Mit Kybele von Pessinus nach Rom - eine topographische Übersichtskarte

Franz Xaver Schütz




Wo liegt das antike Pessinus? Wie weit ist es von Pessinus nach Rom und wie kamen die Römer mit dem Schiff von Rom nach Pessinus und zurück? Wo befindet sich der Berg Ida? War das von Pessinus nach Rom gebrachte Götterbild ein Meteorit?


Diese und weitere Fragen, die in gemeinsamen Diskussionen mit Chrystina Häuber im Rahmen Ihrer Arbeiten mit dem Titel "Der Kulttransfer der Göttin Mater Deum Magna Idaea/ Kybele aus Pessinus nach Rom (205/204 v. Chr.). Neue Forschungen. Zum augusteischen Marmorrelief im Pergamonmuseum Berlin (Inv. Sk 955) vom Esquilin in Rom, aus den Horti des Maecenas ? Mit einem Beitrag von Franz Xaver Schütz" (siehe online unter: https://fortvna-research.org/texte/Pessinus_Rom_Kybele_Kasten.html ) aufgekommen sind, waren der Ausgangspunkt für diesen Beitrag.


Um sich die Lage von Pessinus, dem Idagebirge und verschiedenen anderen Orten, Landmarken und Flüssen zu verdeutlichen eignet sich meiner Meinung nach eine topographische Übersichtskarte sehr gut, zudem räumliche Visualisierungen (Geovisualisierungen) in zwei und drei Dimensionen (2D/3D). Derartige Karten und Geovisualisierungen werden heute meist mit Hilfe von geographischen Informationssystemen (GIS) hergestellt. Auch Streckenmessungen lassen sich damit vergleichsweise einfach durchführen, falls entsprechende georeferenzierte, also mit realen Koordinaten versehene Karten, beziehungsweise Geodaten vorliegen.


So entstand meine Idee eine digitale, georeferenzierte Übersichtskarte nebst 2-3D-Geovisualisierungen zu erstellen und darin Entfernungen zu messen. Das Ergebnis ist in den folgenden Ausführungen dokumentiert.


Chrystina Häuber sei für viele wertvolle und kritische Hinweise gedankt, insbesonders zu den Inhalten der Übersichtskarte und der kartographischen Visualisierungen, ebenso für viele Diskussionen und Korrekturen!



Begrifflichkeiten und Methode


Die Karte (Abb. 1) im Ausgabemaßstab 1 : 5000000 stellt meine im Titel genannte topographische Übersichtskarte dar. Nach HAKE, GRÜNREICH, MENG (2002, S. 415-416) "gilt als topographische Karte in einem sehr weiten und allgemeinen Sinne jede "Karte, in der Situation, Gewässer, Geländeformen, Bodenbewachsung und eine Reihe sonstiger zur allgemeinen Orientierung notwendiger oder ausgezeichneter Erscheinungen den Hauptgegenstand bilden und durch Kartenbeschriftungen eingehend erläutert sind" (Internationale Kartographische Vereinigung 1973). Eine andere und kürzere Definition spricht von " ... Karten aller Maßstäbe, in denen die Landschaft charakteristisch vereinfacht dargestellt ist" (IfAG 1971)." Topographische Übersichtskarten besitzen in der Regel einen Maßstab kleiner als 1:200000, z.B. "Topographische Übersichtskarte 1 : 200000 (TÜK 200)" (HAKE, GRÜNREICH, MENG 2002, S. 440).


Unter kartographischer Visualisierung wird nach HAKE, GRÜNREICH, MENG (2002, S. 33) die Präsentation von Geodaten in Form einer Karte verstanden, die primär auf einem Bildschirm erfolgt, jedoch auch als Papierkarte gedruckt werden kann. Zu deren Erstellung wird in der Regel ein geographisches Informationssystem (GIS) verwendet, in diesem Fall die frei und kostenlos verfügbare Software QGIS 3.16. Zum Einsatz von GIS im Bereich "Geoinformation Technologies for Geocultural Landscapes" vgl. BENDER, EVELPIDOU, KREK, VASSILOPOULOS (Eds.)(2009).


HAKE, GRÜNREICH, MENG schreiben in Ihrem Grundlagenwerk auch, dass der "kartographischen Visualisierung (Präsentation) eine Schlüsselfunktion" zukommt. Sie beziehen dies im "Hinblick auf den Erkenntnis- und Entscheidungsprozess der GIS-Anwender" und zitierten "Spiess (in Mayer 1990)", "dass sinnvoll und interessant gestaltete Karten im Gegensatz zu standardisierten, langweiligen graphischen Darstellungen die Betrachter zum Denken anregen. Dieses ist aber Bedingung für Erkenntnis (Rosak 1986)" (HAKE, GRÜNREICH, MENG 2002, S. 33).


Falls die hier erstellte Übersichtskarte und die kartographischen Visualisierungen diejenigen, die sie betrachten zum Denken anregt, etwa um sich die Reise der Kybele von Pessinus nach Rom oder die Lage von Pessinus, des Sangarius und anderen Orten, Landmarken und Flüssen besser vorstellen zu können, ist meine Motivation erfüllt.


Als Ergebnis dieser Arbeit erfolgen in QGIS verschiedene kartographische Visualisierungen, die sich in den Maßstäben und der Dimension unterscheiden (2D, 3D).


Als Datengrundlage diente ein Datensatz mit bearbeiteten SRTM (Shuttle Radar Topography Mission) Geodaten (vgl. JARVIS, REUTER, NELSON, GUEVARA, 2008). Dieser wurde in QGIS geladen und mit entsprechenden Einstellungen im Farbverlauf von grün (Tiefland) bis rot (Hochgebirge) dargestellt. Die Farben sind entsprechenden Höhenwerten in den bearbeiteten SRTM-Daten zugeordnet. Für die Flüsse wurde ein modifizierter Geodatensatz der "Catchment Characterisation and Modelling (CCM) Database 2.1" der European Commission, Joint Research Centre, Institute for Environment and Sustainability verwendet. Beide Datensätze sind frei verfügbar.


Die Flüsse Skamandros, Sangarios und Gallos wurden auf Grundlage der SRTM Daten vom Autor digitalisiert, in denen die Flusstäler deutlich zu erkennen sind.


