Chrystina Häuber
Update meiner beiden folgenden Texte vom 5. Juli 2026:
Häuber 2026a, der überarbeiteten und erweiterten Fassung von Häuber 1998: "Der Aufbruch der Göttin Kybele in Pessinus? Zu einem römischen Marmorrelief im Pergamonmuseum Berlin", erschienen in der Festschrift Niemeyer (1998), und von Häuber 2026b: "Mater Magna (Quellen zum Relief Sk 955 im Pergamonmuseum", Manuskript vom 17. September 1998.
INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG
Dieses Update ist in 10 Abschnitte gegliedert, die ich Punkt 1.) bis Punkt 10.) nenne
1.) Der Titel meines gedruckten Beitrags (Häuber 1998) lautet: "Der Aufbruch der Göttin Kybele in Pessinus ? Zu einem römischen Marmorrelief im Pergamonmuseum Berlin" (hier Abb. 1; Taf. 53-55)
2.) meine Datierung dieses römischen Marmorreliefs in Berlin (hier Abb. 1; Taf. 53-55) in augusteische Zeit
3.) ich habe in beiden Texten (Häuber 2026a und Häuber 2026b) unreflektiert aus der archäologischen Fachliteratur den Begriff "Jüngling" übernommen
4.) Ich habe in beiden Texten (Häuber 2026a und Häuber 2026b) irrtümlich behauptet, dass auf dem Esquilin Nachfahren der folgenden drei Personen gelebt haben, die Livius (29.10.4: 205 v. Chr.; 29.11.58 und 29.14.6-9) im Zusammenhang der Kultüberführung der Göttin Kybele von Pessinus nach Rom (205 oder 204 v. Chr.) genannt hat: Marcus Caecilius Metellus, Publius Cornelius Scipio Nasica und Claudia Quinta. Inzwischen habe ich festgestellt, dass von den Nachfahren dieser Personen, die ich vorgeschlagen hatte, nur Tiberius in augusteischer Zeit auf dem Esquilin gelebt hat, und zwar in den Horti des Maecenas
5.) Ich habe in beiden Texten (Häuber 2026a und Häuber 2026b) irrtümlich behauptet, dass das Isium Metellinum von Metellus Pius (cos. 80 v. Chr.) gegründet worden sei. Die Forschungen zum Isium Metellinum hängen eng mit denen zum namengebenden Heiligtum der augusteischen Regio III, Isis et Serapis, zusammen. Ich habe deshalb in diesem Abschnitt Punkt 5.) alle diesbezüglichen Erkenntnisse aus meinem Buch Häuber (2014) zusammengefasst
6.) Die Größe des Heiligtums Isis et Serapis der augusteischen Regio III
7.) Das `Wunder der Claudia Quinta´
8.) Hat Tiberius das Relief in Berlin (hier Abb. 1; Taf. 53-55) in Auftrag gegeben ? - Nein, inzwischen glaube ich, dass es Maecenas war (!)
