelmina F. Jashemski (1910-2007)19 viele mit ausgezeichneten Farbphotographien publiziert hat. Die Ausgräber des `Auditoriums´, Virginio Vespignani und Carlo Ludovico Visconti, haben in ihrer Erstpublikation des `Auditoriums´ (1874) eine Zeichnung einer solchen Gartenmalerei in einer der Nischen der Apsis veröffentlicht, die wir hier als Abb. 5 abbilden.

Auditorium des Maecenas, Zeichnung einer der Gartenmalereien in den Nischen der Apsis, mit Darstellung einer Kiefer 
(pinus sylvestris L.; auf Italienisch: pinus). Aus: Häuber 2026c; vergleiche VESPIGNANI und VISCONTI (1874, Tav. XVI).

Abb. 5. `Auditorium des Maecenas´, Zeichnung einer der Gartenmalereien in den Nischen der Apsis, mit Darstellung einer Kiefer (pinus sylvestris L.; auf Italienisch: pinus). Aus: Häuber 2026c; vergleiche VESPIGNANI und VISCONTI (1874, Tav. XVI).


Diese Zeichnung zeigt im Zentrum des dargestellten Gartens einen "pine tree"20 (eine Kiefer; pinus sylvestris L.). Ich erwähne hier die Darstellung von Kiefern auf den Gartenmalereien in den Nischen der Apsis des `Auditoriums´ (hier Abb. 5), weil ich mich frage, ob die Wahl von Kiefern an so prominenten Stellen im `Auditorium´ womöglich bedeutungsvoll gewesen sein kann, was, wenn das der Fall gewesen sein sollte, eine Erklärung dafür bieten könnte, warum das Relief (Abb. 1), wie ich hier vorschlage, womöglich von Maecenas für seine Horti in Auftrag gegeben worden war. Da, wie wir gleich sehen werden, Eric M. Moormann diese Gartenmalereien im `Auditorium´ neuerdings Maecenas zuschreibt, könnte das (theoretisch) meinen diesbezüglichen Vorschlag sogar weiter unterstützen.


Wie Vergil wusste (siehe dazu unten), war nämlich der Göttin Kybele, die auf dem Berg Ida bei Troia ein Heiligtum hatte, die Kiefer heilig.


Dass die Kiefer der Göttin Kybele heilig gewesen ist, verwundert nicht, war sie doch das Symbol des Geliebten und Kultpartners der Kybele, Attis.

Auch in Rom gab es am 22. März eine berühmte Prozession dieses heiligen Baumes (arbor intrat)21. Der Kult des Gottes Attis war schon zusammen mit dem der Göttin Mater Idaea/ Kybele im Jahre 205 oder 204 v. Chr. aus Pessinus nach Rom gekommen22.


Vergleiche zur griechischen Stadt Ilion in der Troas (dem homerischen Troia?23) und dem Berg Ida auch den Beitrag von Schütz (2026): Mit Kybele von Pessinus nach Rom - eine topographische Übersichtskarte (hier Abb. 3).

Zu den heiligen Kiefern der Göttin Kybele auf dem Berg Ida werden wir unten, im Update, in Punkt 9.) und Punkt 10.)24, einige Details hören:

Der (angebliche) Vorfahr des Octavian/Augustus, Aeneas, hatte sich ja nach dem Brand Troias in dieses Heiligtum der Kybele geflüchtet, und die Göttin hatte sich nicht nur als Schutzpatronin des Aeneas erwiesen, sondern hatte es ihm auch ermöglicht, eine Flotte aus den ihr heiligen Kiefern vom Berg Ida zu bauen, wie wir von Vergil (Aeneis 3,5-6.10-14; 9,77-106) erfahren.


T.P. Wiseman25 hat die Bedeutung dieser von Vergil mitgeteilten Nachrichten über Aeneas, Troia und die Göttin Kybele vom Berg Ida für das Selbstverständnis des Augustus aufgezeigt, das seinen Bauvorhaben auf dem Palatin ablesbar sei:

"On every side, Augustus surrounded himself with symbols - of victory, and of the foundation of Rome. [Mit Anm. 48].

The Great Mother had been a part of this topographical complex since 204 B.C. ... As the bringer of victory, against Hannibal and in later wars, she had every right to be there. [Mit Anm. 50] ... Augustus could not ignore her: somehow ... she had to be assimilated into the complex of associations he had built around his Palatine house. [Mit Anm. 52] ...