Die antiken Ortsnamen wurden vorrangig im Lexikon der Alten Welt (LAW) und im Kleinen Pauly (KlP) recherchiert und mit zusätzlichen Informationen aus antiken Quellen hinterlegt. Falls die Orte aktuell noch existieren, wurden deren Koordinaten in amtlichen Informationssystemen und in Open Street Map (OSM) ermittelt. Falls die Orte heute nicht mehr existieren, wurden die Koordinaten entsprechender archäologischer Relikte und Ausgrabungsbefunde verwendet. Zu den Geodaten siehe die Ausführungen im Detail unten.


Die Geodaten zeigen die aktuelle physische Struktur der aufgenommenen Gebiete in x, y und z Koordinaten. Insbesonders bei den Flüssen müssen wir bedenken, dass sich deren Verläufe innerhalb der entsprechenden Flußtäler, zum Beispiel durch Begradigung und Kanalisierung in den letzten 2000 Jahren teils stark verändert haben. Als Beispiel dafür sei eine antike Brücke über den Fluss Sangarios genannt, die unter Kaiser Justinian I. (527–565) erbaut wurde. Über den Bau der Brücke schreibt der antike Autor "Procopius of Caesarea" in seinem Werk "De Aedificiis" (vgl. GREATREX 2013), weshalb wir darüber recht gut informiert sind. Die Brücke steht heute in verlandetem Gebiet, der Sangarios fliesst ca. drei Kilometer östlich davon.


Auch der Fluss Gallos bei Pessinus führt heute nur mehr nach Regenfällen in bestimmten Jahreszeiten Wasser, vgl. dazu die Ausgräber von Pessinus: "Ballıhisar lies in the valley of the Gallos with its many springs, a small river that runs dry in summer, but that in spring carries large volumes of water to the Sakarya (Sangarios) to the south." (https://www.archaeology.ugent.be/pessinous/location 14.9.2026)


Strassen wurden nicht digitalisiert, da die Quellenlage dazu zu ungenau ist, zum Beispiel zu der Frage, ob Pessinus an der ehemaligen persischen Königsstrasse lag. Bei der Frage, welchen Weg die römische Gesandtschaft von Pessinus nach Rom, womöglich über Pergamon genommen hat, spielt nämlich auch die "Persische Königsstrasse" eine Rolle (vgl. dazu auch den Beitrag von HÄUBER 2026 ). RAMSAY (1890) nimmt an, dass Pessinus auf eben dieser alten "Königsstrasse" lag, vgl. RAMSAY 1890, S. 29-30: "The exact route which this "Royal Road" followed between Pteria and Sardis cannot be determined with certainty, but in all probability it went by Pessinus and the city of unknown name which lies above the Tomb of Midas. Sculptures, similar to those of Pteria, are found at intervals along this route. The style of art is similar, and they are generally accompanied by hieroglyphics of the same type. Whereas the cities on the southern route, the great Græco-Roman highway, bear names which belong to the Greek or the early Imperial period: Caesareia, Archelais, Laodiceia Combusta, Philomelion, Julia, Lysias, Apameia, Laodiceia ad Lycum, Antiocheia, Nysa; the names of the cities on the northern route are of an older stamp : Tavium, Ankyra, Gordion, Pessinus, Orkistos, Akmonia, Satala, Sardeis. Yet some of these cities were, at one time, great religious and commercial centres, and they could not have become so unless they were on an important track of communication; moreover, they were greater in the earlier period, as is shown by their place in legend, while in the Roman period they are either ordinary provincial cities like Pessinus, or mere villages like Gordion. Greek historical legend always localises the old Phrygian kings, not in southern Phrygia on the later route, but in the broad Sangarios valley traversed by this older route." Hier wären weiterführende Forschungen notwendig, wie Chrystina HÄUBER auch in ihrem Beitrag (vgl. link oben) anmerkt.



Topographische Übersichtskarte und kartographische Visualisierungen


Wasser und Land


Wasser- und Landflächen werden mittels der SRTM-Geodaten visualisiert. Die SRTM Geodaten besitzen eine x,y und z-Koordinate. Die z-Koordinate stellt in der Regel die gemessene Landhöhe an einem bestimmten Punkt dar und wird in das Bildpixel übertragen.


Flüsse und Meere


Mit dem oben genannten CCM-Geodatensatz wurden im Folgenden genannte Flüsse visualisiert. Die Konturen der Meeresküsten sind den SRTM-Geodaten entnommen.


Die Flüsse Sangarios, Gallos und Skamandros wurden aus Satellitenbildern, insbesonders SRTM-Daten vom Autor digitalisiert.



Gallos (lateinisch: Gallus)


Im heutigen Anatolien in der Türkei existierten in der Antike mehrere Flüsse mit dem Namen Gallos. Der von antiken Autoren genannte Fluss Gallos, zum Beispiel bei Strabon (XII, 543), der dann auch in vielen Lexika genannt wird, ist jedoch nicht der Fluss gleichen Namens in Pessinus. Auch Plinius nennt einen Fluss Gallos, der ebenfalls nicht der Fluss in Pessinus ist. Das wusste auch TEXIER 1862, der auf den Seiten 90-91 schreibt: " le fleuve Gallus, qui, selon Strabon, prenait sa source dans la Phrygie Hellespontique (Strabon, XII, 543) et allait se jeter dans le Sangarius à trois cents stades de Nicomédie; nous pensons cependant qu’il est différent du fleuve Gallus cité par Pline (1), duquel les Galles, prêtres de Cybèle, avaient pris leur nom; ce dernier fleuve doit couler aux environs de Pessinunte." Auf Seite 473 schreibt er: "Hérodien (Liv. I, ch. 2.) est plus explicite: « Autrefois les Phrygiens, dit-il, célébraient à Pessinunte les orgyes sur le bord du fleuve Gallus, qui coule près de la ville, et duquel tirent leur nom les prêtres de la déesse qui sont eunuques."