Ich habe zunächst erwogen, dass Tiberius, der von 2-14 n. Chr. in den Horti des Maecenas lebte, und dem bisher die (angebliche) zweite Phase der Ausstattung mit Wandmalerei des `Auditoriums des Maecenas´ zugeschrieben worden ist, auch das Berliner Relief (hier Abb. 1; Taf. 53-55) für die Horti des Maecenas in Auftrag gegeben haben könnte
Ich habe deshalb die Gartenmalereien dieser (angeblich) zweiten, tiberischen Ausstattung des `Auditoriums´ studiert (siehe dazu aber unten, das Urteil von Eric M. Moormann, der sie jetzt dem Maecenas zuschreibt) und bilde die Zeichnung einer dieser Gartenmalereien in einer der Nischen in der Apsis des `Auditoriums´ ab, die eine Kiefer (pinus sylvestris L.) darstellt; ausserdem nenne ich antike Vergleichsbeispiele zu diesen Gartenmalereien. Ein Problem besteht aber darin, dass das ehemals farbig gefasste Marmorrelief in Berlin (hier Abb. 1; Taf. 53-55) bislang das einzige seiner Art vom Esquilin ist, weshalb ich schliesslich vorgeschlagen habe, dass es von Maecenas selbst für eine andere Architektur in seinen Horti in Auftrag gegeben worden sein könnte (siehe dazu unten)
Eric M. Moormann, mit dem ich die Wandmalereien im `Auditorium des Maecenas´ diskutieren konnte, war so freundlich, mir am 9. April 2026 seinen Kommentar zu schreiben, den ich mit seiner freundlichen Genehmigung hier publizieren darf: Während die Forschung bislang davon ausging, dass die (angebliche) zweite Phase der Ausstattung mit Wandmalerei im `Auditorium´ von Tiberius in Auftrag gegeben worden sei, schreibt Moormann diese Gartenmalereien dem Maecenas zu
Meine Theorie, dass Maecenas das Berliner Relief (hier Abb. 1; Taf. 53-55) in Auftrag gegeben haben könnte, wird möglicherweise durch die Tatsache unterstützt, dass der Göttin Kybele vom Berg Ida bei Troia die Kiefer heilig gewesen ist (die Kiefer war das Symbol des Geliebten und Kultpartners der Kybele, Attis). Die Göttin Kybele vom Berg Ida war die Schutzpatronin des Aeneas (des Ahnherrn des Augustus), der sich nach dem Brand Troias zu ihr geflüchtet hatte, und da sie ihm die ihr heiligen Kiefern vom Berg Ida zum Bau seiner Flotte zur Verfügung gestellt hatte - weshalb Rom hatte gegründet werden können - betrachteten die Römer die Göttin als ihrer aller Schutzpatronin. Auch die Göttin Kybele von Pessinus, deren Kultbild 205 oder 204 v. Chr. nach Rom gebracht worden war, hiess nach dem Zeugnis der Sibyllinischen Bücher mater Idaea
Kaiser Claudius stiftete in Rom zu Ehren des Gottes Attis einen Staatskult und ein neues Fest, die Hilaria, die jährlich vom 15. bis 27. März gefeiert wurden. An jedem 22. März wurde nun von den dendrophori der Heilige Baum des Attis, eine Kiefer, in der Prozession `Arbor intrat´ zum Tempel der Mater Magna auf dem Palatin getragen. Zur Infrastruktur dieses Staatskultes für den Gott Attis gehörte die Errichtung der schola für diese dendrophori, die man mit der Basilica Hilariana auf dem Caelius identifiziert hat. Zum Kult der Mater Magna und des Attis gehörten auch Hymnologen, wie zum Beispiel Tiberius Claudius Glyptus, hymnologus de Campo Caelemontano (CIL VI 9475). Ich diskutiere zu allen diesen Themen die Forschungen von R. Alteri (2025) und C. Pavolini (2016; 2025); Pavolini schlägt vor, dass sich auf dem Campus Caelemontanus eine pineta sacra, ein Heiliger Kiefernhain des Attis, befunden habe, wo an jedem 22. März eines Jahres die dendrophori jene Heilige Kiefer des Attis für ihre Prozession `Arbor intrat´ gefällt hätten
Aus Gründen, die ich im Folgenden detailliert darlegen werde, halte ich es (theoretisch) für möglich, dass Maecenas das Berliner Relief (hier Abb. 1; Taf. 53-55) für die augusteische Domus 55a-d im `privaten´ Teil seiner Horti in Auftrag gegeben hatte, vielleicht sogar für den Raum mit seinem privaten Kult für seinen Freund Octavian/ Augustus, den ich in dieser Domus annehme, und in dem meiner Meinung nach die von Maecenas oder von Octavian/ Augustus (38-30 v. Chr.) in Auftrag gegebene Laokoongruppe im Vatikan entdeckt worden ist
9.) Die antiken Berichte über den Kulttransfer der Göttin Kybele von Pessinus nach Rom, der von einer römischen Gesandtschaft durchgeführt wurde, und der in der Forschung im Jahre 205 oder 204 v. Chr. angenommen wird, gelten vielen dieser Gelehrten (zum Teil) als Legenden, beziehungsweise als Lügen.