The details of her Augustan rehabilitation are what we see in Virgil. The Phrygian goddess has become the Trojan goddess, [mit Anm. 54] ... providing the fleet; the woods of Ida are ... the means of safety for the destined ancestor of Rome. The bringer of victory brings it also for Aeneas ... he too prays to the Great Mother before going into action. [Mit Anm. 55] ...

Virgil gives us, in just that order [in seiner Beschreibung des Palatins] Romulus the founder (776-80), imperium and the citadel walls (781-3), [S. 128] the Great Mother and her brood (784-7), Rome and the Iulii (788-90), and finally the new founder, Augustus Caesar (791-5). [Mit Anm. 57]".


Hinzu kommt, wie wir oben in Abschnitt II. gehört haben, dass auch die Göttin Kybele in Pessinus, deren Kultbild im Jahre 205 oder 204 v. Chr. nach Rom gebracht wurde, in den Sibyllinischen Büchern als Mater Idaea bezeichnet worden ist; vergleiche Livius (29.10, 4-6):

Das war von eminenter Bedeutung für die Römer, weil die Mater Idaea ja die Schutzpatronin ihrer troianischen Ahnen war; siehe den Text Mater Magna (mit Anm. 4, 14, 43)26.


Pensabene erklärt überzeugend, dass nur auf Grund dieses Faktums

der Tempel der Mater Magna auf dem Palatin errichtet werden konnte27:

"Il tempio di Cibele fu costruito sul Palatino, il luogo più sacro di Roma, normalmente precluso ai culti stranieri. Questa eccezione dimostrava che la Magna Mater era considerata una dea indigena e protettrice della città".


Kehren wir nun zu den Gartenmalereien im `Auditorium´ (hier Abb. 5) zurück.


Mein Dank gilt Eric M. Moormann, mit dem ich, in einer Emailkorrespondenz seit dem 23. März 2026, die Malereien im `Auditorium des Maecenas´ diskutieren konnte. Am 9. April 2026, hat mir Eric, auf meine Bitte hin, seinen Kommentar geschrieben, der diese Gartenmalereien, zu meiner grossen Überraschung, dem Maecenas zuschreibt28.

Im Unterschied zu dieser (wie ich zunächst dachte) zweiten, tiberischen Ausstattung des `Auditoriums´ mit Malerei, zeichnet sich die Architektur des `Auditoriums´ selbst, wie Maecenas sie in Auftrag gegeben hatte, dadurch aus, in jeder Beziehung einmalig zu sein29.

Auf Grund dieses Vergleichs mit seinen Gartenmalereien im `Auditorium des Maecenas´ (die nun aber offenbar gar nicht tiberisch sind, wie wir jetzt von Eric M. Moormann gelernt haben) würde ich deshalb Tiberius diesen aufwendigen Marmorfries in Berlin (Abb. 1) `eher nicht´ zuschreiben wollen.

Und wenn das richtig ist, stellt sich die Frage, wer denn statt dessen in augusteischer Zeit auf dem Esquilin `diese luxuriösere´ Form der Ausstattung eines Raumes (wie Abb. 1):

- das heisst, einen grossen, farbig gefassten Marmorfries -

in Auftrag gegeben haben könnte.

Beim Stichwort `Luxus´ fällt mir von allen Grundstückseigentümern auf dem Esquilin in augusteischer Zeit nur Maecenas selbst ein - und zwar wegen der kostbaren Ausstattung des Raumes, die er meiner Meinung nach für seine Laokoongruppe in Auftrag gegeben hatte, die sich heute in den Vatikanischen Museen befindet. Ich halte es (theoretisch) für möglich, dass Maecenas das Berliner Relief (Abb. 1) für diesen Raum in Auftrag gegeben hatte. Um diese Behauptungen zu begründen, fasse ich im Folgenden meine diesbezüglichen Forschungen zusammen.


Der Fundort der Laokoongruppe


Vergleiche für das Folgende unsere Karte (Abb. 4). Maecenas hatte ja im `privaten´ Bereich seiner Horti auf dem Esquilin auch jene augusteische Domus errichtet, die 1885/ 1886, beim Bau der Verlängerung der Via Buonarroti über die Via Merulana hinaus nach Westen (der heutigen Via Angelo Poliziano), ausgegraben worden ist; diese Domus hat in meinem Katalog der antiken Strukturen in den Horti des Maecenas die Nummer 55a-d.