Im Kleinen Pauly steht unter "Gallos 1. Nebenfluß des Sangarios (Sakarya). Nach Strab. 12,543 entspringt der G. in Phrygia Epiktetos bei der Stadt Modra und war im Unterlauf teilweise schiffbar. Die weiteren Angaben bei Strab., daß der Gallos in seinem Mündungsgebiet die Grenze Bithyniens gebildet habe und die Entfernung von Nikomedeia dorthin 300 Stad. betrage, führt zu einer Identifizierung des G. mit dem Göksu (früher Gökçe Su), der unterhalb von Osmanelli (früher Lefke) in den Sangarios einmündet" (DÖRNER 1979). Bei dieser Beschreibung des Gallos handelt es sich allerdings nicht um den Fluss Gallos bei Pessinus. Es findet sich dann noch folgender Eintrag im Kleinen Pauly: "2. s. Kybele". Unter dem Eintrag "Kybele" (DKP Band 3, ab Spalte 383) findet sich jedoch keine Erwähnung des Flusses. Die Originalquelle von Strabon ist unten abgedruckt.


Wie TEXIER bereits 1862 geschrieben hat, stellt eine Quelle, dass in Pessinus ein Fluss namens Gallos existierte, HERODIAN dar, siehe dazu unten HERODIAN im Originalwortlaut.



Hellespontos "Meerenge zwischen thrak. ... Küste der Troas, die das Äg. Meer mit der Propontis und dem Pontos Euxeinos verbindet ... und zugleich Europa von Asien scheidet (Plin.nat. 4,49). Sie ist ca. 65 km lang, durchschnittlich 5-6 km breit; die schmalste Stelle etwa 1220 m. Heute Dardanellenstraße oder türk. Ҫanakkale Boğazı genannt." MANSEL (1979).



ISTROS. Die Griechen kannten nach SPOERRI nur den Unterlauf der heutigen Donau. "Der obere und mittlere Lauf wird bereits früh den kelt. Namen Danuvius getragen haben, der erst um die Mitte des 1.Jh.v.Chr. auf den gesamten Fluß übertragen wurde; daneben bestand aber auch der Name I. bis zum E. der Ant. fort ... Am Donaulimes waren 2 Kriegsflottillen stationiert: classis Moesica und Pannonica" (SPOERRI 1979).



MARE ADRIATICUM s.v. "Mare Adriaticum" Der Name wurde nach ANDREAE von der etruskischen Stadt Atria im Podelta abgeleitet und in der römischen Kaiserzeit auf den ganzen adriatischen Meeresarm ausgedehnt (ANDREAE 1965).


PONTOS EUXEINOS. Heute Schwarzes Meer (DANOFF 1979).


Sangarios ... "rund 520 km langer Strom im NW. Kleinasiens, h. Sakarya", der nahe bei Pessinus (laut Strabo 12,543 150 Stadien entfernt beim Dorfe ... - weder Ort und Berg lassen sich eindeutig identifizieren) in der Phrygia Epiktetos entspringt ... er beschreibt in seinem Oberlauf einen nach W. geöffneten Bogen, dessen ö.ster Punkt in Gordion (beim h. Yassihüyük) erreicht ist ... Der in ant. Z. als fischreich geltende S. (Liv. a.O.) besaß als strategische Barriere zeitweise erhebliche Bedeutung" (OLSHAUSEN 1979).



Skamandros "Fluß in der Troas ... entspringt in einem Quellental, fast senkrecht unter den höchsten Gipfeln des -> Idagebirges ... In der Trockenzeit wasserarm, in der Regenzeit anschwellend ... Zwei Quellen, eine warme und eine kalte" (v. GEISAU 1979). In der Ilias des HOMER und bei PLINIUS genannt:


"Und sie erreichten die zwo schönsprudelnden quellen, woher sich

Beide bäch' ergiessen des wirbelvollen Skamandros" (VOSS, IOHANN HEINRICH, HOMERS ILIAS, ZWEITER BAND, XIII-XXIV GESANG, DRITTE VERBESSTERTE AUFLAGE, TÜBINGEN, in der J.G. Cotta'schen Buchhandlung, 1806, ZWEIUNDZWANZIGSTER GESANG, 148).


"XXXIII. Troadis primus locus Hamaxitus, dein Cebrenia

ipsaque Troas Antigonia dicta, nunc Alexandria, colonia Romana; oppidum Nec; Scamander amnis navigabilis et in promunturio quondam Sigeum oppidum" (LOEB, S. 312, PLINY: NATURAL HISTORY, BOOK V. XXXII. 124



Landmarken und Ortsbezeichnungen


Nachfolgende Orte wurden mit Koordinaten aus amtlichen Informationssystemen und Open Street Map (OSM) visualisiert.


Delphi, antik Delphoi, "einheimisch Dalphoi, die phok. Stadt am S.-Abhang des Parnaß mit dem Heiligtum des Apollon ... Im Inneren ... lag das für Besucher unzugängliche Adyton, in dem die Pythia auf dem Dreisfuß weissagte" (MEYER 1979b).


Gordion "... Stadt im n. Kleinasien am r. Ufer des Sangarios, alte Hauptstadt Phrygiens (um 800 v.Chr.), gegenüber dem auf dem l. Ufer gelegenen Polatli ... Die sagenhafte Frühgeschichte G.s nimmt Bezug auf einen Phrygerkönig Gordios, dessen Dynastie im 6. Jh. v.Chr. erlosch ... Durch Alexander d.Gr., der 334 durch diese Stadt zog ... kam sie zu einer gewissen Berühmtheit (gord. Knoten). G. gehörte später der Prov. Galatia an" (TREIDLER 1979).


Quelle bei PLINIUS:

XLII. Simul dicendum videtur et de Galatia, quae superposita agros maiore ex parte Phrygiae tenet caputque quondam cius Gordium (PLINY: NATURAL HISTORY, BOOK V. XLII. 146, LOEB 1961, S. 328,329.


RAMSAY 1890, S. 225: "GORDION. The famous city Gordion is apparently to be identified with Eudoxias. Manlius, after crossing the Sangarios south of Pessinus, marched in one day to Gordion; and Alexander the Great, marching probably by the same road to Ankyra, passed through Gordion. It was an important commercial city of the early period, and the situation at Yürme explains this importance, because it is on the " Royal Road" from Pessinus to Ankyra. The identification seems fairly certain, for there is absolutely no other city within a day's march of the place where Manlius must have crossed the Sangarios."