Die Forschungen zu diesem Punkt 9.) habe ich zusammen mit Franz Xaver Schütz durchgeführt
Meine eigenen Beobachtungen betreffen :
a) die Reise(n) dieser römischen Gesandtschaft(en);
b) den Typ der fünf Kriegsschiffe, mit denen die römische Gesandtschaft aufgebrochen war, um das Kultbild der Kybele von Pessinus nach Rom zu holen;
c) die Angaben, wer, wann und wo den Römern das Kultbild der Kybele überreicht haben soll
Ad a). Die Reise(n) der römischen Gesandtschaft(en), die 205 oder 204 v. Chr. den Kulttransfer der Kybele von Pessinus nach Rom bewerkstelligt haben.
Vergleiche hierzu den Beitrag von Franz Xaver Schütz: "Mit Kybele von Pessinus nach Rom - eine topographische Übersichtskarte" (2026)
Ad b). Wir erfahren von Livius (29.11.3-5), dass die römische Gesandtschaft, die das Kultbild der Kybele aus Pessinus nach Rom bringen sollte, mit fünf Kriegsschiffen vom Typ quinqueremis ausgestattet worden war. Es gibt aber auch abweichende Informationen
Ad c). Die merkwürdige Tatsache, dass die Berichte über diesen Kulttransfer der Kybele von Pessinus nach Rom darin differieren, wer, wann und wo den Römern das Kultbild der Kybele überreicht haben soll
10.). Neue Forschungen zu Pessinus.
Auch die Forschungen zu diesem Punkt 10.) habe ich zusammen mit Franz Xaver Schütz durchgeführt. Franz hat mich zum Beispiel auf den Aufsatz von A. Verlinde (2015) hingewiesen. Verlinde (2015) hat bezüglich des aus antiken Schriftquellen bekannten archaischen Heiligtums der Kybele in Pessinus eine Reihe von Hypothesen aufgestellt, die im Folgenden diskutiert werden sollen
Ehe ich auf die diesbezüglichen Beobachtungen A. Verlindes (2015) im Folgenden detailliert eingehe, möchte ich aber zunächst einmal meinen eigenen aktuellen Kenntnisstand zu diesem ganzen Themenkomplex zusammenfassen
Der Ankauf der Sibyllinischen Bücher durch den König von Rom, Tarquinius Superbus (der bis 510/509 v. Chr. geherrscht hat), und die Weissagung der Sibyllinischen Bücher im Jahre 205 v. Chr., die zum Kulttransfer der Göttin Kybele aus Pessinus nach Rom führte
Meine Interpretation des Berliner Reliefs (hier Abb. 1; Taf. 53-55) in meiner Publikation Häuber (1998) und neu hinzugewonnene Erkenntnisse Teil 1
Exkurs in diesem Kapitel: "Ein kleiner Römer namens Sven"
Meine Interpretation des Berliner Reliefs (hier Abb. 1; Taf. 53-55) in meiner Publikation Häuber (1998) und neu hinzugewonnene Erkenntnisse Teil 2
Eine Zusammenfassung von Forschungen anderer Gelehrter zum hier diskutierten Themenkomplex
Im Folgenden zitiere ich einige Textpassagen aus dem Aufsatz von Angelo Verlinde ("The Pessinuntine Sanctuary of the Mother of the Gods in light of the excavated Roman temple", 2015), und füge unmittelbar danach meine Kommentare hinzu
Zusammenfassung meiner Diskussion des Aufsatzes von A. Verlinde (2015)
Nachtrag zu Punkt 10.), Unterpunkt: Meine Erörterung des Aufsatzes von A. Verlinde (2015)
BIBLIOGRAPHIE
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