In dieser Domus 55a-d sind 1885/ 1886 sogenannte `Statuenmauern´ mit zahlreichen Fragmenten von antiken Marmorskulpturen entdeckt worden; es ist aber unbekannt, wo sich heute ein großer Teil dieser Fragmente befindet. Wie wir oben, in Abschnitt I., gesehen haben, ist das Relief im Pergamonmuseum in Berlin (hier Abb. 1) im Jahre "1891" von diesem Museum erworben worden; es stammte `aus einer Statuenmauer auf dem Esquilin´.

Am Standort der augusteischen Domus 55a-d hatte sich ehemals die Vigna des Felice de Fredis befunden; vergleiche unsere Karte (Abb. 4). Meiner Meinung nach hatte Felice de Fredis (zufällig) in dieser Domus 55a-d -

am Samstag, dem 10. Januar30 (nicht erst am Mittwoch, dem 14. Januar) 1506 -

wie zuvor angenommen worden war, die Laokoongruppe in den Vatikanischen Museen entdeckt.

Am 14. JANUAR 1506 kam dann Giuliano da Sangallo, im Auftrag von Papst Julius II., zusammen mit seinem Söhnchen Francesco und Michelangelo Buonarroti, in die Vigna des Felice de Fredis, stieg in die "buca" (den Bodenaushub) hinab, wo sich der Laokoon befand, und identifizierte diese Statue (zutreffend) als die Laokoonstatue, die Plinius beschrieben habe (vergleiche dazu FORTVNA PAPERS, vol. IV, Kapitel III.1.31).

Grundlage meiner neuen Erkenntnisse über die Domus 55a-d in den Horti des Maecenas waren meine früheren Forschungen zum Fundort der Laokoongruppe. Diese waren durch eine Bemerkung von Emilio Rodríguez Almeida (1930-2016) angeregt worden:


In seinem Vortrag bei der Konferenz L'URBS im Mai 1985 In Rom hatte Emilio Rodríguez Almeida nämlich meines Wissens als erster gesagt, dass die Laokoongruppe offenbar aus den Horti des Maecenas stamme (!); siehe dazu unten.

Ich (Häuber 2006) habe dann als erste nachgewiesen dass die Laokoongruppe tatsächlich in den Horti des Maecenas gefunden wurde; ausserdem habe ich vorgeschlagen, dass sie von Maecenas oder von Octavian/Augustus zwischen 38 und 30 v. Chr. für die Horti des Maecenas in Auftrag gegeben worden sei.

Voraussetzung für diese Ergebnisse waren Forschungen, die ich zusammen mit Franz Xaver Schütz (2004) durchgeführt habe32.


Basierend auf meinem Aufsatz (Häuber 2006), haben dann VOLPE, PARISI (200933), mit Hilfe von Archivstudien, die Lage der ehemaligen Vigna des Felice de Fredis bestimmen können34 (siehe dazu unten): Die Vigna des Felice de Fredis befand sich in den Horti des Maecenas innerhalb des Toponyms Sette Sale, das Franz Xaver Schütz und ich auf unseren Karten von 2004 und 200635 rekonstruiert hatten.

In meinem Buch FORTVNA PAPERS, vol. IV (in Druckvorbereitung) habe ich detailliert im Kapitel III.1.36 diesen Teil der Forschungsgeschichte zum Laokoon dokumentiert. Vergleiche in diesem Kapitel III.1., zu Anm. 126: Wie Rita Volpe Franz Xaver Schütz und mir am 9. März 2010 erzählte, war sie von Eugenio La Rocca, aus Anlass meines Aufsatzes von 2006, beauftragt worden, anhand von Archivalien herauszufinden, wo genau `bei den Sette Sale´ sich die Vigna des Felice de Fredis befunden hatte.