MORDTMANN 1860, Seite 171 schreibt: "Gordium (Γόρδιον) wird erwähnt von Arrian, Plutarch, Curtius, Justinus, Strabo, Plinius, Livius, Polybius und Xenophon; von den ersten vier bei Gelegenheit des Alexander; die Stelle im Xenophon (welcher bekanntlich noch nichts von Alexander wissen konnte) gibt keinen Aufschluss über die Lage des Ortes; Ptolemaeus hat den Namen gar nicht."


Idagebirge. Unter dem Eintrag "Ida" finden sich im Kleinen Pauly folgende Einträge: "Allg. Baum, Bauholz, Waldgebirge ... bes. 1. Das höchste Gebirge in Mittelkreta ... 2. Bergzüge s.ö. der Troas im kleinasiatischen Mysien (h. Kazdağ). Lage und Begrenzung ... im W. das Vorgebirge Lekton, im N. eine Höhe bei Zeleia, im S. Gargaron, an dessen Fuß der adramytt. Meerbusen mit der Stadt Gargara liegt. Höchste Erhebung der Gargaros mit 1770 m ... auf dem Kybele und Zeus verehrt wurden ... als "quellenreich" bezeichnet ... Die orograph. Bedeutung für die Troas (auf ihr entspringt der bedeutendste Fluß Skamandros) ... Das Waldgebiet liegt im O. und S. Das Holz für den Schiffsbau sehr geeignet (Strab. 13,606. Thuk. 4,52), daher der Besitz für die Pergamener von großer Bedeutung. Im Winter war die I. wegen des Schnees unpassierbar, im Sommer beliebte Weide." (MANSEL 1979b).



Ilion. Im Kleinen Pauly findet sich unter dem Eintrag "Ilion, Ilios s. Troia" in Band 2, 1979, lediglich ein Verweis auf Troia.



Pergamon "vorgriech. "Burg", h. Bergama Stadt in der -> Kaϊkosebene im NW. Kleinasiens etwa 25 km von der Küste." (MEYER 1979).



Pessinus

In Kapitel 53 widmet sich TEXIER 1862 Pessinus "CHAPITRE LIII. PESSINUNTE." (TEXIER 1982, S. 473-476).


TEXIER S. 475: "Pessinunte, dont la topographie est donnée par Strabon, en ces termes:

« Pessinunte est la place de commerce la plus considérable de ce canton; c’est là où est le temple de la mère des dieux, qu’ils ... Agdistis, et pour laquelle ils ont une grande vénération. Les grands prêtres de ce temple étaient anciennement des espèces de souverains , qui jouissaient de revenus considérables attachés à la prêtrise. Aujourd’hui leur autorité est beaucoup diminuée; mais le commerce de Pessinunte subsiste toujours. Le temple et les portiques de marble blanc, dont la construction ... aux rois de Pergame , ornent le bois sacré d’une manière digne de la sainteté du lieu; et les Romains en ont augmenté la célébrité en transportant de Pessinunte à Rome, d’après les oracles de la Sibylle, la statue de la déesse, de même qu’ils avaient fait pour l'Esculape d’Épidaure." TEXIER zitiert dafür in Anmerkung "(I) Strabon, liv. XII, p. 567."


RAMSAY schreibt über Pessinus: "1 and 2. Pessinus and Justinianopolis. — This pair of cities is so closely connected that they must be treated together. Sivri Hissar, the modem capital, has succeeded to the honours of Pessinus, and is in great measure built out of the ruins of the Graeco-Roman city. A church of S. Sophia at Pessinus, and a church of the Holy Angels outside the walls, to which the bishop George went forth, are mentioned in 'Acta S. Theodori,' April 22, p. 52. Two inscriptions of Pessinus, still unpublished, mention fine garments (two fibulatoria, two pairs of δίμιτα), sent as a present to the Emperor Trajan : it was doubtless this kind of cloth that is mentioned as being made in Galatia and as forming an important article of trade, in the Greek geographical tract published by Gothofredus (Geneva, 1628, p. 24), and dated by him A.D. 347-8. The pig was held to be an unclean animal at Pessinus, according to Pausanias, VII., 17, 10. The situation of Pessinus has long been known at Bala Hissar, about 12 miles S.S.E. of Sivri Hissar. Texier publishes a beautiful plan of the ruins of Pessinus ; but his plan is almost a pure invention, and has only the very faintest resemblance to the features of the place. The city sank into decay as Justinianopolis (Sivri Hissar) rose to importance ; but it has always been inhabited" (RAMSAY 1890, S. 223).


BROUGHTON (1938) schreibt über Galatien und Pessinus bezüglich der Wollproduktion auf Seite 820: "Pliny praises Galatian wool ( H .N ., XXIX , 33; cf. Strabo, XII, 6, 1) and mentions its red dyes (IX , 141; XVI, 32; XXII, 8; cf. Tertull., De Pall., 4). From Pessinus comes special mention of infibulatoria, cloaks with clasps, and trimita, stuff woven with two fine and one coarse thread (I. G. R. P ., III, 228; Buckler, R. Ph., XI [1937], 105 ff.)".


SCHOOP (2014) zeigt die Entwicklung der Produktion von Textilien in Anatolien seit dem 4ten Jahrtausend v. Chr. und in der darauf folgenden Zeit auf. Dabei geht er auch auf Wolle von Schafen ein ("woolly sheep", S. 430), ebenso auf die bedeutende soziale und ökonomische Bedeutung der Produktion und des Handels mit Textilien. Da Pessinus nach Strabon (Geograhika, 12.5.3) das größte Handelszentrum ("Emporion") in der Region gewesen ist, kann begründet angenommen werden, dass der Handel mit Textilien dort auch noch zur Zeit von Strabon eine entsprechende Rolle gespielt hat.


Als Beleg für die Bedeutung von Textilproduktion und Handel in Pessinus kann auch folgende Stelle bei RAMSAY herangezogen werden:: "Two inscriptions of Pessinus, still unpublished, mention fine garments (two fibulatoria, two pairs of δίμιτα), sent as a present to the Emperor Trajan: it was doubtless this kind of cloth that is mentioned as being made in Galatia and as forming an important article of trade, in the Greek geographical tract published by Gothofredus (Geneva, 1628, p. 24), and dated by him A.D. 347-8" (RAMSAY 1890, S. 223).


MORDTMANN (1860) berichtet auf den Seiten 189-190: "Während meines Aufenthalts in Pessinus und in dem benachbarten Sivri Hissar bemühte ich mich zu erfahren, ob vielleicht noch Traditionen aus der Vorzeit im Munde der Bevölkerung lebten, namentlich Sagen in Bezug auf den Kultus der Kybele. Aber meine Bemühungen hatten wenig Erfolg. In Bala Hissar, einem Dorfe von 15 Häusern, wusste man gar nichts; aus den Ruinen in und neben ihrem Dorfe schlossen die Bauern, dass hier ehemals eine königliche Residenz gewesen sei; das war alles, was ich aus ihnen herausbringen konnte." Da geht es mir bei Forschungen zur Stadt Rom besser!



Ergebnisse


Topographische Übersichtskarte mit Kybele von Pessinus nach Rom , Digitale Topographie der Stadt Rom , Ilion , Troia , Sangarius , Delphi , Pergamon

Abb. 1: Topographische Übersichtskarte mit Kybele von Pessinus nach Rom (zum Vergrössern bitte auf Karte klicken).


Die topographische Übersichtskarte (Abb. 1) wurde im Maßstab 1:5000000 mit QGIS ausgegeben.




Karte Idagebirge - Skamandros Ilion Troia

Abb. 2: Karte Idagebirge - Skamandros.


Die Karte Idagebirge - Skamandros wurde mit QGIS im Maßstab 1 : 230000 ausgegeben.


Geovisualisierung eines Tempelbaus über dem Fluss Gallos in Pessinus , Digitale Topographie der Stadt Rom

Abb. 3: Geovisualisierung eines Tempelbaus über dem Fluss Gallos in Pessinus.


Die Geovisualisierung einesTempelbaus über dem Fluss Gallos in Pessinus (Abb. 3) wurde mit QGIS im Maßstab 1 : 50000 ausgegeben.


Die Fundamente des Tempels wurden aus einem aktuellen Luftbild digitalisiert. Das Flusstal ist durch die dunkleren Flächen auf der 2D-Visualisierung links unten in Abb. 3 deutlich zu erkennen, die höher liegenden Flächen durch die helleren Signaturen. Die 3D-Darstellung ist überhöht. Anhand der 2D-Visualisierung ist gut vorstellbar, wie sich das Wasser bei Starkregen im Flusstal sammelt, also von den helleren (höheren) Lagen in die dunkleren (niedrigere) Lagen strömt und der Gallos dann entsprechend Wasser führt(e). In den aktuellen Geodaten gibt es im gewählten Ausschnitt einen maximalen Höhenunterschied von 54 Metern. Tiefster (dunkelster) Punkt : 940 Meter, höchster (hellster) Punkt: 994 Meter. Die 3D-Geovisualisierung erfolgte mit der Funktion 3D-Kartenansicht von QGIS.


Die Lage des Flusstales mit seiner Strömungsrichtung und die Lage des Tempels auf dem östlichen Geländeanstieg unterstützen die These von Chrystina Häuber, dass die Boote auf dem von ihr abgebildeten Relief (vergleiche HÄUBER 2026) mit dem Bug voran am östlichen Ufer des Gallos gegen die Strömung angelegt haben und Personen von der Anhöhe zu den Booten heruntersteigen.


Karte 3D Geovisualisierung Lagevergleich der Tempel in Pessinus und Rom Gallos Tiber , Digitale Topographie der Stadt Rom

Abb. 4: Lagevergleich der Tempel in Pessinus und Rom


Der Lagevergleich der Tempel in Pessinus und Rom (Abb. 4) zeigt einige Parallelen. Ausgangsdaten sind in beiden Fällen identisch aufgenommene SRTM-Daten. Die Blickrichtung beider Visualisierungen ist West-West-Nord, sichtbar an der "Kompassnadel" der QGIS 3D-Visualisierung in beiden 3-D-Bildern. Darunter sind die Geländeausschnitte in Richtung Nord visualisiert. In beiden Fällen liegt der Tempel östlich des Flusstales, also östlich des Gallos und östlich des Tibers und annähernd parallel zum Flusstal. Das Flusstal in Höhe des Tempels verläuft in beiden Fällen von Süd-Ost nach Nord-West, im Fall des Tiber zweigt es unmittelbar nach dem Tempel in östliche Richtung ab, vor dieser Abzweigung verläuft es lediglich im Bereich des Aventin und des Palatin von Süd-Ost nach Nord-West. Wegen dieser Parallelen könnte der Standort des Tempels in Rom hypothetisch in Anlehnung an den Standort in Pessinus erfolgt sein und zwar an der "letztmöglichen" Stelle über dem Flusstal des Tibers, der dann innerhalb der Stadt durch eine Schleife seine Laufrichtung verändert. Meine Feststellungen und meine Hypothese basieren allein auf räumlicher Grundlage der Geographie und Geomorphologie.


Neben den in Abb. 1-4 gezeigten Karten und Visualisierung wurden in QGIS verschiedene Messungen durchgeführt. Danach beträgt die Entfernung von Pessinus nach Rom circa 1640 km Luftlinie, auf dem Land- und Seeweg über Pergamon circa 2000 km. Auf dem Land- und Seeweg über den Sangarios via Hellespontos wären es circa 2600 km. Dabei ist fraglich, ob und wann der Sangarios überhaupt schiffbar und eine Durchfahrt des Hellesponts möglich gewesen ist, beispielsweise aus jahreszeitlichen und Strömungsgründen.



War der nach Rom gebrachte Stein ein Meteorit?


Meterorite werden im WAG definiert als "Bruchstücke von Himmelskörpern, die in den Einflußbereich der Erde geraten sind und auf diese herabfallen" (WAG, Band 1 , S. 398). Neuere Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass jedes Jahr circa 17. 000 Meteorite in unterschiedlichsten Größen auf die Erde fallen (vgl. EVATT et al. 2020). Meteoritenschauer können entstehen, wenn Meteoriten vor dem Einschlag explodieren, wie es beispielsweise am 15. Februar 2013 nahe "der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk am Ural" (GAIDA 2023) der Fall war. GAIDA (2023) zitiert den Einschlag auch als "Meteoritenhagel". Er schreibt: "Unzählige zentimetergroße Fragmente fielen danach in einem ausgedehnten elliptischen Streufeld zu Boden" und dass es sich "um einen kleineren Asteroiden von 17 bis 20 Meter Durchmesser handelte ... Die dabei freigesetzte Energie entsprach 500 Kilotonnen TNT. Das entspricht mehr als dem Dreißigfachem der Sprengkraft der Atombombe ... die 1945 auf die japanische Großstadt Hiroshima abgeworfen wurde".