Auch in FORTVNA PAPERS, vol. IV, Kapitel III.4.1.37, sind,

- sehr kurz -,

viele diesbezügliche Erkenntnisse zusammengefasst :

in Punkt 1.) wird der Brief des Giovanni Sabadino degli Arienti vom 31. Januar 1506 zitiert, in dem die kostbare Ausstattung des Raumes erwähnt wird, in dem am 10. Januar 1506 die Laokoongruppe angetroffen worden war;

in Punkt 3.) widerlege ich die Behauptung von VOLPE, PARISI (200938), dass die Laokoongruppe in der Vigna des Felice de Fredis im Gebäude 54 I. meines Kataloges der antiken Strukturen in den Horti des Maecenas, im Kloster (jetzt: Istituto) der Suore di S. Giuseppe di Cluny, gefunden worden sei. VOLPE (2020) hat diese Behauptung jetzt wiederholt;

in Punkt 4.) ist von weiteren Forschungsmeinungen -

zum Fundort der Laokoongruppe in chronologischer Reihenfolge -

die Rede: Beginnend mit Rodríguez Almeidas Feststellung (1985), dass sie offenbar aus den Horti des Maecenas stammte; auch zu LA ROCCA 1998 und 2025, der ebenfalls dieser Ansicht ist. Vergleiche ausführlich zu diesem Thema: FORTVNA PAPERS, vol. IV, Kapitel IV.2.3., Teil I.; unter anderem zu LA ROCCA 1998, 2019 und 2025;

in Punkt 7.) und Punkt 8.) wird der Raum in der Domus 55a-d in den Horti des Maecenas diskutiert, in dem meiner Meinung nach die Laokoongruppe entdeckt wurde, sowie seine kostbare Ausstattung;

in Punkt 8.) begründe ich meinen Vorschlag, dass Maecenas in diesem Raum mit der Laokoongruppe einen privaten Kult für seinen Freund Octavian/Augustus eingerichtet hatte:

"Es ist ... gut möglich, dass sich Maecenas ... für diesen extrem kostbar ausgestatteten Kultraum in der Domus 55a-d die Grotte auf dem berühmten Palastschiff Thalamegos von König Ptolemaios IV. Philopator zum Vorbild genommen hatte, wo Marmorstatuen des Königs und seiner Familie `im Kreis ihrer mythischen Vorfahren´ vor einer offenbar ganz ähnlich [`mit Gold und Edelsteinen´] dekorierten Wand [wie im Raum der Laokoongrupppe] aufgestellt waren39.

Ich stelle mir vor, dass Maecenas für diesen seinen Kultraum für Octavian/Augustus die Laokoongruppe und Portraits der Familie seines Freundes Octavian/Augustus in Auftrag gegeben hatte.

Ich bin auf diese Idee gekommen, weil Laokoon ein `mythischer Vorfahr´ des Octavian/Augustus war (siehe dazu unten [in Kapitel III.4.1.], zu Punkt 11.), und weil meiner Meinung nach aus der Domus 55a-d ein überlebensgrosses Marmorportrait der Livia in Budapest, Museum der Bildenden Künste (Inv. 4134) stammt, das zu einer Statue gehört hat"40.

Vergleiche zu diesen Themen ausführlich: FORTVNA PAPERS, vol. IV, Kapitel IV.2.4. und IV.2.4.1.41.

Ausser mit diesem Liviaportrait in Budapest habe ich mich auch mit allen übrigen Skulpturen beschäftigt, die, wie der Laokoon, aus der augusteischen Domus 55a-d stammen, vergleiche FORTVNA PAPERS, vol. IV, Kapitel IV.2.6., Punkt 1.)-13.). Für eine Zusammenfassung von Kapitel IV.2.6., siehe die Preview Häuber 2025e.

In dieser Preview, in den Abschnitten II. und III., im Text zu den Anm. 20, 21 (und Anm. 45), 23, 24, 25 (und Anm. 54) -

ist von der Ausgrabung der augusteischen Domus 55a-d in den Horti des Maecenas und den dort in `Statuenmauern´ gefundenen antiken Skulpturen die Rede; zum Beispiel von dem oben erwähnten Portrait der Livia in Budapest.

In dieser Preview, im Abschnitt III. (im Text zu Anm. 64), habe ich ausserdem zum ersten Mal vorgeschlagen, dass Maecenas in seinen Horti, in der augusteischen Domus 55a-d, in diesem Raum mit der Laokoongruppe, einen privaten Kult für seinen Freund Octavian/ Augustus eingerichtet hatte.

In FORTVNA PAPERS, vol. IV, im Kapitel III.4. erörtere ich

- ausführlich -

meine Idee, dass Felice de Fredis in seiner Vigna die Laokoongruppe nicht im Gebäude 54 I. meines Kataloges der antiken Strukturen in den Horti des Maecenas gefunden hatte, wie von VOLPE, PARISI (200942), sowie von VOLPE (2020) behauptet. Und im Kapitel III.5. erkläre ich, warum meiner Meinung nach die Laokoongruppe statt dessen in der augusteischen Domus 55a-d entdeckt wurde, die sich ebenfalls in der ehemaligen Vigna des Felice de Fredis befand43.