Der antike Autor ARNOBIUS schreibt in seinem Werk adv. gentes 7.49:

"[3.] Si verum locuntur historiae neque ullas inserunt rerum conscriptionibus falsitates, adlatum ex Phrygia nihil quid aliud scribitur missum rege ab Attalo, nisi lapis quidam non magnus, ferri manu hominis sine ulla inpressione qui posset, coloris furvi atque atri, angellis prominentibus inaequalis, et quem omnes hodie ipso illo videmus in signo oris loco positum, indolatum et asperum et simulacro faciem minus expressam simulatione praebentem" (online: https://www.thelatinlibrary.com/arnobius/arnobius7.shtml - 5.10.2026). Er schreibt also von einem nicht sehr großen Stein, der ohne jegliche Gravur geformt wurde, dunkelbraun bis schwarz gefärbt, mit ungleichmäßigen vorspringenden Ecken, stumpf und rau.


Zudem schreibt der antike Autor HERODIAN, dass das Götterbild, also der Stein vom Himmel fiel. Zu den genauen Quellen vgl. HÄUBER 2026, Der Meteorit aus Pessinus, der die Göttin Kybele verkörperte und das Kultbild der Göttin in ihrem Tempel auf dem Palatin in Rom * (online: https://fortvna-research.org/texte/Meteorit_Pessinus_Kybele_Rom.html - 5.10.2026).


Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Meteoriten, Stein- und Eisenmeteoriten. Es handelt sich dabei um extraterrestrisches Material. Es treten dabei "mengenmäßig überwiegend Minerale auf, die wir auch auf der Erde kennen (s. Tab. 4.8). Ein besonderes Kennzeichen aller dieser Minerale ist, dass sie wasserfrei sind" (RÖSLER 1991, S. 232-233). Desweiteren schreibt RÖSLER in seinem Kapitel "Meteorite": "Meteorite sind "vom Himmel gefallene Steine", die deshalb in prähistorischen Gräbern und in Tempeln als heilig aufbewahrt wurden ... Erst 1794 wurde der kosmische Ursprung der Meteorite von dem Physiker CHLANDI erkannt ... Der Zusammensetzung nach unterscheidet man Eisenmeteorite, Steinmeteorite und die zwischen ihnen stehenden Steineisenmeteorite (Pallasite, Mesosiderite). Die Eisenmeteorite, etwa 40% aller gefundenen Meteorite, sind am schwersten; der größte Eisenmeteorit wiegt etwa 70 t (Namibia). Die Steinmeteorite überschreiten selten 50 kg ... Die Eisenmeteorite (Siderite) bestehen fast ganz aus Nickeleisen ... Steinmeteorite bestehen überwiegend aus einem Silikatgemenge ... wie Forsterit, Olivin" (RÖSLER 1991, S. 276). Da ich in Greifswald und Bonn Mineralogie studiert habe und in Greifswald auch eine Vorlesung in Meteoritenkunde besucht habe, konnte ich in verschiedenen Universitätssammlungen Meteorite persönlich in Augenschein nehmen.


HÄUBER 2026 (vgl. https://fortvna-research.org/texte/Meteorit_Pessinus_Kybele_Rom.html#Stein ) schreibt, dass uns Arnobius in adv. gentes 7.49 berichtet, "dass dieser schwarze Stein der Kybele aus Pessinus in der Kultstatue ihres Tempels auf dem Palatin an Stelle des Gesichtes eingepasst worden sei". Das hat Arnobius um 303 n. Chr. geschrieben. Es könnte sich meiner Meinung nach dabei durchaus um einen Meteoriten gehandelt haben. Die Beschreibung des Steins bezüglich der "Winkel/Ecken" würde eher auf einen Eisenmeteoriten hinweisen. Dieser lässt sich auch besser bearbeiten, polieren und einpassen, als ein Steinmeteorit, der aus teils grobkörnigen Silikaten besteht.


Interessant ist auch, dass die Römer das Orakel in Delphi nach einem ungewöhnlichen Meteoritenschauer befragt hatten. WALDHERR (1997, S. 161) nennt diesen bei Livius (29.10, 4-6) erwähnten `Stein-Schauer´. Vgl. dazu ausführlich bei HÄUBER 2026, online: https://fortvna-research.org/texte/10-1_Pessinus_Rom_Kybele.html


Als Ergebnis wurde dann ein Meteorit nach Rom gebracht. Auslöser und Lösung sind also Meteorite - wenn man den Quellen glaubt.



Anhang, Quellen und Literatur


Einstellungen QGIS Projekt


Als Referenzsystem wurde "EPSG:4326 - WGS 84 - Geographisch" in QGIS eingestellt.


Datenquellen


Erdoberfläche

SRTM (Shuttle Radar Topography Mission) Geodaten

Jarvis A., H.I. Reuter, A. Nelson, E. Guevara, 2008, Hole-filled seamless SRTM data V4, International Centre for Tropical Agriculture (CIAT), available from https://srtm.csi.cgiar.org.

Datei: cut_n30e000.tif mit 2.595.961.987 Bytes (ca. 2,5 GB) vom 14.9.2008.


Flüsse

https://www.naturalearthdata.com/downloads/10m-physical-vectors/10m-rivers-lake-centerlines/ (26.5.2023)

"Rivers primarily derive from World Data Bank 2. Double line rivers in WDB2 were digitized to created single line drainages. All rivers received manual smoothing and position adjustments to fit shaded relief generated from SRTM Plus elevation data, which is more recent and (presumably) more accurate."..."Supplemental Data – Europe. Data primarily derives from Catchment Characterisation and Modelling (CCM) Database 2.1 by the European Commission, Joint Research Centre, Institute for Environment and Sustainability. For information about this product and the source data, see http://ccm.jrc.ec.europa.eu. The modified CCM rivers and lakes offered here are intended for small-scale cartographic use. Only a portion of CCM data is used, representing major rivers and lakes (classes 4 and 5 in the MAINDRAIN attributes column). Generalization and smoothing were applied to these selected data—the CCM vectors contain 9 percent of the data points found in the original source data."

Benutzte Version: 5.0.0, Dateiname: ne_10m_rivers_lake_centerlines.shp , 4208092 Bytes vom 7.12.2021.


Die Flüsse Sangarios, Gallos und Skamandros wurden vom Autor digitalisiert und der Bosporus auf Grundlage der SRTM-Daten nachdigitalisiert.


Orte


https://osm.org (online: 8.2026)



Antike Quellen


POLYBIOS (Πολύβιος, ca. 200 v.Chr. - 120 v.Chr.)


Book XXI, 37 (THE HISTORIES OF POLYBIUS. TRANSLATED FROM THE TEXT OF F. HULTSCH BY EVELYN S. SHUCKBURGH, M.A., LATE FELLOW OF EMMANUEL COLLEGE, CAMBRIDGE. IN TWO VOLUMES VOL. I. LONDON. MACMILLAN AND CO. 1889, Book XXI, S. 292-293):

"In the course of his march through the country Cnaeus made a bridge over the River Sangorius [sic!], which was extremely deep and difficult to cross. And having encamped on the bank of the river, he was visited by some Galli2 sent by Attis and Battacus, the priests of the mother of the gods at Pesinus [sic!], wearing figures and images on their breasts, and announcing that the goddess promised him victory and power; to whom Cnaeus gave a courteous reception. . . ."



STRABON (Στράβων, ca. 63 v.Chr. - ca. 23 n.Chr.)


Geographika, Buch "XII, 3,6 sqq.p. 542-3 C." (aus: RADT (2004), Band 3, Buch IX-XIII: Text und Übersetzung, Seite 428-429):

"Zwischen Chalkedon und Herakleia fließen mehrere Flüsse, unter anderen der Psillis, der Kalpas und der Sangarios, den auch der Dichter erwähnt (II. 3,187.16,719;vgl. 14,445). Dieser hat seine Quellen bei dem Dorf Sangia, etwa hundertundfünfzig Stadien von Pessinus, und durchläuft den größten Teil des Hinzuerworbenen Phrygiens und auch einen Teil Bithyniens, so dass er sogar wenig mehr als dreihundert Stadien von Nikomedeia entfernt ist an dem Punkt wo der Gallos in ihn einmündet, der seinen Ursprung in Modra in Phrygien am Hellespont hat (Phrygien am Hellespont ist dasselbe wie das Hinzuerworbene und war früher in Besitz der Bithyner); durch die Zunahme schiffbar geworden (obwohl er in alter Zeit nicht beschifft wurde) bildet er bei seiner Mündung die Grenze Bithyniens.


Buch "XII 5,3-6, 1 p.567-8C." (aus: RADT (2004), Band 3, Buch IX-XIII: Text und Übersetzung, Seite 494-495):

"Pessinus ist der größte der dortigen Handelsplätze. Es besitzt ein Heiligtum der Göttermutter, das große Verehrung genießt; man nennt sie Angdistis. Ihre Priester waren von alters her eine Art Fürsten, da sie die Einkünfte eines großen Priesteramtes bezogen; heute sind ihre Privilegien weitgehend eingeschränkt, aber der Handelsplatz ist geblieben. Der heilige Bezirk ist von den Attalischen Königen eindrucksvoll mit einem Tempel und Säulenhallen aus weißem Marmor ausgestattet worden; berühmt gemacht haben die Römer das Heiligtum dadurch dass sie sich aufgrund der sibyllinischen Orakel von dort eine Zweigstätte der Göttin geholt haben, genauso wie die des epidaurischen Asklepios. Über der Stadt erhebt sich auch ein Berg Dindymon, von dem Dindymene ihren Namen hat, so wie Kybele von Kybela. In der Nähe strömt auch der Fluss Sangarios; an seinen Ufern liegen die alten Wohnsitze der Phryger, des Midas und noch davor des Gordios und manch Anderer, die nicht einmal mehr Spuren von Städten bewahrt haben, sondern nur etwas größere Dörfer sind als die übrigen, wie z.B. Gordion und Gorbeus"



OVID (Publius Ovidius Naso, 43 v. Chr. - ca. 17 n. Chr.)


OVID'S FASTI. WITH AN ENGLISH TRANSLATION BY SIR JAMES GEORGE FRAZER. LONDON, WILLIAM HEINEMANN LTD, CAMBRIDGE, MASSACHUSETTS, HARVARD UNIVERSITY PRESS, MCMLIX [1959] (= THE LOEB CLASSICAL LIBRARY ).


IV, 361-366: "cur igitur Gallos, qui se excidere, vocamus, cum tanto a Phrygia Gallica distet humus?" "inter" ait "viridem Cybelen altasque Celaenas amnis it insana, nomine Gallus, aqua. qui bibit inde, furit: procul hinc discedite, quis est cura bonae mentis: qui bibit inde, furit."


Die Stelle bei OVID bezieht sich also nicht ausdrücklich auf den Fluss "Gallus" in Pessinus, sondern grundsätzlich auf einen Fluss namens "Gallus".



PLINIUS (Secundus Gaius, Maior, auch Plinius der Ältere genannt, ca. 23 n.Chr. - 79 n.Chr.)


Naturalis historiae, XLII, 146

(C. PLINIUS SECUNDUS d.Ä. NATURKUNDE. Lateinisch-deutsch. Buch V. Geographie: Afrika und Asien. Herausgegeben und übersetzt von Gerhard Winkler in Zusammenarbeit mit Roderich König. ARTEMIS & WINKLER (Sammlung Tusculum), München, 1993, Seite 104)


"Simul dicendum videtur et de Galatia, quae superposita agros maiore ex раrtе Phrygiae tenet caputque quondam eius Gordium. qui partem eam insedere Gallorum Tolostobogii et Voturi et Ambitouti vocantur; qui Maeoniae et Paphlagoniae regionem, Trogmi. praetenditur Cappadocia a septentrione et solis ortu, cuius uberrimam partem occupavere Tectosages ac Toutobodiaci. et gentes quidem hae, populi vero ас tetrarchiae omnes numero XCXV. oppida Tectosagum Ancyra, Trogmorum Tavium, Tolostobogiorum Pisinuus. praeter hos celebres Attalenses, Arassenses, Comamenses, Hydenses, Hieronenses, Lystreni, Neapolitani, Oeandenses, Seleucenses, Sebasteni, Timonianenses, Thebaseni. attingit Galatia et Pamphyliae Cabaliam et Milyas, qui circa Barim sunt, et Cyllanicum et Oroandicum Pisidiae tractum, item Lycaoniae partem Obizenen. flumina sunt in ea praeter iam dicta Saggarium et Gallus, a quo nomen traxere Matris Deum sacerdotes."