Meine Idee, dass Maecenas in dieser Domus 55a-d, in dem Raum, in dem meiner Meinung nach die Laokoongruppe zu Tage kam, einen privaten Kult für seinen Freund Octavian/Augustus eingerichtet hatte, diskutiere ich ausserdem detailliert in FORTVNA PAPERS, vol. IV, im Kapitel IV.2.3., in Teil I. und III.; vergleiche jetzt die Preview HÄUBER 2026d.


Was hat das nun alles mit dem Berliner Relief (hier Abb. 1) zu tun ?


Wir wissen44,

dass Maecenas Galliamben verfasste,

was sein Interesse am Kybelekult beweist.


Wie erwähnt, werden wir im Update, in Punkt 10.)45 erfahren, warum Octavian/ Augustus´ eine `existentielle´ Beziehung zur Göttin Kybele hatte :

Weil sein Ahnherr Aeneas, nach dem Brand Troias, in das Heiligtum der Göttin Kybele auf dem Berg Ida flüchtete; ausserdem hatte die Göttin dem Aeneas die ihr heiligen Kiefern vom Berg Ida für den Bau seiner Flotte zur Verfügung gestellt.


Die Römer betrachteten deshalb die Göttin Mater Idaea als ihrer aller Schutzpatronin46.

Oder anders gesagt: Nur wegen dieser Initiativen der Göttin Kybele vom Berg Ida für ihren Schützling Aeneas hatte letztendlich die Stadt Rom gegründet werden können.


Ich gehe davon aus, dass Felice de Fredis die Laokoongruppe am 10. Januar 1506 in seiner Vigna, in der augusteischen Domus 55a-d, in den Horti des Maecenas, gefunden hat. Des Weiteren habe ich oben darauf hingewiesen, dass in dieser Domus 55a-d im Jahre 1885/ 1886 sogenannte `Statuenmauern´ mit zahlreichen Fragmenten von antiken Marmorskulpturen entdeckt wurden; es ist aber unbekannt, wo sich heute ein großer Teil dieser Fragmente befindet.

Wie wir in Abschnitt I. gesehen haben, ist das Relief im Pergamonmuseum (hier Abb. 1) im Jahre "1891" von diesem Museum erworben worden, und stammte `aus einer Statuenmauer auf dem Esquilin´.


Fazit


Aus den hier genannten Gründen halte ich es (theoretisch) für möglich, dass Maecenas das Berliner Relief (hier Abb. 1) für die augusteische Domus 55a-d in seinen Horti (vergleiche Abb. 4) in Auftrag gegeben hatte, vielleicht sogar für den Raum mit seinem privaten Kult für seinen Freund Octavian/Augustus, in dem, meiner Meinung nach, die von Maecenas oder von Octavian/Augustus (38-30 v. Chr.) in Auftrag gegebene Laokoongruppe entdeckt worden ist.


Endnoten:

1 Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassung meiner Publikationen Häuber 2026a-c, einige der aus diesen Publikationen kopierten Textpassagen wurden hier verändert. Der folgende Text zu Abschnitt I. stammt aus Häuber 2026a, der überarbeiteten und erweiterten Fassung meines Aufsatzes Häuber 1998, mit Anm. 2.

2 Der folgende Text stammt aus Häuber 2026b, Mater Magna, mit Anm. 1-5, 7.

3 Der folgende Text stammt aus Häuber 2026c, Update, Punkt 10.). Neue Forschungen zu Pessinus.

4 Häuber 1998, S. 684-685, mit Anm. 54.

5 Hafner 1990, S. 67, 69.

6 Häuber 1998, S. 681, Anm. 27.

7 Schütz 2026.

8 Schütz 2026.

9 vergleiche Häuber 2026c, Bildunterschrift der Karte von Pessinus, hier Abb. 2.a.

10 wie in Häuber 1998, S. 685, mit Anm. 52, behauptet.

11 Häuber 1998, S. 681, Anm. 27.

12 Schreiber 1894, Taf. 90; Häuber 1998, S. 677, Anm. 2.

13 Der folgende Text stammt aus Häuber 2026c, Update, Punkt 8.). Hat Tiberius das Relief in Berlin (hier Abb. 1) in Auftrag gegeben? - Nein, inzwischen glaube ich, dass es Maecenas war (!).

14 Häuber 2026a und Häuber 2026b.

15 Häuber 2026c.

16 Häuber 1998, S. 685, in Anm. 52, und in Mater Magna, Häuber 2026b, Anm. 35, 36.

17 vergleiche zum Update, Häuber 2026c, Punkt 7.) und Punkt 10.).

18 De Vos 1983, S. 231-247, Figs. 1-10, Farbtafeln VI-XIII, sowie das Titelbild; Ead.: Horti Maecenatis. Auditorium, in LTUR III, 1996, S. 74-75, Fig. 44.

19 Jashemski 1993, S. 383-385, Kat. Nr. 128. Rome. Auditorium of Maecenas, Figs. 460-464.

20 Jashemski 1993, S. 383-384; Aichele et al. 1981, S. 244-247, Kapitel: "Nadelhölzer", zu Kiefern.

21 Le Bonniec 1965, Sp. 1812; Leeming 1998, S. 157-158; Häuber 2026c, zu Punkt 10.).

22 Bremmer 2020, S. 23-24; vergleiche im Update, Häuber 2026c, zu Punkt 10.).

23 siehe dazu im Update, Häuber 2026c, in Punkt 10.).

24 Häuber 2026c.

25 Wiseman 1984, S. 127-128, Karte auf S. 124; vergleiche Ghisellini 2025. In Wiseman 2019 identifiziert Wiseman das `Haus des Augustus´ auf dem Palatin nicht mehr mit der Domus, wo der Princeps gelebt hat. Vergleiche für diesen ganzen Themenkomplex: Häuber, in FORTVNA PAPERS, vol. III-2, Appendix VI, in Druckvorbereitung.

26 Häuber 2026b; sowie PENSABENE 2025, S. 151-152; und ALVAR EZQUERRA, GASPARINI 2025, S. 68. Ich danke H.R. Goette für den Hinweis auf diese Publikation. Siehe unten, den Text zu Anm. 46.

27 PENSABENE 2025, S. 152.

28 diesen Text von Eric M. Moormann habe ich in Häuber 2026c, dem Update, in Punkt 8.), publiziert. Siehe für Moormanns frühaugusteische Datierung der Gartenmalereien im `Auditorium´, Vergleiche aus der Villa della Farnesina in Rom, auch Häuber 2017, S. 215, 357, Anm. 157.

29 Häuber 2014, S. 323-324, mit Anm. 323-333.

30 SPINOLA 2024, S. 407-410.

31 Häuber 2025a.

32 Häuber, SCHÜTZ 2004, S. 114-136; siehe S. 120-133 mit Abb. II.25; II.26, zu unserer Rekonstruktion des Toponyms Sette Sale; sowie Häuber 2006, S. 45, mit Anm. 23-28, vergleiche S. 42-45, mit Fig. 2, zu unserer verbesserten Rekonstruktion des Toponyms Sette Sale. Diese ist abgebildet in FORTVNA PAPERS, vol. IV, Kapitel III.4.1., Häuber 2025c, unter Punkt 4.).

33 hier VOLPE, PARISI 2010a und 2010b.

34 Häuber 2014, S. 624, Anm. 139, 140.

35 siehe oben, Anm. 32.

36 Häuber 2025a.

37 Häuber 2025c.

38 siehe hier VOLPE, PARISI 2010b; vergleiche VOLPE, PARISI 2010a.

39 Häuber 2014, S. 618; sowie FORTVNA PAPERS, vol. IV, Kapitel IV.2.4.1.; Häuber 2025d.

40 GOETTE, NAGY 2024, S. 147, Kat. 73.

41 Häuber 2025d.

42 hier VOLPE, PARISI 2010a und 2010b.

43 siehe für beide Kapitel: Häuber 2025b.

44 Häuber 1998, S. 685, Anm. 52.

45 Häuber 2026c.

46 siehe oben, Text zu Anm. 25 und Anm. 26; vergleiche hierzu auch Mater Magna (Anm. 4, 14, 20); Häuber 2026b.



VERWENDETE ABKÜRZUNGEN

HÄUBER 2026a
C.
HÄUBER, überarbeitete und erweiterte Fassung von HÄUBER 1998;
online at: <https://FORTVNA-research.org/texte/Pessinus_Kybele.html>.