Erläuterungen:


Seite 273: "Tolostobogier [Tolistobogier]: kelt. Volk am Oberlauf des Sangarios [§ 147] im westl. Galatien mit dem Hauptort Pisinus = Pessinus, h. Sivrihisar; vgl. Polybios XXI 37,2; Livius XXXVIII 15,15. - Voturer und Ambitouter: Teilstämme der Tolostobogier; vgl. Solinus 41,1."


Seite 274: "Sangarion = Sangarios, h. Sakarya Nehri, der Hauptfluß im nordwestl. Kleinasien; vgl. Homer, II. III 187; XVI 719; Hesiod. Theog. 344 u.a.; er galt als besonders fischreich; vgl. Livius XXXVIII 18,8. - Gallos, h. Gök Su bei Yenișehir; er mündet westl. von Osmaneli in den Sakarya Nehri. Nach ihm wurden die verschnittenen Priester der Göttermutter Kybele, die gálloi, benannt; vgl. Martianus Capella VI 687 u. a. Das Wasser des Flusses machte angeblich rasend; vgl. Ovid, Fasti IV 361ff.; Plinius, nat. hist. 31,25 u.a"


In LOEB steht: "flumina sunt in ea praeter iam dicta Sangarium et Gallus, a quo nomen traxere Matris Deum sacerdotes" (PLINY: NATURAL HISTORY, BOOK V. XLII. 147, LOEB S. 330), also Sangarium statt Saggarium.



Herodian (Herodianus, ca. 175 n.Chr. - 250 n.Chr.)


HPΩ∆IANOY IΣTOPIΩN BIBЛIA H. HERODIANI HISTORIARUM LIBRI VIII. cum Notis & animadversionibus, Autore ALTASARE SCHEIDIO, Th.D., TERTIA EDITIO, ARGENTORATI[Strassburg]: Impensis & typis JOSIAE STAEDELII, MDCXCIV [1694].


I, II. "Ipsum igitur simulacrum caelitus (ut ajuni) demissum, neque qua fit materia, nec a quo fabricatum artifice"


I,II : "in hoc, quem diximus, Pesinunte Phryges olim Orgia colebant, ad ipsum fluvium Gallum, a quo etiam evirati dea sacerdotes cognominantur."



Abkürzungen


KlP = Der Kleine Pauly. Lexikon der Antike in 5 Bänden. Deutscher Taschenbuch Verlag. März 1979. München.

km = Kilometer

LAW = Lexikon der Alten Welt. 1965. Artemis Verlag. Zürich und Stuttgart.

SRTM = Shuttle Radar Topography Mission.

WAG = LESER, Hartmut, HAAS Hans-Dieter, MOSIMANN Thomas, PAESLER, Reinhard (1993): 7. Auflage.
              DIERCKE-Wörterbuch der Allgemeinen Geographie. Band 1: A-M. München.



Literatur


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BENDER, O., EVELPIDOU, N., KREK, A., VASSILOPOULOS, A. (Eds.)(2009): Geoinformation Technologies for Geocultural Landscapes: European Perspectives. Boca Raton et al.


BROUGHTON, T.R.S. (1938): ROMAN ASIA MINOR. In: FRANK, Tenney (Ed.), An Economic Survey of Ancient Rome, Volume 4, S. 499-916, Baltimore.


DANOFF, Christo M. (1979), KlP, Bd. 1, sp. 981-982, s.v. "Byzantion".

KlP, Bd. 4, sp. 247, s.v. "Oescus".

KlP, Bd. 4, sp. 1051-1052, s.v. "Pontos Euxeinos".

KlP, Bd. 5, sp. 884-885, s.v. "Tomi".


DÖRNER, F.K. (1979), KlP, Bd. 2, sp. 687, s.v. "Gallos".


EVATT, G., SMEDLEY, A., JOY, K., HUNTER, L., TEY, W. H., ABRAHAMS, L. D., & GERRISH, L. (2020). The spatial flux of Earth's meteorite falls found via Antarctic data. Geology, 48(7), 683-687. https://doi.org/10.1130/G46733.1


GAIDA, Manfred (2023): Vor zehn Jahren: der Meteoritenfall von Tscheljabinsk. Online: https://www.dlr.de/de/blog/archiv/2023/vor-zehn-jahren-der-meteoritenfall-von-tscheljabinsk (5.7.2026).


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GREATREX, Geoffrey (2013): The date of Procopius' Buildings in the light of recent scholarship. In: Estudios bizantinos 1 (2013), S. 13-29. [Estudios bizantinos 1 (2013) 13-29. ISSN: 2014-9999. DOI: 10.1344/EBizantinos2013.1.2]


HÄUBER, Chrystina (2026): Der Kulttransfer der Göttin Mater Deum Magna Idaea/ Kybele aus Pessinus nach Rom (205/204 v. Chr.). Neue Forschungen. Zum augusteischen Marmorrelief im Pergamonmuseum Berlin (Inv. Sk 955) vom Esquilin in Rom, aus den Horti des Maecenas ? Mit einem Beitrag von Franz Xaver Schütz. (insgesamt 7 Beiträge online erreichbar unter: https://fortvna-research.org/texte/Pessinus_Rom_Kybele_Kasten.html (5.10.2026)


HAKE, Günter, GRÜNREICH, Dietmar, MENG, Liqiu (2002): Kartographie: Visualisierung raum-zeitlicher Informationen. 8., vollst. neu bearb. und erw. Aufl. Berlin, New York.


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PLINIUS = PLINY NATURAL HISTORY, with an english translation in ten volumes, Volume II, LIBRI III-VII by H. RACKHAM, M.A. Cambridge, Massachusetts, Harvard University Press, London, William Heinemann Ltd, MCMLXI (= The Loeb Classical Library, First printed 1942 Reprinted 1947, 1961).


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