HÄUBER 2026b
C. HÄUBER, Manuskript Mater Magna (Quellen zum Relief Sk 955 im Pergamonmuseum), vom 17. September 1998;
online at: <https://FORTVNA-research.org/texte/Mater_Magna_Kybele.html>.

HÄUBER 2026c
C. HÄUBER, Manuskript Update der beiden Texte HÄUBER 2026a und HÄUBER 2026b, vom 5.7.2026;
online at: <https://FORTVNA-research.org/texte/Pessinus_Rom_Kybele.html>.

HÄUBER 2026d
C. HÄUBER, FORTVNA PAPERS, vol. IV, Kapitel IV.2.3., Teil I.-III.;
online at: <https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP4/Laokoon_IV-2-3.html>.

SCHÜTZ 2026 Mit Kybele von Pessinus nach Rom - eine topographische Übersichtskarte;
online at: <https://FORTVNA-research.org/texte/Karte_Pessinus_Rom_Kybele.html>.

LAW Lexikon der Alten Welt (Zürich und Stuttgart 1965).


Die Texte HÄUBER 1998, 2026a-2026d und SCHÜTZ 2026 erscheinen in F.X. SCHÜTZ, C. HÄUBER (Hrsg.), FORTVNA PAPERS, vol. I, München 2026.


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HÄUBER 2021/2023 - C. HÄUBER, The Cancelleria Reliefs and Domitian's Obelisk in Rome in context of the legitimation of Domitian's reign. With studies on Domitian's building projects in Rome, his statue of Iuppiter Optimus Maximus Capitolinus, the colossal portrait of Hadrian (now Constantine the Great), and Hadrian's portrait from Hierapydna. In Honour of Rose Mary Sheldon, F.X. SCHÜTZ, C. HÄUBER (Hrsg.), FORTVNA PAPERS, vol. III-1 (München: Hochschule München, 2021/2023); C. HÄUBER, FORTVNA PAPERS, vol. III-2 (München: Hochschule München, in Druckvorbereitung). Beide Bände online at: <https:// FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP3.html>.

HÄUBER, in Druckvorbereitung - C. HÄUBER, Die Laokoongruppe im Vatikan - drei Männer und zwei Schlangen: `Ich weiß gar nicht, warum die sich so aufregen´ (Wolfgang Böhme) - die Bestätigung von F. Magis Restaurierung der Gruppe und der Behauptungen, sie sei für die Horti des Maecenas, später Domus Titi, geschaffen, und dort entdeckt worden, F.X. SCHÜTZ, C. HÄUBER (Hrsg.), FORTVNA PAPERS, vol. IV (München: Hochschule München, in Druckvorbereitung). Online at: <https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP4.html>.

HÄUBER 2025a - C. HÄUBER, FORTVNA PAPERS, vol. IV, Kapitel III.1. Online at: <https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP4/Laokoon_III-1.html>.

HÄUBER 2025b - C. HÄUBER, FORTVNA PAPERS, vol. IV, Kapitel III.4. und III.5. Online at: <https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP4/Laokoon_III-4_III-5.html>.

HÄUBER 2025c - C. Häuber, FORTVNA PAPERS, vol. IV, Kapitel III.4.1. Online at: <https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP4/Laokoon_Datierung_Fundort_Maecenas.html>.

HÄUBER 2025d - C. Häuber, FORTVNA PAPERS, vol. IV, Kapitel IV.2.4. und IV.2.4.1. Online at: <https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP4/Laokoon_IV-2-4.html>.

HÄUBER 2025e - C. Häuber, FORTVNA PAPERS, vol. IV, eine Zusammenfassung von Kapitel IV.2.6. Online at: <https://FORTVNA-research.org/FORTVNA/FP4/Horti_Maecenas_Livia_Field-Brancaccio.html>.

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Kulttransfer Kybele Pessinus Rom - Pergamonmuseum Berlin - Esquilin - Horti des Maecenas


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Chrystina Häuber 2026c
, Update meiner beiden folgenden Texte vom 5. Juli 2026: Häuber 2026a, der überarbeiteten und erweiterten Fassung von Häuber 1998: "Der Aufbruch der Göttin Kybele in Pessinus? Zu einem römischen Marmorrelief im Pergamonmuseum Berlin", und von Häuber 2026b: "Mater Magna (Quellen zum Relief Sk 955 im Pergamonmuseum", Manuskript vom 17. September 1998.

Online unter: <https://FORTVNA-research.org/texte/Pessinus_Rom_Kybele.html>.

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